Freitag, 11. April 2014

Noah 3D



Facts:

Genre: Abenteuer, Fantasy
Regie:
Darren Aronofsky
Cast: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Anthony Hopkins, Ray Winstone, Emma Watson
Laufzeit: 138 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany

(c) Paramount Pictures Germany

Inhalt:

Gott ist zornig und kündigt an, mit einer gigantischen Sintflut das Leben auf der Erde auszulöschen. Zugleich beauftragt er Noah (Russell Crowe), eine Arche zu bauen. Auf ihr soll er das Überleben von Menschheit und Tierwelt sichern, indem er von jeder Spezies jeweils ein Männchen und ein Weibchen an Bord bringt. Während Noah mit seiner Frau Naameh (Jennifer Connelly), seinen Söhnen Ham (Logan Lerman), Shem (Douglas Booth) und Japheth (Leo McHugh Carroll) sowie der adoptierten Ila (Emma Watson) an die Arbeit geht, droht Gefahr durch andere Menschen, die sich ihren eigenen Platz auf dem rettenden Schiff sichern wollen. Die Angreifer werden von Tubal Cain (Ray Winstone) angeführt - und der ist bereit, für sein Ziel zu töten. Unter wachsendem Druck setzen Noah und die Seinen alles daran, den göttlichen Auftrag zu Ende zu bringen.

Bewertung:

Wenn man genau hinschaut und nachliest, dann haben Darren Aronofsky und sein Co-Autor Ari Handel („The Fountain“) die Bibel in vielen Punkten erstaunlich wörtlich genommen: So sind zum Beispiel die Wächter genannten Steinwesen nichts anderes als die Film-Version der riesenhaften Nephilim, die laut dem 1. Buch Mose in alter Zeit das Land Kanaan bevölkerten. Bei seiner gründlichen Lektüre haben sich für den Filmemacher aber auch Fragen ergeben, die in der Heiligen Schrift nicht beantwortet werden: Wie kommt Noah zum Beispiel mit der Last zurecht, nur seine Familie retten zu dürfen, während der Rest der Menschheit jämmerlich verreckt? Auch davon erzählt Aronofsky und setzt sich damit von der „reinen Lehre“ ab (wie auch beispielsweise bei der Darstellung des Sündenfalls und bei der Schöpfungsgeschichte). So entsteht ein reizvoller Mix aus mystischen Fantasy-Elementen und gänzlich menschlichen Konflikten. Dazu gibt es immer wieder für Aronofsky typische Surrealismus-Einschübe (von einer neongrünen Garten-Eden-Schlange über einen pulsierenden Apfel bis hin zu einer grandiosen Stop-Motion-Sequenz, in der sich ein Fluss über die Jahre seinen Weg durch eine Landschaft bahnt). „Noah“ ist ebenso monumental wie wunderschön, das gigantische Arche-Set ebenso atemberaubend wie die isländische Natur (nach Ridley Scott in „Prometheus“ macht sich nun auch Aronofsky diese überwältigend-unberührte Landschaft zunutze). So bleibt die schwache Animation der an Bord kreuchenden und fleuchenden Tiere die einzige inszenatorische Schwäche.

Während sich die ersten zwei Drittel des Films etwas verkürzend als „Mad Max 3“ trifft „Herr der Ringe“ beschreiben lassen, werden die wunderhaften Elemente nach der Sintflut deutlich zurückgefahren. Stattdessen entwickelt sich „Noah“ an Bord der Arche zu einem intensiven Psycho-Drama. Der weise Gottgesandte, der den Bau der Arche unbeirrt vorantreibt, wird in diesem letzten Drittel zum Zauderer und Zweifler; nachdem er zuvor all die anderen Menschen sterben sah, droht Noah nun auch den Glauben an sich selbst und die seinen zu verlieren – mit potentiell grausamen Folgen (die Details wollen wir hier nicht spoilern). Diese Entwicklung dürfte jedenfalls so manchen strenggläubigen Christen auf die Palme treiben, dabei macht Aronofsky nichts anderes, als die Bibelstory schlüssig weiterzudenken. Das mag im Einzelnen so nicht im Buch der Bücher stehen, aber Aronofskys Entwurf ist psychologisch, dramaturgisch und auch spirituell stimmig. So kann man ihm als Filmemacher nur vorwerfen, dass dieser Schlussteil sogar ein wenig zu knapp geraten ist und Noahs Umdenken doch ein wenig plötzlich kommt. Zwei, drei weitere Szenen mit dem mit sich selbst und seiner Menschlichkeit ringenden Noah hätten da noch gut reingepasst.

