Freitag, 9. August 2019

Photograph - Ein Foto verändert ihr Leben für immer

pic (c) by NFP


Inhalt: 

Der arme Straßenfotograf Rafi (Nawazuddin Siddiqui) ist immer an Mumbais berühmtesten Wahrzeichen dem „Gate to India“ anzutreffen. Dort fotografiert er nichts ahnende Touristen, schüchterne, frisch verliebte Paare und glückliche Familien. Mit seinen wenigen Ersparnissen unterstützt er seine Großmutter, die ihn ständig dazu drängt, endlich eine Frau zum Heiraten zu finden. Eines Tages droht sie, ihre Medikamente abzusetzen, sofern er weiter alleine bleibt. Als Antwort darauf schickt Rafi ihr das Foto einer jungen Frau, das er auf der Speicherkarte seiner Kamera gefunden hat. Es dauert nicht lange und seine Großmutter lässt ihn wissen, dass sie sich darauf freue, seine Freundin bald kennenzulernen. Somit bleibt dem Fotografen nicht viel Zeit, um die unbekannte Frau zu finden. Miloni (Sanya Malhotra) ist eine ausgezeichnete Studentin und lebt das völlig gegenteilige Leben von Rafi. Denn sie wohnt nicht im Mumbai der Arbeiterklasse, sondern in der aufstrebenden Mittelklasse der Stadt. Auch sie soll bald heiraten, doch bei dem Unterfangen stellt sich Miloni nicht sehr geschickt an. Als sich die Wege der beiden Außenseiter kreuzen, entwickelt sich eine Liebesgeschichte, wie sie nicht stattfinden dürfte ...


Bewertung: 

In der großartigen „Die Simpsons“-Episode „Hochzeit auf Indisch“ von 1997 gerät der dauerschuftende Kwik-E-Mart-Verkäufer Apu Nahasapeemapetilon in Bedrängnis: Seine in Indien lebende Mutter, die die Heirat von Apu und seiner späteren Gattin Manjula schon vor vielen Jahren festgelegt hat, kommt überraschend zu Besuch nach Springfield – der Workaholic hat aber (noch) gar keine Lust darauf, sein Junggesellendasein aufzugeben und auf Drängen seiner Mutter eine Frau zu heiraten, die er zuletzt im Kindesalter gesehen hat. Ob Regisseur und Drehbuchautor Ritesh Batra die spaßige Folge aus der neunten Staffel der US-Zeichentrickserie inspiriert hat, ist nicht überliefert, doch seine Geschichte schlägt zunächst einen ganz ähnlichen Kurs ein: Während bei den „Simpsons“ Homers Frau Marge der angereisten Mutter als vermeintliche Lebensgefährtin präsentiert wird, ist es in „Photograph“ die junge Miloni, die die störrische Großmutter Dadi (köstlich: Farrukh Jaffar, „Was werden die Leute sagen“) hinters Licht führen soll. Die Basis für ein amüsantes Verwirrspiel ist damit gelegt – doch lässt sich Dadi ebenso wenig täuschen wie ihr Zeichentrickpendant und stiehlt mit ihrer herrisch-dominanten, aber doch liebenswerten Art anfangs jede Szene, in der sie zu sehen ist.

„Photograph“ ist aber keiner dieser (auch im Hollywood-Kino häufig zu findenden) Filme, die pausenlos Gags aus dem fortgeschrittenen Alter einer Figur generieren und bis zum Schluss nur auf leicht verdiente Lacher abzielen: Im Mittelteil der Geschichte rückt die knuffige Dadi zunehmend in den Hintergrund, weil Batra gekonnt die ungleichen Lebensumstände von Rafi und Milona herausarbeitet und sich auf deren ungewöhnliche Beziehung zueinander konzentriert. Dabei prallen im Herzen von Mumbai zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite der mit allen Wassern gewaschene Rafi, der am Gateway Of India täglich Touristen anquatscht und seine eigene Großmutter belügt, auf der anderen Seite die in behüteten Verhältnissen aufwachsende Miloni, die auf Wunsch ihrer Eltern die Universität besuchen soll – obwohl sie sich eigentlich nach einem ruhigen Leben fernab der Metropolen sehnt, in die heutzutage nicht nur nicht nur im bevölkerungsreichsten Land der Welt so viele Menschen ziehen, weil dort besser bezahlte Jobs und eine moderne Infrastruktur winken.

Batra lässt seine beiden Hauptfiguren diese Diskrepanz jedoch selten verbalisieren – wenn die schüchterne Miloni Abend für Abend gedankenverloren mit traurigem Blick am Schreibtisch sitzt und schon nach ihrem ersten Straßensnack Magenprobleme bekommt, sind aber auch gar keine weiteren Worte nötig. Dieser zurückgenommene Erzählstil, der über weite Strecken auch „Lunchbox“ kennzeichnete, ist ebenso charakteristisch für „Photograph“, weil der Filmemacher seine Botschaften zwischen den Zeilen transportiert und statt entlarvender Dialoge lieber auf leise Töne, fast beiläufig eingeflochtene One-Liner und präzise Beobachtungen setzt. Die Trennung zwischen Indiens Ober- und Unterschicht wird für den Zuschauer dennoch konkret greifbar, wenn Dadi bei ihrem pausenlosen Gemecker über ihren noch unverheirateten Enkel auch dessen dunklen Teint thematisiert, die Haushälterin in Milonis Familie wortlos ihre Schlafmatte auf dem Fußboden ausrollt oder Rafi mit einer unbedachten Äußerung einen allzu redseligen Taxifahrer verletzt, der sich in seiner Ehre als Navigator durch den Verkehrsdschungel gekränkt fühlt.

