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Donnerstag, 25. Juni 2020

DETEKTIV CONAN - 23. FILM: DIE STAHLBLAUE FAUST



Facts:
Genre: Animation
Regie: Tomoka Nagaoka
Cast: Minami Takayama, Wakana Yamazaki, Rikiya Koyama
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: KAZÉ Anime (AV Visionen)

 

Poster zum Detektiv Conan - 23. Film: Die stahlblaue Faust - Bild 1 auf 13  - FILMSTARTS.de
(c) KAZÉ Anime (AV Visionen)

 

Inhalt:

In Singapur untersucht Detektiv Conan (Stimme im Original: Minami Takayama) den Mord an der Rechtsanwältin Sherilyn Tan (Yu Asakawa) in einem berühmten Luxushotel. Am Tatort findet die Spürnase die Visitenkarte von Kaitô Kid (Kappa Yamaguchi), der ihn zuvor ins Land geschmuggelt hat. Und dann scheint der Fall auch noch irgendwie mit dem parallel stattfindenden Karateturnier zu tun zu haben, an dem Kaitôs Erzrivale Makoto Kyôgoku (Nobuyuki Hiyama) teilnimmt und bei dem der Blue Sapphire, ein im 19. Jahrhundert verschwundenes Juwel, als Preis für die Teilnehmer winkt...

 

Bewertung:

Zu gerne wäre Conan ja mit den anderen nach Singapur geflogen, um dort bei einem großen Karate-Turnier zuzusehen. Das ist nur etwas schwierig, wenn man keine gültigen Papiere hat, es dich offiziell gar nicht gibt. Umso größer ist seine Überraschung, als er nur wenig später tatsächlich auf dem Inselstaat wieder zu sich kommt, mit einem leicht veränderten Aussehen. Eine Erklärung für diesen mysteriösen Vorgang ist schnell gefunden: Meisterdieb Kaitô Kid hat ihn in einem speziellen Koffer ins Land geschmuggelt. Doch dafür gibt es eine Reihe weiterer offene Fragen, die den Detektiv beschäftigen – umso mehr, als eine Rechtsanwältin unter mysteriösen Umständen ermordet wird und Kid irgendwie in der Sache drinhängt …


Der ganz junge Hüpfer ist Conan eigentlich nicht mehr. Seit 1994 schon ist der aufgrund eines Giftes zu einem Kind geschrumpfte Detektiv bereits unterwegs und löst die unmöglichsten Fälle. Von denen gibt es inzwischen massig, fast 100 Bände umfasst die Manga-Reihe von Gosho Aoyama, die Animeserie kommt auf bald 1000 Folgen, bei den Filmen ist man bei immerhin 24 Stück. Mit Die stahlblaue Faust kommt der 23. davon nun zu uns nach Deutschland. Und wer einen der vielen anderen Auftritte des genialen Knirps gesehen hat, der weiß schon sehr genau, was ihn hier erwartet. Die Geschichte wurde zwar nach und nach um immer mehr Figuren erweitert, das Grundkonzept ist aber gleich geblieben, Conan selbst seither um keinen Tag gealtert.

Gesehen haben muss man die vielen anderen Werke nicht unbedingt, zum Auftakt gibt es die obligatorische Zusammenfassung, damit man die Figuren wenigstens grob einordnen kann. Auffallend ist, dass Conan, der eigentlich immer das alleinige Aushängeschild der Reihe war, nun mehr oder weniger gleichberechtigt mit Kaitô Kid unterwegs ist. Crossover zwischen den beiden eigentlich unabhängigen Figuren Aoyamas – der Manga um den Dieb startete bereits 1987 – gab es zuvor immer wieder. Inzwischen wurde Kid aber vollständig integriert und zu einem regelmäßigen Bestandteil gemacht. Das tut Die stahlblaue Faust ganz gut. Waren die früheren Abenteuer von Conan zuweilen etwas eintönig, weil er alle anderen komplett überragte und zu letztendlich bedeutungslosen Randfiguren degradierte, kommt so deutlich mehr Dynamik rein.

Der Humor ist dafür relativ sparsam. Anders als etwa Lupin III vs. Detektiv Conan: The Movie, einem weiteren Crossover mit einem Meisterdieb, das aus dem Aufeinanderprallen der Figuren komische Szenen generierte, ist das hier schon deutlich harmonischer. Harmlos ist der Film deswegen aber nicht. Gleich zu Beginn sehen wir eine blutgetränkte Leiche, später werden noch sehr viel mehr Leben auf dem Spiel stehen. Schließlich flirtete Detektiv Conan auch immer etwas mit dem Thriller-Genre, anstatt „nur“ die Mörder zu suchen. Vor allem gegen Ende hin geht Die stahlblaue Faust richtig in die Vollen, auch weil aus der anfangs überschaubaren Geschichte ein Kampf zwischen verschiedenen Parteien mit unterschiedlichen Interessen wird.

Das wird dann natürlich ziemlich over the top, wer Realismus erwartet, ist hier falsch. Im Gegensatz zu früheren Filmen hat man sich zwar ein wenig zurückgenommen, gerade bei den Actionszenen. Dafür interessierte man sich an anderen Stellen wenig dafür, was plausibel oder nachvollziehbar ist. Ob es nun fragwürdige Motivationen sind, Kids ständige Verkleidungen oder andere Merkwürdigkeiten – dass Conan von niemandem erkannt wird, nur weil seine Hautfarbe anders ist, muss man so hinnehmen –, man sollte den Film nicht zu ernst nehmen. Einiges davon ist auch von vornherein als komisch angelegt, anderes wohl eher unfreiwillig komisch.

Bei der Optik geht es ebenfalls ein bisschen gemischt zu. Die charakteristischen Designs von Aoyama stehen dabei wie gewohnt im Vordergrund, bei den Hintergründen gibt es hingegen nur wenig Nennenswertes. Zwar wird in Singapur viel mit Lichtspielen gearbeitet, ohne aber zu begeistern. Das Traditionsstudio Tokyo Movie Shinsha bewegt sich bei den Filmen leider selten wirklich vom Serienniveau weg, trotz vereinzelter Höhepunkte wie einem Kneipenkampf ist das schon Massenware. Fans wird das aber nicht stören. Die bekommen hier sogar einen der besseren Teile, weil durch die verschiedenen Parallelhandlungen tatsächlich mal Geschichten erzählt werden und man gut was zu grübeln bekommt.

 

Fazit:

Business as usual heißt es bei „Detektiv Conan – 23. Film: Die stahlblaue Faust“. Der neueste Fall des Meisterdetektivs gehört aber zu den besseren, da die Dynamik mit dem ebenfalls ermittelnden Kaitô Kid und die diversen Parallelhandlungen für Abwechslung sorgen, auch wenn die Optik teilweise schon wenig hermacht. Dafür vergeben wir rasante 7 von 10 Punkte. (mk)

Dienstag, 29. Oktober 2019

Die Addams Family

pic (c) Universal Pictures Germany



Inhalt:

Die Addams-Familie ist morbide, mysteriös und ziemlich verrückt. Dementsprechend fällt es Familienoberhaupt Gomez (Originalstimme: Oscar Isaac) und seiner Frau Morticia (Charlize Theron) nicht gerade leicht, gemeinsam mit ihrem Anhang eine neue Bleibe zu finden, die auch wirklich zu ihnen passt. Mit ihren Schützlingen Wednesday (Chloë Grace Moretz) und Pugsley (Finn Wolfhard) sowie Onkel Fester (Nick Kroll) und dem eiskalten Händchen werden sie in einer düsteren Nacht schließlich doch fündig. Doch die finstere Bude, in der sich der Addams-Klan auf Anhieb pudelwohl fühlt, steht ausgerechnet inmitten einer knallbunten Nachbarschaft, in der es vor schrägen Vögeln nur so wimmelt. Und die wollen vor allem eines: die malerische Vorstadtidylle wahren und die Neulinge so schnell wie möglich wieder loswerden!

Bewerbung:

Erzählt wird die Geschichte der Addams hier erstmals von Anfang an, beginnend mit der Hochzeit von Morticia (Charlize Theron) und Gomez (Oscar Isaac). Die Zeremonie findet, ganz ihrem morbiden Stil entsprechend, auf dem Friedhof statt, wo ein zwielichtiger Prediger die beiden Turtelkrähen in die „gähnende Leere der Ehe“ führt. Kurz darauf erscheint ein tobender Mob besorgter Bürger, der die armen Addams (mal wieder) mit Fackeln und Mistgabeln verjagt. Morticia reicht's. Sie will weg von den Menschen, dahin, „wohin es keinen, der bei normalem Verstand ist, jemals verschlagen würde“ – die logische Wahl fällt auf New Jersey. Dort lassen sich die Frischvermählten häuslich nieder, in einer (fast) verlassenen Irrenanstalt, deren einzigen verbleibenden Insassen Lurch (Regisseur Conrad Vernon) sie praktischerweise gleich als Butler einspannen.

