Facts:
Genre: Action
Regie: Sam Mendes
Cast:
Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa SeydouxLaufzeit: 150 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany
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| (c) Sony Pictures Germany |
Inhalt:
Geheimdienst-Chef M (Ralph Fiennes) gerät unter Druck. Max Denbigh
(Andrew Scott), der neue Leiter des Centre for National Security,
zweifelt an der Relevanz des MI6 – und an der des besten Mannes im
Hause: James Bond (Daniel Craig). 007 ist gerade wieder auf einer nicht
genehmigten Solo-Mission unterwegs, in Mexiko City, nachdem er eine
kryptische Nachricht aus seiner Vergangenheit erhielt. Danach trifft er
in Rom Lucia Sciarra (Monica Bellucci), die hübsche, eiskalte Witwe
eines berühmten Kriminellen, mit deren Hilfe er einer finsteren
Geheimorganisation namens „Spectre“ auf die Spur kommt. Bond bittet
Moneypenny (Naomie Harris) und den Technikexperten Q (Ben Wishaw), ihm
dabei zu helfen, die Tochter seines alten Erzfeindes Mr. White (Jesper
Christensen) aufzuspüren: die Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Nur
sie hat die entscheidende Information, das Mysterium hinter Spectre zu
lüften und den mysteriösen Mann (Christoph Waltz) dingfest zu machen,
der an der Spitze steht…
Bewertung:
Zum offiziell 24. Mal zieht der Geheimagent ihrer Majestät in Sam
Mendes‘ bombastischem Action-Thriller „Spectre“ in den Kampf, um böse
Schurken, die nach der Weltherrschaft greifen, aufzuhalten. Der
überwältigende Erfolg des Vorgängers „Skyfall“ (weltweites
Einspielergebnis: 1,1 Milliarde Dollar) ermöglichte ein Budget von
kolportierten 300 Millionen Dollar – und jeder Cent dieser gigantischen
Summe ist auf der Leinwand sichtbar. Neben einem Feuerwerk an
aufwändigen Actionsequenzen bietet „Spectre“ einen Daniel Craig in
Bestform, knackig-scharfzüngige Dialoge und zynisch-spaßige Oneliner.
Die Story allerdings bleibt episodenhaft und die beliebig wirkende
Motivation des bösen Gegenspielers steht auf tönernen Füßen. Dennoch
schließt sich mit „Spectre“ ein erzählerischer Kreis: Was in „Casino Royale“ begonnen und mit „Ein Quantum Trost“ fortgeführt wurde, was danach in „Skyfall“
einen emotionalen Höhepunkt fand, das wird mit „Spectre“ zu einem
befriedigenden Ende gebracht. Dass der in seinen öffentlichen Auftritten
ohnehin schwer amtsmüde wirkende Daniel Craig noch ein fünftes Mal als
007 vor die Kamera tritt, ist daher mehr als fraglich.
Nach dem Mega-Erfolg von „Skyfall“ standen den Bond-Machern alle
Möglichkeiten offen: Sie hätten die Gunst der Stunde durchaus nutzen
können, um verrückte Ideen zu verfolgen oder ausgefallene Dinge
auszuprobieren. Aber stattdessen scheuen Regisseur Sam Mendes und seine Mitstreiter das Risiko und bauen auf das klassische
Höher-Schneller-Weiter-Prinzip. Hier wird geklotzt, als gäbe es kein
Morgen. Das Spektakel funktioniert über weite Strecken ganz prächtig
und macht eine Menge Spaß. So ist die Eröffnungssequenz in den Straßen
von Mexiko-Stadt während des Fests der Toten der bombastischste Auftakt,
der bisher in einem Bond-Film zu sehen war: Tausende von Statisten,
einstürzende Gebäude, ein Todeskampf im Hubschrauber – das ist einfach
großes Kino. Von diesen gigantischen Actionnummern hat „Spectre“ gleich
ein halbes Dutzend zu bieten. Ob zu Fuß, im Hubschrauber, im Flugzeug,
im Sportflitzer oder im Zug, egal ob in Rom, im österreichischen
Altaussee, im marokkanischen Tanger oder in London: Das Tempo ist immer
hoch, die Schlagkraft der Action enorm und die wie immer rund um den
Globus verstreuten Schauplätze stehen damit im doppelten Sinne für die
beeindruckenden Schauwerte eines ganz und gar unbescheidenen Films.