Ein wirklich mitreißender Film ist „Photograph“ unter dem Strich aber nicht geworden, weil sich das ganz große Gefühlskino nicht einstellen will und Batra an einigen Stellschrauben der Handlung den Faktor Zufall etwas überstrapaziert. Dafür überzeugt sein Film aber als feinfühlige Kreuzung aus bittersüßer Romanze und humorvoll angehauchtem Großstadtporträt, das Indiens Alltag ähnlich scharf ablichtet wie die Bilder aus Rafis Sofortbildkamera – und zugleich noch riesige Neugier darauf weckt, wie wohl die „Campa Cola“ schmeckt, die durch die übermächtige Brausekonkurrenz aus den USA nach der Jahrtausendwende vom indischen Markt verschwunden ist. Zwischen hupenden Rollerfahrern, dampfenden Garküchen und quietschbunt ausgestatteten Einkaufsläden löst sich „Photograph“ von den ausgetretenen Pfaden des Genres und überzeugt als sympathischer Gegenentwurf zum kitschigen Bollywood-Kino oder Hollywoodschnulzen nach Schema F – ein dramaturgischer Ansatz, der in der letzten Filmszene sogar noch ironisch aufgegriffen wird.

Fazit: 

Mit der Rückkehr nach Mumbai knüpft der indische Filmemacher Ritesh Batra erfolgreich an sein vielgelobtes Debüt „Lunchbox“ an – „Photograph“ ist eine präzise beobachtete Kreuzung aus feinfühliger Romanze und sozialkritischem Großstadtporträt. (mk)

Freitag, 19. Juli 2019

Der König der Löwen (2019)


(c) Walt Disney Germany




Inhalt:

Die Tiere Afrikas sind überglücklich, als mit dem Löwenjungen Simba (im Original gesprochen von JD McCrary) der zukünftige König der Savanne geboren wird. Als Sohn von Mufasa (James Earl Jones) gehört diesem nämlich der rechtmäßige Thron. Doch Mufasas Bruder Scar (Chiwetel Ejiofor) erhebt seinen Anspruch und erschleicht ihn sich auf tückische Weise, woraufhin Simba ins Exil verbannt wird und seine Freundin Nala (Beyoncé Knowles-Carter) verlassen muss. Mit dem quirligen Erdmännchen Timon (Billy Eichner) und dem lebensfrohen Warzenschwein Pumbaa (Seth Rogen) findet Simba aber neue Freunde und Wegbegleiter, die ihm helfen, trotz der schweren Zeit unbeschwert heranzuwachsen. Doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los und als junger Löwenmann erkennt Simba (nun gesprochen von Donald Glover), dass er in die Steppe zurückkehren und den Kampf mit Scar aufnehmen muss, um seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron zurückzuerobern.


Bewertung:

Mal ganz ohne die rosarote Brille der nostalgischen Verklärung betrachtet: Disneys „Der König der Löwen“ war im Grunde ja schon 1994 ein erzählerischer Anachronismus, schließlich lautet die erzkonservative Moral des Märchens doch, seinen von der gesellschaftlichen Ordnung vorbestimmten Platz im Leben einzunehmen, statt – wie der heranwachsende Löwe Simba – auf die Verantwortung zu pfeifen und lieber mit seinen tierischen Hippie-Freunden „Hakuna Matata“ trällernd durch die Savanne zu streunen. Auch ein Vierteljahrhundert später bleibt die Ordnung im Tierreich stabil: Was Tradition ist, wird schon stimmen, individuelle Freiheit kann hingegen nur eine vorübergehende Phase sein. Scar ist und bleibt der unbestrittene Verlierer und Bösewicht, Simba und Mufasa bewegen sich mit unbestreitbarem Recht auf der Sonnenseite der Macht, weil sie nicht nur die Starken, sondern auch die Guten sind.

Das alles störte damals (fast) niemanden und das wird es auch heute nicht tun. Denn ihre beruhigende Zeitlosigkeit zieht die Geschichte nicht zuletzt daraus, dass sie ausschließlich im Tierreich spielt, wo eben trotz aller realen gesellschaftlichen Umbrüche, die sich in der Welt der Menschen über die Jahre so abspielen, zumindest scheinbar alles beim Alten bleibt. Und so hält sich Jon Favreau in seiner Neuauflage sehr zur Freude der Disney-Nostalgiker-Front ganz eng an die Originalstory und meidet mit allen Mitteln, sich auf das Glatteis einer erzählerischen Modernisierung zu begeben. Hier wird Nala ganz sicher keinen Song über die Gleichberechtigung der Löwinnen anstimmen, wie es zuletzt noch in ganz ähnlicher Form Prinzessin Jasmin im „Aladdin“-Update getan hat.

Hypermodern dagegen sind die Methoden, mit denen die alten Lieblinge in dieser neuen Version zum Leben erweckt werden. Favreau und sein Team bedienten sich dazu einer speziellen VR-Technik, die sonst vor allem im Game-Design zum Einsatz kommt und mit der der „Iron Man“-Regisseur bereits bei der Arbeit an „The Jungle Book“ experimentierte. So ist ihm und seinen Animatoren nun das erstaunliche Kunststück gelungen, die Tiere derart fotorealistisch darzustellen, dass Kommentatoren nach den ersten veröffentlichten Bildern zunächst noch darüber spekulierten, ob es sich beim neuen „Der König der Löwen“ nicht womöglich doch um einen Realfilm handeln könnte. Die Optik ist dann auch das eine Feld, wo man sich zwar notgedrungen (lässt sich beim Fotorealismus schließlich schlicht nicht vermeiden), dann aber doch voller Selbstbewusstsein von der Vorlage entfernt hat.

Das wohl größte Wagnis ging Favreau dabei tatsächlich mit der doch sehr stark vom Zeichentrick-Original abweichenden Optik des hinterhältigen Widersachers Scar ein. Mit räudiger Mähne, dem fast leichenhaft farblosen Fell und den eingefallenen Flanken wirkt der Schurke hier kaum noch wie ein aristokratischer Antagonist, sondern vielmehr wie ein unheimlicher, unwürdiger Schatten des großen und edlen Mufasa. Und das ist es ja im Grunde auch, was die Essenz dieser Figur ausmacht, die Favreau nun mit seiner ästhetischen Entscheidung durchaus stimmig betont. Ganz nebenbei wird übrigens auch (endlich) das Geheimnis gelüftet, woher Scar eigentlich seine auffällige Narbe hat – das ist natürlich Fanservice, aber sehr gut gemachter, weil er den Charakter von Scar tatsächlich noch einmal weiter ausbaut, statt einfach nur ein vermeintliches Storyloch zu stopfen.