So beginnt die neu erzählte Geschichte der Addams Family und holt damit auch die Zuschauer ab, die mit der makabren Sippe und ihren seltsamen Gepflogenheiten bislang noch nicht vertraut waren. Fans könnten allerdings mit dem neuen Look der Addams so ihre Probleme haben: Gomez ist hier zum Beispiel nicht mehr der schneidige Gentleman, den man aus der ursprünglichen TV-Serie (1964-1966) und den Kinofilmen kennt, sondern klein und ziemlich rundlich. Auch die Gestaltung von Outsider-Ikone Wednesday weicht stark ab von dem kultigen Erscheinungsbild, das Fans mit dem markanten Gesicht von Christina Ricci verbinden, die das mordlustige Mädchen in den zwei bisherigen Addams-Kinofilmen spielte.

Deshalb grummelnden Traditionsverfechtern sei allerdings direkt gesagt, dass sich der „neue“ Look in Wahrheit sehr viel enger an den von Zeichner Charles „Chas“ Addams für den New Yorker entwickelten Original-Cartoons orientiert, die erstmals 1938 erschienen sind. Jener Addams stammte übrigens auch aus New Jersey – nur eine von zahlreichen liebevollen Anspielungen auf den Schöpfer der legendären Schauerfamilie, die Nerds und Kenner der Ur-Addams hier entdecken können. Aber auch für Liebhaber der Original-Fernsehserie und der Kinofilme aus den 90ern gibt es viele kleine Anspielungen und Details, die für einige Wiedersehensfreude sorgen dürften.

Gewöhnungsbedürftig ist neben dem neuen Look womöglich auch der Umstand, die Addams erstmals in einem Setting zu erleben, das auch so unromantische Dinge wie Handys und Social Media beherbergt. Aber da es den bekennend altmodischen Zivilisationsverweigerern in Schwarz da nicht anders geht, liegt in der unfreiwilligen Kollision mit der modernen Welt natürlich eine Goldgrube für Gags, die man allerdings auch noch ergiebiger hätte ausbeuten können. Dennoch gibt es für Jung und Alt genug zu lachen…

… wobei sich die Macher auch eine kleine politische Spitze erlauben. Die trotz ihrer makabren Interessen und Vorlieben ja doch sehr netten Sonderlinge werden hier mit einem echten amerikanischen Alptraum konfrontiert, der, nicht nur der toupierten Frisur nach zu urteilen, offensichtlich ein reales Vorbild hat: In ihrem rücksichtslosen Größenwahn und mit der Verbreitung von fiesen Fake News über die unerwünschten „Andersartigen“ erinnert die quotengeile TV-Moderatorin Margeaux Needler nicht nur ganz entfernt an einen gewissen amerikanischen Präsidenten. In dem von ihr entworfenen Plastik-Habitat mit dem vielsagenden Namen „Assimilation“ haben Außenseiter mit fremdartigen Gebräuchen keinen Platz.


Aber so leicht lässt sich die Addams-Family natürlich nicht einfach vertreiben! Aucn nicht aus dem Kino! Schließlich stand schon nach dem Startwochenende in den USA (mit sehr überzeugenden 35 Millionen Dollar Einspiel) fest, dass es mit einem Animations-Sequel weitergehen soll. Bereits 2021 kommt deshalb „Die Addams Family 2“ in die Kinos und vielleicht trauen sich die Macher ja dann, noch ein bisschen fieser und schwarzhumoriger an die Sache heranzugehen. Aber als (Wieder-)Einstieg ist der kurzweilige „Die Addams Family“ jedenfalls schon mal gelungen.

Fazit: 
Die Addams im neuen Gewand! Nicht ganz so schräg und makaber, wie von Fans vielleicht erhofft, aber dank vieler schöner Gags und (pop-)kultureller Zitate doch ein kurzweiliger Spaß für die ganze Familie, der als solcher durchaus das Potenzial hat, eine neue Generation von Addams-Fans heranzuzüchten. (mk)

Montag, 30. September 2019

Everest - Ein Yeti will hoch hinaus

pic (c) Universal Pictures Germany



Inhalt:

Als das Teenager-Mädchen Yi (Stimme im Original: Chloe Bennet) auf dem Dach ihrer Wohnung in Shanghai auf einen verängstigten Yeti trifft, kann sie ihren Augen kaum trauen. Doch nachdem sie sich das Vertrauen des magischen Geschöpfs erarbeiten konnte, tauft sie ihn schließlich auf den Namen Everest. Immerhin ist das gleichzeitig auch die Heimat der Kreatur - und genau dorthin will diese auch unbedingt wieder zurück. Gemeinsam mit ihren Freunden Jin (Tenzing Norgay Trainor) und Peng (Albert Tsai) begeben sich Yi und Everest auf eine abenteuerliche Reise durch ganz China, um ihren neuen Gefährten wieder mit seiner Familie zu vereinen. Dabei müssen sie sich unter anderem mit dem stinkreichen Laborleiter Burnish (Eddie Izzard) und der Zoologin Dr. Zara (Sarah Paulson) herumschlagen. Denn die haben es auf das Fabelwesen abgesehen, um dessen Fähigkeit, die Natur zu beeinflussen, für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.

Bewertung:

In der ersten Szene sehen wir durch die Augen von Everest, wie er aus dem von Dr. Zara geleiteten Knast für seltene Spezies ausbricht und verschreckt durch die Straßen flüchtet – hinter ihm die SUVs und Hubschrauber der sich wie Sturmtruppen gebärdenden Schergen des Labors. Der Versuch, dem Zuschauer die hektisch-verwirrende, vielleicht sogar beängstigend fremde Welt der Menschen aus dem Blickwinkel des vermeintlichen Fabelwesens zu zeigen, gelingt gut und speziell Kinder dürften sich bereits hier mit Everest identifizieren können. Westlichen Kinozuschauern hilft dabei sicher auch, dass wir uns nicht wie sonst üblich in Paris, London oder einer US-Großstadt sofort zurechtfinden, sondern von unleserlichen Schriftzeichen und zumindest ungewöhnlich anmutenden Gebäuden und Pflanzen umgeben sind.

Die nachdenkliche und kluge Yi ist – ebenso wie Everest – ein Einzelgänger. Mit ihr wird auch das etwas ältere Publikum „abgeholt“. Wer selbst kein Teenager mehr ist, dürfte sich zumindest an das Gefühl erinnern, einmal von seiner Umgebung unverstanden dazustehen. Yi drückt ihre Emotionen mit der Geige aus, die sie einst auch eng mit ihrem Vater verband. Mit Hilfe des Instruments beruhigt sie den nach der wilden Flucht angeschlagenen Everest und erfährt, dass er magische Kräfte hat, die ihr auf der gefährlichen Reise noch helfen werden. Da Everest und Yi sich nicht mit Worten verständigen können, wird Musik zu ihrer gemeinsamen Sprache – das Mädchen fiedelt, der Yeti summt und brummt. Für den mal episch-bombastischen, dann wieder ganz intimen Score zeichnet „Aquaman“- und „Wonder Woman“-Komponist Rupert Gregson-Williams verantwortlich. Wobei die leisen Stücke um einiges besser funktionieren als die schon mal arg schwülstig geratenen und kurioserweise leicht keltisch anmutenden „großen Momente“.

Nachdem die beiden Hauptfiguren so effektiv eingeführt wurden, beginnt auch schon ihr abenteuerlicher Trip. Der Story-Verlauf ist relativ klar – die Protagonisten müssen von A nach B gelangen, was die Gegenspieler zu verhindern versuchen. Das Ganze ist natürlich nicht sonderlich originell und weist einige Parallelen etwa zu „Findet Dorie“ auf. Trotzdem wirkt der Film schon allein aufgrund der Figurenkonstellation eigenständig genug. Dabei machen nicht nur Everest und Yi eine gewaltige Entwicklung durch, sondern auch einige andere Charaktere. Der im selben Haus wie die junge Heldin lebende, zunächst schnöselig-oberflächliche Jin (erstaunlich vielschichtig gesprochen von YouTuber Julien Bam) hilft dem Mädchen erst widerwillig, beginnt dann aber, sie zu verstehen. Die Antagonisten Dr. Zara und Mr. Burnish verändern sich im Laufe der Handlung ebenfalls – und das erfreulicherweise in eine durchaus überraschende und interessante Richtung, die man zu Beginn so wohl eher nicht vermutet hätte. Dazu gesellen sich weitere witzige Charaktere wie Yis kauzige Großmutter oder der von Basketball besessene Peng, die ebenfalls nicht nur bloße Stereotype bleiben.

Wer jetzt befürchtet, der Film wäre aufgrund der Trauer um Yis Papa oder der teilweise ziemlich spannenden Flucht für seine Kinder vielleicht zu dramatisch oder aufregend, den können wir beruhigen. Es gibt diverse auflockernde, ausgesprochen niedlich-lustige Segmente wie die Szene, in der Everest auf ungewöhnliche Weise Bekanntschaft mit einer Klimaanlage macht – und eine nette „King Kong“-Referenz wird auch eingestreut. Die Qualität der 3D-Animationen ist erstklassig. Besonders schön anzusehen sind die Momente, in denen die Macher ihrem Publikum gewaltige Panoramen zeigen – egal ob in der Stadt, in der grünen Natur oder den majestätischen, schneebedeckten Gebirgen. Allein deshalb lohnt es sich schon, den Film auf einer größtmöglichen Leinwand zu sehen. Der Detailreichtum ist streckenweise atemberaubend. Die großen Action-Sequenzen sind ebenfalls durchdacht konzipiert und exzellent bebildert. Hier merkt man dem Projekt seine neunjährige Produktionszeit positiv an.

