Sonntag, 22. September 2019

Downton Abbey - Der Film

pic (c) Universal Pictures Germany



Inhalt:

1927 wird Downton Abbey eine große Ehre zuteil: König George V. und Königin Mary kündigen ihren Besuch auf dem Anwesen an und wirbeln damit das Leben der Familie Crawley und ihrer Bediensteten gehörig durcheinander. Denn selbst wenn Downton Abbey immer noch ein Adelssitz ist, hat sich dort doch so einiges geändert und der Earl of Grantham (Hugh Bonneville) und seine Frau Cora (Elizabeth McGovern) beschäftigen längst nicht mehr so viele Bedienstete wie früher. Eine geeignete Person muss her, um den königlichen Besuch zu organisieren und die Angestellten anzuleiten, und so wird kurzerhand der ehemalige Butler Carson (Jim Carter) aus dem Ruhestand geholt. Doch dann kommt der große Dämpfer: Das Königspaar bringt seinen eigenen royalen Haushalt mit und das Personal von Downton Abbey sieht sich plötzlich seiner Aufgaben beraubt. Und auch die Dowager Countess of Grantham (Maggie Smith) ist nicht gerade begeistert von dem Besuch, denn in dessen Gefolge ist auch ihre Cousine Lady Bagshaw (Imelda Staunton) und mit dieser ist sich die Dowager Countess nicht gerade grün…

Bewertung:

Im ersten Drittel des zweistündigen „Downton Abbey“ -Films beschleicht einen ein wenig das Gefühl, dass die Macher hier zwanghaft versuchen würden, den Sprung der kultisch verehrten ITV-Serie auf die große Leinwand zu rechtfertigen. Regisseur Michael Engler, der neben etlichen anderen TV-Serien auch vier Folgen von „Downton Abbey“ inszeniert hat, lässt sich gerade zu Beginn immer wieder zu eigentlich unnötigen dramatischen Kamerafahrten hinreißen, als müsste er auf Teufel komm raus unbedingt imposante Kinobilder liefern. Dabei bestach die TV-Serie ja eben gerade nicht in erster Linie durch ihre visuelle Opulenz. Denn trotz der prunkvollen Sets und stilvollen Kostüme war „Downton Abbey“ vor allem ein klassisches Dialogdrama, eine exzellent geschriebene und gespielte Schauspielerserie mit facettenreichen Figuren, in der auch bei großen persönlichen Dramen vor allem die kleinen subtilen Momente den Ausschlag gaben.


Vor allem ein auf Action abzielender Nebenhandlungsstrang um ein mögliches Attentat auf den König wirkt reichlich überflüssig und bläht die Handlung nur auf. Aber zum Glück besinnen sich Engler und sein Autor Julian Fellows, der für sein Skript zu dem in einem ähnlichen Milieu angesiedelten Krimi-Drama „Gosford Park“ von Robert Altman mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, nach einem holprigen Start auf die eigentlichen Qualitäten der Serien-Vorlage. Die unnötigen Elemente, die offensichtlich nur dazu da sind, um den Film „leinwandtauglicher“ zu machen, fallen weitestgehend weg, sobald die Haupthandlung des Films mit der Ankunft des Königs und seiner unsympathischen Gefolgschaft immer mehr an Fahrt aufnimmt.

Und tatsächlich sind die letzten zwei Dritteln des Films dann so gut wie die besten Folgen der Serie. Sobald Fellowes sein üppiges Ensemble für eine Nacht in Downton Abbey zusammenbringt und die persönlichen Geschichten der Figuren virtuos parallel ablaufen und dabei immer wieder kollidieren lässt, sprühen endlich die Funken zwischen Skript, Regie und Darstellern. Das kulminiert schließlich in einem klassischen „Downton Abbey“-Moment, in dem die starren Grenzen zwischen den adligen Herrschaften und den bürgerlichen Bediensteten auf höchst amüsante Art aufgesprengt werden. Ein grandios gespielter und inszenierter Moment, der nur noch von den erneut unbezahlbaren Sprüchen von Gräfin Violet Crawley überboten wird. Maggie Smith (Professor McGonagall in den „Harry Potter“-Filmen) spielt die Rolle erneut mit einer solch staubtrockenen Schlagfertigkeit, dass sie nach drei Emmys und einem Golden Globe nun zumindest auch eine Nominierung für den Oscar als Beste Nebendarstellerin mehr als verdient hätte.

Natürlich kommen einige der zentralen Figuren aus der „Downton Abbey“-Serie zu kurz, das liegt bei einem nur zweistündigen Spielfilm einfach in der Natur der Sache (die Serie umfasst schließlich 52 einstündige Folgen). Allein auf dem offiziellen Werbeplakat zum Film tummeln sich 20 Figuren plus Hund. Deshalb wird auch gerade für neue Zuschauer, die die Serie nicht kennen, mitunter nicht ganz klar, welche bewegten Schicksale eigentlich hinter einigen dieser Figuren stecken, die im Film nur ein paar kurze Szenen bekommen. Aber der Film weckt nichtsdestotrotz genug Interesse für jede einzelne Figur, dass man sich die Serie nach dem Rollen des Abspanns sofort (noch mal) ganz angucken will. Und das emotional ergreifende Ende des Films verspricht noch viele spannende Geschichten danach. Vielleicht ist ja doch noch nicht Schluss – wir wären bei einer weiteren Fortsetzung jedenfalls sofort wieder mit dabei.

Fazit: 

Mit dem „Downton Abbey“-Film bereitet Serienschöpfer Julian Fellowes den Fans der britischen Hit-Serie ein wunderbar charmantes, witziges und zum Ende hin sehr rührendes Geschenk. Wenn am Ende noch einmal alle Hauptfiguren zusammenkommen, merkt man erst, wie sehr einem diese Figuren ans Herz gewachsen sind und wie sehr man sie in den vergangenen fünf Jahren vermisst hat. Aber auch „Downton Abbey“-Neulinge werden an den cleveren Dialogen, charismatischen Stars und eigenwilligen Figuren sicherlich ihren Spaß haben.  (mk)


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