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| pic (c) Universal Pictures Germany |
Inhalt:
Als das Teenager-Mädchen Yi (Stimme im Original: Chloe Bennet) auf dem Dach ihrer Wohnung in Shanghai auf einen verängstigten Yeti trifft, kann sie ihren Augen kaum trauen. Doch nachdem sie sich das Vertrauen des magischen Geschöpfs erarbeiten konnte, tauft sie ihn schließlich auf den Namen Everest. Immerhin ist das gleichzeitig auch die Heimat der Kreatur - und genau dorthin will diese auch unbedingt wieder zurück. Gemeinsam mit ihren Freunden Jin (Tenzing Norgay Trainor) und Peng (Albert Tsai) begeben sich Yi und Everest auf eine abenteuerliche Reise durch ganz China, um ihren neuen Gefährten wieder mit seiner Familie zu vereinen. Dabei müssen sie sich unter anderem mit dem stinkreichen Laborleiter Burnish (Eddie Izzard) und der Zoologin Dr. Zara (Sarah Paulson) herumschlagen. Denn die haben es auf das Fabelwesen abgesehen, um dessen Fähigkeit, die Natur zu beeinflussen, für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.
Bewertung:
In der ersten Szene sehen wir durch die Augen von Everest, wie er aus dem von Dr. Zara geleiteten Knast für seltene Spezies ausbricht und verschreckt durch die Straßen flüchtet – hinter ihm die SUVs und Hubschrauber der sich wie Sturmtruppen gebärdenden Schergen des Labors. Der Versuch, dem Zuschauer die hektisch-verwirrende, vielleicht sogar beängstigend fremde Welt der Menschen aus dem Blickwinkel des vermeintlichen Fabelwesens zu zeigen, gelingt gut und speziell Kinder dürften sich bereits hier mit Everest identifizieren können. Westlichen Kinozuschauern hilft dabei sicher auch, dass wir uns nicht wie sonst üblich in Paris, London oder einer US-Großstadt sofort zurechtfinden, sondern von unleserlichen Schriftzeichen und zumindest ungewöhnlich anmutenden Gebäuden und Pflanzen umgeben sind.
Die nachdenkliche und kluge Yi ist – ebenso wie Everest – ein Einzelgänger. Mit ihr wird auch das etwas ältere Publikum „abgeholt“. Wer selbst kein Teenager mehr ist, dürfte sich zumindest an das Gefühl erinnern, einmal von seiner Umgebung unverstanden dazustehen. Yi drückt ihre Emotionen mit der Geige aus, die sie einst auch eng mit ihrem Vater verband. Mit Hilfe des Instruments beruhigt sie den nach der wilden Flucht angeschlagenen Everest und erfährt, dass er magische Kräfte hat, die ihr auf der gefährlichen Reise noch helfen werden. Da Everest und Yi sich nicht mit Worten verständigen können, wird Musik zu ihrer gemeinsamen Sprache – das Mädchen fiedelt, der Yeti summt und brummt. Für den mal episch-bombastischen, dann wieder ganz intimen Score zeichnet „Aquaman“- und „Wonder Woman“-Komponist Rupert Gregson-Williams verantwortlich. Wobei die leisen Stücke um einiges besser funktionieren als die schon mal arg schwülstig geratenen und kurioserweise leicht keltisch anmutenden „großen Momente“.
Nachdem die beiden Hauptfiguren so effektiv eingeführt wurden, beginnt auch schon ihr abenteuerlicher Trip. Der Story-Verlauf ist relativ klar – die Protagonisten müssen von A nach B gelangen, was die Gegenspieler zu verhindern versuchen. Das Ganze ist natürlich nicht sonderlich originell und weist einige Parallelen etwa zu „Findet Dorie“ auf. Trotzdem wirkt der Film schon allein aufgrund der Figurenkonstellation eigenständig genug. Dabei machen nicht nur Everest und Yi eine gewaltige Entwicklung durch, sondern auch einige andere Charaktere. Der im selben Haus wie die junge Heldin lebende, zunächst schnöselig-oberflächliche Jin (erstaunlich vielschichtig gesprochen von YouTuber Julien Bam) hilft dem Mädchen erst widerwillig, beginnt dann aber, sie zu verstehen. Die Antagonisten Dr. Zara und Mr. Burnish verändern sich im Laufe der Handlung ebenfalls – und das erfreulicherweise in eine durchaus überraschende und interessante Richtung, die man zu Beginn so wohl eher nicht vermutet hätte. Dazu gesellen sich weitere witzige Charaktere wie Yis kauzige Großmutter oder der von Basketball besessene Peng, die ebenfalls nicht nur bloße Stereotype bleiben.
Wer jetzt befürchtet, der Film wäre aufgrund der Trauer um Yis Papa oder der teilweise ziemlich spannenden Flucht für seine Kinder vielleicht zu dramatisch oder aufregend, den können wir beruhigen. Es gibt diverse auflockernde, ausgesprochen niedlich-lustige Segmente wie die Szene, in der Everest auf ungewöhnliche Weise Bekanntschaft mit einer Klimaanlage macht – und eine nette „King Kong“-Referenz wird auch eingestreut. Die Qualität der 3D-Animationen ist erstklassig. Besonders schön anzusehen sind die Momente, in denen die Macher ihrem Publikum gewaltige Panoramen zeigen – egal ob in der Stadt, in der grünen Natur oder den majestätischen, schneebedeckten Gebirgen. Allein deshalb lohnt es sich schon, den Film auf einer größtmöglichen Leinwand zu sehen. Der Detailreichtum ist streckenweise atemberaubend. Die großen Action-Sequenzen sind ebenfalls durchdacht konzipiert und exzellent bebildert. Hier merkt man dem Projekt seine neunjährige Produktionszeit positiv an.
Fazit:
Ein mitreißend erzähltes, visuell starkes, wenn auch handlungstechnisch nicht superoriginelles Animations-Abenteuer mit viel chinesischem Lokalkolorit, das man sich in jedem Alter gut anschauen kann. (mk)