Fazit: 
Ein mitreißend erzähltes, visuell starkes, wenn auch handlungstechnisch nicht superoriginelles Animations-Abenteuer mit viel chinesischem Lokalkolorit, das man sich in jedem Alter gut anschauen kann.   (mk)

Freitag, 27. September 2019

Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm

pic (c) StudioCanal Deutschland



Inhalt:

Da tut sich was in Mossingham! Als eines Tages, wie aus dem Nichts, merkwürdige Lichter am Himmel auftauchen, wissen die Bewohner des verschlafenen Städtchens gar nicht, wie ihnen geschieht. Was ist das bloß dort oben? Shaun das Schaf hat dafür allerdings keinen Kopf, stattdessen muss der sich nämlich mit  Bitzer herumschlagen, der all seine tollen Streiche vereitelt. Als Shaun jedoch auf ein außerirdisches Mädchen trifft, das hinter den merkwürdigen Ereignissen am Himmel steckt und mit ihrem Raumschiff nahe der Mossy Bottom Farm bruchlandete, sieht er seine große Chance gekommen: Gemeinsam mit seiner neuen Bekanntschaft aus einer weit entfernten Galaxis tun sich völlig neue Möglichkeiten auf, um den Bewohnern von Mossingham geniale Streiche zu spielen! Gemeinsam erleben die beiden jede Menge Abenteuer, auch wenn gleichzeitig klar ist, dass ihre Zufallsbegegnung nicht von Dauer ist. Oberstes Ziel der gestrandeten Alien-Dame ist es nämlich, wieder nach Hause zu kommen...


Bewertung:

 In den ersten Szenen sieht es ganz so aus, als habe sich auf der Mossy Bottom Farm seit unserem letzten Besuch nicht viel getan. Während der Farmer die meiste Zeit teetrinkend vor dem TV-Gerät hockt, glaubt Schäferhund Bitzer weiterhin, der Chef zu sein und die Schafe von morgens bis abends herumkommandieren zu können. Was Shaun natürlich nicht daran hindert, erneut jede Menge Unfug zu treiben. Die mit viel Liebe zu den Figuren und erstaunlichem Tempo in Szene gesetzten Slapstick-Einlagen, in denen der Titelheld und der Köter zu Beginn immer wieder versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, zählen zu den Highlights des Sequels. Der Einstieg erinnert noch mehr an „Tom & Jerry“ als der erste Teil (oder eben an die deutlich kürzeren Segmente der TV-Serie, auf der beide Kinofilme basieren). Dankenswerterweise sind die Kontrahenten hier aber weder so brutal noch so bösartig zueinander wie ihre Vorbilder von William Hanna und Joseph Barbera. Shaun und Bitzer sind nämlich nicht nur dann Verbündete, wenn es um die Abwendung außerhöfischer Gefahren geht. Selbst kleine Zuschauer werden an ihrem Verhalten schnell bemerken, dass sie im Grunde dicke Kumpels sind, die sich im Stall-Alltag allerdings schon mal gewaltig auf den Wecker gehen können.
Im Verlauf der Geschichte bekommen auch die restlichen Herdenmitglieder wie die Zwillinge, der exzentrische Nuts, Lämmchen Timmy oder die noch pummeliger gewordene Shirley immer wieder kleine, individuelle Glanzlichter, mit denen sie das Publikum zum Lachen bringen. Jeder dieser Momente wirkt organisch und nicht einfach nur reingezwängt, um wirklich alle beliebten Figuren irgendwie unterzubringen. Etwas weniger gelungen sind hingegen die zahlreichen Zitate an das Sci-Fi-Kino, so erinnert etwa die Geheimdienst-Truppe nicht von ungefähr an die „Men In Black“. Derlei Persiflagen hat es in den letzten Jahrzehnten aber wirklich schon zur Genüge gegeben. Da hätte man sich gern etwas Originelleres für die Antagonisten in dieser klar an Steven Spielbergs „E.T. - Der Außerirdische“ angelehnten Story einfallen lassen dürfen.

Auch die mal visuellen, mal musikalischen Anspielungen auf Sci-Fi-Klassiker wie Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ oder die Kult-Serie „Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI“ sind allzu offensichtlich untergebracht. Der etwas geschultere Zuschauer sieht jede von ihnen meilenweit kommen, während die Kids ja ohnehin nicht wissen, wo da gerade die Pointe steckt. So ist das Ergebnis im Höchstfall ein müdes Grinsen. Da machen eine köstlich-alberne Szene mit Shaun und Lu-La, die im Supermarkt reichlich Schabernack treiben, oder die Aktivitäten des Farmers, der auf dummdreiste Art versucht, aus dem schnell um sich greifenden UFO-Fieber so viel Kapital wie möglich zu schlagen, schon sehr viel mehr Spaß. Hier konzentriert sich Aardman auf seine eigentlichen Stärken, nämlich einen clever-trockenen, wunderbar britischen Humor. Sci-Fi-Parodien hingegen können eben auch viele andere (und das zum Teil sogar besser).

Dazu gibt es – speziell in der zweiten Hälfte – einige kleine Durchhänger. Dem Sequel gehen insgesamt die Frische und der kreative Enthusiasmus des Vorgängers ein wenig ab. Das soll aber nicht heißen, dass „Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm“ eine glatte Enttäuschung wäre. Wer hier mit seinem Nachwuchs oder auch als erwachsener Animations-Fan ohne Anhang ins Kino geht, macht ganz sicher keinen Fehler. Dafür sorgen neben der brillanten technischen, herrlich detailverliebten und schön atmosphärischen Umsetzung schon der flotte, umwerfend witzige Start und das stimmige, für nah am Wasser gebaute Fans jeden Alters dazu noch schwer ans Herz gehende Finale. Die wunderbare, natürlich wieder wortlos funktionierende Chemie zwischen Shaun und der mit ein paar überraschenden Alien-Superkräften ausgestatteten, liebenswert naiven Lu-La, die sich erstaunlich schnell wie eine echte Freundschaft anfühlt, trägt ebenfalls viel zum hohen Sympathiefaktor des Films bei.

 
Fazit: 
Das zweite Kino-Abenteuer des vorwitzigen Bauernhof-Helden fällt im Vergleich zum grandiosen Vorgänger zwar etwas holpriger aus, trotzdem werden junge wie ältere Shaun-Fans auch diesmal wieder eine Menge Spaß im Kino haben. Gegen einen dritten „Shaun“-Film hätten wir jedenfalls absolut nichts einzuwenden.   (mk)

Dienstag, 27. August 2019

Lupin III vs. Detective Conan: The Movie

pic (c) Kazé



Inhalt:

Die Helden der erfolgreichen Anime-Serie "Lupin III." und "Detektiv Conan" treffen in diesem Crossover erneut aufeinander: Meisterdetektiv Conan setzt alles daran, den Meisterdieb Kaito Kid, auf frischer Tat zu ertappen. Unerwarteterweise entpuppt sich jedoch der große Räuber Lupin III als das Genie hinter dem beobachteten Coup und der hat auch bereits das nächste große Ziel im Auge: den unbezahlbaren Cherry Sapphire. Oder steckt viel mehr hinter den Plänen von Lupin III als der bloße Raub des wertvollen Edelsteins? Seine rechte Hand Daisuke Jigen arbeitet immerhin plötzlich als Leibwächter für den italienischen Sänger und Schürzenjäger Emilio, den Conan, Kogoro und Ran während eines Auftrags treffen. Steckt Lupin III etwa auch hinter dem Drohbrief an Emilio, in dem er aufgefordert wird, sein großes Live-Konzert unbedingt abzusagen? Es scheint so, als hätte Lupin III ganz andere Motive, und Conan wird sie früh genug herausfinden müssen, um den Fall zu lösen...


Bewertung:

Ja, auch in diesem Film gibt es sie - die geistreichen und charmanten Conan-Momente, welche die Serie einzigartig machen. Und für Fans der Serie genügt das, um ins Kino zu gehen. Der Fall allerdings ist allerdings (auch nach Maßstäben der bisherigen FIlme) recht verworren: Mir ging irgendwann der Überblick verloren. Von den Action-Szenen, die offenbar immer die vorherigen Filme noch übertreffen müssen, gar nicht erst zu reden.

