Samstag, 7. November 2015

The Last Witch Hunter OV



Facts:
Genre: Fantasy, Action, Horror
Regie: Breck Eisner
Cast: Vin Diesel, Rose Leslie, Elijah Wood
Laufzeit: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH


(c) Concorde Filmverleih GmbH


Inhalt: 
Einer der letzten überlebenden Hexenjäger der heutigen Welt, Kaulder (Vin Diesel), zieht durch die Straßen von New York, um die Erde vor einer zerstörerischen Kraft zu schützen – ausgestattet mit hilfreichen Tipps von Father Dolan (Michael Caine) und dessen Schüler (Elijah Wood), im Kampf unterstützt durch die Hexe Chloe (Rose Leslie). Der 700-jährige Kaulder und seine magisch begabte Begleiterin versuchen, den zahllosen bösen Hexen und Zauberern, die in New York unter dem Kommando einer niederträchtigen Königin (Julie Engelbrecht) ihr Unwesen treiben, das Handwerk zu legen. Denn die Unholde vermehren sich bedrohlich, nachdem sie bereits einen Großteil der anderen Hexenjäger getötet haben. Bald liegt es allein an dem ungleichen Duo Kaulder und Chloe, die wachsende Gegnerschar endgültig zu stoppen – und deren Anführerin... 

Bewertung:
Auf dem Papier vereint der Part des unsterblichen Hexenjägers Kaulder, den Diesel nun in Breck Eisners übernatürlichem Fantasy-Film „The Last Witch Hunter“ verkörpert, die Stärken des Schauspielers in einer Mischung aus Action und Emotion. Doch was sich in der Theorie durchaus vielversprechend anhört, führt am Ende bekanntlich längst nicht immer zu guten Ergebnissen: Regisseur Eisner („Sahara“, „The Crazies“) verliert sich immer wieder in effektelastigem Fantasy-Brimborium und auch Vin Diesel vermag dem teils hanebüchenen Hexen-Hokuspokus kaum etwas entgegenzusetzen. Als Startschuss zu einem angedachten neuen Franchise ist „The Last Witch Hunter“ zu unausgegoren und sein Protagonist zu blass, aber mit vielen mal amüsanten, mal beeindruckenden Einzelheiten und einigen wahrhaft spektakulären Sequenzen bietet die 90-Millionen-Dollar-Produktion trotzdem akzeptable Unterhaltung für Genre-Fans.

Der „Dungeons & Dragons“-Fan Vin Diesel ist auch als Co-Produzent an „The Last Witch Hunter“ beteiligt und es lässt sich gut erkennen, was den Star an dem Projekt gereizt hat – neben dem schnittigen Aston Martin natürlich, mit dem der Autofreak hier durch Manhattan beziehungsweise durch das New-York-Double Pittsburgh kurvt: mittelalterliche Flüche, flammende Schwerter, furchteinflößende Kreaturen (imposant ist vor allem der Wächter der Königin, ein Monster aus Knochen), magische Fähigkeiten und knifflige Aufgaben. Was die Drehbuchautoren hier angerührt haben, erinnert bis in die eigenwillige Dramaturgie hinein an ein Rollenspiel - immer wieder werden unvermittelt neue Elemente eingeführt, als hätte jemand eine Aktionskarte vom Stapel gezogen oder eine Anweisung vom Spielleiter bekommen. Das hat manchmal durchaus Charme wie bei der Einführung des Traumwandelns gerade im rechten Moment. Die etwas sprunghafte Erzählweise geht aber vor allem zu Lasten der Figuren: Die Hexen und ihre Handlanger sind nur durch Look und Design interessant, den einfachen Menschen bleibt lediglich die bemühte Miene zum oberflächlichen Spiel: Bei Michael Caine blitzt großväterliche Würde auf, bei Elijah Wood verhuschtes Außenseitertum und bei „Game Of Thrones“-Star Rose Leslie immerhin ein wenig kantige Eigenwilligkeit. Und der Protagonist besitzt kaum mehr Profil als die Nebenfiguren.

