Samstag, 29. Oktober 2016

Dr. Strange 3D



Facts:
Genre: Action, Fantasy
Regie: Scott Derrickson
Cast: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton
Laufzeit: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein arroganter, aber auch unglaublich talentierter Neurochirurg. Nach einem schweren Autounfall kann er seiner Tätigkeit trotz mehrerer Operationen und Therapien nicht mehr nachgehen. In seiner Verzweifelung wendet er sich schließlich von der Schulmedizin ab und reist nach Tibet, wo er bei der Einsiedlerin The Ancient One (Tilda Swinton) und ihrer Glaubensgemeinschaft lernt, sein verletztes Ego hinten anzustellen und in die Geheimnisse einer verborgenen mystischen Welt voller alternativer Dimensionen eingeführt wird. So entwickelt sich Doctor Strange nach und nach zu einem der mächtigsten Magier der Welt. Doch schon bald muss er seine neugewonnenen mystischen Kräfte nutzen, um die Welt vor einer Bedrohung aus einer anderen Dimension zu beschützen. 

Bewertung: 
Nach dem mit „Guardians Of The Galaxy“ der Weltraum und mit dem Ameisen-Mann der Mikrokosmos erschlossen bereits erschlossen wurde, erschließt sich das MCU mit „Doctor Strange“ jetzt auch noch die Welt der Magie. Bei der visuellen Umsetzung orientiert sich Scott Derrickson  zwar offensichtlich an Szenen aus Christopher Nolans Traum-Mindfuck „Inception“ - speziell an der Faltung von Paris und dem rotierenden Hotelflur -, entwickelt die Konzepte aber konsequent weiter und kreiert so wahrhaft atemberaubende Actionszenen, die völlig aus dem üblichen Marvel-Rahmen fallen. Zwei Sequenzen ragen dabei besonders heraus: Einmal liefern sich die Astralkörper zweier bewusstloser Magier eine Rangelei in einem New Yorker Krankenhaus und im wahrhaft originellen Finale duellieren sich die Parteien, während um sie herum die Zerstörung Hongkongs rückwärts abläuft und damit rückgängig gemacht wird (statt einer weiteren Destruktionsorgie sehen wir also gleichsam das genaue Gegenteil, nämlich den „Wiederaufbau“ einer demolierten Metropole).

Brillant, überheblich, statusbewusst – Doctor Strange ist eine Mischung aus Dr. House und Tony Stark. Der staubtrockene, aus Arroganz und Herablassung entspringende Humor der Figur ist also nicht gerade neu, wird von Benedict Cumberbatch („Star Trek Into Darkness“) aber mit einer solchen Selbstverständlichkeit vorgetragen, dass trotzdem so gut wie jede Pointe ihr Ziel trifft. Wirklich überraschend ist das natürlich nicht, schließlich hat Cumberbatch in den vergangenen Jahren als titelgebender Meisterdetektiv in „Sherlock“ bereits eine der arrogantesten Figuren der TV-Geschichte absolut brillant verkörpert. Wenn jemand mit solch einem gewaltigen Ego in einem Film seinen Meister finden soll, muss man schon gewaltige Geschütze auffahren – und genau das hat Marvel mit der Besetzung von Oscarpreisträgerin Tilda Swinton („Michael Clayton“) als glatzköpfige The Ancient One auch getan: Wie sie Strange allein mit ihrer bloßen Ausstrahlung oder winzigen Gesten in seine Schranken weist, ist ganz große Schauspielkunst.

Neben Cumberbatch und Swinton wird die Luft dann aber auch schon schnell sehr dünn: Chiwetel Ejiofor („12 Years A Slave“) als Magier Mordo und Rachel McAdams („Sherlock Holmes“) als Stranges Ex-Freundin Christine Palmer bleiben vollkommen blass und man kann nur hoffen, dass ihre Figuren in der Fortsetzung mehr zu tun bekommen (zumindest deutet die Post-Credit-Szene ganz stark in diese Richtung). Zwischen Strange und dem abtrünnigen Kaecilius gibt es zwar einige nette Wortspiele, weil der humorlose Magiemeister die ironischen Bemerkungen seines Gegenübers immer falsch versteht (ähnlich wie Drax in „Guardians Of The Galaxy“), aber davon abgesehen reiht sich nun auch Mads Mikkelsen („Die Jagd“) in die lange Liste schön geschminkter, aber vergessenswerter Marvel-Bösewichte ein. Tom Hiddleston braucht sich offenbar wirklich keine Sorgen zu machen, dass an seinen Loki noch einmal irgendein MCU-Bad-Guy heranreicht.