Oscar-Preisträger Russell Crowe hat den Part als Noah zwar erst bekommen, nachdem Christian Bale und Michael Fassbender wegen Terminüberschneidungen absagen mussten, aber dennoch dominiert er den Film mit derselben unnachahmlich-unantastbaren Anführer-Ausstrahlung, die ihn auch schon in „Gladiator“ und „Master and Commander“ ausgezeichnet hat. Allerdings kommt hier eben noch eine weitere spannende Ebene hinzu, wenn Noah im finalen Drittel schließlich an seinen Selbstzweifeln zu zerbrechen droht. An seiner Seite gibt es auch von Jennifer Connelly (Oscar für „A Beautiful Mind“) und Logan Lerman („Vielleicht lieber Morgen“) starke Leistungen, aber herausragend sind vor allem zwei andere Nebendarsteller: Ray Winstone („Auftrag Rache“) verkörpert seinen Bösewicht mit archaisch-sündiger Energie und man kauft ihm sofort ab, dass er selbst gegen Raubein Russell Crowe bestehen könnte (und das ist noch nicht vielen gelungen). Und dann ist da noch Emma Watson („The Bling Ring“), die zwar lange Zeit etwas blass bleibt, aber dann im entscheidenden Schlussdrittel einige emotional extrem fordernde Szenen großartig meistert. Sie allein auf ihren „Harry Potter“-Ruhm zu reduzieren, ist spätestens nach „Noah“ endgültig nicht mehr angebracht. 

Fazit: 

Ein visionärer Regisseur widmet sich der biblischen Noah-Figur und formt den Stoff auf seine ganz eigene Art zu einem intensiven Kino-Erlebnis mit viel Emotion und spektakulären Bildern: Großes Kino, was uns 8 von 10 Punkten wert ist. (mk)

Donnerstag, 3. April 2014

A Long Way Down



Facts:

Genre: Komödie, Drama
Regie:
Pascal Chaumeil
Cast: Aaron Paul, Rosamund Pike, Toni Collette, Imogen Poots, Pierce Brosnan
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: DCM

 
(c) DCM
Inhalt:

Der Moderator Martin (Pierce Brosnan), der Pizzafahrer J.J. (Aaron Paul), die Alleinerziehende Maureen (Toni Collette) und das Politiker-Kind Jess (Imogen Poots) treffen sich zufällig an einem Silvesterabend auf dem Dach des Londoner Topper‘s Towers. Alle vier haben das gleiche Vorhaben: Sie wollen sich in die Tiefe stürzen und umbringen. Doch das Aufeinandertreffen führt dazu, dass keiner seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzt. Stattdessen verbringen alle vier die Nacht gemeinsam auf dem Dach und erzählen sich ihre Lebensgeschichten. Bei Sonnenaufgang schließen sie einen Pakt, der ihr Überleben sichern soll – zumindest vorerst. Das Quartett gewährt sich eine Bewährungsfrist bis zum Valentinstag, um zu sehen, ob das Leben nicht vielleicht doch lebenswert ist. Bis dahin wollen Martin, J.J., Maureen und Jess gegenseitig aufeinander aufpassen und dafür sorgen, dass jeder die kommenden sechs Wochen überlebt.  

Bewertung:

Trocken, trockener, Nick Hornby! Vom aus dem Ruder gelaufenen Fußballfantum in „Fever Pitch“ bis zur ungewollten Teenager-Schwangerschaft in „Slam“ – der britische Kultautor begegnet den von ihm fein beobachteten Alltagsphänomen in seinen Geschichten stets mit einem herrlich schwarzen, aber dennoch niemals bösartigen Humor. Da überrascht es dann auch nicht, dass es ihm tatsächlich gelungen ist, mit „A Long Way Down“ einen ebenso bissigen wie gutgelaunten Unterhaltungsroman ausgerechnet über das Downer-Thema „Selbstmord“ zu verfassen. Und auch bei der Leinwandadaption des Bestsellers muss niemand Angst haben, dass er nach dem Kinobesuch gleich selbst aufs nächste Hochausdach steigen möchte; ganz im Gegenteil: Pascal Chaumeil („Der Auftragslover“) verschiebt den Fokus sogar noch ein wenig deutlicher in Richtung Gute-Laune-Kino und liefert gemeinsam mit seinem hervorragend aufgelegten Darsteller-Quartett eine charmant-makabre Komödie, in der trotz der vorherrschenden Wohlfühl-Elemente auch eine Reihe satirischer Reizpunkte gesetzt werden.

„A Long Way Down“ ist zwar ein Wohlfühlfilm, aber das ernste Thema wird dennoch nicht weichgewaschen. Gerade weil vier zwar grundverschiedene, aber dennoch an einem ähnlichen Punkt in ihrem Leben stehende und gleichermaßen verzweifelte Menschen zusammengewürfelt werden, übt sich hier niemand in falscher Political Correctness, stattdessen wird einander durchaus offen die Meinung gegeigt. So fragt etwa Maureen gleich nach ihrer Ankunft auf dem Dach den bereits am Sims kauernden Martin: „Ich weiß nicht genau, wie ich es formulieren soll… aber brauchen Sie noch lange?“ Und wenn dann - vom Matt-Damon-Engel angestachelt – auch noch enttäuschte Frühstücksfernseh-Moderatorinnen und Undercover-Klatschblatt-Reporter auf der Bildfläche auftauchen, entwickelt sich der Film zusätzlich zur schallenden Medienschelte. Nick Hornbys „A Long Way Down“ begeistert aber nicht nur mit seiner gelungenen Gratwanderung zwischen bissigem Humor und beschwingtem Charme…