Fazit: 

Leider nicht so gut wie erhofft, dennoch für Fans sehenswert. (mk)

Sonntag, 18. August 2019

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

pic (c) Walt Disney Germany



Inhalt:

Mittlerweile ist Andy aus dem Alter raus, in dem er noch mit seinen Spielzeugen spielt. Also hat er den Cowboy Woody (Originalstimme: Tom Hanks) und den Space-Ranger Buzz Lightyear (Tim Allen) an seine kleine Freundin Bonnie (Madeleine McGraw) weitergereicht, damit sie fortan ihre Fantasie mit ihnen ausleben kann. Dann aber bastelt sie in der Vorschule aus einer Gabel ein neues Spielzeug und die harmonische Idylle im Kinderzimmer ist dahin. Denn Forky (Tony Hale), so der Name des Gefährten, ist alles andere als glücklich mit seinem Leben als Spielzeug-Gabel. Er ist sich sicher, dass er kein Spielzeug ist, sondern Müll! Als die ganze Familie einen Ausflug macht, springt er kurz entschlossen aus dem Auto. Woody kann und will Forky nicht seinem Schicksal überlassen und eilt ihm hinterher. Der Cowboy will der Gabel aus seiner Identitätskrise helfen und macht sich mit ihm auf den Weg in ein aufregendes Abenteuer, bei dem sie auch auf die alte Bekannte, Bo Peep (Annie Potts) treffen. Doch Buzz will nicht auf seinen Freund Woody verzichten und begibt sich währenddessen selber auf eine Reise, um das ungewöhnliche Duo aufzuspüren...

Bewertung:

„A Toy Story“ beginnt mit einem Blick neun Jahre zurück in die Vergangenheit: In einer stürmischen Nacht muss Woody mit ansehen, wie die Schäferin Bo Peep (die in „Toy Story 3“ gar nicht vorgekommen ist, aber jetzt wieder eine ganz zentrale Rolle spielt) in einem Umzugskarton abtransportiert wird. Allerdings legt diese Rückblende nicht nur den emotionalen Grundstein für das neue Abenteuer, sie lässt auch direkt zum Auftakt keinerlei Zweifel daran, dass Pixar in animationstechnischer Hinsicht auch diesmal wieder mit der Konkurrenz den Boden aufwischt. Wenn sich hier ein ferngesteuertes Auto mit aller Kraft dagegen wehrt, vom Schlamm und Laub davongeschwemmt zu werden, dann ist das zwar schon ziemlich dramatisch – aber der Mund steht einem nicht wegen der waghalsigen Rettungsaktion offen, sondern wegen der puren visuellen Brillanz. Immer wenn man glaubt, dass Ende der Fahnenstange sei aber langsam mal erreicht, kommt Pixar daher und macht noch einmal einen riesigen Sprung nach vorne.


Aber gut, alles andere wäre speziell der für ihre tricktechnischen Quantensprünge berüchtigten „Toy Story“-Reihe auch einfach nicht würdig gewesen. Die viel drängendere Frage war dann im Vorfeld auch, ob die Macher nach dem Abschluss der Andy-Trilogie tatsächlich noch etwas Neues zu erzählen haben – zumal es in „A Toy Story“ um einen Roadtrip geht und Roadtrips ja auch gerne mal als dramaturgisches Allheilmittel verwendet werden, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Aber keine Sorge, „A Toy Story“ ist bis obenhin vollgestopft mit weisen, cleveren, inspirierenden und zu Herzen gehenden Themen und Subplots, die auch locker für eine ganze Handvoll Filme gereicht hätten – von Forkys existenzieller Sinnkrise über Bo Peeps selbstbestimmte Lebensweise bis hin zu einem tragischen Bösewicht, dem man am Ende tatsächlich beide Daumen drückt.

Sowieso erweisen sich speziell die neuen Figuren als absolute Knaller: Die Pläne von Bunny (Jordan Peele) und Ducky (Keegan-Michael Key), mit denen sie eine greise Antiquitätenkrämerin überwältigen wollen, sind etwa dermaßen genial-gaga, dass man den leicht psychotischen, an den Händen zusammengenähten Jahrmarktstofftieren einfach nicht böse sein kann. Der andauernd posende kanadische Stuntman Duke Caboom (großartig: Keanu Reeves) ist ein ebenso zuverlässiger Gaglieferant wie Forky, nur dass die Pointen mit der lebensmüden Plastikgabel naturgemäß eine ganze Ecke trockener ausfallen. Nachdem die Reihe speziell in „Toy Story 2“ ja schon auf allerlei Western- und Science-Fiction-Einflüsse gesetzt hat, lassen die aus den 1950ern stammende Gabby Gabby (Christina Hendricks) und ihre Bauchrednerpuppen-Armee „A Toy Story“ zudem immer mal wieder in Richtung eines betont altmodischen Horrorkinos kippen. Das Ergebnis sind einige vor allem auch visuell herausragende Sequenzen (der torkelnde Gang der Bauchrednerpuppen ist göttlich).

Trotz der zahlreichen neuen Figuren erzählt „A Toy Story“ – noch viel mehr als die Vorgänger – aber in erster Linie die Geschichte von Woody. Bisher wusste der geborene Anführer immer, was zu tun ist – nämlich alles, um Andy beziehungsweise Bonnie glücklich zu machen und vor Unheil zu bewahren. Wie es eben die Aufgabe eines Spielzeugs ist. Aber was kommt danach? Auch in dieser Hinsicht erweist sich „A Toy Story“ als erstaunlich weise, angenehm tiefe Erzählung – und so kullern einem dann in den finalen 20 Minuten, nachdem sich der Film im Mittelteil vor allem als temporeicher Spaß erwiesen hat, doch noch die von der Reihe gewohnten Tränen über die Wange. Da lässt es sich dann auch gleich viel leichter verkraften, dass dafür einige der alten Stars (allen voran natürlich Buzz Lightyear, der sich diesmal mit einem Running Gag über seine innere Stimme zufriedengeben muss) ins zweite Glied zurücktreten müssen.

Fazit: 

Das vierte Meisterwerk in Folge. Das hat auf diesem immens hohen Niveau wohl noch keine andere Filmreihe zuvor geschafft. (mk)

Freitag, 19. Juli 2019

Der König der Löwen (2019)


(c) Walt Disney Germany




Inhalt:

Die Tiere Afrikas sind überglücklich, als mit dem Löwenjungen Simba (im Original gesprochen von JD McCrary) der zukünftige König der Savanne geboren wird. Als Sohn von Mufasa (James Earl Jones) gehört diesem nämlich der rechtmäßige Thron. Doch Mufasas Bruder Scar (Chiwetel Ejiofor) erhebt seinen Anspruch und erschleicht ihn sich auf tückische Weise, woraufhin Simba ins Exil verbannt wird und seine Freundin Nala (Beyoncé Knowles-Carter) verlassen muss. Mit dem quirligen Erdmännchen Timon (Billy Eichner) und dem lebensfrohen Warzenschwein Pumbaa (Seth Rogen) findet Simba aber neue Freunde und Wegbegleiter, die ihm helfen, trotz der schweren Zeit unbeschwert heranzuwachsen. Doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los und als junger Löwenmann erkennt Simba (nun gesprochen von Donald Glover), dass er in die Steppe zurückkehren und den Kampf mit Scar aufnehmen muss, um seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron zurückzuerobern.


Bewertung:

Mal ganz ohne die rosarote Brille der nostalgischen Verklärung betrachtet: Disneys „Der König der Löwen“ war im Grunde ja schon 1994 ein erzählerischer Anachronismus, schließlich lautet die erzkonservative Moral des Märchens doch, seinen von der gesellschaftlichen Ordnung vorbestimmten Platz im Leben einzunehmen, statt – wie der heranwachsende Löwe Simba – auf die Verantwortung zu pfeifen und lieber mit seinen tierischen Hippie-Freunden „Hakuna Matata“ trällernd durch die Savanne zu streunen. Auch ein Vierteljahrhundert später bleibt die Ordnung im Tierreich stabil: Was Tradition ist, wird schon stimmen, individuelle Freiheit kann hingegen nur eine vorübergehende Phase sein. Scar ist und bleibt der unbestrittene Verlierer und Bösewicht, Simba und Mufasa bewegen sich mit unbestreitbarem Recht auf der Sonnenseite der Macht, weil sie nicht nur die Starken, sondern auch die Guten sind.

Das alles störte damals (fast) niemanden und das wird es auch heute nicht tun. Denn ihre beruhigende Zeitlosigkeit zieht die Geschichte nicht zuletzt daraus, dass sie ausschließlich im Tierreich spielt, wo eben trotz aller realen gesellschaftlichen Umbrüche, die sich in der Welt der Menschen über die Jahre so abspielen, zumindest scheinbar alles beim Alten bleibt. Und so hält sich Jon Favreau in seiner Neuauflage sehr zur Freude der Disney-Nostalgiker-Front ganz eng an die Originalstory und meidet mit allen Mitteln, sich auf das Glatteis einer erzählerischen Modernisierung zu begeben. Hier wird Nala ganz sicher keinen Song über die Gleichberechtigung der Löwinnen anstimmen, wie es zuletzt noch in ganz ähnlicher Form Prinzessin Jasmin im „Aladdin“-Update getan hat.

Hypermodern dagegen sind die Methoden, mit denen die alten Lieblinge in dieser neuen Version zum Leben erweckt werden. Favreau und sein Team bedienten sich dazu einer speziellen VR-Technik, die sonst vor allem im Game-Design zum Einsatz kommt und mit der der „Iron Man“-Regisseur bereits bei der Arbeit an „The Jungle Book“ experimentierte. So ist ihm und seinen Animatoren nun das erstaunliche Kunststück gelungen, die Tiere derart fotorealistisch darzustellen, dass Kommentatoren nach den ersten veröffentlichten Bildern zunächst noch darüber spekulierten, ob es sich beim neuen „Der König der Löwen“ nicht womöglich doch um einen Realfilm handeln könnte. Die Optik ist dann auch das eine Feld, wo man sich zwar notgedrungen (lässt sich beim Fotorealismus schließlich schlicht nicht vermeiden), dann aber doch voller Selbstbewusstsein von der Vorlage entfernt hat.