Sehr viel besser funktionieren die beiden Sidekicks des Films: Benedict Wong („Sunshine“) liefert als pflichtbewusster Bibliothekar Wong einen perfekten (weil absolut ahnungslosen) Sparringspartner für Stranges Popkultur-Pointen. Und als heimlicher Star des Films entpuppt sich Stranges eigenwilliger Umhang, der selten das tut, was sein Träger von ihm verlangt, und so an die lebendigen Gegenstände aus frühen Disney-Cartoons mit Mickey, Donald und Co. erinnert. Aber hier und da verursacht der Humor auch Probleme: So gibt es zum Beispiel eine wirklich sehr schöne kurze Sequenz, in der der Kragen des Umhangs vor dem Spiegel lustige Sperenzchen treibt - aber weil die Szene genau zwischen dem Tod einer wichtigen Figur und dem drohenden Weltuntergang platziert ist, wirkt sie trotzdem fehl am Platz und nimmt den dramatischeren Momenten ein wenig von ihrer Wirkung. Manches Mal wirkt „Doctor Strange“ so, als sollte auf Biegen und Brechen das erprobte augenzwinkernde Marvel-Konzept durchgezogen werden, obwohl ein mit mehr Konsequenz durchgehaltener düstererer Ton besser gepasst hätte.

Fazit: 
Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, der Humor und die visuelle Gestaltung der Actionszenen sind top. Aber mit der Story, dem seichten Bösewicht und belanglosen Nebenfiguren ist noch eine Menge Luft nach oben.Dafür vergeben wir 8 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Inferno 2D



Facts:
Genre: Thriller, Krimi, Action
Regie: Ron Howard
Cast: Tom Hanks, Ben Foster, Felicity Jones
Laufzeit: 124 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany


(c) Sony Pictures Germany

Inhalt: 
Der Schweizer Milliardär und Wissenschaftler Bertrand Zobrist (Ben Foster) meint, die Erde sei so überbevölkert, dass es schon bald keine Hoffnung mehr gibt, die katastrophalen Folgen dieser Fehlentwicklung noch einmal umzukehren. Er hat deshalb eine Seuche entwickelt, die für eine nachhaltige Dezimierung der Menschheit sorgen soll. Der Meister-Kryptologe und Symbologie-Professor Robert Langdon (Tom Hanks) erkennt schnell, dass es nur einen Weg gibt, Zobrists Plan noch zu stoppen: Er muss „Inferno“ entschlüsseln, den ersten Teil von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“. „Inferno“ handelt von der Reise des italienischen Dichters durch die Hölle und steckt voller nicht geknackter Codes und Symbole. Aber gerade jetzt verliert Langdon Teile seines Gedächtnisses. Als er ohne Erinnerung an die vergangenen Tage in einem Krankenhaus in Florenz aufwacht, tut er sich mit der Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) zusammen. Sie soll ihm dabei helfen, sein lückenhaftes Gedächtnis wieder auf Vordermann zu bringen…

Bewertung:
Mit „Inferno“ verfilmt Ron Howard den vierten Robert-Langdon-Roman von Beststeller-Autor Dan Brown, der mit „Origin“ für 2017 bereits einen weiteren Teil angekündigt hat. Das dritte Buch „Das verlorene Symbol“ wurde übersprungen, weil der Drehort Washington den Produzenten nicht so ansprechend erschien wie nun Florenz, Venedig und Istanbul. Auf den ersten Blick eignen sich Browns ungeheuer detailreich, physisch und kurzweilig geschriebenen Unterhaltungsreißer hervorragend für hochglänzende Hollywood-Adaptionen: ein charismatischer Protagonist, malerische Schauplätze, ein hohes Tempo und knifflige Rätsel. Aber in dieser Melange steckt eine Zutat, mit der sich schon die beiden vorherigen Filme schwertaten: Beim Lösen der Puzzles bleibt das Publikum in der Regel außen vor – und das ist nun auch bei „Inferno“ nicht anders. Dieses Mal dreht sich alles um den ersten Teil von Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, deren versteckten Bezüge Langdon entschlüsseln muss, um seinen persönlichen Ritt durch die Hölle heil zu überstehen und nebenbei auch noch die Hälfte der Weltbevölkerung zu retten. Langdon und seine zufällige Gefährtin Dr. Sienna Brooks erzählen sich gegenseitig die Rätsel - und irgendwann lösen sie sie dann, um zur nächsten Station ihrer Schnitzeljagd zu hetzen, an der auch diverse weitere Parteien (WHO, Geheimdienste, Gangsterschergen) allergrößtes Interesse haben.