… sondern auch mit seiner ungewöhnlichen Erzählstruktur. Der Roman ist in Tagebuchform verfasst, wobei die Autorschaft alle paar Seiten zwischen den vier Beinahe-Selbstmördern wechselt. Das eins-zu-eins in ein Drehbuch zu übernehmen, ist zwar so gut wie unmöglich, aber Autor Jack Thorne hat den Film nun zumindest in vier Abschnitte geteilt, wobei jeweils ein anderer Schauspieler den Plot aus dem Off kommentiert. So lernt der Zuschauer alle vier Protagonisten wirklich kennen und versteht ihre unterschiedlichen Sorgen und Nöten umso besser. Dabei ist der Liebling von Lesern und Filmzuschauern übrigens derselbe: Während Ex-Bond Pierce Brosnan, „Breaking Bad“-Drogenkoch Aaron Paul und „The Sixth Sense“-Star Toni Collette absolut solide aufspielen, stiehlt ihnen Imogen Poots als unberechenbare Jess trotzdem immer wieder die Show. So wie die britische Nachwuchsaktrice hier als den Beschützerinstinkt des Zuschauers weckende Teenie-Naturgewalt über die Leinwand hineinbricht, sind wir uns sicher, dass ihr in den kommenden Jahren auch in Hollywood endlich mehr als nur Nebenrollen wie in „Fright Night“ und „Für immer Single?“ angeboten werden.

Fazit: 

Selbstmord kann auch Spaß machen gepaart mit einer guten schauspielerischen Leistung. 7 von 10 stressfreie Punkte. (mk)

Mittwoch, 2. April 2014

12 Years a Slave

Facts

Genre: Drama
Regie: Steve McQueen
Cast:  Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Brad Pitt, Benedict Cumberbatch
Laufzeit: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Tobis Film

(c) Tobis Film


Inhalt

Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) ist ein freier Afro-Amerikaner, der in New York als freier Tischler arbeitet. Seine wahre Leidenschaft ist allerdings die Musik, und als zwei vorgebliche Zirkus-Betreiber ihn in Washington DC als Musiker engagieren wollen, wirft er seine Bedenken über Bord.
Wenig später findet sich Salomon seiner Identität beraubt in Louisiana wieder, wo er als Sklave arbeiten muss. Sollte er je seinen wahren Namen und seinen Status als freier Mann erwähnen, so sagten sie ihm, werde er sterben.

In den folgenden zwölf Jahren wechselt er mehrmals den Besitzer, und damit auch oft die Beschäftigung und die Art, wie er behandelt wird. Hoffnung blüht erst auf, als er auf der Plantage von Edwin Epps (Michael Fassbender) den weißen Tischler Samuel Bass (Brad Pitt) kennenlernt. Ihm vertraut er eine Nachricht an seine Familie an, welche in New York einen befreundeten Anwalt engagiert, um Solomon nach zwölf Jahren als Sklave endlich zu befreien und nach Hause zu bringen.

Bewertung

Steve McQueen setzt mit seiner Inszenierung deutliche Ausrufezeichen, ebenso wie die diesmal weniger bombastisch instrumentierte, aber dennoch aufwühlende Musik von Komponistenlegende Hans Zimmer („Inception“). „12 Years A Slave“ ist kein subtiler Film, sondern ein von tief empfundenem Mitgefühl und ehrlicher Empörung geprägtes Kino-Mahnmal. Wenn Solomon nach einem Konflikt mit einem Aufseher an einem Baum aufgeknüpft darum kämpft, den lebenswichtigen Bodenkontakt mit den Füßen zu halten, zeigt McQueen uns ausführlich wie die übrigen Sklaven dies ignorieren und im Hintergrund scheinbar gleichgültig ihr Tagewerk verrichten: Hier kämpft jeder für sich selbst und um sein eigenes Überleben. Und aus den Augen der jungen Sklavin, die sich schließlich erbarmt, dem Aufgeknüpften einen Schluck Wasser zu reichen, spricht die nackte Panik, dass sie dafür bestraft werden könnte.

So geht es dann längst nicht nur um Solomon, sondern um das ganze System von Ausbeutung und Unterdrückung, das durch kurze Seitenblicke auf ganz verschiedene Einzelschicksale fassbar gemacht wird. Vom aufbegehrenden Kämpfer, der mit dem Leben bezahlt („The Wire“-Star Michael K. Williams), über eine Mutter (Adepero Oduye), die mitansehen muss, wie ihre Kinder verkauft werden bis zur Frau (Alfre Woodard), die ihren früheren Master geheiratet hat und ein Leben in Wohlstand führt – schon aus kleinen Skizzen entsteht ein vielsagendes Bild.

