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Donnerstag, 10. September 2020

X-MEN: THE NEW MUTANTS


X-MEN: THE NEW MUTANTS

Genre: Horror, Thriller, SciFi
Regie: Josh Boone
Cast: Maisie Williams, Any Taylor-Joy, Charlie Heaton
Laufzeit: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Walt Disney


Poster zum X-Men: The New Mutants - Bild 37 auf 45 - FILMSTARTS.de
(c) Walt Disney



Inhalt:

In einer mysteriösen Klinik werden die Teenager Illyana (Anya Taylor-Joy), Sam (Charlie Heaton), Roberto (Henry Zaga) und Rahne (Maisie Williams) behandelt. Sie sind Mutanten und sollen angeblich unter der Anleitung von Dr. Reyes (Alice Braga) lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren, damit sie keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellen. Doch nach der Ankunft der neuesten Patientin Dani Moonstar (Blu Hunt) leiden die übrigen Jugendlichen vermehrt unter Flashbacks, Albträumen und erschreckend realen Halluzinationen, was die ohnehin schon angespannte Situation unter den eingesperrten und wenige Freiheiten genießenden Teenagern noch weiter verschärft. Doch bald müssen sie feststellen, dass hinter ihrer Klinik mehr steckt, als sie bislang wissen. Die neuen Mutanten müssen nun ihre gegenseitige Skepsis ablegen und zusammenarbeiten, um gemeinsam mit vereinten Kräften zu überleben.


Bewertung:

Der eine oder andere Zuschauer wird „The New Mutants“ mit einem Gefühl der Neugierde und Vorfreude verlassen – nämlich auf das, was da jetzt kommt für diese neuen Mutanten, die keine „X-Men“ sind. Doch informierte Leser wissen bereits: Da folgt nix mehr! Obwohl sich das Coming-Of-Age-Horror-Drama phasenweise wie ein Prolog für ein komplett neues Kapitel anfühlt, ist der durch eine direkt übernommene Szene lose mit „Logan - The Wolverine“ verbundene „The New Mutants“ das endgültige Ende der bisherigen „X-Men“-Saga des mittlerweile von Disney übernommenen Studios Fox.

So muss man fast schon froh sein, dass der Film nach zahlreichen Verzögerungen und Problemen schon weit in der Vorproduktion nun überhaupt noch in die Kinos kommt. Dort ist er nun ein deutlich besserer Endpunkt der Mutantenfilmreihe, als es noch der misslungene „Dark Phoenix“ war – was vor allem an einem starken Cast rund um drei beeindruckende Hauptdarstellerinnen liegt und am Gespür von Regisseur Josh Boone für die Gefühle seiner jungen Figuren. Den oft angekündigten Horror sollte man aber nicht erwarten...

Auf dem Papier war es definitiv eine hervorragende Idee, Josh Boone mit „The New Mutants“ einen sich komplett vom Actionbombast der Hauptreihe abhebenden, ganz eigenen kleineren „X-Men“-Film als Horror-Drama mit jungen Protagonisten machen zu lassen. Der Gruselkost-Liebhaber und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“-Regisseur scheint die perfekte Wahl, um diese zwei Welten zu vereinen. Und immer wieder ist in „The New Mutants“ zu spüren, dass die Genres so hochklassig hätten verbunden werden können wie im ersten Teil der jüngsten Adaption von „Stephen Kings ES“.

Doch am Ende überzeugt nur die eine Seite. Wie schon in seinen vorherigen Filmen beweist Boone nämlich erneut, dass er die (hier allerdings etwas weniger komplex dargestellten) Gefühlswelten von jungen Menschen auf der großen Leinwand erzählen kann. Wenn sich Dani und Rahne langsam annähern, ist dieses zarte Erwachen der ersten Liebe, sind die Schmetterlinge im Bauch der beiden jungen Frauen förmlich zu spüren. Der Regisseur muss seine Figuren nicht groß sprechen lassen, er findet die richtigen Bilder, eine wunderbar passende musikalische Untermalung und hat vor allem zwei großartige Darstellerinnen.