Im langgezogenen und sehr unübersichtlichen mittelalterlichen Action-Prolog trägt Vin Diesel eine wilde Haar- und Barttracht, die er mit dem Sprung in die Gegenwart gegen das gewohnte kahlköpfige und glattrasierte Erscheinungsbild eintauscht: Kaulder sitzt in einem Flugzeug, wo ein Hexen-Teenager mit Wetterrunen für Turbulenzen sorgt. Nach dieser spaßigen Sequenz, in der Diesel spürbar in seinem selbstironischen Element ist, geht der Hauptfigur und mit ihr dem ganzen Film die Leichtigkeit jedoch schnell verloren, ohne dass der nun weitgehend düstere Tonfall mit einer tatsächlichen Ernsthaftigkeit einhergehen würde. So wird der Leidensdruck des einzigen ewig Lebenden unter all den Sterblichen kaum vermittelt – es muss reichen, dass Kaulder gerne an alten Uhren rumbastelt. Diesel entledigt sich seiner Aufgabe dabei geradezu unauffällig, so spielt auch er letztlich nur die zweite Geige gegenüber den Fantasy-Elementen. Die Effekte sind dann auch mehr als solide, die Spezialisten haben eine Menge zu tun: Mitreißend sind besonders ein Insektensturm über Manhattan und die handfeste Action-Demontage einer Hexen-Bar, während der apokalyptische Showdown epische Ausmaße hat. Doch zu dem Zeitpunkt sind Regisseur Breck Eisner, die erzählerischen Zügel längst entglitten.

Fazit: 
Durchschnittliches, teilweise öde wirkendes Fantasy-Spektakel mit einem blassen Vin Diesel. Dafür sind leider nicht mehr als 5 von 10 trostlose Punkte drin. (mk)

Hotel Transsilvanien 2



Facts:
Genre: Animation
Regie: Genndy Tartakovsky
Cast: Rick Kavanian, Andreas Bourani, Palina Rojinski
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany


(c) Sony Pictures Germany

Inhalt: 
Seit Graf Drakula (Stimme im Original: Adam Sandler / deutsche Fassung: Rick Kavanian) seine Regel gelockert hat, nach der ausschließlich Monster in dem von ihm geführten Hotel Transsilvanien willkommen sind, strömen auch immer mehr menschliche Gäste in die schaurige Herberge. Doch während sich damit geschäftlich alles zum Besseren entwickelt zu haben scheint, hat Drak privat ganz andere Sorgen. So deutet alles darauf hin, dass sich die Blutsauger-Seite seines halbvampirischen Enkels Dennis nicht manifestiert. Und da Dracs Tochter Mavis (Selena Gomez / Palina Rojinski) mit ihrem menschlichen Ehemann Johnny (Andy Samberg / Andreas Bourani) gerade dessen Verwandschaft besucht, liegt es am Großvater selbst, mithilfe seiner Freunde Frank (Kevin James / Hans-Eckart Eckhardt), Murray (Keegan-Michael Key / Daniel Zillmann), Wayne (Steve Buscemi / Tobias Lelle) und Griffin (David Spade / Tobias Kluckert) das Monster aus seinem kleinen Enkel herauszukitzeln. Doch als wäre das alles noch nicht Aufregung genug, kündigt auch noch Draks äußerst traditionsbewusster Vater Vlad (Mel Brooks / Dieter Hallervorden) kurzfristig seinen Besuch an. Und der kann so gar nichts mit der liberalen Einstellung seines Sohnes zur Menschenwelt anfangen. 

Bewertung:
Nachdem „Hotel Transsilvanien“ hauptsächlich innerhalb der Mauern von Draculas Refugium für absonderliche Gestalten angesiedelt war, verlassen der Chef und seine Monsterkumpel ihren Zufluchtsort diesmal recht bald. Der Gegensatz zwischen den besonders begabten Außenseitern und den „normalen“ Menschen wird dabei schnell zum thematischen roten Faden des Films. Dracula wünscht sich trotz gegenteiliger Beteuerung („Ob Mensch, Monster oder Einhorn“ – das sei ihm gleich) nichts sehnlicher, als dass der Enkel sich eines Tages das Dracula-Cape umhängt, während Mavis beim Besuch in Johnnys kalifornischer Kleinstadtheimat angesichts des üppigen Angebots des rund um die Uhr geöffneten Supermarkts regelrecht ausflippt. Ihre Vampirvisite bei den Menschen bleibt allerdings vergleichsweise uninspiriert, man kann gut verstehen, warum es dem Slacker-Bräutigam im Hotel Transsilvanien besser gefällt als bei Muttern. Denn obwohl wir in einer witzigen Szene sehen, dass die Schreckenskräfte der Monster zur Verzweiflung von Dracula reichlich eingerostet sind und obwohl auch der oberste Blutsauger selbst inzwischen hauptsächlich für einen Lakritzfruchtgummiwerbespot berühmt ist, bleibt kein Zweifel: Es gibt nichts Cooleres, als ein Monster zu sein – die einzige Ausnahme ist in Dennis‘ Kinderaugen ironischerweise der Superheld (und Fledermausmann) Batman.