Das wohl größte Wagnis ging Favreau dabei tatsächlich mit der doch sehr stark vom Zeichentrick-Original abweichenden Optik des hinterhältigen Widersachers Scar ein. Mit räudiger Mähne, dem fast leichenhaft farblosen Fell und den eingefallenen Flanken wirkt der Schurke hier kaum noch wie ein aristokratischer Antagonist, sondern vielmehr wie ein unheimlicher, unwürdiger Schatten des großen und edlen Mufasa. Und das ist es ja im Grunde auch, was die Essenz dieser Figur ausmacht, die Favreau nun mit seiner ästhetischen Entscheidung durchaus stimmig betont. Ganz nebenbei wird übrigens auch (endlich) das Geheimnis gelüftet, woher Scar eigentlich seine auffällige Narbe hat – das ist natürlich Fanservice, aber sehr gut gemachter, weil er den Charakter von Scar tatsächlich noch einmal weiter ausbaut, statt einfach nur ein vermeintliches Storyloch zu stopfen.

Auch die Sympathieträger haben nicht länger die Disney-typisch idealisierte Optik wie im Animationsfilm. Gerade den erwachsenen Löwen fehlt diesmal jeglicher süßer Kuscheltier-Anstrich, stattdessen sehen wir vor Kraft strotzende Tiere, bei denen selbst Rippen und Adern bei bestimmten Bewegungen zu erkennen sind. Besonders mutig ist Favreau bei der Darstellung der Löwinnen unter der Schreckensherrschaft Scars und seiner Hyänen-Entourage. Wenn die vorher noch so majestätischen Tiere nun völlig ausgezehrt sind und ihr Fellkleid schon ins gräuliche geht, nehmen sie selbst beinahe schon hyänenhafte Züge an und nähern sich so optisch den Fieslingen immer mehr an. Das Hyänen-Rudel um die sowohl in der deutschen als auch der englischen Fassung von „Black Panther“-Star Florence Kasumba gesprochene Shenzi selbst hätte dagegen durchaus noch konsequenter auf fies getrimmt werden können – und zwar optisch wie auch in der Sprache. Ihr irres Kichern ließ uns damals im Animationsfilm noch deutlich mehr schaudern.

Trotz des zumindest visuell naturalistischen Ansatzes bleibt „Der König der Löwen“ natürlich weiterhin ein Familienfilm – und so werden auch diesmal wieder Kinder- und Erwachsenenherzen mit knuffigen Tieren geöffnet: So verliebt man sich auch hier sofort in das Löwenbaby Simba, wenn es in der legendären Anfangssequenz von Medizinmann Rafiki (John Kani) der in Scharen zum Königsfelsen gepilgerten Tierwelt und so auch dem Zuschauer präsentiert wird. Die Tiere so darzustellen, wie sie auch in der Realität aussehen, ist nämlich zum Glück nicht der von einigen Fans befürchtete Stimmungskiller – ganz im Gegenteil: Selten hat man in einem Film (inklusive der „Phantastische Tierwesen“-Blockbuster) derart putzige Fauna gesehen.

Darunter finden sich auch einige Bewohner des afrikanischen Kontinents, die im Original nicht vorkamen, wie zum Beispiel ein überaus possierlicher Rüsselspringer. Und auch dem anarchischen Charme von Erdmännchen Timon (Billy Eichner) und Warzenschwein Pumbaa (Seth Rogen) kann das fotorealistische Fellkleid nichts anhaben. Für Fans von Publikumsliebling Pumbaa halten die Macher sogar eine besonders überraschende Neuerung bereit, von der wir hier aber nicht mehr verraten wollen, als dass sie etwas mit dem kultigen Feelgood-Ohrwurm „Hakuna Matata“ zu tun hat.

Im Vorfeld der Neuverfilmung wurde durchaus kontrovers diskutiert, dass Favreau „Der König der Löwen“ komplett am Computer wiederauferstehen lässt. So stammen nicht nur die Tiere, sondern auch alle Landschaften aus dem Rechner. Doch wer glaubt, dies würde sich als Problem erweisen, wird vom Film eindrucksvoll eines Besseren belehrt: Die überwältigend animierten Landschaften setzen neben den Figuren ebenfalls neue Maßstäbe – und dabei spielt es keine Rolle, ob Favreau und sein Team uns große Panoramaansichten präsentieren oder auch noch den kleinsten Grashalm fühlbar vibrieren lassen. So verschwindet die technische Maschinerie hinter diesem Wunder schon nach wenigen Sekunden aus der Wahrnehmung des Zuschauers. Bilder zum Staunen und große Emotionen verdrängen jeden Gedanken an irgendwelche CGI-Effekte, das hat schon den Zeichentrickklassiker von 1994 ausgemacht und diese Magie verströmt nun auch die Neuauflage.

Dass „Der König der Löwen“ einer der allerbesten Disneyfilme ist, liegt auch an der legendären Filmmusik von Hans Zimmer sowie den Songs von Elton John und Tim Rice. Beides erklingt in der Neuauflage in neuem Glanz. Die Songs des Originals sind allesamt auch hier enthalten, darunter selbstverständlich die Klassiker „Circle Of Life“, „Hakuna Matata“ und das oscarprämierte Liebeslied „Can You Feel The Love Tonight“, die allesamt nur leicht verändert wurden. Lediglich Scars Lied „Be Prepared“ wurde etwas zusammengeschrumpft, was durchaus ein kleiner Wermutstropfen ist. Mit „Spirit“ gibt es derweil einen zusätzlichen Song von Nala-Sprecherin und Pop-Superstar Beyoncé, der tatsächlich nicht unbedingt nötig gewesen wäre (außer für die kommende Oscar-Saison, wo eben nur neugeschriebene Songs nominiert werden können).

 
Fazit: 
Mit großer erzählerischer Vorsicht, aber dafür umso mehr technischem Mut setzt Jon Favreau mit dem bisher besten der aktuellen Disney-Remakes neue Maßstäbe im Animationskino, ohne dabei (allzu viel) vom unerreichbaren Charme des Originals einzubüßen.  

 
Text (c) by MK

Samstag, 29. Juni 2019

Pets 2


(c) Universum Pictures Germany



Inhalt:

Kaum verlassen die Menschen früh morgens ihr Zuhause, um in die Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen zu gehen, geht es in ihren Wohnungen auch schon drunter und drüber – denn dann haben ihre tierischen Mitbewohner sturmfrei. Hund Max (gesprochen von Jan Josef Liefers) und seine Kumpanen haben allerdings nicht nur Spaß, sondern auch neue Sorgen, als im Tumult der Großstadt sowie beim Familienurlaub auf dem Land ein Menschensprössling gehütet werden soll. Und als wäre das noch nicht genug, verliert die Spitz-Dame Gidget (Jella Haase) auch noch Quietschebienchen, Max‘ über alles geliebtes Spielzeug, an eine Horde neurotischer Katzen! Während sie sich auf eine gefährliche Undercover-Rettungsmission begibt, will auch Kaninchen Snowball (Fahri Yardım) für das Gute eintreten. Als Superheld Captain Snowball hat er es sich gemeinsam mit Shih-Tzu Daisy (Senna Gammour) zum Ziel gesetzt, einen weißen Tiger aus den Fängen eines fiesen Zirkusbesitzers zu befreien.


Bewertung:

Das Konzept der Illumination-Studios hebt sich deutlich von der schwergewichtigen Konkurrenz ab: Während bei Disney, Pixar und DreamWorks animationstechnisch herausragende Meilenstein-Werke wie „Findet Dorie“, „Vaiana“ oder „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ für bis zu 200 Millionen Dollar und mehr produziert werden, setzt Illumination auf moderate Budgets um die 70 bis 80 Millionen Dollar. Die Filme sind aber – und das ist der Clou – an der Kinokasse oft ähnlich erfolgreich wie die doppelt bis dreifach so teuren Konkurrenzproduktionen. So spielte etwa der nur 75 Millionen Dollar teure Vorgänger „Pets“ weltweit satte 875 Millionen Dollar ein, weil es der Hauptzielgruppe der Kinder herzlich egal ist, ob der Film technisch state of the art ist und sie sich sowieso nicht um nicht die Meinung von erwachsenen Kritikern scheren (die Rezensionen zu „Pets“ waren eher durchwachsen). Die Geschichte muss knuffige Helden haben, zu Herzen gehen und vor allen Dingen einen grandios-knackigen Trailer haben. Und all das trifft auch auf „Pets 2“ zu, weshalb gerade die jüngeren Kinogänger auch hier wieder ihren Spaß haben werden.