Auch die Sympathieträger haben nicht länger die Disney-typisch idealisierte Optik wie im Animationsfilm. Gerade den erwachsenen Löwen fehlt diesmal jeglicher süßer Kuscheltier-Anstrich, stattdessen sehen wir vor Kraft strotzende Tiere, bei denen selbst Rippen und Adern bei bestimmten Bewegungen zu erkennen sind. Besonders mutig ist Favreau bei der Darstellung der Löwinnen unter der Schreckensherrschaft Scars und seiner Hyänen-Entourage. Wenn die vorher noch so majestätischen Tiere nun völlig ausgezehrt sind und ihr Fellkleid schon ins gräuliche geht, nehmen sie selbst beinahe schon hyänenhafte Züge an und nähern sich so optisch den Fieslingen immer mehr an. Das Hyänen-Rudel um die sowohl in der deutschen als auch der englischen Fassung von „Black Panther“-Star Florence Kasumba gesprochene Shenzi selbst hätte dagegen durchaus noch konsequenter auf fies getrimmt werden können – und zwar optisch wie auch in der Sprache. Ihr irres Kichern ließ uns damals im Animationsfilm noch deutlich mehr schaudern.

Trotz des zumindest visuell naturalistischen Ansatzes bleibt „Der König der Löwen“ natürlich weiterhin ein Familienfilm – und so werden auch diesmal wieder Kinder- und Erwachsenenherzen mit knuffigen Tieren geöffnet: So verliebt man sich auch hier sofort in das Löwenbaby Simba, wenn es in der legendären Anfangssequenz von Medizinmann Rafiki (John Kani) der in Scharen zum Königsfelsen gepilgerten Tierwelt und so auch dem Zuschauer präsentiert wird. Die Tiere so darzustellen, wie sie auch in der Realität aussehen, ist nämlich zum Glück nicht der von einigen Fans befürchtete Stimmungskiller – ganz im Gegenteil: Selten hat man in einem Film (inklusive der „Phantastische Tierwesen“-Blockbuster) derart putzige Fauna gesehen.

Darunter finden sich auch einige Bewohner des afrikanischen Kontinents, die im Original nicht vorkamen, wie zum Beispiel ein überaus possierlicher Rüsselspringer. Und auch dem anarchischen Charme von Erdmännchen Timon (Billy Eichner) und Warzenschwein Pumbaa (Seth Rogen) kann das fotorealistische Fellkleid nichts anhaben. Für Fans von Publikumsliebling Pumbaa halten die Macher sogar eine besonders überraschende Neuerung bereit, von der wir hier aber nicht mehr verraten wollen, als dass sie etwas mit dem kultigen Feelgood-Ohrwurm „Hakuna Matata“ zu tun hat.

Im Vorfeld der Neuverfilmung wurde durchaus kontrovers diskutiert, dass Favreau „Der König der Löwen“ komplett am Computer wiederauferstehen lässt. So stammen nicht nur die Tiere, sondern auch alle Landschaften aus dem Rechner. Doch wer glaubt, dies würde sich als Problem erweisen, wird vom Film eindrucksvoll eines Besseren belehrt: Die überwältigend animierten Landschaften setzen neben den Figuren ebenfalls neue Maßstäbe – und dabei spielt es keine Rolle, ob Favreau und sein Team uns große Panoramaansichten präsentieren oder auch noch den kleinsten Grashalm fühlbar vibrieren lassen. So verschwindet die technische Maschinerie hinter diesem Wunder schon nach wenigen Sekunden aus der Wahrnehmung des Zuschauers. Bilder zum Staunen und große Emotionen verdrängen jeden Gedanken an irgendwelche CGI-Effekte, das hat schon den Zeichentrickklassiker von 1994 ausgemacht und diese Magie verströmt nun auch die Neuauflage.

Dass „Der König der Löwen“ einer der allerbesten Disneyfilme ist, liegt auch an der legendären Filmmusik von Hans Zimmer sowie den Songs von Elton John und Tim Rice. Beides erklingt in der Neuauflage in neuem Glanz. Die Songs des Originals sind allesamt auch hier enthalten, darunter selbstverständlich die Klassiker „Circle Of Life“, „Hakuna Matata“ und das oscarprämierte Liebeslied „Can You Feel The Love Tonight“, die allesamt nur leicht verändert wurden. Lediglich Scars Lied „Be Prepared“ wurde etwas zusammengeschrumpft, was durchaus ein kleiner Wermutstropfen ist. Mit „Spirit“ gibt es derweil einen zusätzlichen Song von Nala-Sprecherin und Pop-Superstar Beyoncé, der tatsächlich nicht unbedingt nötig gewesen wäre (außer für die kommende Oscar-Saison, wo eben nur neugeschriebene Songs nominiert werden können).

 
Fazit: 
Mit großer erzählerischer Vorsicht, aber dafür umso mehr technischem Mut setzt Jon Favreau mit dem bisher besten der aktuellen Disney-Remakes neue Maßstäbe im Animationskino, ohne dabei (allzu viel) vom unerreichbaren Charme des Originals einzubüßen.  

 
Text (c) by MK

Freitag, 5. Juli 2019

Spider-Man - Far from Home


(c) Sony Pictures Germany




Inhalt:

Peter Parker (Tom Holland) a. k. a. Spider-Man geht zusammen mit seinen besten Freunden Ned (Jacob Batalon) und MJ (Zendaya), dem nervigen Flash (Tony Revolori) und dem Rest der Bande auf Klassenfahrt nach Europa. Peters Plan, den Superhelden für ein paar Wochen hinter sich zu lassen, wird jedoch schnell wieder verworfen, als der Trip von Nick Fury (Samuel L. Jackson) und seinen Agenten unterwandert und gekapert wird. Spider-Man soll ihnen dabei helfen, die mysteriösen Angriffe gefährlicher, aus Elementen bestehender Monster aufzuklären. Fury und seine rechte Hand Maria Hill (Cobie Smulders) haben für den Kampf bereits außerirdische Verstärkung im Gepäck: Mysterio (Jake Gyllenhaal), der seinem Namen alle Ehre macht, hat seine Heimat an die Kreaturen verloren und schwört Rache. Außerdem nimmt er den nach den Ereignissen aus "Avengers 4" noch immer aufgewühlten und führungslosen Peter Parker unter seine Fittiche. Gemeinsam verfolgen sie die Angreifer quer durch Europa und landen dabei unter anderem in Venedig, Prag, London und Berlin.