Die gleichsam nebenbei erzählten Miniaturen, zu denen auch der Auftritt von Superstar und Produzent Brad Pitt als Sklaverei-Gegner gehört, geben „12 Years A Slave“ eine zusätzliche Dimension, im Mittelpunkt steht aber stets die Geschichte von Solomon und damit der großartige Chiwetel Ejiofor („Salt“), der in jeder Szene zu sehen ist - selbst eine Sexszene zwischen Sklavenhalter Epps und Patsey beginnt mit einem Kameraschwenk über den schlafenden Solomon. Da der seine Gefühle und Gedanken im Fortlauf des Films immer seltener offen artikuliert, bleibt es Ejiofors Minenspiel überlassen, diese zu verdeutlichen.

So bringt er etwa mit wenigen Blicken zum Ausdruck, dass Solomon gerade über eine Flucht nachdenkt, die Idee aber wieder verwirft. Ejiofor hat mit deutlichem Abstand die umfangreichste Rolle, aber wie bei vielen Historienfilmen mit Oscarambitionen gibt es auch in „12 Years A Slave“ eine große Besetzung und ein Stelldichein prominenter Schauspieler - selbst in kleinsten Rollen sind bekannte Gesichter zu sehen, was dazu führt, dass etwa die „Beasts Of The Southern Wild“-Entdeckung Quvenzhané Wallis nur einen besseren Statistenauftritt hat. Das Promi-Schaulaufen lenkt dennoch zu keinem Zeitpunkt von der Geschichte ab.


Fazit

Er wolle leben, nicht bloß überleben – das erwidert der in die Sklaverei entführte Protagonist Solomon auf den Ratschlag eines Mitgefangenen, doch in Steve McQueens herausragendem „12 Years A Slave“ wird schnell klar, dass es in Wahrheit nur noch ums Überleben geht. Das oscarwürdige Historien-Drama ist dabei ebenso aufwühlend wie kompromisslos. Wir vergeben 9 von 10 oscarverdächtige Sterne für den für 9 Oscars nominierten Film. (mk)

Samstag, 22. März 2014

300 - Rise of an Empire 3D



Facts:

Genre: Action, Abenteuer
Regie: Noam Murro
Cast: Eva Green, Rodrigo Santoro, Sullivan Stapleton, David Wenham, Lena Headey
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
Verleih: Warner Bros. Germany

(c) Warner Bros. Germany

Inhalt:

Während König Leonidas mit seiner Leibgarde an den engen Felsschluchten der Thermopylen die erste große Welle der Perserarmee abwehrt, zieht auch General Themistokles (Sullivan Stapleton) seine Truppen zusammen, um die persische Invasion abzuwehren. Nach Xerxes' (Rodrigo Santoro) Sieg über Leonidas wird die griechische Hauptstadt Athen das erste Eroberungsziel des brutalen Herrschers. Die Feinde begegnen sich in einer blutigen Seeschlacht und Themistokles sieht sich einer ganz besonderen Gegnerin gegenüber: Artemisia (Eva Green). Sie ist die rücksichtslose und intrigante Anführerin der persischen Truppen und ihre Gier nach Rache an den Athenern macht sie umso gefährlicher. Befehle nimmt die Kriegerin nur von Xerxes entgegen, für den sie auf dem Schlachtfeld die schmutzige Arbeit erledigt. Um eine Chance auf den Sieg zu haben, muss sich Themistokles mit seinen alten Rivalen zusammentun: den Kriegern aus Sparta…

Bewertung:

2006 formte Hochglanz-Ästhet Zack Snyder („Man Of Steel“) mit einer atemberaubenden Bildsprache aus Frank Millers kultisch verehrter Graphic Novel „300“ einen Instant-Klassiker des martialischen Actionkinos. Sieben Jahre später erhält dieser nun einen parallel zu den Geschehnissen aus „300“ angesiedelten zweiten Teil, der zwar nicht von Snyder selbst in Szene gesetzt wird, dem der „Watchmen“-Regisseur aber als Drehbuchautor und Produzent dennoch unübersehbar seinen Stempel aufdrückt. Snyders Nachfolger Nuom Murro verbeugt sich mit seiner antiken Action-Schlachtplatte „300: Rise Of An Empire“ so knietief vor dem Original, dass sie sich phasenweise schon fast wie eine Kopie anmutet. Die CGI-getränkte 3D-Fortsetzung bietet allerdings auch noch brutalere Kämpfe und noch epischere Schlachten, lässt dabei aber das zelebrierte Blut-und-Boden-Pathos des Vorgängers vermissen. Dieses hat Snyder zwar damals auch viel Kritik eingebracht (schließlich birgt Frank Millers Graphic Novel schon ziemlich offensichtliche faschistische Tendenzen), aber ohne dieses kommen die Emotionen inmitten des ultraheftigen Blutbads nun leider etwas zu kurz.