Aber nicht nur bei den Animationen geht Illumination Kompromisse ein. Denn wo etwa Pixar oft Jahre wartet, um erst eine wirklich gute Story für eine mögliche Fortsetzung zu finden (man schaue nur auf den Abstand zwischen „Toy Story 3“ und „Toy Story 4“), ist „Pets 2“ deutlich anzumerken, dass hier einfach nur möglichst schnell ein zweiter Film mit dem Helden aus dem immens erfolgreichen ersten Teil hersollte. Ganz egal wie. Und so leidet „Pets 2“ auch merklich unter der gesplitteten Handlung. Nach der atmosphärisch gelungenen Exposition in New York (mächtig aufgepumpt durch die Big-Apple-Hymne „Empire State Of Mind“ von Alicia Keys & Jay Z), wo die Zuschauer mit den sympathischen Figuren wieder vertraut und auf den neuesten Stand der Entwicklung gebracht werden, verabschiedet sich Max samt Familie schon aufs Land. Das ist auch die weit aufregendere Story, weil der Jack-Russell-Terrier dort eine Entwicklung vom Angsthasen zum mutigen Hund durchmacht und spannende Abenteuer an der Seite von Duke und dem belebenden Neuling Rooster erlebt.

Die Episode in Manhattan, in der ein Quietscheentchen aus einer mit Katzen vollgestopften Wohnung gerettet werden muss, hat ebenfalls ihren Reiz, selbst wenn sie ziemlich für sich alleinsteht. Die Anstrengungen, nicht selbst in die Fänge des grausamen Katzenimperiums zu geraten, halten sogar für ein erwachsenes Publikum ein wenig Nervenkitzel bereit. Der Strang um die Befreiung des weißen Tigers wirkt hingegen tatsächlich mehr wie ein bloßer Lückenfüller, ein Publikumsliebling wie Snowball muss halt auch im Sequel irgendwas zu tun bekommen. Erst am Ende bringt Regisseur Renaud die Handlungsstränge wieder einigermaßen sinnvoll zusammen. So bleibt der Eindruck, dass hier etwas auf die Schnelle zusammengeschustert wurde. Wobei man zumindest von der Farm-Story durchaus gern noch mehr gesehen hätte, weil „Pets 2“ hier einfach am meisten Herz beweist.

 
Fazit: 
Die Animations-Abenteuer-Komödie „Pets 2“ ist ein turbulent-sympathischer Familienspaß vor allem für junge Kinofans.


Text (c) by MK

Freitag, 10. Mai 2019

Pokémon - Meisterdetektiv Pikachu


(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:

Tim (Justice Smith) arbeitet als Versicherungsvertreter und erhält die Nachricht, dass sein Vater, ein seit jeher pflichtbewusster und hochdekorierter Polizist, verstorben sei. Tim muss sich nun darum kümmern, den Haushalt seines Vaters aufzulösen, und macht sich kurzerhand auf den Weg nach Ryme City, einer Metropole, in der Menschen und Pokémon in friedlicher Koexistenz zusammenleben. Als Tim in der Wohnung seines Vaters eintrifft, entdeckt er ein verstörtes Pikachu (Stimme im Original: Ryan Reynolds), mit dem er auch noch in der Lage ist, zu kommunizieren. Obwohl Pikachu sein Gedächtnis verloren hat, ist er der festen Überzeugung, ein Meisterdetektiv zu sein und glaubt außerdem, dass Tims Vater noch am Leben ist. Also tun sich Pikachu und Tim zusammen und machen sich in Ryme City auf Spurensuche. Dabei treffen sie auf die CNM-Nachwuchsreporterin Lucy Stevens (Kathryn Newton), die mit ihrem Pokémon Enton ebenfalls einer großen Sache auf der Spur ist. Gemeinsam decken die vier eine Verschwörung auf, die das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen und Pokémon in Ryme City für immer zerstören könnte...


Bewertung:

Die Verpflichtung von Ryan Reynolds als Stimme von Pikachu erweist sich gleich in mehrfacher Hinsicht als absoluter Glücksgriff: Dank des Social-Media-affinen Kanadiers war etwa schon das Marketing zu „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ überaus unterhaltsam. Und Reynolds‘ gleichermaßen schnoddrige wie liebenswerte Voice-Over-Performance bildet nicht nur einen herrlichen Kontrast zur gewohnten Pikachu-Sprecherin Ikue Ôtani, sondern sorgt auch dafür, dass man das knuffige, gelbe Pokémon sofort ins Herz schließt. Dies funktioniert übrigens nicht nur in der Originalversion: Reynolds‘ gewohnter Synchronsprecher Dennis Schmidt-Foß leistet in der deutschen Fassung nicht weniger gute Arbeit.

Dass Pikachu so eine überzeugende Hauptfigur ist, ist aber auch ein Verdienst der überragenden Animation, die das Pokémon jederzeit absolut lebensecht wirken lässt. Auch die Szenendiebe Enton und Pantimos sind hervorragend gelungen, allerdings sehen längst nicht alle Taschenmonster so gut aus. Das liegt einerseits wohl daran, dass sie nicht alle mit demselben Aufwand animiert wurden. Einige der Wesen haben aber auch eine so überdeutliche Comic-Optik, dass sie sich nicht ganz glaubwürdig in die Realfilmwelt um sie herum einfügen. Während man bei Detektiv Pikachu das Gefühl hat, auf die Leinwand fassen und durch das gelbe Fell streicheln zu können, wirkt der in einem Pokémon-Duell auftretende Glurak viel mehr wie ein Fremdkörper (übrigens eine von erfreulich wenigen Szenen, bei denen man merkt, dass es sich hierbei um eine Videospielverfilmung handelt).

Wie ein Fremdkörper wirkt auch Kathryn Newton („Big Little Lies“), die bei ihren ersten Szenen noch mit jeder Menge Overacting agiert und sich damit vor allem gegenüber dem sehr zurückgenommen spielenden Justice Smith („Margos Spuren“) abhebt. Der Kontrast erscheint zunächst bizarr, doch Newtons Femme-Fatale-Performance und die von Neonlicht erhellten Seitenstraßen von Ryme City sorgen dafür, dass sich „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ kurzzeitig wie eine Noir-Story anfühlt. Schnell schwenken Letterman und seine Autoren allerdings auf deutlich konventionellere Bahnen. „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ entwickelt sich dann zu einer größtenteils vorhersehbaren, familiengerechten Detektivgeschichte, bei der die finale Auflösung (die wir hier natürlich nicht verraten) nicht wirklich sauber erzählt wird und nachträglich noch ein großes Logikloch in die Handlung reißt.

Fazit: 
Pokémon-Fans dürften an „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ ihre helle Freude haben. Doch Ryan Reynolds‘ Pikachu-Performance und die größtenteils gelungene Verschmelzung von Realfilm und animierten Pokémon können nicht über die uninspiriert erzählte Story hinwegtäuschen.


Text (c) by MK

Samstag, 9. Februar 2019

Drachenzähmen leicht gemacht 3 - Die geheime Welt

(c) Universal Pictures Germany



Inhalt:

Seit dem Tod seines Vaters ist Hicks der neue Anführer der Wikinger von Berk. Mit seinen Freunden, seiner Mutter Valka und vor allem seinem besten Freund Ohnezahn befreit er immer mehr Drachen aus der Gefangenschaft, was aber auch zu Problemen führt: In Berk leben mittlerweile so viele Drachen, dass es kaum mehr Platz gibt. Und all den Drachenfängern sind Hicks und Co. natürlich ein Dorn im Auge. Daher soll der finstere Drachentöter Grimmel für sie das Problem Hicks erledigen und er weiß, dass nur Ohnezahn der Schlüssel dazu sein kann. Nach einem ersten Angriff von Grimmel trifft der junge Wikinger-Anführer eine folgenschwere Entscheidung: Er beschließt, mit seinem Volk die Heimat zu verlassen und nach einer sagenumwobenen geheimen Welt zu suchen, in der Menschen und Drachen versteckt vor der Öffentlichkeit in Frieden leben sollen. Doch er ahnt nicht, dass er Grimmel damit nur in die Karten spielt und dieser auch noch ein As im Ärmel hat: Er nutzt einen weiblichen Nachtschatten, um Ohnezahn den Kopf zu verdrehen und so von seinem Freund zu entzweien...

Bewertung:

Dass nach dem großen Zeitsprung von fünf Jahren zwischen den ersten beiden Filmen dieses Mal nur ein einzelnes Jahr vergangen ist, wird nicht nur direkt aus dem Off erzählt, sondern auch in der Figurenentwicklung des Protagonisten deutlich: Hicks ist zwar nun der Anführer der Wikinger von Berk, steht aber halt immer noch an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die zentralen Konflikte ähneln daher (etwas zu sehr) denen des Vorgängers. In „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ fühlte er sich nicht geeignet, die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Nun ist er zwar gezwungenermaßen der neue Anführer, glaubt aber immer noch nicht an seine Fähigkeiten. Einige Elemente fühlen sich daher etwas repetitiv an – was zum Teil auch an der Figur des Bösewichts liegt. Grimmel ist zwar per se ein starker, angsteinflößender Antagonist, aber im Wesentlichen auch eine Wiederholung von Drago Blutfaust aus dem zweiten Teil – es wird halt nur, wie es sich für ein Sequel gehört, noch einer draufgesattelt: Grimmel will Ohnezahn und Co. diesmal nicht wie Blutfaust einfach nur fangen, sondern töten. Und die Drachen unter seiner eigenen Kontrolle hat er dazu auch noch „gedopt“.