Ron Howard setzt den Akzent im dritten Teil stärker auf Action. Das beginnt schon während der hyperaktiven Einführung im Handkamera-Stil à la Paul Greengrass („Bourne“-Reihe), wenn sein Hauskameramann Salvatore Totino („Spider-Man: Homecoming“) vollkommen zügellos herumfuchtelt, um Langdons totale Desorientierung zu dokumentieren - konzeptionell verständlich, aber fürs Publikum ziemlich anstrengend. Wie der seiner Erinnerungen beraubte Langdon stürzt sich auch „Inferno“ kopfüber ins Geschehen. Diesen nervösen Inszenierungsstil behält Howard konsequent bei, wenn die Protagonisten ihre historischen Puzzles vor malerischen Kulturgut-Kulissen im Vecchio-Palast in Florenz oder im Markusdom in Venedig knacken – und dabei werden auch mal kurz 100 Seiten aus der Romanvorlage einfach übersprungen, um bloß das Erzähltempo hoch zu halten.

Es ist der souverän wirkende Tom Hanks, der „Inferno“ mit seiner unerschütterlichen Präsenz letztendlich trotz allzu sprunghafter Erzählung zusammenhält. Mit dem so arg wie noch nie gebeutelten Langdon fiebert man vor allem wegen der Leistung des zweifachen Oscarsiegers mit. Felicity Jones tritt die Nachfolge von Audrey Tautou (in „The Da Vinci Code -Sakrileg“) und Ayelet Zurer (in „Illuminati“) an, die als weibliche Anhängsel in Robert Langdons Schlepptau durch die Szenerie geschleift werden. Auch Omar Sy als undurchsichtiger Kopf eines Hescher-Teams entwickelt kaum ein eigenes Profil. Als Antagonist spielt dafür die erprobte Rampensau Ben Foster  in gewohnt extrovertierter Manier auf. Irrfan Khan erweist sich indes als echter Szenendieb, der erst spät in die Hatz einsteigt, aber dann zumindest noch auf der Zielgeraden für einige erfrischende Ambivalenz und ordentlich Chuzpe sorgt.

Fazit: 
Ron Howards Mystery-Thriller „Inferno“ ist noch deutlich hektischer als die zwei vorherigen Robert-Langdon-Blockbuster – hochtouriges Starkino vor prächtigen Kulissen mit teils arg wirrer Story. Dafür können wir leider nur enttäuschende 5 von 10 Punkte vergeben. (mk)

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Findet Dorie 3D



Facts:

Genre: Animation
Regie: Andrew Stanton
Cass/ Stimmen: Anke Engelke, Christian Tramitz, Idris Elba
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany


Inhalt: 
Ein Jahr ist vergangen, seit Clownfisch-Vater Marlin  seinen verschollenen Sohn Nemo  quer durch den ganzen Ozean gesucht hat und dabei tatkräftig von der vergesslichen Doktorfisch-Dame Dorie  unterstützt wurde. Die Aufregungen des Abenteuers liegen mittlerweile lange zurück und die Drei sind wie eine kleine Familie. Doch als Dorie eines Tages eine scheinbar unbedeutende Beobachtung macht, schießt es ihr plötzlich durch den Kopf: Wo sind denn eigentlich ihre Eltern abgeblieben? Kleine Bruchstücke ihrer Vergangenheit kommen auf einmal zurück und lassen sie nicht in Ruhe. Für Dorie ist klar: Dieses Mal muss sie sich auf die Suche begeben. Gemeinsam mit Marlin und Nemo macht sie sich auf eine Reise voller Gefahren, die sie bis ins Meeresbiologische Institut in Kalifornien führt. Doch wird sie dort endlich mit ihrer Familie wiedervereint? 