Durch die vorhersehbare Schlusspointe wird das erwähnte Gleichheitspostulat zwar wieder unterlaufen und auch die späte Einsicht von Draculas menschenfeindlichem Vater Vlad (Mel Brooks/Dieter Hallervorden) wirkt wie ein bloßes Lippenbekenntnis. Trotzdem ist es der allzu menschliche Müßiggänger Johnny, der hier die vielleicht größte, auf jeden Fall aber verrückteste Heldentat vollbringt, wenn er sich so todesmutig wie planlos die Halfpipe hinunterstürzt. Dieser halsbrecherische Stunt ist neben Dennis‘ Sprung aus schwindelerregender Höhe samt Draculas Sturzflugrettung ein visueller Höhepunkt des Films, der verstärkt durch den 3D-Effekt echtes Achterbahnfeeling aufkommen lässt. In den Action-Sequenzen kann sich der frenetisch-exzentrische Stil von Regisseur Tartakovsky entfalten. Zum heimlichen Star wird dabei das elastisch-transparente grüne Glibber-Geschöpf Blobby, das auf seinem Weg alles und jeden „verschluckt“. Gemeinsam mit der Freude an skurrilen Einzelheiten (köstlich: wenn das Monsterhotel babysicher gemacht wird), den Anspielungen auf den Kanon der Kino-Monster, die von den 30er-Jahre-Universal-Klassikern über Mel Brooks‘ „Frankenstein Junior“ bis zu Gary Oldmans Look als „Bram Stoker’s Dracula“ reichen und dem vergnügten Miteinander all der wunderlichen Wesen sorgt die Verve des Filmemachers dafür, dass „Hotel Transsilvanien 2“ trotz fehlender erzählerischer Tiefe nicht langweilig wird.

Fazit: 
Schwungvoll inszenierte Familienunterhaltung, die den Charme von Teil 1 sehr gut aufgreift und fortführt. Teil 3 wurde bereits angekündigt. So vergeben wir monsterhafte 8 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 5. November 2015

James Bond 007 - Spectre



Facts:

Genre: Action
Regie: Sam Mendes
Cast: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux
Laufzeit: 150 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany


(c) Sony Pictures Germany

Inhalt: 
Geheimdienst-Chef M (Ralph Fiennes) gerät unter Druck. Max Denbigh (Andrew Scott), der neue Leiter des Centre for National Security, zweifelt an der Relevanz des MI6 – und an der des besten Mannes im Hause: James Bond (Daniel Craig). 007 ist gerade wieder auf einer nicht genehmigten Solo-Mission unterwegs, in Mexiko City, nachdem er eine kryptische Nachricht aus seiner Vergangenheit erhielt. Danach trifft er in Rom Lucia Sciarra (Monica Bellucci), die hübsche, eiskalte Witwe eines berühmten Kriminellen, mit deren Hilfe er einer finsteren Geheimorganisation namens „Spectre“ auf die Spur kommt. Bond bittet Moneypenny (Naomie Harris) und den Technikexperten Q (Ben Wishaw), ihm dabei zu helfen, die Tochter seines alten Erzfeindes Mr. White (Jesper Christensen) aufzuspüren: die Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Nur sie hat die entscheidende Information, das Mysterium hinter Spectre zu lüften und den mysteriösen Mann (Christoph Waltz) dingfest zu machen, der an der Spitze steht… 

Bewertung:
Zum offiziell 24. Mal zieht der Geheimagent ihrer Majestät in Sam Mendes‘ bombastischem Action-Thriller „Spectre“ in den Kampf, um böse Schurken, die nach der Weltherrschaft greifen, aufzuhalten. Der überwältigende Erfolg des Vorgängers „Skyfall“ (weltweites Einspielergebnis: 1,1 Milliarde Dollar) ermöglichte ein Budget von kolportierten 300 Millionen Dollar – und jeder Cent dieser gigantischen Summe ist auf der Leinwand sichtbar. Neben einem Feuerwerk an aufwändigen Actionsequenzen bietet „Spectre“ einen Daniel Craig in Bestform, knackig-scharfzüngige Dialoge und zynisch-spaßige Oneliner. Die Story allerdings bleibt episodenhaft und die beliebig wirkende Motivation des bösen Gegenspielers steht auf tönernen Füßen. Dennoch schließt sich mit „Spectre“ ein erzählerischer Kreis: Was in „Casino Royale“ begonnen und mit „Ein Quantum Trost“ fortgeführt wurde, was danach in „Skyfall“ einen emotionalen Höhepunkt fand, das wird mit „Spectre“ zu einem befriedigenden Ende gebracht. Dass der in seinen öffentlichen Auftritten ohnehin schwer amtsmüde wirkende Daniel Craig noch ein fünftes Mal als 007 vor die Kamera tritt, ist daher mehr als fraglich.

