Facts:
Genre: Drama
Regie:Stephen Frears
Genre: Drama
Regie:Stephen Frears
Cast: Judi Dench, Michelle Fairley, Steve Coogan, Mare Winningham, Sophie Kennedy Clark
Laufzeit: 98 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH
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| (c) Universum Film GmbH |
Inhalt:
Die junge Philomena (Sophie Kennedy Clark) wuchs in den 50er Jahren in einem irischen Kloster auf. Nachdem sie nach einer kurzen Liebelei schwanger wurde, nahmen die Nonnen ihr das Kind weg und hielten Philomena im Kloster als billige Arbeitskraft gefangen. Erst 50 Jahre später vertraut sie diese Geschichte ihrer deutlich später geborenen Tochter an. Die Tochter lernt auf einer Party wiederum den ehemaligen Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) kennen, der aufgrund seiner von Depression gefolgten Arbeitslosigkeit plant, ein Buch zu schreiben. Von Philomenas (Judi Dench) Geschichte will er zunächst jedoch nichts wissen, trifft sich dann aber doch mit ihr. Sie schildert ihm die Ereignisse, die nunmehr ein halbes Jahrhundert zurückliegen - und er ist gerührt. Zuerst begeben sich die beiden in das Kloster, wo sie keinerlei dienliche Hinweise erhalten, bekommen im örtlichen Pub dann allerdings eine Information, die alles verändert und sie auf ihrer Suche nach Anthony, Philomenas Sohn, in die USA führt...
Bewertung:
Anlässlich des amerikanischen Kinostarts des britischen Dramas
„Philomena“ entbrannte wieder einmal eine Diskussion um die
Altersfreigabe. Die zuständige Behörde MPAA gab dem Film ein sogenanntes
R-Rating (Zuschauer unter 17 Jahren können nur in Begleitung von
Erziehungsberechtigten ins Kino), was der umtriebige US-Verleihchef
Harvey Weinstein ungewöhnlich scharf attackierte. Er argumentierte, dass
das meist eher Horrorfilmen und derben Komödien vorbehaltene Rating,
das dem Drama nur wegen der zweimaligen Verwendung des Wortes „Fuck“
(erlaubt ist es nur einmal) verpasst wurde, viele konservative Familien
und ältere Kinobesucher verprelle. Diese nähmen, so die streitbare
Produzentenlegende weiter, bei Filmen mit diesem Rating grundsätzlich
von einem Kinobesuch Abstand. Weinsteins intensive Kampagne, im Rahmen derer Hauptdarstellerin Judi Dench sogar noch einmal in ihre Rolle als Bond-Chefin „M“ schlüpfte,
war erfolgreich und der Film bekam die wesentlich lockerere PG
13-Freigabe. Eine gute und richtige Entscheidung, denn „Philomena“ ist
ein unbedingt sehenswerter Film – für Jung und Alt! Regisseur Stephen
Frears („High Fidelity“, „Die Queen“) entfaltet seine erschütternde auf
wahren Begebenheiten beruhende Geschichte in ihrer vollen dramatischen
Wucht, wobei seine Erzählung trotzdem geradezu leichtfüßig bleibt und
voller Humor steckt.
„Philomena“ basiert auf dem Buch „Lost Child Of Philomena Lee“, das
passend zum Kinostart im Februar 2014 unter dem Titel „Philomena: Eine
Mutter sucht ihren Sohn“ auch in Deutschland erscheint. Ex-Journalist
Martin Sixsmith erzählt darin die bewegende Geschichte einer
ausgebeuteten Mutter, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist,
der als kleiner Junge gegen ihren Willen weggegeben wurde. Die treibende
Kraft hinter der Verfilmung war Komiker und Hauptdarsteller Steve
Coogan („Tropic Thunder“), der das Projekt als Produzent anschob und
auch das Drehbuch verfasste. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Jeff Pope
(„Mrs. Biggs“) und Regisseur Stephen Frears gelang ihm das Kunststück,
die tragische Reichweite der Geschichte nicht abzuschwächen, aber sie
trotzdem in einem überraschend humorvollen Tonfall zu erzählen:
„Philomena“ ist ein aufwühlendes, zuweilen gar zu Tränen rührendes Drama
und eine leidenschaftliche Anklage der unglaublichen von vermeintlichen
Gottesdienerinnen begangenen Verbrechen, streckenweise aber auch eine
Komödie mit britisch-trockenem Humor. Bei den Reibereien zwischen der
gottesfürchtigen, optimistischen Philomena und dem abgebrüht-zynischen
Martin sprühen komische Funken, die gemeinsamen Erlebnisse des wunderbar
ungleichen Duos stehen hier eindeutig im Mittelpunkt – anders als in
der Buchvorlage, wo Philomenas Jugend und die Lebensgeschichte von
Anthony sehr großen Raum einnehmen.