Insbesondere Maisie Williams beweist (in der Originalfassung mit ungewohntem schottischen Zungenschlag) einmal mehr, dass sie nach ihrem Durchbruch mit „Game Of Thrones“ und dem Ende der gefeierten Fantasy-Saga nicht so schnell wieder von der Bildfläche verschwinden wird. Der aufgrund ihrer Superheldenkräfte nicht unwichtige, mehrfach bemühte Blick in ihre Augen wird von ihr immer mit subtilem Minenspiel begleitet. Ohnehin ist der Cast ein Prunkstück. Anya Taylor-Joy („Emma.“) hat aufgrund ihrer extrovertierten Figur die sicher am stärksten herausstechenden Momente. Daneben meistert die aus der Serie „The Originals“ bekannte Blu Hunt in ihrer allerersten Kinorolle den Identifikationspart.

Durch ihre Augen lernen wir Zuschauer die mysteriöse Einrichtung kennen und fangen an, uns Fragen zu stellen. Was geht hier vor? Welche unterschiedlichen Kräfte haben all die jungen Patienten? Warum scheint Dr. Reyes allein das gesamte Personal zu bilden? Und was ist der wahre Zweck dieser Einrichtung, die ganz sicher keine Nachwuchs-X-Men ausbildet, wie die Jugendlichen anfangs noch spekulieren? Leider kommen auch hier die größten Schwächen ins Spiel. Boone versteht es zu wenig, uns mit diesen Mysterien zu fesseln, zu oft geht er viel zu platt vor.

Das macht sich schon in den Drama-Momenten negativ bemerkbar, wenn die Verschiedenheit und die einzelnen Charakteristika der fünf Jung-Mutanten beim ersten gemeinsamen Auftritt in einer Gruppentherapie ziemlich unelegant mit dem Holzhammer eingebläut werden. Gerade im Horror-Thriller-Teil ist es aber besonders schmerzhaft. Insbesondere ist die Visualisierung der Albträume zu oft zu stumpf auf einen schnellen Schockmoment hin aufgebaut, der dann mangels guter Vorbereitung nicht einmal eintritt. Selbst eine von Schockrocker Marilyn Manson vertonte, als Mischung aus russischem Mafioso und zähnefletschender Monster-Fratze gelungen designte Horror-Gestalt lässt nur erahnen, was hier möglich gewesen wäre.

„The New Mutants“ fehlt so die richtige Spannung. Das mit teilweise nur sehr durchschnittlichem CGI aufwartende Finale ist zudem eher von der Sorte belanglos, sodass selbst die kleineren etwas stärkeren Momente in dem eher uninteressanten Abarbeiten der vollen Präsentation der einzelnen Superkräfte untergehen. Der Showdown wirkt so eher wie eine Pflichtübung, eine Notwendigkeit, die eingebaut werden musste, weil das Publikum bei einer Superhelden-Comic-Verfilmung die große Schlacht am Ende gewöhnt ist. Aber irgendwie ist so ein Finale, das nicht so wirklich zum übrigen Film passen will, dann auch ein passender Abschluss für das „X-Men“-Franchise, bei dem über die Jahre ja auch sehr vieles nicht so richtig zusammenpasste.

Fazit: 

Gelungene Comic-Of-Age-Geschichte trifft lahmen Horrorfilm. Da hätte man aus dem Part des Horrorfilms wesentlich mehr machen können, aber man wollte wohl die Tennie-Fans von Maisie Williams nicht verschrecken. Dennoch bekommt der Film 7,5 von 10 horrorfreie Punkte von uns. (mk)

Freitag, 6. September 2019

ES Kapitel 2

pic (c) Warner Bros GmbH



Inhalt:

27 Jahre sind vergangen, seit sich mehrere Kinder in der Kleinstadt Derry einem Monster in den Weg stellten und es scheinbar besiegten. Als Derry erneut von einer Mordserie heimgesucht wird, dämmert dem als Bibliothekar arbeitenden Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), dass ES zurück ist und er beschließt, seine einstigen Freunde vom Club der Verlierer anzurufen. Sie alle haben Derry längst den Rücken gekehrt und erinnern sich nicht einmal mehr daran, was damals passiert ist. Doch als Bill Denbrough (James McAvoy), Beverly Marsh (Jessica Chastain), Ben Hanscom (Jay Ryan), Richie Tozier (Bill Hader), Eddie Kaspbrak (James Ransone) und Stanley Uris (Andy Bean) den Anruf von Mike erhalten und von ihm an ein altes Versprechen erinnert werden, wissen sie, dass sie aus irgendeinem Grund zurück nach Derry müssen. Bevor sie jedoch erneut den Kampf mit dem meist in Form des sadistischen Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) auftretenden ES aufnehmen können, müssen sie sich erst einmal daran erinnern, was in ihrer Vergangenheit passiert ist…

