Samstag, 24. Oktober 2015

Der Marsianer 3D - Rettet Mark Watney



Facts:

Genre: Sci-Fi
Regie: Ridley Scott
Cast: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig
Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 
Die NASA treibt mit der „Ares 3“-Mission die Erforschung des Mars voran. Die Astronauten Mark Watney (Matt Damon), Commander Lewis (Jessica Chastain), Rick Martinez (Michael Peña), Chris Beck (Sebastian Stan), Alex Vogel (Aksel Hennie) und Beth Johanssen (Katie Mara) sind auf dem roten Planeten gelandet, inklusive eines Fahrzeugs und eines Habitats, in dem die Forscher leben und Nahrung herstellen können. Doch ein Sandsturm droht die mitgebrachte Technik samt ihrer Einwohner hinwegzufegen, so dass Commander Lewis den Befehl zum sofortigen Aufbruch gibt. Weil ihn seine Crew für tot hält, bleibt der Botaniker Mark Watney auf dem unwirtlichen fremden Planeten zurück. Vorerst ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung versucht er, die wenigen ihm zur Verfügung stehenden Mittel so einfallsreich wie möglich zu nutzen. Und tatsächlich gelingt es Watney, der Erde zu signalisieren, dass er noch lebt. Die NASA unter Direktor Sanders (Jeff Daniels) beginnt, die Rettung des „Marsianers“ zu planen. Parallel dazu startet Watneys Crew eine eigene, riskante Mission, ihn heimzuholen… 

Bewertung:
Auch wenn Ridley Scott einen ganz anderen, weniger Fantasy-lastigen Ansatz als z.B. Nolan´s INTERSOLAR verfolgt, sind die Ähnlichkeiten der beiden Weltraum-Großprojekte nicht von der Hand zu weisen, zumal mit Matt Damon („Bourne“-Reihe) und Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) gleich noch zwei Darsteller in beiden Filmen auftreten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten stechen aber vor allem die Unterschiede ins Auge, was nicht nur an der Optik der Raumanzüge liegt, denen die Ausstatter eine auffällige Orangenote verpasst haben.

Vor allem tonal grenzt sich Scott sehr stark ab. Geht es zunächst - dem Ernst der Lage angemessen – sehr seriös zu, ändert sich dies nach und nach, je mehr der gestrandete Mars-Kolonist Mark Watney als moderner Robinson Crusoe in den Mittelpunkt rückt. Denn dieser Botaniker ist ein echter Weltraum-MacGyver, der ganz schwer den Schalk im Nacken hat. Er ist ein Spaßvogel, der sich die Laune nur unwesentlich davon vermiesen lässt, dass er wahrscheinlich elendig auf dem Mars verrecken wird. Dieser Aspekt ist bereits in Andy Weirs Roman als zentraler Punkt angelegt, Scott behält ihn bei. Diese Leichtigkeit mag für das Genre des Raumfahrtfilms heutzutage ungewöhnlich sein, aber sie funktioniert, weil der Zuschauer direkt in Mark Watneys aussichtlos erscheinenden, aber abwechslungs- und einfallsreichen Überlebenskampf gesogen wird.

Mehr Raum als noch in der Vorlage bekommt die Parallelgeschichte auf der Erde, die zwar nach den üblichen Genremustern aufgebaut ist, mit den knackigen Dialogen von „The Cabin In The Woods“-Regisseur Drew Goddard dabei aber auf die wesentlichen Punkte konzentriert bleibt. Jeff Daniels spielt als skrupelloser NASA-Direktor souverän eine Art dezenten Bösewicht, der das Konto seiner Organisation über das Wohl eines einzelnen Menschen stellt, während Chiwetel Ejofor als unermüdlicher Kämpfer für seine Astronauten die Guten anführt, zu denen sich auch Sean Bean als Chefberater aufschwingt. Die sich auf der Rückreise befindliche Mars-Crew wird im weiteren Verlauf ebenfalls wieder bedeutend für die Handlung. Jessica Chastain führt diese Gruppe schauspielerisch an, Kate Mara erhält noch einige Szenen als Computerexpertin auf dem Schiff, aber generell verläuft hier das meiste in bekannten Genregrenzen – bis hin zum super-nerdigen Computer-Geek Donald Glover, der auf der Erde an den richtigen Schrauben dreht.