Die fehlende erzählerische Innovation sorgt zwar dafür, dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ wie auch schon der direkte Vorgänger nicht an die Klasse des ersten Teils heranreicht, aber ein guter Film, den man unbedingt im Kino sehen sollte, ist es trotzdem: Schließlich übertreffen sich Regisseur DeBlois und sein Team in Sachen visueller Brillanz erneut – und zwar bis in den Abspann hinein, in den, was keine Selbstverständlichkeit ist, auch die deutschen Synchronsprecher richtig integriert wurden. Der eröffnende Angriff von Hicks und seinen Freunden auf ein Drachenjägerschiff ist herausragend inszeniert. Über weite Strecken sogar ohne Schnitt entfaltet sich direkt zum Auftakt ein großes Action-Stück: Es duellieren sich an verschiedenen Orten gute und böse Wikinger, die Drachen setzen zu ihren mächtigen Angriffen an oder werden aus Käfigen befreit. Diese Sequenz kann sich ganz locker mit Realfilm-Highlights des vergangenen Kinojahres wie der ähnlich schnittlos zwischen verschiedenen Schauplätzen wechselnden Sizilien-Dächer-Verfolgungsjagd in „Aquaman“ messen. Dazu passen die perfekt getimten humorvollen Einschübe wie zum Beispiel ein Running Gag um den einen Baby-Drachen mitschleppenden Fischbein.

Dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ schon jetzt zu den visuellen Highlights des Kinojahres 2019 gehört, macht auch die auf den Auftaktüberfall folgende Rückkehr nach Berk deutlich: Der Himmel ist voll von den verschiedensten Drachenarten – ein sensationeller Anblick und dabei nur ein Vorgeschmack auf die prächtigen Bilderwelten, die später auf der Reise der Wikinger noch kommen werden, auf die wir hier aber aus Spoilergründen nicht weiter eingehen wollen. Einen Anteil daran dürfte übrigens auch Roger Deakins haben: Der bereits 14 Mal für den Oscar nominierte und zuletzt für „Blade Runner 2049“ endlich prämierte Kameragott war schon bei den Vorgängern als „visueller Berater“ mit an Bord. Vor allem bei der Be- und Ausleuchtung einzelner Szenen brachte sich der auch als „Meister über Licht und Schatten“ bekannte Deakins ein - und wie wichtig genau dieser oft unterschätzte Aspekt ist, beweist „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ erneut eindrucksvoll.

Daneben besticht „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ durch seine immense Detailverliebtheit (es lohnt sich darauf zu achten, wie Hicks‘ Mannwerden durch leicht zunehmende Bartstoppeln illustriert wird) und jede Menge Humor für alle Altersklassen. Während es bei der Liebesgeschichte von Hicks und seiner Astrid und der Frage, ob die beiden nicht endlich heiraten müssen, ein wenig dauert, bis die Macher den richtigen Ton treffen, sind die Flirts zwischen Nachtschatten Ohnezahn und einem strahlend weißen Tagschatten von der ersten Sekunde an romantisch und komisch. Seine Tollpatschigkeit und ihre Eleganz werden nicht nur wunderbar als Gegensätze positioniert, sondern auch illustriert: Die Mimik von Ohnezahn, dem eigentlichen Star der Reihe, ist im dritten Kinofilm so gut wie nie zuvor. Und so hilft diese visuelle Brillanz gepaart mit der rührenden Komik immer wieder über kleine inhaltliche Schwächen hinweg. Wer sich gerade noch wundert, warum hier selbst der eigentlich zentrale Konflikt über das Zurücklassen der vom Vater anvertrauten Heimat doch recht beiläufig abgehandelt wird, der bekommt in der nächsten Szene so viel zu Staunen und/oder zu Lachen, dass er diesen Vorbehalt direkt wieder vergisst.

Fazit: 
„Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ ist trotz erzählerischer Schwächen ein berührend humorvolles und visuell herausragendes Trilogie-Finale.

Text by (mk)

Montag, 28. Januar 2019

Ralph reichts 2: Chaos im Netz


(c) Walt Disney Germany



Inhalt:

Randale-Ralph (Stimme im Original: John C. Reilly) und seine beste Freundin, die Rennfahrerin Vanellope von Schweetz (Sarah Silverman), müssen ihre Arcade-Spiele verlassen, um in den Weiten des Internets nach einem Ersatzteil für das kaputte Kart-Automatenspiel Sugar Rush zu suchen. Ihnen bleibt nicht viel Zeit, weil Mr. Litwak (Ed O’Neill) den Automaten bald für immer ausstöpseln möchte. Doch wo sollen sie in den Weiten des World Wide Webs überhaupt mit ihrer Suche anfangen? Verzweifeln hilft nicht, ein neues Lenkrad muss schließlich her. Bei ihrer Suche landen sie schließlich bei eBay, wo sie das Konzept der Auktionsplattform nicht verstehen und Geld bieten, das sie nicht haben. Nun müssen sie aber 27.001 Dollar auftreiben, um das Lenkrad, auf das sie geboten haben, bezahlen zu können und die Annullierung der Auktion zu verhindern. Bei ihrer Suche nach Geld lernen sie den Algorithmus Yesss (Taraji P. Henson) kennen, der ihnen das Netz erklärt und sie auf die Webseite OhMyDisney.com bringt. Das ist der Ort, an dem sich alle Figuren tummeln, die Disney gehören, ob nun Prinzessin, Marvel-Held oder „Star Wars“-Droide. Die Hilfe von Yesss hilft Ralph und Vanellope jedoch nicht viel, denn die beiden sind so unerfahren mit dem Surfen im Netz, dass sie innerhalb kürzester Zeit das reinste Chaos im Internet hinterlassen…


Bewertung:

Die Liste der cleveren Ideen, mit denen die „Ralph reichts 2“-Macher die positiven wie negativen Eigenheiten des Internets in ihrer Animationsfilm-Wunderwelt zum Leben erwecken, ist schier endlos. Beim ersten Mal Angucken bekommt man davon wahrscheinlich nur einen Bruchteil mit und trotzdem ist mein Notizblock nach der Pressevorstellung randvoll geschrieben mit solchen kreativen Details, von denen ich an dieser Stelle aber nur ein einzelnes stellvertretend verraten will, um euch nicht den Spaß zu nehmen, sie selbst alle auf der Leinwand zu entdecken: Wenn der Videoportal-Algorithmus Yesss auf den letzten Drücker noch schnell ein paar Millionen Views generieren muss, schickt sie eine Art Drückerkolonnen-Armee los, um Besucher anderer Webseiten abzuwerben. Und was sind das wohl für Verkäufer-Soldaten, die einen so lange nerven, bis man sich die Videos ansieht, ob man nun will oder nicht? Genau, Pop-ups! Perfekt getroffen.

Und dass nach den etlichen originalen Videospielfiguren im ersten Teil diesmal jede Menge reale Internetportale mitsamt ihren Logos im Film vorkommen, trägt ungemein zum Wiedererkennungswert bei: Obwohl das Abenteuer in einem abstrakten Cartoon-Universum spielt, wird man quasi im Sekundentakt an sein tagtägliches Onlineverhalten erinnert. Und mitunter fühlt man sich womöglich sogar ein wenig ertappt, schließlich bewegen sich die Avatare der Internetnutzer die meiste Zeit über wie willenlose Massen durch die von Marken-Logos geprägte Welt von „Chaos im Netz“. Sowieso spart der Film auch die unschönen Seiten des Internets nicht aus – und damit ist nicht nur so etwas Technisches wie ein alles zerstörender Virus gemeint, sondern auch ganz simple, aber tief verletzende Hasskommentare, mit denen sich der zwar viral steilgehende, aber dennoch sehr sensible Ralph plötzlich auseinandersetzen muss.

Ganz klar im Zentrum steht aber natürlich weiterhin der Spaß – und so laut gelacht wie bei der zu gleichen Teilen niedlichen wie bösen Mobile-Game-Mid-Credit-Sequenz aus „Chaos im Netz“ (Sichwort: „platzendes Häschen“) haben wir schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr. Aber nicht nur die Pointen sitzen sicher, auch in Sachen Action hat „Ralph reichts 2“ eine Menge zu bieten. Ein größerer Teil des Sequels spielt nämlich in dem Rennspiel „Slaughter Race“, das sicher nicht von ungefähr eine Menge Parallelen zu „GTA“ aufweist und zudem mit dem wohl großartigsten Hai-Cameo aller Zeiten aufwartet. Die zentrale Verfolgungsjagd kann es dabei zwar nicht ganz mit der ähnlich gelagerten VR-Rennsequenz aus Steven Spielbergs „Ready Player One“ aufnehmen, kommt aber zumindest erstaunlich nahe dran. Und nachdem sich Vanellope ja schon im ersten Teil als bisher wohl eigenwilligste Disney-Prinzessin erwiesen hat, setzt sie diesen Weg nun unbeirrt fort, wenn sie die süßlich-bunte Welt von „Sugar Rush“ endgültig hinter sich lassen will, um fortan in der abgefuckt-dreckigen, erbarmungslos-tödlichen Welt von „Slaughter Race“ das Gaspedal durchzutreten.