„300: Rise Of An Empire“ basiert zwar erneut auf einer Graphic Novel von Kultautor Frank Miller („Sin City“, „The Spirit“), allerdings verzögert sich die Arbeit an dieser immer weiter, weshalb die Vorlage nun kurioserweise erst nach der Verfilmung erscheinen wird. Einen Vorgeschmack auf den Comic-Roman bietet Regisseur Nuom Murro („Smart People“) im Abspann, dessen Animationen von Illustrationen der Graphic Novel inspiriert sind. Ansonsten bemüht der Werbefilm-Veteran, der in der Fortsetzung zwangsläufig ohne den Aha-Effekt des „300“-Originals auskommen muss, die höchste der altbewährten Tugenden der Filmfortsetzerei: noch mehr von allem! Während der Israeli in „300: Rise Of An Empire“ den Look des Vorgängers einfach nur eins zu eins nachzeichnet, erhöht er die Schlagzahl deutlich. Das kommt einer Offenbarung zwar nicht einmal nahe, aber Fans des ersten Teils bekommen nun genau das geboten, wonach ihnen dürstet: eine extrem stilisierte, ultrabrutale, vom ewig pumpenden Industrial-Score von Junkie XL („Resident Evil“) vorangetriebene Schlachtplatte, in der athletische Männer ohne die geringste Rücksicht aufeinander einprügeln, sich die Köpfe abschlagen und tonnenweise Gedärme am Strand verteilen, so dass dagegen selbst die Eröffnung von Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ regelrecht harmlos anmutet.

Murro zelebriert die Gewalt in nahezu jeder Szene, gerne auch in Zeitlupe. Die nihilistische Schlächterei ist trotz der unverkennbaren Verankerung im Comic-Genre nichts für zartbesaitete Gemüter, dafür geht es einfach zu rabiat zur Sache. Anders als zuletzt beim „RoboCop“-Remake, das bewusst auf eine Freigabe ab 12 Jahren ausgelegt war, beweist Warner Bros. mehr Mut und geht keine Kompromisse beim Härtegrad ein. Die logische Folge: eine 18er Altersfreigabe. Auch das 3D ist zur Abwechslung echt sinnvoll, weil der Stilisierungsoverkill in der dritten Dimension seine logische Fortsetzung findet. Selten ging die Form eindeutiger über den Inhalt: „300: Rise Of An Empire“ ist bildgewaltiges Spektakel, eine durchgestylte CGI-Orgie, die kaum noch als Realfilm, sondern eher schon als brillant im Halbdunkeln designter Videospielfilm funktioniert. Die Dialoge sind von wenig Belang, knackige Oneliner wie „Du kämpfst viel besser als du fickst!“ setzen allenfalls vereinzelte Ausrufezeichen in den kurzen Gefechtspausen.

Mit der historischen Wahrheit der Schlacht von Artemisium, die im August des Jahres 480 vor Christus parallel zur Schlacht bei den Thermopylen stattfand, nimmt es „300: Rise Of An Empire“ bis auf die Eckdaten nicht so genau. Die Drehbuchautoren Zack Snyder und Kurt Johnstad („300“, „Act Of Valor“) geben dem Massaker so zwar einen grob gesteckten, auch für Geschichts-Laien verständlichen Rahmen, den Lena Headey („Game of Thrones“) mit einem Off-Kommentar im „Der Herr der Ringe“-Stil einleitet, aber gerade die Figuren auf griechischer Seite bleiben blass. Die Sympathien sind trotzdem klar verteilt, denn schon die visuelle Gestaltung macht aus den Griechen Helden und aus den Persern Berserker. Und obwohl allgemein kaum mal ein Tageslichtstrahl die antike Welt von „300: Rise of an Empire“ erhellt (CGI-Effekte sind im Dunkeln eben leichter glaubhaft umzusetzen), sind die Perser noch düsterer angezogen und bei ihrer Goth-&-Gore-Anführerin Artemisia kommt außer Schwarz sowieso keine Farbe in den Kleiderschrank.

Artemisia ist dann auch die einzige, die zumindest ein wenig erzählerischen Hintergrund zugestanden bekommt, auch wenn ihre Leidensgeschichte ebenfalls nur in sehr groben Strichen gezeichnet wird, um ihren unstillbaren Rachedurst zumindest in Ansätzen greifbar zu machen. Bond-Girl Eva Green („Casino Royale“) verkörpert die Feldherrin dabei mit einer feurigen Inbrunst und so genüsslich over the top, dass man dahinter schon so etwas wie augenzwinkernde Ironie vermuten könnte. Aber gelächelt oder gar gelacht wird in „300: Rise Of An Empire“ nicht. Gar nicht. Nie! Wobei, zumindest einen absurd-komischen Moment gibt es dann doch: Kurioserweise ist die erinnerungswürdigste Sequenz des Action-Spektakels nämlich keine der furiosen Seeschlachten, sondern eine hochgradig skurrile Sexszene zwischen Eva Green und Sullivan Stapleton („Gangster Squad“): Artemisia und Themistokles belauern sich in ihren Gemächern wie Tiere, die mit dem martialischen Akt ihr Revier markieren wollen. Hier überrascht „300: Rise Of An Empire“ tatsächlich, weil sich der holde Held nicht in edel-vornehmer Zurückhaltung übt, sondern herzhaft zulangt.