Weil bei „Der Marsianer“ sehr oft auf konventionelle Erzählmuster zurückgegriffen wird, kommt nie wirklich das Gefühl auf, dass etwas kolossal schiefgehen könnte. Trotzdem schafft es Ridley Scott durch seine dynamische Inszenierung, sein Publikum vor Spannung in die Kinositze zu drücken, so viele brenzlige Situationen zwischen Leben und Tod gibt es zu überstehen. Ohne Matt Damon wäre der ganze Film jedoch nutz- und wertlos. Der Schauspieler transportiert gut den (Galgen-)Humor, den Scott im Kern der Figur gefunden hat. Dazu hat der Regisseur die Anteile des Ein-Personen-Stücks im Vergleich zum Roman deutlich verkürzt und erspart dem Publikum seitenlange wissenschaftliche Kalkulationen und pedantische Abhandlungen über den Anbau von Kartoffeln. Ein Video-Tagebuch dient zudem als zusätzlicher Kniff, um das auf dem Papier trockene, in der Umsetzung aber sehr lebendige Ein-Personen-Szenario aufzubrechen. So bekommt Matt Damon die Möglichkeit, seine Monologe effektiv zu adressieren, ohne mit sich selbst reden zu müssen.

Ridley Scott setzt bei seiner Bebilderung auf schwelgerisch-atmosphärische Mars-Panoramen, die die gesamte Unwirtlichkeit des roten Planeten einfangen und die Isolation Mark Watneys glaubhaft werden lassen. Die Inszenierung ist sorgfältig-solide, ohne jedoch an dem visionären Gestus eines Christopher Nolan in „Interstellar“ zu kratzen. Stilistisch legt Ridley Scott sein Werk vielmehr wie einen kernigen Katastrophenfilm der 70er Jahre an, was auch seine Vorteile hat. Auch wenn „Der Marsianer“ die große Vision von „Interstellar“ fehlt, so fühlt sich das Szenario durch den geerdeten Ansatz unglaublich realistisch an. Herausragend ist das Set-Design auf dem Mars, angefangen von dem High-Tech-Habitat bis zu dem Mars-Rover und der Ausstattung des Raumschiffs Hermes. Die 3D Effekte gerade von Mars und Weltraum sind sehenswert und geben dem Film die grafische Note für einen unterhaltsamen Filmabend.

Fazit: 
Ridley Scott gelingt mit seinem spaßigen Weltraum-Survivaldrama „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ein höchst unterhaltsamer Science-Fiction-Film, der zwar durch seine Feel-Good-Leichtigkeit überrascht, aber trotzdem hochspannend ist. Allein die für uns fehlende emotionale Tiefe der Hauptfigur (im Vergleich zum Film MOON) verhindern eine bessere Wertung. Daher vergeben wir galaktische 7 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Inside Out (3D OV)



Facts:
Genre: Animation, Komödie
Regie: Pete Docter
Cast/Stimmen: Amy Poehler, Bill Hader, Mindy Kaling
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Die elfjährige Riley (Stimme im Original: Kaitlyn Dias) wird plötzlich aus ihrem bisherigen Leben im mittleren Westen gerissen, als ihr Vater einen neuen Job annimmt. Die Familie zieht nach San Francisco und die Gefühle im Kontrollzentrum von Rileys Verstand haben mächtig zu tun: Freude (Amy Poehler) versucht, das Positive herauszustellen, doch Angst (Bill Hader), Wut (Lewis Black), Ekel (Mindy Kaling) und Traurigkeit (Phyllis Smith) bekommen immer mehr die Überhand. Die Gefühle sind sich uneins darüber, wie sie das Mädchen am besten durch den veränderten Alltag navigieren. Als sich Freude und Traurigkeit dann auch noch verlaufen, müssen sie schnell ins Kontrollzentrum zurückfinden, sonst könnte Riley eine große Dummheit begehen. Bald treffen die beiden verirrten Gefühle Rileys imaginären Freund Bing Bong (Richard Kind) und der hat noch eine Ladung guter Laune im Gepäck. Aber der Weg durch Träume und Gedanken zurück in die Zentrale ist lang und voller Hindernisse... 

