Donnerstag, 17. April 2014

The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro 3D OV



Facts:

Genre: Action, Fantasy
Regie: Marc Webb
Cast: Andrew Garfield, Emma Stone, Dane DeHaan, Jamie Foxx, Martin Sheen
Laufzeit: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany

(c) Sony Pictures Germany

Inhalt:

Für Peter Parker (Andrew Garfield) bedeutet das Leben aktuell vor allem eines: Stress! Auf der einen Seite fühlt er sich aufgrund seiner übermenschlichen Fähigkeiten dazu verpflichtet, als Spider-Man die Bevölkerung New Yorks zu beschützen. Auf der anderen Seite hat er aber auch die ganz alltäglichen Pflichten eines normalen jungen Mannes. Daher sehnt Peter seinen Highschool-Abschluss herbei, um endlich mehr Zeit für die Verbrechensbekämpfung zu haben. Auch die Situation zwischen ihm und seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) muss geklärt werden, schließlich hat Peter ihrem sterbenden Vater (Denis Leary) versprochen, sie nicht in Gefahr zu bringen. Doch eben das passiert, als der zum buchstäblich unter Strom stehenden Electro mutierte Oscorp-Mitarbeiter Matt Dillon (Jamie Foxx) auf dem Times Square außer Kontrolle gerät. Dann kehrt schließlich auch noch Peters alter Freund und Oscorp-Erbe Harry Osborn (Dane DeHaan) zurück, der ebenfalls nichts Gutes im Schilde führt…

Bewertung:

Nach dem Titellogo stürzt sich Spider-Man direkt in eine erste Action-Sequenz: Der Held schwingt durch New Yorks Häuserschluchten und sofort fallen die  noch einmal deutlich plastischer als im Vorgänger wirkenden 3D-Bilder auf. Und wenn Spider-Man den mit einem gekaperten Oscorp-Transporter samt radioaktivem Material durch Manhattan rasenden Rhino (Paul Giamatti) aufzuhalten versucht, begeistert vor allem der in Fülle vorhandene Lausbuben-Witz (vor dem Einschlagen der Windschutzscheibe wird erstmal höflich angeklopft), für den seine Fans Spider-Man so lieben. Dabei bleibt Andrew Garfield („The Social Network“) mit seiner völlig unpathetischen Art auch in der Fortsetzung der liebenswert-natürliche Superheld von nebenan. Von allen Marvel-Heroen kann man sich mit ihm wohl am leichtesten identifizieren, zumal auch die romantischen Kabbeleien mit Emma Stone („Einfach zu haben“) als Gwen Stacy erneut ebenso brillant-schlagfertig geschrieben wie gespielt sind: Wenn in einem Comic-Blockbuster eine Beziehungsaussprache genauso aufregend ausfällt wie die kurz darauf folgende Zerstörung des New Yorker Times Square, dann haben die Macher definitiv etwas richtig gemacht!
 
Obwohl er letztlich nur ein Handlanger von Harry Osborn ist, zählt der sogar im Titel erwähnte Electro zu den faszinierendsten Schurken im Marvel-Universum – und das liegt nicht nur an der effektvollen Computeranimation der zerstörerischen Kräfte des unter Starkstrom stehenden Mutanten, sondern auch und vor allem an Oscar-Preisträger Jamie Foxx („Ray“), der in dieser Rolle seine Talente als dramatischer Schauspieler und Stand-up-Komiker perfekt kombiniert: Max Dillon ist ein totaler Loser mit fragwürdiger Frisur, den seine Kollegen bei Oscorp regelmäßig als Schuhabtreter missbrauchen und der zu einem besessenen Spider-Man-Fan wird, nachdem der Spinnenmann ihm nicht nur das Leben gerettet, sondern anschließend sogar noch ein paar Worte mit ihm gewechselt hat. Foxx legt seinen Part als comichaft überhöhte Verlierer-Karikatur an, verleiht dem ständig Übersehenen aber gleichzeitig so viel menschliche Tragik, dass man zumindest bei ihrem ersten Duell eher Electro als Spider-Man die Daumen drückt. Dane DeHaan („Chronicle“) spielt den todkranken Konzernerben und kommenden Green Goblin Harry Osborn unterdessen mit einem überzeugenden fanatischen Wahn, kann sich aber noch nicht endgültig von James Francos Darstellung der Rolle in Sam Raimis „Spider-Man“-Trilogie lösen, wozu er aber ebenso wie die diesmal nur in wenigen Szenen als Harrys Assistentin Felicia auftretende Felicity Jones („Like Crazy“) in den kommenden Fortsetzungen wohl noch einige Gelegenheit erhalten wird.