Bewertung: 

Schon nach der Eröffnungssequenz ist klar, dass „ES Kapitel 2“ der im Vergleich zum Vorgänger sehr viel düsterere Film wird. Aber das ist ja auch kein Wunder. Denn wo Pennywise im Jahr 1989 noch in ein (vermeintliches) Kleinstadtidyll hereinbricht, erweist er sich im Jahr 2016 nur als weiteres Symptom einer ohnehin von Traumata gebeutelten Welt. Dazu passend beginnt Muschietti seine Verfilmung mit dem Hassverbrechen an einem schwulen Paar, das zwar bereits im Roman eine zentrale Rolle spielt, in der Mini-Serie von 1989 aber ausgespart wurde. Dabei gerät die Brutalität, mit der die homophoben Angreifer (einer von ihnen ist noch ein Kind) auf ihre Opfer eintreten, derart intensiv, dass der kurz darauf folgende Moment, in dem Pennywise dem von der Brücke geworfenen Adrian Mellon (Queer-Cinema-Wunderknabe Xavier Dolan) in den Arm beißt, vergleichsweise harmlos wirkt. Ein grandioser Downer-Einstieg ...

... nach dem man sich sofort fragt, ob Muschietti bei der Zeichnung der Verlierer wohl genauso radikal weitermachen wird. Die Antwort lautet leider: nein. Trotz der stolzen Laufzeit wird sogar erstaunlich wenig Zeit darauf verwendet (selbst im Vergleich zur insgesamt ja viel kürzeren Mini-Serie), die erwachsengewordenen Protagonisten in ihrem neuen, noch immer von den damaligen Traumata geprägten Alltag zu zeigen. Das ist vor allem bei der Figur von Beverly Marsh sehr schade – denn wo die Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann sowohl im Buch als auch in der 89er-Verfilmung auf verstörende Weise abgefuckt war, erweist sich ihr Ehemann nun in seiner einzigen kurzen Szene als Stereotyp des krankhaft eifersüchtigen Schlägers. Das ist funktionell, aber nicht sonderlich aufregend.

Die knappe Einführung der erwachsenen Figuren ist zwar schade, aber für den weiteren Film zum Glück kein Problem. Muschietti hat schließlich auch abseits der beiden Stars James McAvoy („Glass“) und Jessica Chastain („Interstellar“) eine herausragende Gruppe von Schauspielern zur Verfügung, die nicht nur allesamt sehr passend zu ihren 27 Jahre jüngeren Ichs gecastet wurden (vor allem Teach Grant ist als inzwischen in der Psychiatrie einsitzender Henry Bowers einfach perfekt), sondern auch der psychologisch-dramatischen Ebene der Geschichte eine Gewichtigkeit verleihen, die man sonst im Mainstream-Horrorkino in den allermeisten Fällen vergeblich sucht. Vor allem das im ersten Teil etablierte Zusammengehörigkeitsgefühl der Verlierer spürt man auch beim ersten Treffen der Derry-Rückkehrer in einem chinesischen Restaurant sofort wieder (und das, obwohl sich die Zahl der Rückblenden gerade in Anbetracht der Beliebtheit der Kinderdarsteller doch in Grenzen halten). Allerdings ist es auch gerade wegen dieser sofortigen Verbundenheit so schade, dass der Romanplot die Gruppe sofort wieder auseinanderreißt ...