Ein Film wie „Philomena“, bei dem es so stark auf Nuancen und Zwischentöne ankommt, steht und fällt mit der Klasse seiner Schauspieler. Und in dieser Hinsicht hat Regisseur Frears mit Oscar-Preisträgerin Judi Dench („Best Exotic Marigold Hotel“) und Tausendsassa Steve Coogan zwei ideale Hauptdarsteller zur Verfügung. Sie zeichnen zwei überaus lebendige Charakterporträts und arbeiten dabei auch die Gegensätze zwischen den beiden Figuren feinfühlig heraus. So zeigt der bisher vor allem als Komiker bekannte Coogan wie schon zuletzt in Michael Winterbottoms „The Look Of Love“ seine Vielseitigkeit und macht die Wandlung des Martin Sixsmith vom spöttisch-desillusionierten Zyniker, der von Philomenas Leichtgläubigkeit, von ihrer Sentimentalität und ihrer Vorliebe für seichte Literatur genervt ist, zum engagierten Kämpfer und wütenden Ankläger im bewegenden Finale jederzeit nachfühlbar. Dabei meidet er die große Geste und nimmt sich zurück: Wenn der Misanthrop und seine grenzenlos optimistische Begleiterin aufeinanderprallen, ist das auch ohne verstärkendes Zutun der Darsteller oder des Regisseurs meist sehr komisch. So etwa wenn der leicht hochnäsige Bildungsbürger Martin in Washington fassungslos miterleben muss, wie die eher unbedarfte Philomena ernsthaft überlegt, ob sie nicht lieber die derbe Komödie „Big Mamas Haus“ im Hotel-TV anschauen will als das Lincoln-Memorial zu besuchen.
Steve Coogan überlässt seiner Partnerin Judi Dench immer wieder bereitwillig die Bühne. Die nutzt sie zu einer feinnervigen, fast minimalistischen und überaus präzisen Darstellung. Die vom Schicksal gebeutelte Philomena trägt eine Art Schutzpanzer und strahlt nach außen Gleichmut aus, nur in kurzen Momenten lässt Dench ihre wahre Gemütsverfassung hinter der in die Gewissheiten des festen Glaubens eingehüllten Fassade aufblitzen. Philomena vergibt den Nonnen im Kloster nicht nur, sie verteidigt die Schwestern selbst dann noch, als sich im Verlauf der Handlung immer tiefere Abgründe auftun und eine ungeheuerliche Tat aus der jüngeren Vergangenheit die alten Demütigungen in den Schatten stellt. Eine solche Protagonistin ließe sich allzu einfach entweder als naiv und dumm brandmarken oder alternativ zu einer Art Heiligen stilisieren, aber Dench und auch Regisseur Stephen Frears umschiffen die Klippen oberflächlicher Klischees genauso wie die Strudel übermäßiger Sentimentalität. Der Regieveteran erkennt, dass die reinen Fakten von Philomenas Geschichte schon erschütternd genug sind und hält sich entsprechend zurück. Nur bei der Rückblende in die Jugendzeit im Kloster sucht Frears die Wirkung etwa durch die mehrfache Wiederholung des Moments, in dem Philomena hilflos schreiend beobachten muss wie ihr Kind weggegeben wird, noch zu verstärken. Letztlich erweisen sich spätere unaufgeregt-beiläufig inszenierte, aber inhaltlich ähnlich dramatische Wendungen jedoch als weitaus intensiver.