„The Amazing Spider-Man 4“ sowie Spin-offs zu Venom und den Sinister Six sind zwar bereits angekündigt, aber Marc Webb betrachtet die ersten drei Teile der Reihe trotzdem als eigene Trilogie. Und da heißt es für den Regisseur nun ganz schön jonglieren: In diesem zweiten Teil muss er sowohl das im Vorgänger angedeutete Mysterium um Peters verschollene Eltern sinnvoll aufgreifen, als auch die Bösewicht-Truppe Sinister Six zumindest teilweise für die Fortsetzungen und Ableger an den Start bringen – und dazu will er natürlich noch eine eigene Geschichte erzählen. Aber auch wenn das Schicksal von Peters Vater Richard (Campbell Scott) in Anbetracht der dann doch überschaubaren Auswirkungen auf das aktuelle Geschehen etwas zu viel Raum erhält (gleich die ersten zehn Minuten sind eine ausführliche Rückblende), hält Webb insgesamt doch hervorragend die Waage zwischen Rückblick, Vorbereitung und dem Hier und Jetzt, weshalb sich trotz der stolzen Laufzeit von mehr als 140 Minuten nie Längen einschleichen. Und statt wie in den Filmen der Marvel Studios („Captain America“, „Thor“ & Co.) einfach im Abspann noch eine bestenfalls lose mit dem Rest zusammenhängende Szene zu platzieren, um den Hype für den folgenden Film anzufeuern, verwendet Webb gleich die ganze finale Viertelstunde, um unsere Vorfreude auf „The Amazing Spider-Man 3“ zu schüren: Das wirkt nicht nur organischer, es ist auch wirkungsvoller als ein einfach angeklatschter Blick auf den nächsten Gegenspieler.

Fazit: 

„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ bietet noch mehr Action und Humor als der erste Auftritt von Andrew Garfield im Spinnenkostüm, die größte Stärke ist  aber erneut die dramatische Liebesgeschichte zwischen Peter Parker und Gwen Stacy. Dafür gibts von uns hochfliegende 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 13. April 2014

The Lego Movie



Facts:

Genre: Animation
Regie: Chris Miller
Cast: Will Ferrell, Liam Neeson, Alison Brie
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:Warner Bros Germany

(c) Warner Bros Germany

Inhalt:

Der gutmütige Emmet (Stimme: Chris Pratt) wird eines Tages von der abenteuerlustigen Wyldstyle (Elizabeth Banks) entführt. Sie glaubt, in dem Normalo den von einer Prophezeiung angekündigten Meisterbauer gefunden zu haben. Unter der Führung des alten Mystikers Vitruvius (Morgan Freeman) soll Emmet gemeinsam mit Batman (Will Arnett) und Wyldstyle den skrupellosen Bösewicht Lord Business (Will Ferrell) aufhalten. Der möchte mit Hilfe zahlloser finsterer Schergen das Universum zusammenkleben – und somit die LEGO-Welt zerstören. Obwohl Emmet darauf beharrt, dass er nicht der Auserwählte ist, glaubt insbesondere Wyldstyle an seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Ebenfalls mit von der heldenhaften Partie sind Pirat Eisenbart (Nick Offerman), Weltraumfahrer Benny (Charlie Day) und das liebreizende Einhorn Kitty (Alison Brie).

