Freitag, 2. Oktober 2015

Fack ju Göhte 2



Facts:

Genre: Komödie
Regie:
Bora Dagtekin


Cast: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann


Laufzeit: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Constantin Film Verleih


(c) Constantin Film Verleih

Inhalt: 
Der coole Ex-Kleinganove und frisch gebackene Lehrer Zeki Müller (Elyas M'Barek) ist mit seinen etwas anderen Lehrmethoden mittlerweile sehr beliebt bei seinen Schülern. Aber ihn selbst nervt sein neuer Job jetzt schon, liegen ihm das frühe Aufstehen, das ständige Korrigieren von Klassenarbeiten und nervige Kinder doch so überhaupt nicht. Hinzu kommt, dass Direktorin Gerster (Katja Riemann) noch zusätzlich Druck macht, da sie um jeden Preis das Image ihrer Gesamtschule aufbessern will. Zu diesem Zweck möchte sie dem renommierten Schillergymnasium die thailändische Partnerschule streitig machen. Und so werden Zeki und Kollegin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) auf Klassenfahrt nach Thailand geschickt, wo ihre chaotischen Schützlinge (u. a. Jella Haase und Max von der Groeben) für ordentlich Wirbel sorgen. In all dem Trubel spitzt sich der Konkurrenzkampf mit dem Schillergymnasium immer weiter zu, dessen Lehrer Hauke Wölki (Volker Bruch) Zekis Karriere mit allen Mitteln ein Ende bereiten möchte…

Bewertung:
„Du bist so Arzt!“: Dieses grammatisch eigenwillige Lob für die Lebensretterin Chantal hat wie einige andere krasse Kalauer das Zeug zum Kultzitat auf Schulhöfen und in sozialen Medien – ähnlich wie das zeitweise allgegenwärtige „Heul leise“ aus dem ersten Teil. Die von Zeki in „Fack ju Göhte“ aus Motivationsgründen zur Hochbegabten ernannte und hier wieder degradierte 6er-Schülerin avanciert im Sequel zur gar nicht so geheimen Allzweckwaffe und zur zweiten Hauptfigur. Gerade im Verbund mit ihrer Freundin Zeynep (Gizem Emre) führt dies zu einer gewissen Häufung der Blicke in die Abgründe des biologischen, geographischen, sprachlichen und sonstigen Unwissens. Doch trotz dieser manchmal sehr simplen Lacher auf ihre Kosten wird Chantal in Jella Haases („Kriegerin“) Darstellung nie zur Witzfigur und wenn sie sich am Ende rührend um den „Quotenbehinderten“ Etienne (Lucas Reiber) sorgt (auf sein „Ich hab Asperger, elf Prozent“ antwortet sie: „Ich hab Wodka, 40 Prozent“), dann ist das einer der emotionalen Höhepunkte in einer Komödie, die trotz aller Derbheit das Herz am rechten Fleck hat. Was wiederum nicht heißt, dass man sich nicht auch ein wenig schadenfroh amüsieren darf – etwa über die Missgeschicke der armen Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas), der hier ganz übel mitgespielt wird, was in einen effektvoll inszenierten Horror-Moment vor dem Spiegel mündet.

Im Anschluss an die anfänglichen Kapriolen im Kollegium geht es ohne Karoline Herfurths („Passion“) Lisi, die hier nur noch eine größere Nebenrolle spielt, nach Thailand, wo zunächst die slapstickartigen Tumulte und die Handgreiflichkeiten überhand nehmen. Der Film wird vorübergehend fast zu einer Action-Farce an Land, zu Wasser und in der Luft, die nur von Chantals grotesken Bemerkungen unterbrochen wird (sie verwechselt auch schon mal Wolf und Affe). In der tropischen Postkartenkulisse ist zwar auch die wilde Diamantenjagd ziemlich kurzweilig und vor allem hübsch anzusehen, aber der Handlungsstrang um die Machenschaften des vermeintlichen Vorzeige-Lehrers Hauke Wölki (Volker Bruch) und die thailändischen Waisenkinder ist mit arg dünnem Faden geknüpft. Der Pädagoge von der Konkurrenz, die unsympathisch-unbescheiden als „Weltretter AG“ auftritt, erweist sich als das genaue Gegenteil von Zeki – idealistisch nach außen, aber innerlich korrupt. Dieser Kontrast wäre gar nicht nötig gewesen, denn Elyas M’Barek („Who Am I“) hat die Rolle des rauen Tunichtguts mit dem weichen Herzen inzwischen fast so sehr perfektioniert wie seinen durchtrainierten Körper – und den zeigt er gerne her. So landet er beispielsweise nackt im Süßigkeitenautomaten, aber der Höhepunkt ist trotzdem, wenn Zeki seine Schüler und sich selbst mit ein paar SMS an einfache menschliche Wahrheiten erinnert.

Fazit: 
Ein würdiger und fast genauso komischer Nachfolger für das Phänomen „Fack ju Göhte“.  Gegenüber dem 1. Teil vergeben eine leicht schwächere Wertung von 7,5 von 10 Schulpunkten. (mk)

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