Sonntag, 18. Oktober 2015

Inside Out (3D OV)



Facts:
Genre: Animation, Komödie
Regie: Pete Docter
Cast/Stimmen: Amy Poehler, Bill Hader, Mindy Kaling
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Die elfjährige Riley (Stimme im Original: Kaitlyn Dias) wird plötzlich aus ihrem bisherigen Leben im mittleren Westen gerissen, als ihr Vater einen neuen Job annimmt. Die Familie zieht nach San Francisco und die Gefühle im Kontrollzentrum von Rileys Verstand haben mächtig zu tun: Freude (Amy Poehler) versucht, das Positive herauszustellen, doch Angst (Bill Hader), Wut (Lewis Black), Ekel (Mindy Kaling) und Traurigkeit (Phyllis Smith) bekommen immer mehr die Überhand. Die Gefühle sind sich uneins darüber, wie sie das Mädchen am besten durch den veränderten Alltag navigieren. Als sich Freude und Traurigkeit dann auch noch verlaufen, müssen sie schnell ins Kontrollzentrum zurückfinden, sonst könnte Riley eine große Dummheit begehen. Bald treffen die beiden verirrten Gefühle Rileys imaginären Freund Bing Bong (Richard Kind) und der hat noch eine Ladung guter Laune im Gepäck. Aber der Weg durch Träume und Gedanken zurück in die Zentrale ist lang und voller Hindernisse... 

Bewertung:
Die Pixar-Verantwortlichen haben die Zeichen der Zeit erkannt – was nützen risikolos kalkulierte Einspielergebnisse von Sequels, wenn die Kreativität dabei langsam aber sicher auf der Strecke zu bleiben droht? Stattdessen kehrt das Studio wieder zu jener legendären Risikofreude zurück, von der seit dem Start von „Oben“ 2009 immer weniger zu spüren war – und dabei ist es sicherlich auch kein Zufall, dass mit Pete Docter ausgerechnet der Regisseur von „Oben“ diese Comeback-Mission übernommen hat. Was „Alles steht Kopf“ dabei von den Pixar-Fortsetzungen wie „Cars 2“ oder „Die Monster Uni“ abhebt, ist vor allem der überbordende und nicht zu stoppende Wille, dem Publikum etwas zu geben, was es zuvor noch nicht gesehen hat. Schon die Grundidee, dass Menschen von fünf elementaren Gefühlen in einer Kommandozentrale wie in einem Raumschiff gesteuert werden, ist ebenso charmant wie clever. Die anfängliche Befürchtung, dass sich der Kniff nach der Exposition schnell abnutzen könnte, ist zudem völlig unbegründet. Denn sind die Regeln der gefühlsgesteuerten Welt erst einmal etabliert, geht die Reise emotional und visuell erst so richtig los!

Freude ist die Anführerin der Gefühle, die allesamt eine eigene unverwechselbare Persönlichkeit haben: Wut ist dabei der Mann für die trockenen Oneliner, ein typischer Disney-Sidekick also, während Ekel und Angst eher untergeordnete Nebenrollen einnehmen. Die beiden stärksten Emotionen, die sich nicht immer grünen Freude und Traurigkeit, nimmt Pete Docter folgerichtig auch als Protagonisten mit auf die Reise, die auch eine Chance dafür ist, bestehende Gegensätze zu überwinden – nachdem Freude bisher immer den großen Boss hat raushängen lassen, ist es an der Zeit zu erkennen, dass auch Traurigkeit einen wichtigen Part in Rileys Leben spielen sollte. „Alles steht Kopf“ ist auch deshalb so unterhaltsam, weil den Autoren Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley niemals die verrückten Ideen ausgehen, ohne dass sie dafür je auf die im Animationsgenre ach so gern geplünderte Popkultur-Zitatenkiste zurückgreifen müssten: Ihr einzigartiges Werk ist etwas völlig Eigenes und total Neues.

Wenn die verzweifelt um das Zurückerlangen der Kontrolle kämpfende Reisegruppe schließlich endgültig nicht mehr weiterzukommen scheint, legen Docter und seine Crew mit ihrem schon beim fantasievollen Figurendesign der Gefühle hell lodernden Einfallsreichtum erst richtig los: Hinter jeder Ecke öffnet sich eine völlig neue Welt, die auch Jules Verne begeistert hätte - von der Traumproduktion (ein eigener Studiobetrieb à la Hollywood, der böse und gute Träume produzieren kann) über den Zug der Gedanken bis zum düsteren Friedhof der Erinnerungen. Die Botschaft des Films ist dabei so simpel wie reif, typisch Pixar eben: Man kann nicht immer nur fröhlich sein – ohne Traurigkeit, Angst und Wut ist auch die Freude nichts wert.

Fazit: 
Mit seinem turbulenten, witzig-charmanten Animations-Abenteuer kehrt das Studio nicht nur zu alter Stärke zurück, „Alles steht Kopf“ ist sogar einer der bisher kreativsten Pixar-Filme überhaupt – grandios-clevere und emotional packende Unterhaltung für alle Altersklassen! Wir vergeben dafür gutgelaunte 9 von 10 Punkte und freuen uns auf die Fortsetzung. (mk)

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