Bewertung:

Während der Superhelden-Showdown „Batman vs. Superman“ gerade um ein ganzes Jahr nach hinten verschoben wurde und erst 2016 in die Kinos kommt, tritt nun in „The LEGO Movie“ nicht nur die versammelte Justice League um Superman, Batman, Wonder Woman und Green Lantern auf, auch Gandalf, Dumbledore und die Ninja Turtles sind mit von der Partie. Das Animations-Abenteuer der „21 Jump Street“-Regisseure Phil Lord und Chris Miller ist das ultimative Meta-Erlebnis, ein einziger feuchter Traum für Filmfans und zudem auch für jüngere Kinogänger ohne Vorkenntnisse absolut kurzweilig. Mit den verschiedenförmigen Plastikklötzchen des dänischen Weltkonzerns lässt sich so ziemlich alles bauen – und von dieser kreativen Freiheit haben sich offensichtlich auch die Filmemacher inspirieren lassen, als sie von einhörnigen Katzen über Western- und Ritterwelten bis zu einem Cameo-Auftritt von Han Solo mit seinem Millennium Falken wirklich alles zusammengeschmissen haben, was das ausgedehnte Lego-Universum hergibt. Das Ergebnis ist ein grandios-unterhaltsames Chaos, das einfach nur Spaß macht.

 Nachdem Phil Lord und Chris Miller schon mit ihrem im positiven Sinne verrückten Debüt „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ einen Pfad abseits des Animations-Mainstreams eingeschlagen haben, scheinen die „The LEGO Movie“-Regisseure nun endgültig keine kreativen Schranken mehr zu kennen: Nachdem die Warner-Bros.-Anwälte ihnen empfohlen haben, möglichst wenige Figuren aus anderen Filmreihen zu verwenden, weil das nur Probleme bringt, bedeutete das für das Duo offenbar: Jetzt erst recht! Wenn Kinder mit LEGO spielen, wird schließlich auch keine Rücksicht auf Franchise-Grenzen genommen und Han Solo im Feuerwehrwagen kurzerhand neben einem Ninja Turtle platziert. Diesem Alles-ist-möglich-Geist wird der Film in jeder Szene gerecht, wobei die Macher lustvoll Schauplätze und Genres (vom Science-Fiction-Schurkenstück über bonbonbunte Superhelden-Action bis zum abenteuerlichen Fantasy-Epos) wechseln – und das in einem Tempo wie man es sonst nur aus den maximal zwanzigminütigen Animationsepisoden im Spätprogramm von Comedy Central kennt. Lord und Miller halten dies mit nicht nachlassender Energie über eineinhalb Stunden Spielfilmlänge durch und bescheren uns dabei jede Menge geniale Einfälle wie etwa die urkomischen Streitereien zwischen Superman und Green Lantern.

Die fast anarchische Freude am kreativen Chaos spiegelt sich auch in der Story wider: Nachdem Emmet zu Beginn noch eine Anleitung dafür verwendet, wie man als LEGO-Figur seinen Tag „richtig“ verbringt, muss er von Wyldstyle und ihren Gefährten möglichst schnell lernen, dass man auch ohne gedruckte Instruktion und nur mit seiner eigenen Kreativität aus den Steinen um sich herum neue Dinge erschaffen kann. Aber bevor es soweit ist, hat Emmet genau wie jede andere LEGO-Figur dieselbe Lieblings-TV-Serie („Wo ist meine Hose?“) und denselben Lieblings-Song, der den von Lord Business eingeführten LEGO-Korpsgeist zugleich auf den Punkt bringt und wunderbar persifliert: „Everything is Awesome! Everything is cool when you are part of a team!” Aber Achtung: Die Regisseure haben uns im Interview gestanden, dass das Lied Teil eines teuflischen Plans ist, die Weltherrschaft zu übernehmen – und nachdem wir den fies-genialen Ohrwurm nun schon seit der Pressevorführung vor drei Monaten einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen, sind wir langsam geneigt, dieser zunächst als Ironie gedeuteten Warnung doch noch zu glauben.