Bewertung:

Das MCU ist ja bekannt dafür, immer mal wieder die verschiedensten Genres aufzugreifen – vom klassischen Kriegsfilm („The First Avenger“) über einen 70er-Jahre-Politthriller („The Return Of The First Avenger“) bis hin zu postmodernem Sci-Fi-Klamauk („Thor 3“). Und jetzt ist eben das ur-amerikanische Genre der Highschool-Komödie an der Reihe – nur dass der Lümmel aus der ersten Bank hier eben zugleich mit der schweren Last der Verantwortung ringt, ob er nun um seine große Liebe kämpfen oder doch besser (schon wieder) den Planeten retten sollte. Das fühlt sich natürlich längst nicht so welterschütternd an wie manch früherer MCU-Film, funktioniert aber trotzdem erstaunlich gut. Das liegt vor allem an a) der herausragenden Chemie zwischen Tom Holland und Zendaya sowie b) den umwerfend komischen Co-Stars von Jacob Batalon und Angourie Rice als unwahrscheinliche Turteltäubchen bis Martin Starr und J.B. Smoove als überforderte Pädagogen.

Zu den immer wieder im Sekundentakt zündenden Pointen kommen ein paar ikonische Schauplätze vom Markusplatz in Venedig bis zu einer Berghütte in den österreichischen Alpen, gewürzt mit einer Handvoll grundsolider Actionsequenzen, in denen Spider-Man (in Europa undercover als Night Monkey) und Mysterio gemeinsam gegen Wassermonster und Feuerungeheuer kämpfen. Kann man alles absolut so machen. Sagen wir mal: Gute 3,5 FILMSTARTS-Sterne und etwas, über das sich nach dem „Endgame“-Paukenschlag wohl niemand nachdrücklich beschweren würde. Ein charmanter MCU-Spaß für zwischendurch, ein Superheld auf romantischer Mission; ein bisschen was fürs Herz mit der Action, die in einem Comic-Blockbuster eben einfach nicht fehlen darf. Ein guter, aber längst nicht an der Spitze mitspielender MCU-Film. Aber Pustekuchen!

Denn nach einem „Twist“, von dem ab der ersten Minute jeder weiß, dass er kommt, den wir an dieser Stelle aber natürlich trotzdem nicht verraten werden, feuert „Far From Home“ plötzlich aus allen Zylindern. Zwar fällt das Lüften des Plans noch etwas ausführlich aus (er ist aber auch wirklich kompliziert), doch dann folgt auch sofort eine echte Überraschung auf die nächste. Die (alptraumartigen) Actionsequenzen inklusive einem gleichermaßen kreativen wie epischen Finale an der Londoner Tower Bridge stellen nicht nur alles in der ersten Hälfte Dagewesene locker in den Schatten, sondern zählen sogar zu den bisher stärksten Set-Pieces des gesamten MCU. Gab es zuvor doch die eine oder andere kleine Länge, gerade wenn man auf die romantische Liaison zwischen Peter und MJ nicht hundertprozentig einsteigt, bleibt einem ab hier überhaupt keine Zeit mehr zum Luftholen. Uns fällt jetzt zumindest kein zweiter Marvel-Blockbuster ein, der sich über seine Laufzeit hinweg derart krass gesteigert hat.

Und dann gleich noch die nächste positive Überraschung: Auch mit seinen zwei Abspannsequenzen setzt „Spider-Man: Far From Home“ einen völlig neuen Standard: Wo normalerweise der nächste MCU-Film angeteasert oder noch ein netter kleiner Gag nachgeschoben wird, nutzen die Marvel-Masterminds die zwei kurzen Extraszenen dieses Mal, um alles gerade Gesehene in Frage zu stellen und im selben Moment das „Spider-Man“-Universum in seinen Grundfesten zu erschüttern. Vor „Far From Home“ mag man sich mehr Zeit gewünscht haben, um sich erst einmal angemessen von den Auswirkungen von „Avengers 4: Endgame“ zu erholen. Nach den Abspannszenen kann man es hingegen kaum noch abwarten, endlich MCU-„Spider-Man 3“ auf der großen Leinwand zu sehen. Dass man darauf jetzt volle zwei Jahre warten soll, ist eine wahre Horrorvorstellung.

 
Fazit: 
Auf eine charmant-unterhaltsame erste folgt in „Spider-Man: Far From Home“ eine mit hochtourigen Überraschungen und kreativen Einfällen bis zum Rand vollgestopfte zweite Hälfte. So fühlt sich selbst der 23. MCU-Blockbuster absolut frisch an.


Text (c) by MK

Samstag, 29. Juni 2019

Pets 2


(c) Universum Pictures Germany



Inhalt:

Kaum verlassen die Menschen früh morgens ihr Zuhause, um in die Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen zu gehen, geht es in ihren Wohnungen auch schon drunter und drüber – denn dann haben ihre tierischen Mitbewohner sturmfrei. Hund Max (gesprochen von Jan Josef Liefers) und seine Kumpanen haben allerdings nicht nur Spaß, sondern auch neue Sorgen, als im Tumult der Großstadt sowie beim Familienurlaub auf dem Land ein Menschensprössling gehütet werden soll. Und als wäre das noch nicht genug, verliert die Spitz-Dame Gidget (Jella Haase) auch noch Quietschebienchen, Max‘ über alles geliebtes Spielzeug, an eine Horde neurotischer Katzen! Während sie sich auf eine gefährliche Undercover-Rettungsmission begibt, will auch Kaninchen Snowball (Fahri Yardım) für das Gute eintreten. Als Superheld Captain Snowball hat er es sich gemeinsam mit Shih-Tzu Daisy (Senna Gammour) zum Ziel gesetzt, einen weißen Tiger aus den Fängen eines fiesen Zirkusbesitzers zu befreien.