Fazit: 

„300: Rise Of An Empire“ ist ein gewaltzelebrierendes Gemetzel ohne Kompromisse. Regisseur Nuom Murro orientiert sich stark an Zack Snyders Original und liefert so eine optisch herausragende, inhaltlich mittelprächtige „300“-Hommage, die ganz sicher keinen Klassikerstatus erreichen wird, aber als bluttriefende Unterhaltung für ein nach rustikaler Leinwand-Schlachtplatte verlangendes Publikum durchaus überzeugt. 7 von 10 gewaltfreie Punkte. (mk)

Mittwoch, 19. März 2014

The Wolf Of Wall Street

Facts

Genre: Biografie, Drama
Regie: Martin Scorsese
Cast: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie
Laufzeit: 179 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany 

(c) Universal Pictures Germany


Inhalt

New York in den frühen 1990er Jahren. Der aufstrebende Aktienhändler Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) gründet mit Anfang 20 die Maklerfirma "Stratton Oakmont", mit der er schnell zum Multimillionär aufsteigt und zum Shootingstar der New Yorker Börse wird. Schon bald ist er hauptsächlich unter seinem neuen Spitznamen "Wolf of Wall Street" bekannt. Mit seinem Reichtum finanziert er einen ausschweifenden Lebensstil, der von Alkohol, Drogen, Sex und Dekadenz geprägt ist. Jordans Siegeszug scheint nicht zu stoppen zu sein, doch dies lässt ihn übermütig werden.

Von unstillbarer Gier getrieben und mit dem Gefühl der Unbesiegbarkeit im Rücken lassen er und seine "Wolfsbande", darunter sein Kumpel Donnie Azoff (Jonah Hill), sich auf illegale Geschäfte ein. Das zieht schon bald die Aufmerksamkeit der Justiz auf sich, besonders der FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) schaut aufmerksam hinter die Fassade von Belforts Firmengeflecht. Als die Gesetzeshüter Jordan langsam auf die Schliche kommen, droht sein gesamtes Kartenhaus einzustürzen.

Bewertung

„The Wolf Of Wall Street“ wurde nicht umsonst bei den Golden Globes in der Kategorie „Beste Komödie“ nominiert.  Das liegt nicht zuletzt an der Riege ebenso absurder wie brillant verkörperter Nebenfiguren, die zuweilen haarscharf an der Karikatur entlangschrammen. Jonah Hill bietet als Donnie mit seinen übergroßen, überweißen Zähne, der dicken Brille und geschmacklosen Pullovern einen Anblick zum Schießen und die Schilderung seiner Ehe mit seiner Cousine (Mackenzie Meehan) ist einer der komischen Höhepunkte des Films. Daneben gibt es in Jordans Crew unter anderem einen Fitnessfreak (Jon Bernthal), der nie ohne Trainingshose zu sehen ist, einem dauergehänselten Toupet-Träger (P.J. Byrne) und einem Asiaten (Kenneth Choi), der seine Finger nie vom Essen lassen kann.

Den Vogel schießt aber Regisseur Rob Reiner („Harry & Sally“) als Jordans Vater und Berater „Mad Max“ ab. In Sekundenschnelle schaltet er zwischen ausufernden Wutausbrüchen und einem vornehm-gesitteten britischen Akzent um. Schon seine Einführung ist wahres Comedy-Gold: Er will gemütlich die Serie „The Equalizer“ schauen, wird vom Telefon unterbrochen und flippt völlig aus… Es läuft dabei übrigens eine Episode mit dem unverwechselbaren Steve Buscemi als Gaststar, dem Hauptdarsteller von „Boardwalk Empire“ – eine der vielen – in der Summe unnötigen - Anspielungen auf die gemeinsame Serie von Regisseur Scorsese und Autor Winter.

Gemeinsam mit seiner Stamm-Cutterin Thelma Schoonmaker werkelte Martin Scorsese bis zur allerletzten Minute am Schnitt von „The Wolf Of Wall Street“, um den Film noch 2013 veröffentlichen und damit ins Oscarrennen schicken zu können. Angeblich gab es dabei zwei Probleme: zu viel Sex und eine vom Verleih vorgegebene Maximallänge von drei Stunden. Der fertige Film macht allerdings nicht unbedingt den Eindruck, dass Scorsese etwas entschärft hätte – Szenen wie die große Sex-Orgie in einem Flugzeug wären wohl nur im Porno noch expliziter. Dass die Laufzeit am Ende zwei Stunden und 59 Minuten beträgt, dürfte indes kein Zufall sein, aber trotzdem gilt: Auch wenn der ein oder andere Aspekt durchaus noch genauer und ausführlicher hätte ausgestaltet werden können und ein Gaststar wie Jon Favreau („Iron Man“) ein paar Minuten mehr verdienen würde, wirkt „The Wolf Of Wall Street“ ungemein rund.