Apropos moderne Royals: Nachdem die Disney-Verantwortlichen das Vermächtnis ihrer legendären Animationsfilm-Prinzessinnen von Schneewittchen und Cinderella über Arielle und Pocahontas bis hin zu Tiana und Merida über Jahrzehnte hinweg gehütet haben wie ihren Augapfel, ist mit „Ralph reichts 2“ endlich der Zeitpunkt bekommen, um der eigenen Studiohistorie auch mal mit einer gesunden Portion Selbstironie zu begegnen. Die Sequenz, in der Vanellope auf einer Disney-Fanpage auf all die anderen Prinzessinnen trifft, hat im Vorfeld des Kinostarts den Rest des Films fast schon ein wenig überschattet. Aber man reibt sich im ersten Moment eben auch erst mal ungläubig die Augen, wenn Disney hier seine ikonischen und immer auf ein Podest gestellten Figuren erst einmal anständig durch den Kakao zieht – und das nicht mit irgendwelchen Gags, sondern mit welchen, die auch das eigene, über Dekaden hinweg wohlgepflegte Frauenbild scharf kritisieren. Natürlich steckt dahinter auch ein Stück weit Kalkül. Schließlich muss Disney seine wichtigsten Figuren irgendwann fit fürs neue Jahrtausend machen, statt sie weiterhin in der Vor-#MeToo-Ära veröden zu lassen. Aber berechnend hin oder her – der selbstentlarvende und zugleich ermächtigende Auftritt der Prinzessinnen ist so oder so entwaffnend komisch.

„Ralph reichts“ ist ein leuchtendes Beispiel für die alte Walt-Disney-Weisheit, dass es in einem guten Film für jedes Lachen auch eine Träne geben sollte. In „Chaos im Netz“ dauert es diesmal allerdings sehr viel länger, bis der Film nicht nur unterhält, sondern auch berührt – eine stärkere emotionale Komponente kommt nämlich erst im finalen Drittel dazu, während zuvor eher die WWW-Entdeckungsreise als die Figuren im Mittelpunkt stehen. Allerdings funktioniert der zentrale Konflikt zwischen Penelope und Ralph dann auch wirklich gut – und die Moral von der Geschicht‘ wirkt dann auch nicht wie eine der guten alten Disney-Weisheiten, sondern der Protagonistin angemessen erstaunlich modern, relevant und ambivalent. Mit „Ralph reichts 2“ scheint nun auch Disneys Animationsabteilung endgültig im neuen Millennium angekommen zu sein. Herzlich willkommen!

Fazit: 
„Ralph reichts 2: Chaos im Netz“ ist einer der cleversten Filme, die jemals animiert wurden – und zum Schreien komisch ist er noch dazu!


Text (c) by MK

Freitag, 30. November 2018

Der Grinch 2D


Facts:
Genre: Animation, Familie
Regie: Scott Mosier, Yarrow Cheney
Cast/Stimmen: Otto Walkes, Xara Eich, Alexander Doering
Laufzeit: 86 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany

(c) Universal Pictures Germany



Inhalt:
Der Grinch (Stimme im Original: Benedict Cumberbatch / deutsche Stimme: Otto Waalkes) ist ein grüner, zynischer Miesepeter, der gemeinsam mit seinem treuen Hund Max in einer Höhle oberhalb des Dörfchens Whoville lebt, wo man Weihnachten über alles liebt. Der Griesgram hasst jedoch das Weihnachtsfest mehr als alles andere und findet die ausgelassenen Feierlichkeiten der Dorfbewohner fürchterlich. Als das nächste Weihnachtsfest vor der Tür steht, hat der Grinch endgültig die Schnauze voll und beschließt, die Feierlichkeiten zu sabotieren und Weihnachten zu stehlen. Bei der Umsetzung seines diabolischen Plans trifft er auf die kleine Cindy-Lou, die an Heiligabend extra länger wachgeblieben ist, um den Weihnachtsmann zu treffen und ihm dafür zu danken, dass er ihre überarbeitete Mutter unterstützt. Und ihre guten Absichten drohen seine Pläne zunichte zu machen…


Bewertung:
Gerade in den USA sind die Geschichten von Dr. Seuss unglaublich populär, weshalb Verfilmungen fast immer sichere Hits sind. Daher verwundert es nicht, dass die „Minions“-Erfinder von Illumination mit „Der Grinch“ bereits ihre zweite Seuss-Adaption in die Kinos bringen. Schließlich erzielte „Der Lorax“ allein in den USA Einnahmen von mehr als 210 Millionen Dollar. Im Rest der Welt sind die Werke des deutschstämmigen Kinderbuchautors und Comiczeichners weniger verbreitet. Für „Der Lorax“ lösten so in Deutschland auch nur rund 480.000 Zuschauer ein Ticket. Und so verwundert es nicht, dass im neuen „Der Grinch“ von der Essenz der Vorlage nur noch der reimende Voice-Over übriggeblieben ist, sich die Macher sonst aber vor allem an gängigen Animations- und Familienfilmstandards orientieren, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit auf großen Anklang stoßen dürften.

Aus der das Weihnachtsfest abgrundtief verachtenden Titelfigur ist hier ein abgeschieden lebender Einzelgänger geworden, der schon während der ersten Versuche, das Fest der Dorfbewohner zu sabotieren, immer wieder mit sich hadert. Denn eigentlich würde er ja selbst nur zu gerne mitfeiern. Wo Jim Carreys Interpretation im Jahr 2000 zumindest teilweise furchteinflößend war, ist der animierte Grinch nun regelrecht weichgespült. Selbst im verschneiten Whoville hat niemand Angst vor ihm. Die Bewohner versuchen sogar immer wieder, ihn von der Schönheit des Weihnachtsfests zu überzeugen. Dies nimmt der ganzen Geschichte ihre emotionale Fallhöhe und spiegelt sich auch in der deutschen Synchronisation wider. Die Albernheit von Kultkomiker Otto Waalkes erinnert an seine Interpretation des Faultiers Sid in den „Ice Age“-Filmen und so fehlt ihm jegliche Spur von Gemeinheit, die die Figur eigentlich ausmacht. Selbst wenn er die Bewohner des Städtchens „ärgert“, klingt das eher schelmisch als bösartig.

Dass der Grinch wirklich Weihnachten zerstören will, ist so zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Passend dazu erweisen sich die Vorbereitungen auf den großen Beutezug, bei dem sämtliche Geschenke und jeglicher Weihnachtsschmuck aus Whoville verschwinden sollen, ein reines Slapstick-Fest - und auch die tragische Hintergrundgeschichte des Protagonisten wird nahezu komplett ausgeblendet: Dass der Grinch einst ein Weihnachten alleine verbringen musste und seither nur negative Gedanken an das Fest hegt, ist den Drehbuchautoren Michael LaSieur  und Tommy Swerdlow  nur eine kurze, wenn auch gefühlvoll inszenierte Rückblende wert.

Der weichgewaschene Grinch ist dafür die meiste Zeit über aber richtig komisch, was vor allem an der Dynamik innerhalb eines sehr unkonventionellen Trios liegt: Dass die Titelfigur ihre Pläne diesmal gemeinsam mit seinem szenenstibitzenden Hund Max sowie einem faulen, gefräßigen Rentier in Angriff nimmt, sorgt für viele amüsante Szenen und gelungene Pointen. Im Zusammenspiel mit Max funktioniert auch die Entwicklung der Hauptfigur, die sich hier nach und nach ihre Gefühle eingestehen muss. Die parallel zu den Ereignissen in der Grinch-Höhle stattfindende Erzählung rund um die kleine Cindy-Lou, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich den Weihnachtsmann höchstpersönlich zu treffen, verläuft hingegen sehr viel schematischer – wie auch das obligatorische Aufeinandertreffen beider Figuren, bei dem dann wenige Worte genügen, um das Herz des Grinch – im wahrsten Sinne – dreimal größer werden zu lassen.

Was die optischen Details angeht, setzt „Der Grinch“ zumindest im Rahmen der Illumination-Produktionen neue Standards (auch wenn Pixar dann doch noch mal ein Stück weg ist): Das Design von Whoville mit all seinem Weihnachtsschmuck und den im Dunkeln funkelnden Lichtern ist schlichtweg atemberaubend. Dazu kommt das starke Figurendesign, auch wenn der Grinch selbst mit niedergeschlagener Miene immer ein klein wenig zu knuffig aussieht. Und so passen Optik, Humor und die zurückgedrängte fiese Seite der Titelfigur zumindest stimmig zusammen - und machen „Der Grinch“ zu einem familientauglichen Wohlfühlfilm.

Fazit: 
„Der Grinch“ besitzt nicht mal mehr ansatzweise die Ambivalenz der Vorlage, ist dafür aber ein sympathischer, lustiger Weihnachtsfilm für die ganze Familie. Dafür gibts leicht angegrünte 5 von 10 Punkte von uns. (mk)