... schließlich muss sich jeder der Verlierer zunächst einmal seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit stellen. Aber während im Roman zum Teil viele Seiten dazwischenliegen, weil die Geschichte eben zwischen Kindern und Erwachsenen hin und her springt, folgen die fünf Episoden in der neuen Verfilmung nun Schlag auf Schlag, was dramaturgisch durchaus ein wenig redundant anmutet, zumal die ganz klar stärkste Konfrontation (aus gutem Grund) nicht nur fast vollständig als erster Trailer verwendet wurde, sondern auch als eine der ersten im Film ist. Aber letztendlich stehen dann auch in diesem Abschnitt doch klar die Qualitäten im Vordergrund – und die sind überwiegend dieselben wie beim ersten Teil: grandiose Designs, starke inszenatorische Einfälle und Bill Skarsgård („Hemlock Grove“) als Pennywise.


Vor allem die Überblendungen zwischen den Zeitebenen oder den Figuren sind etwas für Kino-Feinschmecker – wie in einem Moment das Blut von einer anderen Figur an einem anderen Ort buchstäblich in die Albträume der erwachsenen Beverly Marsh hineintropfen oder sich die Kamera den Weg hinaus aus dem pechschwarzen Dunkel von unten durch ein fast vervollständigtes Puzzle bahnt, sind nur zwei Beispiele von etlichen inszenatorischen Leckerbissen. Noch viel auffälliger als solche zum Glück nie zum Selbstzweck verkommenden, sondern immer auf die psychische Situation der Protagonisten abgestimmten Spielereien sind aber natürlich auch diesmal wieder die Kreaturen-Designs. Denen merkt man zwar immer sofort die seit seinen Kurzfilm-Durchbruch „Mama“ gepflegte Handschrift von Muschietti an, sie fallen aber trotz ihres konsequent aufeinander abgestimmten Looks wieder erfreulich abwechslungsreich aus.

Einer der ersten Höhepunkte dabei ist gleich zu Beginn die China-Restaurant-Szene, in der sich ein Teller mit Glückskeksen als Brutstätte für allerlei zunächst köstlich absurde, aber dann doch zunehmend richtig ekelhafte und grauenerregende Kreaturen entpuppt: Wenn bei einem insektenartigen Wesen die feinbehaarten Beinchen an den Augen vorbei wie bei einer pervertierten Geburt aus den Augenhöhlen hervorgekrochen kommen, merkt man den Designern ihren höllischen Spaß am Horror an. Und den haben sie – sogar noch mehr als im ersten Teil – erneut mit den Erscheinungsformen von Pennywise. Der Horror-Clown ist diesmal nämlich nicht nur noch böser (ein kleines Mädchen bei einem Baseballspiel lockt er etwa in die Falle, indem er eiskalt ihre Selbstzweifel wegen eines vermeintlich entstellenden Feuermals ausnutzt), er taucht auch noch öfter auf – und zwar auch an einigen Stellen, an denen er weder im Roman noch im TV-Zweiteiler eine Rolle gespielt hat. Vor allem im Finale ist ein Zwitterdesign zwischen Buchtreue und eigener Vision der Filmemacher besonders gut gelungen. (Wobei die grauenerregendste Pennywise-Szene in „ES Kapitel 2“ erstaunlicherweise diejenige ist, in der man ihn zur Abwechslung mal ganz kurz ohne Make-up zu sehen bekommt.) 

Und apropos Finale. Der erwachsene Bill Denbrough ist in „ES Kapitel 2“ ein erfolgreicher Horrorautor, der sich aber auch immer wieder anhören muss, dass seine Geschichten zwar großartig, seine pessimistischen Enden aber zugleich auch ziemlicher Mist seien. Sogar Stephen King selbst sagt ihm das bei seinem Cameo-Auftritt als Antiquitätenhändler geradeaus ins Gesicht – und könnte dabei natürlich genauso gut mit einem Spiegel sprechen, denn die Kritiken sind allesamt welche, die er sich auch selbst schon oft in seiner unvergleichlichen Karriere anhören müsste. Die augenzwinkernd-selbstreferenziellen Hinweise auf das Ende sind natürlich ein Spiel mit der Frage, ob dieses für die Verfilmung geändert wird. Das wollen wir natürlich nicht verraten, deshalb nur so viel: Wir sind mit dem Abschluss ebenso zufrieden wie mit dem Rest des Films – und wenn der Abspann rollt, mag man kaum glauben, dass das gerade tatsächlich 165 (!) Minuten gewesen sein sollen. Mit einem solchen sympathischen Haufen Verlierer vergeht die Zeit halt wie im Flug, Killer-Clown hin oder her.