Bewertung:

Das Konzept der Illumination-Studios hebt sich deutlich von der schwergewichtigen Konkurrenz ab: Während bei Disney, Pixar und DreamWorks animationstechnisch herausragende Meilenstein-Werke wie „Findet Dorie“, „Vaiana“ oder „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ für bis zu 200 Millionen Dollar und mehr produziert werden, setzt Illumination auf moderate Budgets um die 70 bis 80 Millionen Dollar. Die Filme sind aber – und das ist der Clou – an der Kinokasse oft ähnlich erfolgreich wie die doppelt bis dreifach so teuren Konkurrenzproduktionen. So spielte etwa der nur 75 Millionen Dollar teure Vorgänger „Pets“ weltweit satte 875 Millionen Dollar ein, weil es der Hauptzielgruppe der Kinder herzlich egal ist, ob der Film technisch state of the art ist und sie sich sowieso nicht um nicht die Meinung von erwachsenen Kritikern scheren (die Rezensionen zu „Pets“ waren eher durchwachsen). Die Geschichte muss knuffige Helden haben, zu Herzen gehen und vor allen Dingen einen grandios-knackigen Trailer haben. Und all das trifft auch auf „Pets 2“ zu, weshalb gerade die jüngeren Kinogänger auch hier wieder ihren Spaß haben werden.

Aber nicht nur bei den Animationen geht Illumination Kompromisse ein. Denn wo etwa Pixar oft Jahre wartet, um erst eine wirklich gute Story für eine mögliche Fortsetzung zu finden (man schaue nur auf den Abstand zwischen „Toy Story 3“ und „Toy Story 4“), ist „Pets 2“ deutlich anzumerken, dass hier einfach nur möglichst schnell ein zweiter Film mit dem Helden aus dem immens erfolgreichen ersten Teil hersollte. Ganz egal wie. Und so leidet „Pets 2“ auch merklich unter der gesplitteten Handlung. Nach der atmosphärisch gelungenen Exposition in New York (mächtig aufgepumpt durch die Big-Apple-Hymne „Empire State Of Mind“ von Alicia Keys & Jay Z), wo die Zuschauer mit den sympathischen Figuren wieder vertraut und auf den neuesten Stand der Entwicklung gebracht werden, verabschiedet sich Max samt Familie schon aufs Land. Das ist auch die weit aufregendere Story, weil der Jack-Russell-Terrier dort eine Entwicklung vom Angsthasen zum mutigen Hund durchmacht und spannende Abenteuer an der Seite von Duke und dem belebenden Neuling Rooster erlebt.

Die Episode in Manhattan, in der ein Quietscheentchen aus einer mit Katzen vollgestopften Wohnung gerettet werden muss, hat ebenfalls ihren Reiz, selbst wenn sie ziemlich für sich alleinsteht. Die Anstrengungen, nicht selbst in die Fänge des grausamen Katzenimperiums zu geraten, halten sogar für ein erwachsenes Publikum ein wenig Nervenkitzel bereit. Der Strang um die Befreiung des weißen Tigers wirkt hingegen tatsächlich mehr wie ein bloßer Lückenfüller, ein Publikumsliebling wie Snowball muss halt auch im Sequel irgendwas zu tun bekommen. Erst am Ende bringt Regisseur Renaud die Handlungsstränge wieder einigermaßen sinnvoll zusammen. So bleibt der Eindruck, dass hier etwas auf die Schnelle zusammengeschustert wurde. Wobei man zumindest von der Farm-Story durchaus gern noch mehr gesehen hätte, weil „Pets 2“ hier einfach am meisten Herz beweist.

 
Fazit: 
Die Animations-Abenteuer-Komödie „Pets 2“ ist ein turbulent-sympathischer Familienspaß vor allem für junge Kinofans.


Text (c) by MK

Sonntag, 16. Juni 2019

Men in Black - International


(c) Sony Pictures Germany



Inhalt:

Als junges Mädchen beobachtete Molly (Tessa Thompson) einen Einsatz der Men In Black. Seitdem ist sie fest entschlossen, die Wahrheit über Aliens und die mysteriösen Männer in den schwarzen Anzügen herauszufinden. Sie verbringt ihre Freizeit damit, nach Antworten zu suchen und entdeckt schließlich das Hauptquartier der MIB in New York. Dort ist Agent O (Emma Thompson) von Mollys Intelligenz und detektivischen Fähigkeiten beeindruckt und macht aus Molly Agent M. Ihr erster Auftrag führt sie nach London, wo sie gemeinsam mit dem legendären Agent H (Chris Hemsworth) Vungus, einen Angehörigen eines außerirdischen Königshauses, treffen und ihm während seines Aufenthalts eine gute Zeit bereiten soll. Doch bereits kurz nach seiner Ankunft wird er in einem noblen Nachtclub ermordet, gibt aber vor seinem Tod noch eine mächtige Waffe an M weiter. Die beiden Geheimagenten vermuten einen Maulwurf innerhalb der MIB-Organisation, der die Information über Vungus' Aufenthaltsort weitergegeben haben muss. Sie setzen nun alles daran, den Mörder und Verräter zu finden, bevor die mächtige Waffe in die falschen Hände gelangt ...