Der Look des Films (3D lohnt sich, ist aber kein Muss) erinnert ein wenig an neuere Stop-Motion-Filme wie „ParaNorman“ oder an die 8-Bit-Sequenzen aus „Ralph reicht’s“. Das Ziel der Regisseure war es dabei, der Heimvideo-Optik von LEGO-Fan-Filmen auf YouTube nachzueifern – nur eben mit einem sehr viel größeren Budget: Stoppt man den Film an einer beliebigen Stelle, lässt sich das Standbild tatsächlich immer aus LEGO-Steinen nachbauen (obwohl man dafür eine MENGE Klötzchen bräuchte, erscheint uns die von Chris Pratt im FILMSTARTS-Interview geschätzte Zahl von fünf Trillionen im Film verwendeten LEGO-Steinen doch ein wenig übertrieben). Wir würden darauf wetten, dass sich die Marketing-Abteilung von LEGO zu Beginn des Projekts einen ganz anderen, sehr viel deutlicher auf ein kindliches Publikum ausgelegten Film gewünscht hätte. Aber am Ende hätten sich die Dänen gar keine bessere Werbung als „The LEGO Movie“ wünschen können, denn sowohl mit dem Look als auch mit der Haltung, die ihn prägt, setzt der Film der von LEGO-Steinen befeuerten Kreativität ein würdiges Denkmal.

Fazit: 

Völlig abgefahren und super unterhaltsam – da freut man sich direkt auf das Duplo-Prequel! Für diesen steinigen Spass vergeben wir 7 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 11. April 2014

Noah 3D



Facts:

Genre: Abenteuer, Fantasy
Regie:
Darren Aronofsky
Cast: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Anthony Hopkins, Ray Winstone, Emma Watson
Laufzeit: 138 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany

(c) Paramount Pictures Germany

Inhalt:

Gott ist zornig und kündigt an, mit einer gigantischen Sintflut das Leben auf der Erde auszulöschen. Zugleich beauftragt er Noah (Russell Crowe), eine Arche zu bauen. Auf ihr soll er das Überleben von Menschheit und Tierwelt sichern, indem er von jeder Spezies jeweils ein Männchen und ein Weibchen an Bord bringt. Während Noah mit seiner Frau Naameh (Jennifer Connelly), seinen Söhnen Ham (Logan Lerman), Shem (Douglas Booth) und Japheth (Leo McHugh Carroll) sowie der adoptierten Ila (Emma Watson) an die Arbeit geht, droht Gefahr durch andere Menschen, die sich ihren eigenen Platz auf dem rettenden Schiff sichern wollen. Die Angreifer werden von Tubal Cain (Ray Winstone) angeführt - und der ist bereit, für sein Ziel zu töten. Unter wachsendem Druck setzen Noah und die Seinen alles daran, den göttlichen Auftrag zu Ende zu bringen.

Bewertung:

Wenn man genau hinschaut und nachliest, dann haben Darren Aronofsky und sein Co-Autor Ari Handel („The Fountain“) die Bibel in vielen Punkten erstaunlich wörtlich genommen: So sind zum Beispiel die Wächter genannten Steinwesen nichts anderes als die Film-Version der riesenhaften Nephilim, die laut dem 1. Buch Mose in alter Zeit das Land Kanaan bevölkerten. Bei seiner gründlichen Lektüre haben sich für den Filmemacher aber auch Fragen ergeben, die in der Heiligen Schrift nicht beantwortet werden: Wie kommt Noah zum Beispiel mit der Last zurecht, nur seine Familie retten zu dürfen, während der Rest der Menschheit jämmerlich verreckt? Auch davon erzählt Aronofsky und setzt sich damit von der „reinen Lehre“ ab (wie auch beispielsweise bei der Darstellung des Sündenfalls und bei der Schöpfungsgeschichte). So entsteht ein reizvoller Mix aus mystischen Fantasy-Elementen und gänzlich menschlichen Konflikten. Dazu gibt es immer wieder für Aronofsky typische Surrealismus-Einschübe (von einer neongrünen Garten-Eden-Schlange über einen pulsierenden Apfel bis hin zu einer grandiosen Stop-Motion-Sequenz, in der sich ein Fluss über die Jahre seinen Weg durch eine Landschaft bahnt). „Noah“ ist ebenso monumental wie wunderschön, das gigantische Arche-Set ebenso atemberaubend wie die isländische Natur (nach Ridley Scott in „Prometheus“ macht sich nun auch Aronofsky diese überwältigend-unberührte Landschaft zunutze). So bleibt die schwache Animation der an Bord kreuchenden und fleuchenden Tiere die einzige inszenatorische Schwäche.