Fazit: 

„ES Kapitel 2“ knüpft sich den im Vergleich zum Vorgänger sehr viel schwieriger zu verfilmenden Teil des Romans von Stephen King vor – und kann trotzdem auf (fast) ganzer Ebene überzeugen. Eine starke Fortsetzung mit einer angenehm ambivalenten, weil manchmal pessimistisch-abgründigen und manchmal optimistisch-anpackenden Atmosphäre irgendwo zwischen „Die Goonies“, „Stand By Me“ und einem Horror-Clown, der kleinen Kindern die Köpfe abbeißt.  (mk)

Samstag, 30. September 2017

ES (OV)



Facts:
Genre: Horror
Regie:  Andy Muschietti
Cast: Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard

Laufzeit: 135 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih:  Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH


Inhalt:
Die Kinder Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), Richie Tozier (Finn Wolfhard), Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), Beverly Marsh (Sophia Lillis), Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), Stanley Uris (Wyatt Oleff) und Mike Hanlon (Chosen Jacobs) leben in einer Stadt namens Derry im US-Bundesstaat Maine, in der immer wieder Menschen verschwinden – sowohl Erwachsene, als auch vor allem Minderjährige. Im Laufe eines Sommers erfahren die Kinder schließlich von einer monströsen Kreatur, die Jagd auf Menschen macht und sich in die schlimmsten Alpträume ihrer Opfer verwandeln kann. Meistens tritt das Biest jedoch in Form des sadistischen Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) auf. Die sieben Kinder wachsen nach und nach zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen, dem „Club der Loser“, und schwören, die Kreatur zu vernichten, die Bills Bruder Georgie (Jackson Robert Scott) auf dem Gewissen hat...

Bewertung:
 Abgesehen von Pennywise ist das größte Alleinstellungsmerkmal sowohl des Romans als auch des TV-Zweiteilers die parallele Erzählweise: Die Handlung springt immer wieder zwischen den 1950ern und 1980ern hin und her, während abwechselnd geschildert wird, wie Bill und seine Freunde als Kinder und 27 Jahre später noch einmal als Erwachsene gegen Es antreten. In der Kinoadaption fällt dieser Aspekt nun ersatzlos weg, die erwachsenen Ichs der Kinder werden maximal noch in der bereits angekündigten Fortsetzung auftauchen. Stattdessen will Regisseur Muschietti „das Publikum in die Kindheit dieser Figuren eintauchen lassen, ohne die Erfahrung durch zeitliche Sprünge oder Rückblenden zu vergiften“. Nun waren auch wir im Vorfeld schon ein bisschen enttäuscht, dass ausgerechnet diese faszinierende Seite des Stoffes ausgespart wird: Glattbügeln für ein modernes Hollywoodpublikum und so… Aber im Nachhinein müssen wir zurückrudern und zugeben: Die Entscheidung war absolut richtig! „Es“ von 1990 mag ein dramaturgisch außergewöhnliches TV-Projekt sein, nur überzeugt es eben leider nicht so recht (gerade die Sachen mit den Erwachsenen enttäuschen). „Es“ von 2017 ist hingegen ein im Vergleich gewöhnlicher erzählter Horrorfilm, der dafür aber herausragend gut funktioniert.

Das liegt zunächst einmal an der hervorragenden Besetzung: Natürlich steht Tim Currys Pennywise als einer der ganz großen ikonischen Horrorfilm-Bösewichte fast schon auf einer Stufe neben Mike Myers und Jason Voorhees. Aber Bill Skarsgård  findet mit seiner Hasenzahnprothese trotzdem einen spannenden eigenen Zugang zu der Figur – sehr viel weniger campy und ironisch, dafür aber geradeheraus grauenerregend. Noch wichtiger ist allerdings der jugendliche Cast, der hier ein eingeschworenes Cliquen-Gefühl heraufbeschwört, wie wir es glaubhafter seit der ebenfalls herausragenden Stephen-King-Verfilmung „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ nicht mehr auf der Leinwand erlebt haben: Neben dem längst etablierten Jaeden Lieberher beeindruckt vor allem Sophia Lillis als langsam gegen ihren Vater aufbegehrende Beverly Marsh.