Das ist hier anders als etwa im Fall von „Django Unchained“, bei dem  Quentin Tarantino Ende 2012 ebenfalls bis zur letzten Sekunde im Schneideraum werkelte. Während man dort aber den Eindruck hatte, der Regisseur hätte einiges anders (und besser) gemacht, wenn er noch mehr Zeit gehabt hätte, drängt sich so ein Gedanke bei „The Wolf Of Wall Street“ nie auf: Scorseses an seine Meisterwerke „Goodfellas“ und „Casino“ erinnernde Börsen-Satire ist ein weiteres brillant inszeniertes Highlight in einer unvergleichlichen Karriere.


Fazit:

Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ ist eine herausragende Börsen-Satire, die zwar nicht ganz an frühere Meisterwerke wie „Goodfellas“ heranreicht, aber den Regisseur einmal mehr auf der Höhe der Zeit zeigt und uns 8 von 10 börsendotierte Punkte wert ist. (mk)

Samstag, 1. März 2014

Philomena



Facts:

Genre: Drama
Regie:Stephen Frears
Cast: Judi Dench, Michelle Fairley, Steve Coogan, Mare Winningham, Sophie Kennedy Clark
Laufzeit: 98 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH

(c) Universum Film GmbH

Inhalt:

Die junge Philomena (Sophie Kennedy Clark) wuchs in den 50er Jahren in einem irischen Kloster auf. Nachdem sie nach einer kurzen Liebelei schwanger wurde, nahmen die Nonnen ihr das Kind weg und hielten Philomena im Kloster als billige Arbeitskraft gefangen. Erst 50 Jahre später vertraut sie diese Geschichte ihrer deutlich später geborenen Tochter an. Die Tochter lernt auf einer Party wiederum den ehemaligen Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) kennen, der aufgrund seiner von Depression gefolgten Arbeitslosigkeit plant, ein Buch zu schreiben. Von Philomenas (Judi Dench) Geschichte will er zunächst jedoch nichts wissen, trifft sich dann aber doch mit ihr. Sie schildert ihm die Ereignisse, die nunmehr ein halbes Jahrhundert zurückliegen - und er ist gerührt. Zuerst begeben sich die beiden in das Kloster, wo sie keinerlei dienliche Hinweise erhalten, bekommen im örtlichen Pub dann allerdings eine Information, die alles verändert und sie auf ihrer Suche nach Anthony, Philomenas Sohn, in die USA führt...

Bewertung:

Anlässlich des amerikanischen Kinostarts des britischen Dramas „Philomena“ entbrannte wieder einmal eine Diskussion um die Altersfreigabe. Die zuständige Behörde MPAA gab dem Film ein sogenanntes R-Rating (Zuschauer unter 17 Jahren können nur in Begleitung von Erziehungsberechtigten ins Kino), was der umtriebige US-Verleihchef Harvey Weinstein ungewöhnlich scharf attackierte. Er argumentierte, dass das meist eher Horrorfilmen und derben Komödien vorbehaltene Rating, das dem Drama nur wegen der zweimaligen Verwendung des Wortes „Fuck“ (erlaubt ist es nur einmal) verpasst wurde, viele konservative Familien und ältere Kinobesucher verprelle. Diese nähmen, so die streitbare Produzentenlegende weiter, bei Filmen mit diesem Rating grundsätzlich von einem Kinobesuch Abstand. Weinsteins intensive Kampagne, im Rahmen derer Hauptdarstellerin Judi Dench sogar noch einmal in ihre Rolle als Bond-Chefin „M“ schlüpfte, war erfolgreich und der Film bekam die wesentlich lockerere PG 13-Freigabe. Eine gute und richtige Entscheidung, denn „Philomena“ ist ein unbedingt sehenswerter Film – für Jung und Alt! Regisseur Stephen Frears („High Fidelity“, „Die Queen“) entfaltet seine erschütternde auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte in ihrer vollen dramatischen Wucht, wobei seine Erzählung trotzdem geradezu leichtfüßig bleibt und voller Humor steckt.  