Nach dem Mega-Erfolg von „Skyfall“ standen den Bond-Machern alle Möglichkeiten offen: Sie hätten die Gunst der Stunde durchaus nutzen können, um verrückte Ideen zu verfolgen oder ausgefallene Dinge auszuprobieren. Aber stattdessen scheuen Regisseur Sam Mendes und seine Mitstreiter das Risiko und bauen auf das klassische Höher-Schneller-Weiter-Prinzip. Hier wird geklotzt, als gäbe es kein Morgen. Das Spektakel funktioniert über weite Strecken ganz prächtig und macht eine Menge Spaß. So ist die Eröffnungssequenz in den Straßen von Mexiko-Stadt während des Fests der Toten der bombastischste Auftakt, der bisher in einem Bond-Film zu sehen war: Tausende von Statisten, einstürzende Gebäude, ein Todeskampf im Hubschrauber – das ist einfach großes Kino. Von diesen gigantischen Actionnummern hat „Spectre“ gleich ein halbes Dutzend zu bieten. Ob zu Fuß, im Hubschrauber, im Flugzeug, im Sportflitzer oder im Zug, egal ob in Rom, im österreichischen Altaussee, im marokkanischen Tanger oder in London: Das Tempo ist immer hoch, die Schlagkraft der Action enorm und die wie immer rund um den Globus verstreuten Schauplätze stehen damit im doppelten Sinne für die beeindruckenden Schauwerte eines ganz und gar unbescheidenen Films.

Daniel Craig hat sich im Vorfeld von „Spectre“ teilweise sehr abfällig über die Figur des Doppelnullagenten geäußert, aber von dieser Unzufriedenheit ist auf der Leinwand nichts zu spüren. Im Gegenteil: Einmal mehr bietet der blonde Brite eine Top-Leistung, die Rolle ist ihm inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Jede Geste und jeder Oneliner sitzt mit größter Selbstverständlichkeit – ganz wie zu Zeiten von Sean Connery und Roger Moore. Die mentalen Probleme aus „Skyfall“ werden nicht mehr thematisiert, Bond ist nun einfach ein kompromissloser und gefühlskalter Attentäter. Zugleich ist er aber auch ein Dinosaurier im modernen Geheimdienstbetrieb. Sein Typ ist beim neuen starken Mann im Hintergrund (aalglatt: „Sherlock“-Bösewicht Andrew Scott) nicht mehr gefragt: Die Zukunft gehört der Überwachungstechnik. Diese „Systemfrage“ gibt „Spectre“ erzählerische Zugkraft, zumal auch die Geheimorganisation Spectre nichts anderes betreibt als Denbigh (genannt C) und seine Leute – nur auf der anderen Seite des Gesetzes.

Mit dem zweifachen Oscarpreisträger Christoph Waltz tritt ein hochdekorierter Schauspieler in die große Tradition der Bond-Bösewichte ein. Der schillernde Deutsch-Österreicher passt sich gut ein, launig wie eh und je pendelt er zwischen Genie und Wahnsinn. Die Motivation für die monströsen Pläne seiner Figur wirkt jedoch altbacken und an den Haaren herbeigezogen, nur durch Waltz‘ unwiderstehliches Charisma wird dieser seltsame Franz Oberhauser letztlich zu einem würdigen 007-Gegner. Die Frage, ob sich hinter ihm tatsächlich wie im Vorfeld vielfach vermutet der Erzbösewicht Ernst Stavro Blofeld verbirgt, der 007 bereits sieben Mal das Leben schwer machte, wird eindeutig beantwortet, sie ist aber für den Film selbst gar nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist der erzählerische Bogen, der in diesem Zusammenhang gespannt wird: Durch ihn werden alle bisherigen Craig-Bonds zu einer zusammenhängenden Tetralogie verknüpft.