Der aus Argentinien stammende Regisseur Andrés Muschietti hat seinen ersten Hollywood-Job bekommen, weil die Traumfabrik-Produzenten das titelgebende Monster in seinem Kurzfilm „Mamá“ derart beeindruckend fanden, dass sie ihm direkt eine Langfilmversion desselben Stoffes finanziert haben. Dieses Händchen für aufregend andere Kreaturendesigns zeigt sich nun auch in „Es“. Während uns die Riesenspinne aus dem TV-„Es“ allenfalls noch aufgrund ihrer miserablen Animation Albträume bereitet, begeistert die Neuauflage mit etlichen abgefahrenen Effekt-Ideen – vor allem wenn es um die Visualisierung der Kinderängste geht: So bekommt es Stan Uris etwa mit einer Kreatur zu tun, die genauso aussieht wie das gruselige impressionistische Gemälde im Büro seines strengen Rabbiner-Vaters, während Ben Hanscom von einem kopflosen Mann gejagt wird, dessen Animationen absichtlich ein wenig „stottern“, um so auf die Stop-Motion-Effekte der 1990er-Version zurückzuverweisen.

Gleich in der Eröffnungsszene mit Georgie und seinem Papierschiffchen gibt es einen abgerissenen Arm – da fragt man sich schon kurzzeitig, ob die Neuauflage jetzt ausgerechnet auf eine Extraportion Gore setzt, um die Spannungssequenzen aufzupeppen. Aber zum Glück werden solche Gewaltspitzen auch anschließend nie zum bloßen Selbstzweck eingesetzt, was wiederum nicht heißt, dass Muschietti vor ihnen zurückschrecken würde (die fontänenartige Menstruations-Metapher im Badezimmer fällt dieses Mal sogar gleich ein paar Nummern größer aus und begeistert zugleich als eine der stärksten Szenen des Films). Letztlich darf man „Es“ in Sachen (Schock-)Handwerk - von der hochwertigen Ausstattung über das effektive Sounddesign bis hin zum kreativen Design der wahr werdenden Albträume - so ruhigen Gewissens auf einer Stufe mit den bisherigen beiden „Conjuring“-Filmen von James Wan ansiedeln.

Fazit: 
Die Kino-Neuauflage von „Es“ ist nicht nur sehr viel besser als die TV-Verfilmung von 1990, sondern eine der besten Stephen-King-Adaptionen überhaupt. Jetzt sind wir extrem gespannt, ob Andrés Muschietti im zweiten Teil dann auch noch das mit der parallelen Erzählung ähnlich überzeugend hinbekommt. Dafür gibts erschreckende 8,5 von 10 Punkte. (fs)

Sonntag, 11. Juni 2017

Die Mumie 2017 3D



Facts:

Genre: Horror, Fantasy, Abenteuer
Regie: Alex Krutzman 
Cast: Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Russell Crowe
Laufzeit: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 
Vor 2.000 Jahren wurde die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) tief unter der Erde eingesperrt – aus gutem Grund! Denn wie Expertin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) aus Hieroglyphen entziffert, war Ahmanet als Anwärterin auf den Königsthron zu machtgierig und böse. Durch Mumifizierung und eine meterdicke Sandschicht sollte die Welt vor der Macht der Geschassten geschützt werden, doch nun wurde ihr Grab durch eine Bombenexplosion freigelegt und die Mumie ist erwacht. Ahmanet bahnt sich den Weg aus ihrem düsteren Grab hinein in unsere Gegenwart, in der es am Abenteurer Nick Morton (Tom Cruise) ist, Unheil von der gesamten Menschheit fernzuhalten. Die Tipps von Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe) im Ohr, nimmt Nick den Kampf auf. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich in der Mumie unermessliche Wut und Bosheit angestaut und sie dürstet nach Rache… 