Bewertung:
Die Pixar-Verantwortlichen haben die Zeichen der Zeit erkannt – was nützen risikolos kalkulierte Einspielergebnisse von Sequels, wenn die Kreativität dabei langsam aber sicher auf der Strecke zu bleiben droht? Stattdessen kehrt das Studio wieder zu jener legendären Risikofreude zurück, von der seit dem Start von „Oben“ 2009 immer weniger zu spüren war – und dabei ist es sicherlich auch kein Zufall, dass mit Pete Docter ausgerechnet der Regisseur von „Oben“ diese Comeback-Mission übernommen hat. Was „Alles steht Kopf“ dabei von den Pixar-Fortsetzungen wie „Cars 2“ oder „Die Monster Uni“ abhebt, ist vor allem der überbordende und nicht zu stoppende Wille, dem Publikum etwas zu geben, was es zuvor noch nicht gesehen hat. Schon die Grundidee, dass Menschen von fünf elementaren Gefühlen in einer Kommandozentrale wie in einem Raumschiff gesteuert werden, ist ebenso charmant wie clever. Die anfängliche Befürchtung, dass sich der Kniff nach der Exposition schnell abnutzen könnte, ist zudem völlig unbegründet. Denn sind die Regeln der gefühlsgesteuerten Welt erst einmal etabliert, geht die Reise emotional und visuell erst so richtig los!

Freude ist die Anführerin der Gefühle, die allesamt eine eigene unverwechselbare Persönlichkeit haben: Wut ist dabei der Mann für die trockenen Oneliner, ein typischer Disney-Sidekick also, während Ekel und Angst eher untergeordnete Nebenrollen einnehmen. Die beiden stärksten Emotionen, die sich nicht immer grünen Freude und Traurigkeit, nimmt Pete Docter folgerichtig auch als Protagonisten mit auf die Reise, die auch eine Chance dafür ist, bestehende Gegensätze zu überwinden – nachdem Freude bisher immer den großen Boss hat raushängen lassen, ist es an der Zeit zu erkennen, dass auch Traurigkeit einen wichtigen Part in Rileys Leben spielen sollte. „Alles steht Kopf“ ist auch deshalb so unterhaltsam, weil den Autoren Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley niemals die verrückten Ideen ausgehen, ohne dass sie dafür je auf die im Animationsgenre ach so gern geplünderte Popkultur-Zitatenkiste zurückgreifen müssten: Ihr einzigartiges Werk ist etwas völlig Eigenes und total Neues.

Wenn die verzweifelt um das Zurückerlangen der Kontrolle kämpfende Reisegruppe schließlich endgültig nicht mehr weiterzukommen scheint, legen Docter und seine Crew mit ihrem schon beim fantasievollen Figurendesign der Gefühle hell lodernden Einfallsreichtum erst richtig los: Hinter jeder Ecke öffnet sich eine völlig neue Welt, die auch Jules Verne begeistert hätte - von der Traumproduktion (ein eigener Studiobetrieb à la Hollywood, der böse und gute Träume produzieren kann) über den Zug der Gedanken bis zum düsteren Friedhof der Erinnerungen. Die Botschaft des Films ist dabei so simpel wie reif, typisch Pixar eben: Man kann nicht immer nur fröhlich sein – ohne Traurigkeit, Angst und Wut ist auch die Freude nichts wert.