In einem Interview nannte Daniel Craig seinen 007 durchaus nachvollziehbar einen Frauenhasser. In „Spectre“ ist davon wenig zu sehen, Bonds Geplänkel mit dem anderen Geschlecht wirken vor allem nebensächlicher als sonst: Stephanie Sigman räkelt sich nur für einen kurzen Moment, auch Naomie Harris als Miss Moneypenny kommt der Agent kaum mehr als einen Augenblick näher, während er Monica Bellucci immerhin fünf Minuten Aufmerksamkeit gönnt. Das zentrale „Bond-Girl“ ist die überzeugende Léa Sedoux, deren Figur sich als einzige auf Augenhöhe mit Bond befindet. Auch durch die sehr braven Sex-Szenen ist der Aspekt „Bond und die Frauen“ in „Spectre“ allerdings nur Pflichtprogramm. Es gehört eben zu einem Bond-Film wie der Wodka Martini, die Gadgets, die schnellen Autos und der Titelsong. Der heißt hier „Writings On The Wall“, wird gesungen von Sam Smith und dürfte mehr als alles andere an „Spectre“ polarisieren. Immerhin punktet Ben Whishaw  als nerdiger Quartiermeister Q mit trockenen Sprüchen und Ralph Fiennes sammelt als M Sympathiepunkte, dazu stürzt sich Wrestler Dave Bautista als tumber Scherge Mr. Hinx in der Tradition des „Beißers“ Richard Kiel durchschlagskräftig in jeden Zweikampf.

Fazit: 
Sam Mendes „Spectre“ ist ein erzählerisch etwas holpriger, aber höchst unterhaltsamer und überaus spektakulärer Agenten-Action-Thriller. Aufgrund der fehlenden Tiefe vom Hauptcharakters vergeben wir nicht geheimgehaltene 8 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 24. Oktober 2015

Der Marsianer 3D - Rettet Mark Watney



Facts:

Genre: Sci-Fi
Regie: Ridley Scott
Cast: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig
Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 
Die NASA treibt mit der „Ares 3“-Mission die Erforschung des Mars voran. Die Astronauten Mark Watney (Matt Damon), Commander Lewis (Jessica Chastain), Rick Martinez (Michael Peña), Chris Beck (Sebastian Stan), Alex Vogel (Aksel Hennie) und Beth Johanssen (Katie Mara) sind auf dem roten Planeten gelandet, inklusive eines Fahrzeugs und eines Habitats, in dem die Forscher leben und Nahrung herstellen können. Doch ein Sandsturm droht die mitgebrachte Technik samt ihrer Einwohner hinwegzufegen, so dass Commander Lewis den Befehl zum sofortigen Aufbruch gibt. Weil ihn seine Crew für tot hält, bleibt der Botaniker Mark Watney auf dem unwirtlichen fremden Planeten zurück. Vorerst ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung versucht er, die wenigen ihm zur Verfügung stehenden Mittel so einfallsreich wie möglich zu nutzen. Und tatsächlich gelingt es Watney, der Erde zu signalisieren, dass er noch lebt. Die NASA unter Direktor Sanders (Jeff Daniels) beginnt, die Rettung des „Marsianers“ zu planen. Parallel dazu startet Watneys Crew eine eigene, riskante Mission, ihn heimzuholen… 

Bewertung:
Auch wenn Ridley Scott einen ganz anderen, weniger Fantasy-lastigen Ansatz als z.B. Nolan´s INTERSOLAR verfolgt, sind die Ähnlichkeiten der beiden Weltraum-Großprojekte nicht von der Hand zu weisen, zumal mit Matt Damon („Bourne“-Reihe) und Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) gleich noch zwei Darsteller in beiden Filmen auftreten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten stechen aber vor allem die Unterschiede ins Auge, was nicht nur an der Optik der Raumanzüge liegt, denen die Ausstatter eine auffällige Orangenote verpasst haben.

Vor allem tonal grenzt sich Scott sehr stark ab. Geht es zunächst - dem Ernst der Lage angemessen – sehr seriös zu, ändert sich dies nach und nach, je mehr der gestrandete Mars-Kolonist Mark Watney als moderner Robinson Crusoe in den Mittelpunkt rückt. Denn dieser Botaniker ist ein echter Weltraum-MacGyver, der ganz schwer den Schalk im Nacken hat. Er ist ein Spaßvogel, der sich die Laune nur unwesentlich davon vermiesen lässt, dass er wahrscheinlich elendig auf dem Mars verrecken wird. Dieser Aspekt ist bereits in Andy Weirs Roman als zentraler Punkt angelegt, Scott behält ihn bei. Diese Leichtigkeit mag für das Genre des Raumfahrtfilms heutzutage ungewöhnlich sein, aber sie funktioniert, weil der Zuschauer direkt in Mark Watneys aussichtlos erscheinenden, aber abwechslungs- und einfallsreichen Überlebenskampf gesogen wird.