Bewertung:

Zur Orientierung im neuen Teil des „Men In Black“-Universums beginnt F. Gary Gray mit einem Prolog, der Chris Hemsworth („Thor“) und Liam Neeson („96 Hours - Taken“) als neue Kräfte einführt und ihre Fähigkeiten im Kampf gegen außerirdische Invasoren zeigt – gleichzeitig wird ironisch vermittelt, dass man selbst 2016 noch blitzdingst, wenn Zivilisten zu viel gesehen haben. Auch die folgende Rückblende, der die beschriebene Kindheitsepisode von Agentin M erzählt und ihre Motivation verdeutlicht, ist charmant erzählt und eine gelungene Einführung der neuen Figur (während Hemsworths Vorstellung nur rudimentär ausfällt). Da meint man glatt, den Einfluss des Ausführenden Produzenten Steven Spielberg zu spüren. Es ist durchaus unterhaltsam, Tessa Thompson („Creed“, „Auslöschung“) dabei zu beobachten, wie sie sich als ehrgeizige Molly staunend beim Eintauchen in die Men-In-Black-Welt schlägt, selbst wenn die Feminismus-Anspielungen, die ihre Figur permanent begleiten, gern weniger gewollt hätten ausfallen dürfen. Auch einige Gadgets sind mit Liebe zum Franchise kreiert, wenn zum Beispiel die Agenten M und H in ein Taxi steigen und sich das Gefährt plötzlich als schwindelerregender Fahrstuhl in ein unterirdisches Geheimquartier erweist. Doch nach dieser grundsoliden Exposition fällt „Men In Black: International“ kontinuierlich ab.

Schon die beiden akrobatischen Antagonisten sind ein Ausfall. Laurent Bourgeois und Larry Bourgeois, im wahren Leben Tänzer, Choreografen und YouTube-Stars, fehlt es merklich an Leinwandcharisma, das sie den Helden entgegensetzen könnten. Von einem seltsamen Effektgewitter begleitet und mit blaufunkelnden Augen ausgestattet strahlen sie trotz ihrer Kampfkunst kaum etwas Diabolisches aus. Ist die Chemie zwischen Chris Hemsworth und Liam Neeson als Lieblingsschüler und Vaterfigur noch in Ordnung, fällt die Verbindung von M und H schon deutlich holpriger aus. Während Hemsworth zum x-ten Male seine Lustiger-Thor-Nummer abzieht (inklusiv des unvermeidlichen Hammer-Zitats), setzen die Drehbuchautoren konsequent auf mittlerweile müde wirkende ironische Anspielungen auf Hemsworths makelloses Äußeres, was das gesamte weibliche MIB-Personal anzieht wie die Motten das Licht. Der „Avengers“-Star hat seiner etablierten Masche in „Men In Black: International“ einfach nichts Neues mehr hinzuzufügen – und mitunter geht die ständige Selbstironie sogar auf Kosten der emotionaleren Momente. 

New York, London, Marrakesch und später Italien: Ein Blockbuster der größeren Kategorie muss einfach exotische Schauplätze rund um die Welt auffahren. Doch die Bilanz ist auch hier durchwachsen. Während die Marrakesch-Szenen sehr künstlich aussehen und kaum Atmosphäre verströmen, wird der Ausflug von H und M in die Wüste endgültig zum visuellen Desaster, weil die Aufnahmen der dort Gestrandeten so kristallklar als Green-Screen zu entlarven sind, dass es eines 110 Millionen Dollar teuren Films einfach nicht würdig ist. Überhaupt sind die Spezialeffekte selten auf der Höhe der Zeit, man bekommt vielmehr das Gefühl, in einem mittelprächtig gealterten 90er-Jahre-Film zu sitzen. Die modernen optischen Möglichkeiten nutzt „Men In Black: International“ zu selten aus – allein die Sequenz auf einer Neapel vorgelagerten Festungsinsel ist visuell voll überzeugend und wirkt wie aus einem James-Bond-Film. Schade nur, dass das große Talent von Rebecca Ferguson („Mission: Impossible – Rogue Nation“) verschenkt wird, weil ihr Auftritt nur von kurzer Dauer und trotz drei Armen nicht sonderlich erinnerungswürdig ausfällt.

Erzählerisch bleibt vieles Stückwerk, das nicht recht zusammenpasst. Doch „Men In Black: International“ hat noch eine weitere eklatante Schwäche: Nicht nur der Film als Ganzes ist in seiner Dynamik berechenbar, sondern auch nahezu jede einzelne Szene. Man weiß immer, worauf es am Ende des Dialogs hinauslaufen wird - von einigen der vorhersehbarsten und lahmsten Twists der jüngeren Blockbuster-Geschichte mal ganz zu schweigen. Der frische Witz fehlt, der Unterhaltungswert ist überschaubar.

 
Fazit: 
„Men In Black: International“ ist ein halbgares Spin-Off, das mit seiner wenig stimmigen Story und teils mäßigen Effekten wie aus der Zeit gefallen wirkt. 


Text (c) by MK

Freitag, 7. Juni 2019

X-Men - Dark Phoenix


(c) Fox Deutschland



Inhalt:

Etwa zehn Jahre nachdem sie es mit dem ebenso mächtigen wie machthungrigen Mutanten Apocalypse aufgenommen haben, sind die X-Men rund um Charles Xavier (James McAvoy) zu Helden geworden. Doch der damit einhergehende Ruhm steigt dem an den Rollstuhl gefesselten Telepathen zu Kopf, so dass er seine Schützlinge auf immer gefährlichere Missionen schickt. Für ihren jüngsten Auftrag schickt er Mystique (Jennifer Lawrence), Beast (Nicholas Hoult), Storm (Alexandra Shipp), Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee) und Quicksilver (Evan Peters) ins Weltall, wo sie einige verunglückte Astronauten retten sollen. Doch dabei wird ihr Raumschiff von einer Sonneneruption getroffen, die Jean Grey (Sophie Turner) zwar absorbieren und umlenken kann. Aber durch die enorme Energie erwacht eine mysteriöse Macht in ihr: die Phoenix Force. Jeans neue Kräfte lassen sich nur schwer kontrollieren und rufen schließlich auch eine außerweltliche Gestaltwandlerin (Jessica Chastain) auf den Plan, die Jagd auf sie macht...