„Philomena“ basiert auf dem Buch „Lost Child Of Philomena Lee“, das passend zum Kinostart im Februar 2014 unter dem Titel „Philomena: Eine Mutter sucht ihren Sohn“ auch in Deutschland erscheint. Ex-Journalist Martin Sixsmith erzählt darin die bewegende Geschichte einer ausgebeuteten Mutter, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist, der als kleiner Junge gegen ihren Willen weggegeben wurde. Die treibende Kraft hinter der Verfilmung war Komiker und Hauptdarsteller Steve Coogan („Tropic Thunder“), der das Projekt als Produzent anschob und auch das Drehbuch verfasste. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Jeff Pope („Mrs. Biggs“) und Regisseur Stephen Frears gelang ihm das Kunststück, die tragische Reichweite der Geschichte nicht abzuschwächen, aber sie trotzdem in einem überraschend humorvollen Tonfall zu erzählen: „Philomena“ ist ein aufwühlendes, zuweilen gar zu Tränen rührendes Drama und eine leidenschaftliche Anklage der unglaublichen von vermeintlichen Gottesdienerinnen begangenen Verbrechen, streckenweise aber auch eine Komödie mit britisch-trockenem Humor. Bei den Reibereien zwischen der gottesfürchtigen, optimistischen Philomena und dem abgebrüht-zynischen Martin sprühen komische Funken, die gemeinsamen Erlebnisse des wunderbar ungleichen Duos stehen hier eindeutig im Mittelpunkt – anders als in der Buchvorlage, wo Philomenas Jugend und die Lebensgeschichte von Anthony sehr großen Raum einnehmen.

Ein Film wie „Philomena“, bei dem es so stark auf Nuancen und Zwischentöne ankommt, steht und fällt mit der Klasse seiner Schauspieler. Und in dieser Hinsicht hat Regisseur Frears mit Oscar-Preisträgerin Judi Dench („Best Exotic Marigold Hotel“) und Tausendsassa Steve Coogan zwei ideale Hauptdarsteller zur Verfügung. Sie zeichnen zwei überaus lebendige Charakterporträts und arbeiten dabei auch die Gegensätze zwischen den beiden Figuren feinfühlig heraus. So zeigt der bisher vor allem als Komiker bekannte Coogan wie schon zuletzt in Michael Winterbottoms „The Look Of Love“ seine Vielseitigkeit und macht die Wandlung des Martin Sixsmith vom spöttisch-desillusionierten Zyniker, der von Philomenas Leichtgläubigkeit, von ihrer Sentimentalität und ihrer Vorliebe für seichte Literatur genervt ist, zum engagierten Kämpfer und wütenden Ankläger im bewegenden Finale jederzeit nachfühlbar. Dabei meidet er die große Geste und nimmt sich zurück: Wenn der Misanthrop und seine grenzenlos optimistische Begleiterin aufeinanderprallen, ist das auch ohne verstärkendes Zutun der Darsteller oder des Regisseurs meist sehr komisch. So etwa wenn der leicht hochnäsige Bildungsbürger Martin in Washington fassungslos miterleben muss, wie die eher unbedarfte Philomena ernsthaft überlegt, ob sie nicht lieber die derbe Komödie „Big Mamas Haus“ im Hotel-TV anschauen will als das Lincoln-Memorial zu besuchen.

Steve Coogan überlässt seiner Partnerin Judi Dench immer wieder bereitwillig die Bühne. Die nutzt sie zu einer feinnervigen, fast minimalistischen und überaus präzisen Darstellung. Die vom Schicksal gebeutelte Philomena trägt eine Art Schutzpanzer und strahlt nach außen Gleichmut aus, nur in kurzen Momenten lässt Dench ihre wahre Gemütsverfassung hinter der in die Gewissheiten des festen Glaubens eingehüllten Fassade aufblitzen. Philomena vergibt den Nonnen im Kloster nicht nur, sie verteidigt die Schwestern selbst dann noch, als sich im Verlauf der Handlung immer tiefere Abgründe auftun und eine ungeheuerliche Tat aus der jüngeren Vergangenheit die alten Demütigungen in den Schatten stellt. Eine solche Protagonistin ließe sich allzu einfach entweder als naiv und dumm brandmarken oder alternativ zu einer Art Heiligen stilisieren, aber Dench und auch Regisseur Stephen Frears umschiffen die Klippen oberflächlicher Klischees genauso wie die Strudel übermäßiger Sentimentalität. Der Regieveteran erkennt, dass die reinen Fakten von Philomenas Geschichte schon erschütternd genug sind und hält sich entsprechend zurück. Nur bei der Rückblende in die Jugendzeit im Kloster sucht Frears die Wirkung etwa durch die mehrfache Wiederholung des Moments, in dem Philomena hilflos schreiend beobachten muss wie ihr Kind weggegeben wird, noch zu verstärken. Letztlich erweisen sich spätere unaufgeregt-beiläufig inszenierte, aber inhaltlich ähnlich dramatische Wendungen jedoch als weitaus intensiver. 

Fazit: 

Stephen Frears‘ „Philomena“ ist ein Film, in dem Ernstes und Heiteres auf elegante Weise zusammenkommt. Mit viel Herz und einer überraschend großen Portion Humor erzählt er eine erschütternde und im Kern hochdramatische Geschichte über Schuld und Vergebung, die er mit Hilfe seiner großartigen Darsteller Judi Dench und Steve Coogan zu einem überaus sehenswerten Drama verdichtet und uns 8 von 10 Punkten wert ist.