Mehr Raum als noch in der Vorlage bekommt die Parallelgeschichte auf der Erde, die zwar nach den üblichen Genremustern aufgebaut ist, mit den knackigen Dialogen von „The Cabin In The Woods“-Regisseur Drew Goddard dabei aber auf die wesentlichen Punkte konzentriert bleibt. Jeff Daniels spielt als skrupelloser NASA-Direktor souverän eine Art dezenten Bösewicht, der das Konto seiner Organisation über das Wohl eines einzelnen Menschen stellt, während Chiwetel Ejofor als unermüdlicher Kämpfer für seine Astronauten die Guten anführt, zu denen sich auch Sean Bean als Chefberater aufschwingt. Die sich auf der Rückreise befindliche Mars-Crew wird im weiteren Verlauf ebenfalls wieder bedeutend für die Handlung. Jessica Chastain führt diese Gruppe schauspielerisch an, Kate Mara erhält noch einige Szenen als Computerexpertin auf dem Schiff, aber generell verläuft hier das meiste in bekannten Genregrenzen – bis hin zum super-nerdigen Computer-Geek Donald Glover, der auf der Erde an den richtigen Schrauben dreht.

Weil bei „Der Marsianer“ sehr oft auf konventionelle Erzählmuster zurückgegriffen wird, kommt nie wirklich das Gefühl auf, dass etwas kolossal schiefgehen könnte. Trotzdem schafft es Ridley Scott durch seine dynamische Inszenierung, sein Publikum vor Spannung in die Kinositze zu drücken, so viele brenzlige Situationen zwischen Leben und Tod gibt es zu überstehen. Ohne Matt Damon wäre der ganze Film jedoch nutz- und wertlos. Der Schauspieler transportiert gut den (Galgen-)Humor, den Scott im Kern der Figur gefunden hat. Dazu hat der Regisseur die Anteile des Ein-Personen-Stücks im Vergleich zum Roman deutlich verkürzt und erspart dem Publikum seitenlange wissenschaftliche Kalkulationen und pedantische Abhandlungen über den Anbau von Kartoffeln. Ein Video-Tagebuch dient zudem als zusätzlicher Kniff, um das auf dem Papier trockene, in der Umsetzung aber sehr lebendige Ein-Personen-Szenario aufzubrechen. So bekommt Matt Damon die Möglichkeit, seine Monologe effektiv zu adressieren, ohne mit sich selbst reden zu müssen.

Ridley Scott setzt bei seiner Bebilderung auf schwelgerisch-atmosphärische Mars-Panoramen, die die gesamte Unwirtlichkeit des roten Planeten einfangen und die Isolation Mark Watneys glaubhaft werden lassen. Die Inszenierung ist sorgfältig-solide, ohne jedoch an dem visionären Gestus eines Christopher Nolan in „Interstellar“ zu kratzen. Stilistisch legt Ridley Scott sein Werk vielmehr wie einen kernigen Katastrophenfilm der 70er Jahre an, was auch seine Vorteile hat. Auch wenn „Der Marsianer“ die große Vision von „Interstellar“ fehlt, so fühlt sich das Szenario durch den geerdeten Ansatz unglaublich realistisch an. Herausragend ist das Set-Design auf dem Mars, angefangen von dem High-Tech-Habitat bis zu dem Mars-Rover und der Ausstattung des Raumschiffs Hermes. Die 3D Effekte gerade von Mars und Weltraum sind sehenswert und geben dem Film die grafische Note für einen unterhaltsamen Filmabend.

Fazit: 
Ridley Scott gelingt mit seinem spaßigen Weltraum-Survivaldrama „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ein höchst unterhaltsamer Science-Fiction-Film, der zwar durch seine Feel-Good-Leichtigkeit überrascht, aber trotzdem hochspannend ist. Allein die für uns fehlende emotionale Tiefe der Hauptfigur (im Vergleich zum Film MOON) verhindern eine bessere Wertung. Daher vergeben wir galaktische 7 von 10 Punkte. (mk)