Bewertung:

Dass Jean Grey zur mächtigsten aller Mutanten wird, ist eine berühmte Comic-Geschichte, die Simon Kinberg schon für „X-Men: Der letzte Widerstand“ mit Famke Janssen als Nebenplot verwurstete. Damals reagierten viele Fans enttäuscht – und das wird diesmal kaum anders sein, selbst wenn die Wandlung zu Dark Phoenix diesmal im Mittelpunkt des Films steht. Denn auch wenn einige visuell starke Momente dabei herausspringen, wenn Jean Grey ihre unglaubliche Kraft zur Schau stellt, gelingt es Kinberg viel zu selten, die emotionale Wucht der Veränderung der jungen Teenagerin zu zeigen. Da darf Sophie Turner zwar mal im Regen heulen oder ihren Geliebten Scott (Tye Sheridan) wehmütig einen letzten Blick zuwerfen, aber Kinberg gibt solchen Momenten zu wenig Raum. Zudem ruiniert er sie oft mit zu dick aufgetragenen, mitunter sogar regelrecht peinlichen Dialogen, in denen dem Zuschauer dann auch noch wiederholt eingebläut wird, wie gefährlich es nun wirklich wird, wie zerrissen eine Figur ist oder was die Fieslinge planen.

Daneben tut sich Kinberg keinen Gefallen damit, die eigentliche Story zu breit aufzustellen. Dass verschiedene Gruppierungen unterschiedlicher Auffassung sind, ob man Jean noch retten kann oder töten muss, ist ein interessanter Konflikt. Wie Mutanten gegen Mutanten kämpfen, hat man ja aber in den vorherigen Filmen schon gesehen, also wird bereits in den ersten Filmminuten noch eine Alien-Rasse eingeführt, die die Erde als mögliche neue Heimat ausgemacht hat und Jeans Macht für ihre Invasion nutzen will. Diese, in den Comic-Vorlagen verwurzelte, hier aber komplett anders eingesetzte zusätzliche Bedrohung sorgt immerhin für die größte und beste Actionsequenz des Films, trägt aber sonst wenig bei. Vielmehr stören die Einschübe mit diesen Fieslingen das viel interessantere Drama zwischen den einzelnen Mutanten-Fraktionen. Da kann auch Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) als neuester prominenter Name im hochkarätigen Cast nichts ausrichten. Dafür ist ihre Antagonistin viel zu belanglos. 

„X-Men: Dark Phoenix“ zeigt zudem, dass „Game Of Thrones“-Star Sophie Turner noch keinen Kinoblockbuster tragen kann. So stark sie eine kühle, unnahbare Figur wie Sansa Stark spielen kann, so wenig eröffnet ihre Darbietung den Raum für Sympathie und damit für Mitgefühl. Da verwundert es nicht, dass in einer Schlüsselszene des Films durch einen Drehbuchkniff plötzlich eine andere Schauspielerin zum Einsatz kommt. Auf seine eindrucksvolle Darstellerriege kann sich Kinberg sonst aber verlassen – und weiß sie auch in Szene zu setzen. In einer der wenigen gelungenen emotionalen Szenen des Films (die ist dafür aber auch wirklich herausragend) nutzt er die komplette (!) Kinoleinwand, um nur Michael Fassbenders Gesicht in Großaufnahme zu zeigen und dort die ganze Trauer und Wut seiner Figur zu illustrieren. James McAvoy und Nicholas Hoult bekommen in einer der schon obligatorischen Küchenszenen der Reihe auch einen ruhigeren Moment, der ihnen Raum gibt, ihren Figuren zum letzten Mal in der mit „Dark Phoenix“ zu Ende gehenden Abenteuer dieser „X-Men“-Generation etwas Tiefe zu geben.

Genau daran fehlt es sonst aber meist, weswegen die stärkste Actionszene des Films zwar viel Bombast bietet, aber nicht wirklich mitreißend ist. Wenn es hier wirklich um das Leben einzelner Mutanten geht, fiebert man selbst mit dem seit einigen Filmen etablierten Nachwuchs wie Storm (Alexandra Shipp) oder Quicksilver (Evan Peters) nicht mit – von den neuen Figuren wollen wir erst gar nicht reden. In der übrigens nicht von Kinberg, sondern von Action-Routinier Brian Smrz (seit „X-Men 2“ als Second Unit Director dabei) inszenierten Sequenz wird zudem so schnell von einer Auseinandersetzung zur nächsten gewechselt, dass man kaum mitbekommt, ob da nun jemand tatsächlich gestorben ist oder sich doch noch retten konnte – wobei es emotional ab einem gewissen Punkt eigentlich auch egal ist. Und dass Mutant Nightcrawler eine absolut charakterverändernde Entscheidung trifft, die allein einen ganzen Subplot rechtfertigen würde, muss Kodi Smit-McPhee mit nur zwei, drei Gesichtsausdrücken schnell verdeutlichen. Dann geht es auch schon weiter zur nächsten Prügelei und es wird nie wieder zum Thema. Nicht nur hier ist die Action den Machern offensichtlich wichtiger als ihre Figuren.

 
Fazit: 
In „X-Men: Dark Phoenix“ verschenkt Simon Kinberg seine hochkarätige Besetzung für ein inhaltlich flaues und deshalb auch in den Action-Sequenzen nur selten mitreißendes Comic-Drama. Die „X-Men“-Generation um Michael Fassbender, James McAvoy und Jennifer Lawrence hätte ein besseres letztes Abenteuer verdient gehabt.