Fazit: 
Mit seinem turbulenten, witzig-charmanten Animations-Abenteuer kehrt das Studio nicht nur zu alter Stärke zurück, „Alles steht Kopf“ ist sogar einer der bisher kreativsten Pixar-Filme überhaupt – grandios-clevere und emotional packende Unterhaltung für alle Altersklassen! Wir vergeben dafür gutgelaunte 9 von 10 Punkte und freuen uns auf die Fortsetzung. (mk)

Freitag, 2. Oktober 2015

Fack ju Göhte 2



Facts:

Genre: Komödie
Regie:
Bora Dagtekin


Cast: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann


Laufzeit: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Constantin Film Verleih


(c) Constantin Film Verleih

Inhalt: 
Der coole Ex-Kleinganove und frisch gebackene Lehrer Zeki Müller (Elyas M'Barek) ist mit seinen etwas anderen Lehrmethoden mittlerweile sehr beliebt bei seinen Schülern. Aber ihn selbst nervt sein neuer Job jetzt schon, liegen ihm das frühe Aufstehen, das ständige Korrigieren von Klassenarbeiten und nervige Kinder doch so überhaupt nicht. Hinzu kommt, dass Direktorin Gerster (Katja Riemann) noch zusätzlich Druck macht, da sie um jeden Preis das Image ihrer Gesamtschule aufbessern will. Zu diesem Zweck möchte sie dem renommierten Schillergymnasium die thailändische Partnerschule streitig machen. Und so werden Zeki und Kollegin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) auf Klassenfahrt nach Thailand geschickt, wo ihre chaotischen Schützlinge (u. a. Jella Haase und Max von der Groeben) für ordentlich Wirbel sorgen. In all dem Trubel spitzt sich der Konkurrenzkampf mit dem Schillergymnasium immer weiter zu, dessen Lehrer Hauke Wölki (Volker Bruch) Zekis Karriere mit allen Mitteln ein Ende bereiten möchte…

Bewertung:
„Du bist so Arzt!“: Dieses grammatisch eigenwillige Lob für die Lebensretterin Chantal hat wie einige andere krasse Kalauer das Zeug zum Kultzitat auf Schulhöfen und in sozialen Medien – ähnlich wie das zeitweise allgegenwärtige „Heul leise“ aus dem ersten Teil. Die von Zeki in „Fack ju Göhte“ aus Motivationsgründen zur Hochbegabten ernannte und hier wieder degradierte 6er-Schülerin avanciert im Sequel zur gar nicht so geheimen Allzweckwaffe und zur zweiten Hauptfigur. Gerade im Verbund mit ihrer Freundin Zeynep (Gizem Emre) führt dies zu einer gewissen Häufung der Blicke in die Abgründe des biologischen, geographischen, sprachlichen und sonstigen Unwissens. Doch trotz dieser manchmal sehr simplen Lacher auf ihre Kosten wird Chantal in Jella Haases („Kriegerin“) Darstellung nie zur Witzfigur und wenn sie sich am Ende rührend um den „Quotenbehinderten“ Etienne (Lucas Reiber) sorgt (auf sein „Ich hab Asperger, elf Prozent“ antwortet sie: „Ich hab Wodka, 40 Prozent“), dann ist das einer der emotionalen Höhepunkte in einer Komödie, die trotz aller Derbheit das Herz am rechten Fleck hat. Was wiederum nicht heißt, dass man sich nicht auch ein wenig schadenfroh amüsieren darf – etwa über die Missgeschicke der armen Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas), der hier ganz übel mitgespielt wird, was in einen effektvoll inszenierten Horror-Moment vor dem Spiegel mündet.

Im Anschluss an die anfänglichen Kapriolen im Kollegium geht es ohne Karoline Herfurths („Passion“) Lisi, die hier nur noch eine größere Nebenrolle spielt, nach Thailand, wo zunächst die slapstickartigen Tumulte und die Handgreiflichkeiten überhand nehmen. Der Film wird vorübergehend fast zu einer Action-Farce an Land, zu Wasser und in der Luft, die nur von Chantals grotesken Bemerkungen unterbrochen wird (sie verwechselt auch schon mal Wolf und Affe). In der tropischen Postkartenkulisse ist zwar auch die wilde Diamantenjagd ziemlich kurzweilig und vor allem hübsch anzusehen, aber der Handlungsstrang um die Machenschaften des vermeintlichen Vorzeige-Lehrers Hauke Wölki (Volker Bruch) und die thailändischen Waisenkinder ist mit arg dünnem Faden geknüpft. Der Pädagoge von der Konkurrenz, die unsympathisch-unbescheiden als „Weltretter AG“ auftritt, erweist sich als das genaue Gegenteil von Zeki – idealistisch nach außen, aber innerlich korrupt. Dieser Kontrast wäre gar nicht nötig gewesen, denn Elyas M’Barek („Who Am I“) hat die Rolle des rauen Tunichtguts mit dem weichen Herzen inzwischen fast so sehr perfektioniert wie seinen durchtrainierten Körper – und den zeigt er gerne her. So landet er beispielsweise nackt im Süßigkeitenautomaten, aber der Höhepunkt ist trotzdem, wenn Zeki seine Schüler und sich selbst mit ein paar SMS an einfache menschliche Wahrheiten erinnert.