Bewertung:
Die allerwichtigste Zutat eines Filmvergnügens für die ganze Familie hat Regisseur Andrew Stanton, der zwischenzeitlich für „WALL-E“ seinen zweiten Oscar gewann und 2012 mit „John Carter“ ein aufsehenerregendes Realfilmdebüt absolvierte, auch in den langen Jahren nach „Findet Nemo“ nicht vergessen: viel Herz! Das zeigt sich schon im Prolog mit Baby-Dorie und ihren Eltern. Der kleine Doktorfisch leidet bereits unter dem prägnanten Kurzzeitgedächtnisverlust im „Memento“-Stil und wird in dieser durchaus traurigen Sequenz praktisch zum Waisenkind. Das Publikum kann emotional sofort „andocken“, zugleich werden auf überaus einfache und effektive Weise die Grundsteine für die Handlung bis zum Finale gelegt. Die Stimmung wird dabei nur ganz kurz eingetrübt, denn Dorie ist eine dauerhaft fröhliche Person, die einfach jeder mögen muss. Und schon allein dadurch dass die beliebte „Findet Nemo“-Nebenfigur hier zur Protagonistin aufsteigt, während der damalige Titelheld und sein Vater Marlin weniger Leinwandzeit erhalten, bekommt „Findet Dorie“ etwas erzählerische Frische.

Nachdem sich die Dreier-Combo Dorie, Marlin und Nemo auf ihre Reise begeben hat, kommen bei flottem Erzähltempo immer mehr neue Figuren hinzu. Und die sind Volltreffer. Besonders der siebenarmige Oktopus Hank ist eine echte Bereicherung, seine sensationellen Chamäleon-Tarnfähigkeiten bescheren dem Film seinen besten Running Gag: Wenn Gefahr oder Entdeckung droht, dann wächst Hank auf aberwitzige Weise mit seiner Umgebung zusammen. Das bringt immer wieder Lacher. Auch Belugawal Bailey (Ty Burrell), dessen Navigationsecho gestört ist, und der kurzsichtige Walhai Destiny (Kaitlin Olsen), sind als Sidekicks gut gewählt – auch sie sind liebenswert und sorgen für amüsante Situationen. Die Drehbuchautoren Stanton und Victoria Strouse lassen sich aber nicht nur bei der Figurenzeichnung einiges an verrückten Details einfallen: Wenn plötzlich die Stimme von „Alien“-Ikone Sigourney Weaver („Avatar“) als Intercom-Sprecherin des Meeresparks ertönt, um Hinweise für die Besucher durchzusagen, dann wird dieser (selbst-)ironische akustische Auftritt zu einem komischen Dauerbrenner und die Tiere nehmen immer wieder Bezug auf Weaver, die zu einer Art göttlicher Stimme des Parks avanciert.

Für einen echten Bösewicht gibt es in dieser Geschichte keinen Platz, dafür geraten die Wassertiere gelegentlich in brenzlige Situationen außerhalb ihres Elements, was für ein wenig nicht allzu bedrohliche Spannung sorgt. Langweilig wird es trotzdem nie, vor allem fürs Auge gibt es jede Menge Staunenswertes zu entdecken, denn die makellosen, farbenprächtigen 3D-Animationen sprühen vor Detailreichtum. Generell befinden sich Bildgestaltung, Design, Ton, Schnitt und die Musik von Thomas Newman bei „Findet Dorie“ auf allerhöchstem Niveau, wie wir es von Pixar gewohnt sind. Etwas irritierend ist auf den ersten Blick nur der Titel des Films selbst, denn nach Dorie wird hier ja gar nicht gesucht. Vielmehr geht es in erster Linie darum, ihre Eltern zu finden – es müsste also eher „Findet Dories Eltern“ heißen, aber das klingt zugegebenermaßen sehr umständlich und die Analogie zu „Findet Nemo“ ist natürlich verführerisch. So muss man sich für „Finding Dory“ schon eine schwer übersetzbare Bedeutung im übertragenen Sinne zurechtlegen, aber wer sagt, dass der Film eben auch von der (Selbst-)Findung Dories und ihres wahren Ichs handelt, der liegt sicher nicht falsch,

Fazit:
Andrew Stantons „Findet Dorie“ ist ein rührender Animationsfilm für die ganze Familie – Herz, Humor und eine perfekte technische Umsetzung verbinden sich zu einem tollen Filmerlebnis. wir vergeben für dieses Unterwasserabenteuer fischige 8,5 von 10 Punkte. (mk)