Während sich die ersten zwei Drittel des Films etwas verkürzend als „Mad Max 3“ trifft „Herr der Ringe“ beschreiben lassen, werden die wunderhaften Elemente nach der Sintflut deutlich zurückgefahren. Stattdessen entwickelt sich „Noah“ an Bord der Arche zu einem intensiven Psycho-Drama. Der weise Gottgesandte, der den Bau der Arche unbeirrt vorantreibt, wird in diesem letzten Drittel zum Zauderer und Zweifler; nachdem er zuvor all die anderen Menschen sterben sah, droht Noah nun auch den Glauben an sich selbst und die seinen zu verlieren – mit potentiell grausamen Folgen (die Details wollen wir hier nicht spoilern). Diese Entwicklung dürfte jedenfalls so manchen strenggläubigen Christen auf die Palme treiben, dabei macht Aronofsky nichts anderes, als die Bibelstory schlüssig weiterzudenken. Das mag im Einzelnen so nicht im Buch der Bücher stehen, aber Aronofskys Entwurf ist psychologisch, dramaturgisch und auch spirituell stimmig. So kann man ihm als Filmemacher nur vorwerfen, dass dieser Schlussteil sogar ein wenig zu knapp geraten ist und Noahs Umdenken doch ein wenig plötzlich kommt. Zwei, drei weitere Szenen mit dem mit sich selbst und seiner Menschlichkeit ringenden Noah hätten da noch gut reingepasst.

Oscar-Preisträger Russell Crowe hat den Part als Noah zwar erst bekommen, nachdem Christian Bale und Michael Fassbender wegen Terminüberschneidungen absagen mussten, aber dennoch dominiert er den Film mit derselben unnachahmlich-unantastbaren Anführer-Ausstrahlung, die ihn auch schon in „Gladiator“ und „Master and Commander“ ausgezeichnet hat. Allerdings kommt hier eben noch eine weitere spannende Ebene hinzu, wenn Noah im finalen Drittel schließlich an seinen Selbstzweifeln zu zerbrechen droht. An seiner Seite gibt es auch von Jennifer Connelly (Oscar für „A Beautiful Mind“) und Logan Lerman („Vielleicht lieber Morgen“) starke Leistungen, aber herausragend sind vor allem zwei andere Nebendarsteller: Ray Winstone („Auftrag Rache“) verkörpert seinen Bösewicht mit archaisch-sündiger Energie und man kauft ihm sofort ab, dass er selbst gegen Raubein Russell Crowe bestehen könnte (und das ist noch nicht vielen gelungen). Und dann ist da noch Emma Watson („The Bling Ring“), die zwar lange Zeit etwas blass bleibt, aber dann im entscheidenden Schlussdrittel einige emotional extrem fordernde Szenen großartig meistert. Sie allein auf ihren „Harry Potter“-Ruhm zu reduzieren, ist spätestens nach „Noah“ endgültig nicht mehr angebracht. 

Fazit: 

Ein visionärer Regisseur widmet sich der biblischen Noah-Figur und formt den Stoff auf seine ganz eigene Art zu einem intensiven Kino-Erlebnis mit viel Emotion und spektakulären Bildern: Großes Kino, was uns 8 von 10 Punkten wert ist. (mk)

Donnerstag, 3. April 2014

A Long Way Down



Facts:

Genre: Komödie, Drama
Regie:
Pascal Chaumeil
Cast: Aaron Paul, Rosamund Pike, Toni Collette, Imogen Poots, Pierce Brosnan
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: DCM

 
(c) DCM
Inhalt:

Der Moderator Martin (Pierce Brosnan), der Pizzafahrer J.J. (Aaron Paul), die Alleinerziehende Maureen (Toni Collette) und das Politiker-Kind Jess (Imogen Poots) treffen sich zufällig an einem Silvesterabend auf dem Dach des Londoner Topper‘s Towers. Alle vier haben das gleiche Vorhaben: Sie wollen sich in die Tiefe stürzen und umbringen. Doch das Aufeinandertreffen führt dazu, dass keiner seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzt. Stattdessen verbringen alle vier die Nacht gemeinsam auf dem Dach und erzählen sich ihre Lebensgeschichten. Bei Sonnenaufgang schließen sie einen Pakt, der ihr Überleben sichern soll – zumindest vorerst. Das Quartett gewährt sich eine Bewährungsfrist bis zum Valentinstag, um zu sehen, ob das Leben nicht vielleicht doch lebenswert ist. Bis dahin wollen Martin, J.J., Maureen und Jess gegenseitig aufeinander aufpassen und dafür sorgen, dass jeder die kommenden sechs Wochen überlebt.  