Text (c) by MK

Freitag, 31. Mai 2019

Godzilla 2 - King of the Monsters


(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:

Fünf Jahre nach dem ersten Auftauchen von Godzilla und den „Muto“ getauften Titanen lebt die Welt in ständiger Angst vor weiteren Urzeit-Monstern. Die Wissenschaftsorganisation Monarch, die sich bislang autark um sämtliche Vorkommnisse rund um die Titanen kümmerte, wird von der Regierung vor die Wahl gestellt: Entweder sie begibt sich unter staatliche Aufsicht, oder Godzilla und alle weiteren bekannten Titanen werden getötet, um weitere Katastrophen zu vermeiden. Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) hat derweil ein Bio-Sonar-System namens Orca entwickelt, mit dessen Hilfe sie mit den Urzeit-Riesen kommunizieren und ihnen sogar Anweisungen geben kann. Dafür benötigt sie jedoch die jeweils passende Frequenz der Titanen. Das Gerät fällt schließlich in die Hände des Öko-Terroristen Alan Jonah (Charles Dance), der Emma und ihre Tochter Madison (Millie Bobby Brown) entführt und sämtliche auf der Erde schlummernden Titanen aufwecken will. Als schließlich Godzillas Erzfeind, der dreiköpfige Drache King Ghidorah aus seinem Schlaf erwacht, bricht die Hölle los…


Bewertung:

Schon im Vorspann hört man das Stapfen von Godzilla, der mit seiner gewaltigen Masse selbst die Logos von Warner Bros. und Legendary Pictures erzittern lässt. Damit geben die Macher selbstbewusst ein Versprechen ab, das sie im weiteren Verlauf tatsächlich einhalten. Eine erste Arktis-Konfrontation zwischen der Riesenechse und dem zweiten Alpha-Predator Monster Zero (ein dreiköpfiger, Blitze speiender Drache, den wahre Fans natürlich sofort als Godzilla-Erzfeind König Ghidorah identifizieren) erweist sich zwar noch als nicht mehr als ein erster Appetithappen. Aber spätestens, wenn sich Rodan aus einem Vulkan in Mexiko erhebt, nimmt die Monster-Action gewaltig an Fahrt auf: Während der Aschevogel mit seinen brennenden Flügeln in allen bisherigen Verfilmungen noch ziemlich lächerlich anmutete, sieht es in „King Of The Monsters“ einfach nur verdammt cool aus, wenn er die Kampfjets aus der Luft pflückt wie ein Adler hilflose Spatzen. 

Mit der Zerstörung einzelner Gebäude wird sich dabei gar nicht groß aufgehalten, hier werden meist ganze Städte in einem Rutsch platt gemacht – und immer mal wieder streut Michael Dougherty („Krampus“) gigantische Totalen ein, die aus der Ferne eines der Monster als Silhouette inmitten einer völlig zerstörten Skyline zeigen. Das ist ebenso episch wie ikonisch – und zu diesem Zeitpunkt hat der Film mit dem noch immer unter einem Wasserfall verpuppten Mothra sogar noch einen extra Trumpf in der Hand, den er sich bis zum ausufernden Endkampf aufspart. Apropos Finale: Wie in „Godzilla 2“ mit dem alten Klischee des totgeglaubten Bösewichts, der sich plötzlich doch noch einmal erhebt, gespielt wird, ist schlichtweg genial – schon jetzt eine der kultigsten Einstellungen der „Godzilla“-Historie!

Dazu kommen jede Menge Anspielungen direkt für Fans, die angenehm subtil eingebaut sind. So können sich Kenner freuen, dass sie die Zitate mitbekommen haben, obwohl sie ihnen nicht allzu dick aufs Brot geschmiert wurden, während sich durchschnittliche Kinogänger gar nicht groß ärgern werden, weil sie gar nicht erst mitbekommen, dass es da überhaupt was zu verstehen gab. So kriegt man etwa die Anspielung auf die vor allem aus den japanischen „Mothra“-Filmen bekannten Cosmos-Zwillinge nur mit, wenn einem in einer bestimmten Szene auffällt, dass Ziyi Zhang („The Cloverfield Paradox“) plötzlich etwas längere Haare trägt.

Das klingt jetzt alles erst mal super. Aber über weite Strecken ist „Godzilla 2“ dennoch auch eine frustrierende Erfahrung. Denn wenn Öko-Bösewicht Jonah Alan die Titanen loslässt, um der „Infektion Mensch“ Herr zu werden, hätte man locker die Hälfte der menschlichen Figuren aus dem Drehbuch streichen dürfen. Das zentrale Mutter-Vater-Tochter-Gespann ist zwar okay, aber das liegt vor allem an den starken Schauspielern Vera Farmiga („Conjuring“), Kyle Chandler („Manchester By The Sea“) und Millie Bobby Brown („Stranger Things“). Für ihre Familienkonflikte interessiert man sich trotzdem nie wirklich: Selbst wenn sich relativ zu Beginn in einer Szene überraschend die Allianzen verschieben, zaubert eine der Figuren plötzlich eine an Spendenaufrufvideos erinnernde PowerPoint-Präsentation aus dem Hut, womit der eigentlich spannende Moment sofort wieder kaputtgemacht wird.

Darüber hinaus gibt es eine regelrechte Armada an Nebenfiguren, die zwar oft von bekannten Darstellern verkörpert werden, aber trotzdem keinen bleibenden Eindruck hinterlassen (und zwar selbst dann nicht, wenn sie sich zum pathetisch anschwellenden Score von Bear McCreary zum Wohle der Menschheit opfern). Die einzige Aufgabe des Plots ist es dabei, mehrere Monster an einem Ort zusammenzubringen. Das klingt simpel, aber geschieht hier – auch wegen der vielen Figuren – meist auf derart umständliche Weise, dass am Ende einer Sequenz oft ein Charakter aus der dritten Reihe das gerade Gesagte für die ganz Doofen kurz zusammenfasst. Das ist unnötig kompliziert – und dabei nicht etwa komplex, sondern einfach nur langatmig.

Ein weiteres Problem ist der oft unpassende (und dann noch nicht mal sonderlich lustige) Humor. Vor allem die von „Get Out“-Star Bradley Whitford verkörperte Figur des Wissenschaftlers Dr. Stanton fällt dabei immer wieder negativ auf: Mit seinen trocken-zynischen Bemerkungen macht er ständig die gerade aufgebaute Spannung oder Atmosphäre zunichte. Etwa als Godzilla auf die riesige Scheibe einer Unterwasserstation zuschwimmt, während er mit seinen atomar aufgeladenen Rückenstacheln immer wieder kurz den ansonsten pechschwarzen Ozean erhellt. Eine echt coole Szene, bis Stanton den Mund aufmacht und ´ne gelangweilte Pointe rauspresst. Es gibt Momente, da sollte man auch einfach mal die Klappe halten können.

 
Fazit: 
Die Monster sind top, die Menschen ein Flop.


Text (c) by MK