Fazit:
Ein Film wie „Philomena“, bei dem es so stark auf Nuancen und Zwischentöne ankommt, steht und fällt mit der Klasse seiner Schauspieler. Und in dieser Hinsicht hat Regisseur Frears mit Oscar-Preisträgerin Judi Dench („Best Exotic Marigold Hotel“) und Tausendsassa Steve Coogan zwei ideale Hauptdarsteller zur Verfügung. Sie zeichnen zwei überaus lebendige Charakterporträts und arbeiten dabei auch die Gegensätze zwischen den beiden Figuren feinfühlig heraus. So zeigt der bisher vor allem als Komiker bekannte Coogan wie schon zuletzt in Michael Winterbottoms „The Look Of Love“ seine Vielseitigkeit und macht die Wandlung des Martin Sixsmith vom spöttisch-desillusionierten Zyniker, der von Philomenas Leichtgläubigkeit, von ihrer Sentimentalität und ihrer Vorliebe für seichte Literatur genervt ist, zum engagierten Kämpfer und wütenden Ankläger im bewegenden Finale jederzeit nachfühlbar. Dabei meidet er die große Geste und nimmt sich zurück: Wenn der Misanthrop und seine grenzenlos optimistische Begleiterin aufeinanderprallen, ist das auch ohne verstärkendes Zutun der Darsteller oder des Regisseurs meist sehr komisch. So etwa wenn der leicht hochnäsige Bildungsbürger Martin in Washington fassungslos miterleben muss, wie die eher unbedarfte Philomena ernsthaft überlegt, ob sie nicht lieber die derbe Komödie „Big Mamas Haus“ im Hotel-TV anschauen will als das Lincoln-Memorial zu besuchen.
Steve Coogan überlässt seiner Partnerin Judi Dench immer wieder bereitwillig die Bühne. Die nutzt sie zu einer feinnervigen, fast minimalistischen und überaus präzisen Darstellung. Die vom Schicksal gebeutelte Philomena trägt eine Art Schutzpanzer und strahlt nach außen Gleichmut aus, nur in kurzen Momenten lässt Dench ihre wahre Gemütsverfassung hinter der in die Gewissheiten des festen Glaubens eingehüllten Fassade aufblitzen. Philomena vergibt den Nonnen im Kloster nicht nur, sie verteidigt die Schwestern selbst dann noch, als sich im Verlauf der Handlung immer tiefere Abgründe auftun und eine ungeheuerliche Tat aus der jüngeren Vergangenheit die alten Demütigungen in den Schatten stellt. Eine solche Protagonistin ließe sich allzu einfach entweder als naiv und dumm brandmarken oder alternativ zu einer Art Heiligen stilisieren, aber Dench und auch Regisseur Stephen Frears umschiffen die Klippen oberflächlicher Klischees genauso wie die Strudel übermäßiger Sentimentalität. Der Regieveteran erkennt, dass die reinen Fakten von Philomenas Geschichte schon erschütternd genug sind und hält sich entsprechend zurück. Nur bei der Rückblende in die Jugendzeit im Kloster sucht Frears die Wirkung etwa durch die mehrfache Wiederholung des Moments, in dem Philomena hilflos schreiend beobachten muss wie ihr Kind weggegeben wird, noch zu verstärken. Letztlich erweisen sich spätere unaufgeregt-beiläufig inszenierte, aber inhaltlich ähnlich dramatische Wendungen jedoch als weitaus intensiver.
Fazit:
Stephen Frears‘ „Philomena“ ist ein Film, in dem Ernstes und Heiteres
auf elegante Weise zusammenkommt. Mit viel Herz und einer überraschend
großen Portion Humor erzählt er eine erschütternde und im Kern
hochdramatische Geschichte über Schuld und Vergebung, die er mit Hilfe
seiner großartigen Darsteller Judi Dench und Steve Coogan zu einem
überaus sehenswerten Drama verdichtet und uns 8 von 10 Punkten wert ist.

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