Fazit: 
Ein würdiger und fast genauso komischer Nachfolger für das Phänomen „Fack ju Göhte“.  Gegenüber dem 1. Teil vergeben eine leicht schwächere Wertung von 7,5 von 10 Schulpunkten. (mk)

Everest 3D



Facts:

Genre: Abenteuer
Regie:
Baltasar Kormákur


Cast: Jason Clarke, Jake Gyllenhaal, Josh Brolin


Laufzeit: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

„Der Everest ist ohne Zweifel der gefährlichste Ort auf der Erde“, sagt der erfahrene Bergsteiger Rob Hall (Jason Clarke) seiner Gruppe von Amateuren, die bei seiner Firma für 65.000 Dollar eine Tour zum Gipfel gebucht haben. Trotzdem wollen sie alle das Abenteuer auf sich nehmen und unter der Führung von Hall und seinem Team von Kollegen und Sherpas auf den höchsten Berg der Welt klettern. Zu den Kunden gehören unter anderem der Mediziner Beck Weathers (Josh Brolin) aus Texas, der Postangestellte Doug Hansen (John Hawkes), die japanische Fed-Ex-Mitarbeiterin Yasuko Namba (Naoko Mori) und der Reporter Jon Krakauer (Michael Kelly), der über die Expedition berichten will. Nach eingehender Vorbereitung beginnt am 10. Mai 1996 der Aufstieg zum Gipfel. Um Staus auf der Route zu vermeiden, tut sich Halls Gruppe mit der des Kollegen Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) zusammen. Doch ein Schneesturm bringt die Bergsteiger in tödliche Gefahr. 

Bewertung:

Der Mount Everest ist mit 8.848 Metern der höchste Berg im himalaya und übt als solcher eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Und so sterben auf keinem anderen Achttausender mehr Bergsteiger als hier, dabei ist der Himalaja-Gipfel nicht einmal der technisch schwierigste – nur ist die schiere Anzahl der Profi- und Hobby-Kletterer, die dem Mythos nicht widerstehen kann, so groß, dass insgesamt schon mehr als 200 Menschen bei diesem Extrem-Abenteuer ums Leben gekommen sind. Das Phänomen des „Massentourismus“ am Rekord-Gipfel spielt in Baltasar Kormákurs („Contraband“) elektrisierendem Bergsteiger-Drama „Everest“ allerdings ebenso wie die hinterher aufgekommenen Kontroversen um die geschilderten Geschehnisse nur eine untergeordnete Rolle. Der isländische Regisseur konzentriert sich bei seiner packenden Schilderung eines der verheerendsten Aufstiege am Mount Everest, bei dem am 10. und 11. Mai 1996 acht Menschen ihr Leben ließen, auf den archetypischen Zweikampf zwischen Mensch und Natur.