Daniel Craig hat sich im Vorfeld von „Spectre“ teilweise sehr abfällig über die Figur des Doppelnullagenten geäußert, aber von dieser Unzufriedenheit ist auf der Leinwand nichts zu spüren. Im Gegenteil: Einmal mehr bietet der blonde Brite eine Top-Leistung, die Rolle ist ihm inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Jede Geste und jeder Oneliner sitzt mit größter Selbstverständlichkeit – ganz wie zu Zeiten von Sean Connery und Roger Moore. Die mentalen Probleme aus „Skyfall“ werden nicht mehr thematisiert, Bond ist nun einfach ein kompromissloser und gefühlskalter Attentäter. Zugleich ist er aber auch ein Dinosaurier im modernen Geheimdienstbetrieb. Sein Typ ist beim neuen starken Mann im Hintergrund (aalglatt: „Sherlock“-Bösewicht Andrew Scott) nicht mehr gefragt: Die Zukunft gehört der Überwachungstechnik. Diese „Systemfrage“ gibt „Spectre“ erzählerische Zugkraft, zumal auch die Geheimorganisation Spectre nichts anderes betreibt als Denbigh (genannt C) und seine Leute – nur auf der anderen Seite des Gesetzes.
Mit dem zweifachen Oscarpreisträger Christoph Waltz tritt ein hochdekorierter Schauspieler in die große Tradition der Bond-Bösewichte ein. Der schillernde Deutsch-Österreicher passt sich gut ein, launig wie eh und je pendelt er zwischen Genie und Wahnsinn. Die Motivation für die monströsen Pläne seiner Figur wirkt jedoch altbacken und an den Haaren herbeigezogen, nur durch Waltz‘ unwiderstehliches Charisma wird dieser seltsame Franz Oberhauser letztlich zu einem würdigen 007-Gegner. Die Frage, ob sich hinter ihm tatsächlich wie im Vorfeld vielfach vermutet der Erzbösewicht Ernst Stavro Blofeld verbirgt, der 007 bereits sieben Mal das Leben schwer machte, wird eindeutig beantwortet, sie ist aber für den Film selbst gar nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist der erzählerische Bogen, der in diesem Zusammenhang gespannt wird: Durch ihn werden alle bisherigen Craig-Bonds zu einer zusammenhängenden Tetralogie verknüpft.
In einem Interview nannte Daniel Craig seinen 007 durchaus nachvollziehbar einen Frauenhasser. In „Spectre“ ist davon wenig zu sehen, Bonds Geplänkel mit dem anderen Geschlecht wirken vor allem nebensächlicher als sonst: Stephanie Sigman räkelt sich nur für einen kurzen Moment, auch Naomie Harris als Miss Moneypenny kommt der Agent kaum mehr als einen Augenblick näher, während er Monica Bellucci immerhin fünf Minuten Aufmerksamkeit gönnt. Das zentrale „Bond-Girl“ ist die überzeugende Léa Sedoux, deren Figur sich als einzige auf Augenhöhe mit Bond befindet. Auch durch die sehr braven Sex-Szenen ist der Aspekt „Bond und die Frauen“ in „Spectre“ allerdings nur Pflichtprogramm. Es gehört eben zu einem Bond-Film wie der Wodka Martini, die Gadgets, die schnellen Autos und der Titelsong. Der heißt hier „Writings On The Wall“, wird gesungen von Sam Smith und dürfte mehr als alles andere an „Spectre“ polarisieren. Immerhin punktet Ben Whishaw als nerdiger Quartiermeister Q mit trockenen Sprüchen und Ralph Fiennes sammelt als M Sympathiepunkte, dazu stürzt sich Wrestler Dave Bautista als tumber Scherge Mr. Hinx in der Tradition des „Beißers“ Richard Kiel durchschlagskräftig in jeden Zweikampf.