Bewertung:

Trocken, trockener, Nick Hornby! Vom aus dem Ruder gelaufenen Fußballfantum in „Fever Pitch“ bis zur ungewollten Teenager-Schwangerschaft in „Slam“ – der britische Kultautor begegnet den von ihm fein beobachteten Alltagsphänomen in seinen Geschichten stets mit einem herrlich schwarzen, aber dennoch niemals bösartigen Humor. Da überrascht es dann auch nicht, dass es ihm tatsächlich gelungen ist, mit „A Long Way Down“ einen ebenso bissigen wie gutgelaunten Unterhaltungsroman ausgerechnet über das Downer-Thema „Selbstmord“ zu verfassen. Und auch bei der Leinwandadaption des Bestsellers muss niemand Angst haben, dass er nach dem Kinobesuch gleich selbst aufs nächste Hochausdach steigen möchte; ganz im Gegenteil: Pascal Chaumeil („Der Auftragslover“) verschiebt den Fokus sogar noch ein wenig deutlicher in Richtung Gute-Laune-Kino und liefert gemeinsam mit seinem hervorragend aufgelegten Darsteller-Quartett eine charmant-makabre Komödie, in der trotz der vorherrschenden Wohlfühl-Elemente auch eine Reihe satirischer Reizpunkte gesetzt werden.

„A Long Way Down“ ist zwar ein Wohlfühlfilm, aber das ernste Thema wird dennoch nicht weichgewaschen. Gerade weil vier zwar grundverschiedene, aber dennoch an einem ähnlichen Punkt in ihrem Leben stehende und gleichermaßen verzweifelte Menschen zusammengewürfelt werden, übt sich hier niemand in falscher Political Correctness, stattdessen wird einander durchaus offen die Meinung gegeigt. So fragt etwa Maureen gleich nach ihrer Ankunft auf dem Dach den bereits am Sims kauernden Martin: „Ich weiß nicht genau, wie ich es formulieren soll… aber brauchen Sie noch lange?“ Und wenn dann - vom Matt-Damon-Engel angestachelt – auch noch enttäuschte Frühstücksfernseh-Moderatorinnen und Undercover-Klatschblatt-Reporter auf der Bildfläche auftauchen, entwickelt sich der Film zusätzlich zur schallenden Medienschelte. Nick Hornbys „A Long Way Down“ begeistert aber nicht nur mit seiner gelungenen Gratwanderung zwischen bissigem Humor und beschwingtem Charme…

… sondern auch mit seiner ungewöhnlichen Erzählstruktur. Der Roman ist in Tagebuchform verfasst, wobei die Autorschaft alle paar Seiten zwischen den vier Beinahe-Selbstmördern wechselt. Das eins-zu-eins in ein Drehbuch zu übernehmen, ist zwar so gut wie unmöglich, aber Autor Jack Thorne hat den Film nun zumindest in vier Abschnitte geteilt, wobei jeweils ein anderer Schauspieler den Plot aus dem Off kommentiert. So lernt der Zuschauer alle vier Protagonisten wirklich kennen und versteht ihre unterschiedlichen Sorgen und Nöten umso besser. Dabei ist der Liebling von Lesern und Filmzuschauern übrigens derselbe: Während Ex-Bond Pierce Brosnan, „Breaking Bad“-Drogenkoch Aaron Paul und „The Sixth Sense“-Star Toni Collette absolut solide aufspielen, stiehlt ihnen Imogen Poots als unberechenbare Jess trotzdem immer wieder die Show. So wie die britische Nachwuchsaktrice hier als den Beschützerinstinkt des Zuschauers weckende Teenie-Naturgewalt über die Leinwand hineinbricht, sind wir uns sicher, dass ihr in den kommenden Jahren auch in Hollywood endlich mehr als nur Nebenrollen wie in „Fright Night“ und „Für immer Single?“ angeboten werden.

Fazit: 

Selbstmord kann auch Spaß machen gepaart mit einer guten schauspielerischen Leistung. 7 von 10 stressfreie Punkte. (mk)