Bewertung:
Einleitend heißt es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei.  Das Zitat „Eine Welt von Göttern und Monstern“ welches als Motto des Dark Universe dienen könnte, wie es uns in „Die Mumie“ offenbart wird. Einleitend heißt es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei. Und in kurzen Momenten zeigt Sofia Boutellas Prinzessin/Mumie eine Macht- und Lebensgier, die erahnen lässt, welche Verheißung und welche Anmaßung in diesem Satz stecken. Auch ansonsten wird das dramatische Potenzial (vom philosophischen ganz zu schweigen) dieser Prämisse gut genutzt. Zombie-Attacken mögen genauso wie die Vogelangriffe (wenn sie durchs Cockpitfenster des Flugzeugs krachen, dann kommt das gute 3D voll zur Geltung) sowie die ganzen Ratten und Spinnen, die über Cruise und Co. herfallen, oft ein wenig willkürlich daherkommen, aber sie gehören neben einem „Scherbenregen“ im Museum zu den visuellen Höhepunkten dieses Films, dem man sein 125-Millionen-Dollar-Budget durchaus ansieht.

In „Die Mumie“ geht es letztlich einmal mehr um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, einem Kampf, dem sich auch Dr. Jekylls Geheimorganisation Prodigium verschrieben hat (und die eine der Konstanten im Dark Universe werden könnte). Die Verlagerung der Haupthandlung in die Gegenwart gibt dabei die Gelegenheit zu einer beeindruckenden Flugzeugabsturzsequenz, aber abgesehen von einem überraschend boshaft eingesetzten Verweis auf die Zerstörung von Kunst- und Kulturschätzen durch den sogenannten Islamischen Staat und einer Zerstörungsorgie in Londons Straßen, die flaue Gefühle auslösen könnte, ist der Film ähnlich zeitlos wie Tom Cruise alterslos zu sein scheint – umso kurioser wirkt da eine der Schlusswendungen des Films, die tatsächlich Lust macht auf eine entsprechende Fortsetzung. Die größte Hoffnung knüpft sich aber an Russell Crowe und seinen Dr. Jekyll: Das ist hier nämlich die einzige Figur, in der echtes Leben und ein nachfühlbarer Konflikt steckt - selbst ihre kaum mehr als angedeutete Verwandlung in Mr. Hyde übertrifft den Großteil des restlichen Films an Ausdruckskraft und Emotionen.

Fazit: 
Mir hat die Neuauflage von „Die Mumie“ von Alex Kurtzmans sehr gut gefallen. Düster, Creepy und weg vom lustiges Mumien Image der letzten Filme. Guter Auftakt zum neuen Universal-Monsterfilmuniversum. Wir vergeben frisch einbalsamierte 8 von 10 Punkte.  (mk)

Samstag, 7. November 2015

The Last Witch Hunter OV



Facts:
Genre: Fantasy, Action, Horror
Regie: Breck Eisner
Cast: Vin Diesel, Rose Leslie, Elijah Wood
Laufzeit: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH


(c) Concorde Filmverleih GmbH


Inhalt: 
Einer der letzten überlebenden Hexenjäger der heutigen Welt, Kaulder (Vin Diesel), zieht durch die Straßen von New York, um die Erde vor einer zerstörerischen Kraft zu schützen – ausgestattet mit hilfreichen Tipps von Father Dolan (Michael Caine) und dessen Schüler (Elijah Wood), im Kampf unterstützt durch die Hexe Chloe (Rose Leslie). Der 700-jährige Kaulder und seine magisch begabte Begleiterin versuchen, den zahllosen bösen Hexen und Zauberern, die in New York unter dem Kommando einer niederträchtigen Königin (Julie Engelbrecht) ihr Unwesen treiben, das Handwerk zu legen. Denn die Unholde vermehren sich bedrohlich, nachdem sie bereits einen Großteil der anderen Hexenjäger getötet haben. Bald liegt es allein an dem ungleichen Duo Kaulder und Chloe, die wachsende Gegnerschar endgültig zu stoppen – und deren Anführerin... 