Fazit:
Daniel Craig hat sich im Vorfeld von „Spectre“ teilweise sehr abfällig über die Figur des Doppelnullagenten geäußert, aber von dieser Unzufriedenheit ist auf der Leinwand nichts zu spüren. Im Gegenteil: Einmal mehr bietet der blonde Brite eine Top-Leistung, die Rolle ist ihm inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Jede Geste und jeder Oneliner sitzt mit größter Selbstverständlichkeit – ganz wie zu Zeiten von Sean Connery und Roger Moore. Die mentalen Probleme aus „Skyfall“ werden nicht mehr thematisiert, Bond ist nun einfach ein kompromissloser und gefühlskalter Attentäter. Zugleich ist er aber auch ein Dinosaurier im modernen Geheimdienstbetrieb. Sein Typ ist beim neuen starken Mann im Hintergrund (aalglatt: „Sherlock“-Bösewicht Andrew Scott) nicht mehr gefragt: Die Zukunft gehört der Überwachungstechnik. Diese „Systemfrage“ gibt „Spectre“ erzählerische Zugkraft, zumal auch die Geheimorganisation Spectre nichts anderes betreibt als Denbigh (genannt C) und seine Leute – nur auf der anderen Seite des Gesetzes.
Mit dem zweifachen Oscarpreisträger Christoph Waltz tritt ein hochdekorierter Schauspieler in die große Tradition der Bond-Bösewichte ein. Der schillernde Deutsch-Österreicher passt sich gut ein, launig wie eh und je pendelt er zwischen Genie und Wahnsinn. Die Motivation für die monströsen Pläne seiner Figur wirkt jedoch altbacken und an den Haaren herbeigezogen, nur durch Waltz‘ unwiderstehliches Charisma wird dieser seltsame Franz Oberhauser letztlich zu einem würdigen 007-Gegner. Die Frage, ob sich hinter ihm tatsächlich wie im Vorfeld vielfach vermutet der Erzbösewicht Ernst Stavro Blofeld verbirgt, der 007 bereits sieben Mal das Leben schwer machte, wird eindeutig beantwortet, sie ist aber für den Film selbst gar nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist der erzählerische Bogen, der in diesem Zusammenhang gespannt wird: Durch ihn werden alle bisherigen Craig-Bonds zu einer zusammenhängenden Tetralogie verknüpft.
In einem Interview nannte Daniel Craig seinen 007 durchaus nachvollziehbar einen Frauenhasser. In „Spectre“ ist davon wenig zu sehen, Bonds Geplänkel mit dem anderen Geschlecht wirken vor allem nebensächlicher als sonst: Stephanie Sigman räkelt sich nur für einen kurzen Moment, auch Naomie Harris als Miss Moneypenny kommt der Agent kaum mehr als einen Augenblick näher, während er Monica Bellucci immerhin fünf Minuten Aufmerksamkeit gönnt. Das zentrale „Bond-Girl“ ist die überzeugende Léa Sedoux, deren Figur sich als einzige auf Augenhöhe mit Bond befindet. Auch durch die sehr braven Sex-Szenen ist der Aspekt „Bond und die Frauen“ in „Spectre“ allerdings nur Pflichtprogramm. Es gehört eben zu einem Bond-Film wie der Wodka Martini, die Gadgets, die schnellen Autos und der Titelsong. Der heißt hier „Writings On The Wall“, wird gesungen von Sam Smith und dürfte mehr als alles andere an „Spectre“ polarisieren. Immerhin punktet Ben Whishaw als nerdiger Quartiermeister Q mit trockenen Sprüchen und Ralph Fiennes sammelt als M Sympathiepunkte, dazu stürzt sich Wrestler Dave Bautista als tumber Scherge Mr. Hinx in der Tradition des „Beißers“ Richard Kiel durchschlagskräftig in jeden Zweikampf.
Fazit:
Sam
Mendes „Spectre“ ist ein erzählerisch etwas holpriger, aber höchst
unterhaltsamer und überaus spektakulärer Agenten-Action-Thriller. Aufgrund der fehlenden Tiefe vom Hauptcharakters vergeben wir nicht geheimgehaltene 8 von 10 Punkte. (mk)

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