Wenn man ein Budget von immerhin 65 Millionen Dollar zur Verfügung hat, erwächst daraus auch eine Verpflichtung, sich nicht nur an ein Expertenpublikum zu richten (wer sich speziell für dieses Thema interessiert, schaut die drei Staffeln der grandiosen Doku-Serie „Everest“), sondern auch an jene Zuschauer, die wenig bis gar nichts vom Bergsteigen verstehen. Es ist dem Film anzumerken, dass Kormákur Fachleute wie Laien gleichermaßen begeistern will und dieser Spagat gelingt dem Isländer meist erstaunlich gut. Wenn die Protagonisten hier etwa viel zu oft ihre Sonnenbrillen absetzen, obwohl man nach 20 Minuten ohne Schutz schon schneeblind ist oder sie sich ihrer Sauerstoffmasken entledigen, die sie in der Todeszone über 8.000 Meter tragen müssen, um sich überhaupt fortbewegen zu können, dann sind das kleinere Zugeständnisse an die erzählerische Klarheit, denn immerhin können wir die einzelnen Akteure so viel besser unterscheiden. Aber der Ablauf des Geschehens ist weitgehend getreu der aus mehreren Quellen überlieferten Tatsachen nachgestellt, die dramaturgischen Eingriffe halten sich im Rahmen. Politisch hält sich Kormákur zurück, die nach der Katastrophe entbrannten Kontroversen - vornehmlich um die umstrittene Rolle von Mountain-Madness-Bergführer Anatoli Boukreev, der sich weigerte, künstlichen Sauerstoff zu benutzen, schnell abstieg, aber später bei der Rettungsmission aktiv war – werden angerissen, aber die Filmemacher enthalten sich jeder Schuldzuweisung.

Das Ur-Problem eines solchen Films (These: Schauspieler können nicht klettern, Bergsteiger nicht schauspielern) hat der Regisseur durch effektive Schnitte gut gelöst: Die Aktionen der Hollywoodstars wirken natürlich, die Szenen am Berg (gedreht in den Alpen, auf Island und am Mount Everest) strahlen eine majestätische Urgewalt aus (das 3D kommt bis auf wenige Ausnahmen eindrucksvoll zur Geltung) und wirken zugleich intim, sodass die Schauspieler zur Geltung kommen können. So kann Kormákur die Dynamik des dramatischen Geschehens Ereignisse von Minute zu Minute entfalten – bis die Nerven des Publikums bis zum Zerreißen gespannt sind. Zum Unglückszeitpunkt befanden sich 34 Bergsteiger auf der Gipfelroute, dieser Figurenfülle kann Kormákur in zwei Stunden Spielfilm natürlich nicht gerecht werden. Er konzentriert sich auf wenige Protagonisten und integriert dafür zwei Ehefrauen der Teilnehmer (Keira Knightley spielt Rob Halls Frau, Robin Wright die von Beck Weathers), die nicht am Berg dabei sind, in die Handlung. Das erweist sich als emotional stimmige Ergänzung, ohne das zentrale Drama in der Wildnis in seiner unmittelbaren Wucht zu beeinträchtigen.

Die oft dick verpackten Schauspieler holen unter den harten Bedingungen das Beste heraus: Jason Clarke („Zero Dark Thirty“) legt die Hauptfigur Rob Hall als zuverlässigen, gutmütigen und fürsorglichen Bergführer an, der bei seinem fünften Aufstieg zum Everest-Gipfel alles daran setzt, seine Kunden zufriedenzustellen. Scott Fischer nennt den freundlichen Hall etwas spöttisch einen „Händchenhalter“: Der Gegenentwurf des Protagonisten ist in Jake Gyllenhaals („Nightcrawler“) Darstellung so etwas wie ein Rock N‘ Roller der Berge – der größte Star in der Besetzung zeigt in der Nebenrolle Präsenz und Rebellen-Charisma. Auch Josh Brolin („No Country For Old Men“) überzeugt als kletternder Arzt Beck Weathers, der zwischen Schwäche, Angst und großen Träumen pendelt, während der restliche Cast mit Hochkarätern wie Emily Watson („Punch-Drunk Love“), John Hawkes („Winter’s Bone“) und Sam Worthington („Avatar“) in jeweils nur wenigen Szenen gekonnt zu einem stimmigen Gesamtbild beiträgt.

Fazit: 
Regisseur Baltasar Kormákur gelingt mit seinem packenden 3D-Bergsteiger-Drama „Everest“ die schwierige Gratwanderung zwischen der realistischen Nachstellung einer Tragödie und einem unterhaltsamen Abenteuerfilm. Besonders Jason Clarke kann überzeugen. 8 von 10 frostfreie Punkte. (mk)