Bewertung:
Auf dem Papier vereint der Part des unsterblichen Hexenjägers Kaulder, den Diesel nun in Breck Eisners übernatürlichem Fantasy-Film „The Last Witch Hunter“ verkörpert, die Stärken des Schauspielers in einer Mischung aus Action und Emotion. Doch was sich in der Theorie durchaus vielversprechend anhört, führt am Ende bekanntlich längst nicht immer zu guten Ergebnissen: Regisseur Eisner („Sahara“, „The Crazies“) verliert sich immer wieder in effektelastigem Fantasy-Brimborium und auch Vin Diesel vermag dem teils hanebüchenen Hexen-Hokuspokus kaum etwas entgegenzusetzen. Als Startschuss zu einem angedachten neuen Franchise ist „The Last Witch Hunter“ zu unausgegoren und sein Protagonist zu blass, aber mit vielen mal amüsanten, mal beeindruckenden Einzelheiten und einigen wahrhaft spektakulären Sequenzen bietet die 90-Millionen-Dollar-Produktion trotzdem akzeptable Unterhaltung für Genre-Fans.

Der „Dungeons & Dragons“-Fan Vin Diesel ist auch als Co-Produzent an „The Last Witch Hunter“ beteiligt und es lässt sich gut erkennen, was den Star an dem Projekt gereizt hat – neben dem schnittigen Aston Martin natürlich, mit dem der Autofreak hier durch Manhattan beziehungsweise durch das New-York-Double Pittsburgh kurvt: mittelalterliche Flüche, flammende Schwerter, furchteinflößende Kreaturen (imposant ist vor allem der Wächter der Königin, ein Monster aus Knochen), magische Fähigkeiten und knifflige Aufgaben. Was die Drehbuchautoren hier angerührt haben, erinnert bis in die eigenwillige Dramaturgie hinein an ein Rollenspiel - immer wieder werden unvermittelt neue Elemente eingeführt, als hätte jemand eine Aktionskarte vom Stapel gezogen oder eine Anweisung vom Spielleiter bekommen. Das hat manchmal durchaus Charme wie bei der Einführung des Traumwandelns gerade im rechten Moment. Die etwas sprunghafte Erzählweise geht aber vor allem zu Lasten der Figuren: Die Hexen und ihre Handlanger sind nur durch Look und Design interessant, den einfachen Menschen bleibt lediglich die bemühte Miene zum oberflächlichen Spiel: Bei Michael Caine blitzt großväterliche Würde auf, bei Elijah Wood verhuschtes Außenseitertum und bei „Game Of Thrones“-Star Rose Leslie immerhin ein wenig kantige Eigenwilligkeit. Und der Protagonist besitzt kaum mehr Profil als die Nebenfiguren.

Im langgezogenen und sehr unübersichtlichen mittelalterlichen Action-Prolog trägt Vin Diesel eine wilde Haar- und Barttracht, die er mit dem Sprung in die Gegenwart gegen das gewohnte kahlköpfige und glattrasierte Erscheinungsbild eintauscht: Kaulder sitzt in einem Flugzeug, wo ein Hexen-Teenager mit Wetterrunen für Turbulenzen sorgt. Nach dieser spaßigen Sequenz, in der Diesel spürbar in seinem selbstironischen Element ist, geht der Hauptfigur und mit ihr dem ganzen Film die Leichtigkeit jedoch schnell verloren, ohne dass der nun weitgehend düstere Tonfall mit einer tatsächlichen Ernsthaftigkeit einhergehen würde. So wird der Leidensdruck des einzigen ewig Lebenden unter all den Sterblichen kaum vermittelt – es muss reichen, dass Kaulder gerne an alten Uhren rumbastelt. Diesel entledigt sich seiner Aufgabe dabei geradezu unauffällig, so spielt auch er letztlich nur die zweite Geige gegenüber den Fantasy-Elementen. Die Effekte sind dann auch mehr als solide, die Spezialisten haben eine Menge zu tun: Mitreißend sind besonders ein Insektensturm über Manhattan und die handfeste Action-Demontage einer Hexen-Bar, während der apokalyptische Showdown epische Ausmaße hat. Doch zu dem Zeitpunkt sind Regisseur Breck Eisner, die erzählerischen Zügel längst entglitten.

Fazit: 
Durchschnittliches, teilweise öde wirkendes Fantasy-Spektakel mit einem blassen Vin Diesel. Dafür sind leider nicht mehr als 5 von 10 trostlose Punkte drin. (mk)