Facts:
Genre: Action, Abenteuer, Fatansy
Regie: Patty Jenkins
Cast: Gal Gadot, Chris Pine, David Thewlis
Laufzeit: 141 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. Germany
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| (c) Warner Bros. Germany |
Inhalt:
Diana (Gal Gadot) stammt von Themyscira, der Insel der Amazonen, wo
Frauen regieren und es keine Männer gibt. Doch auch auf dem paradiesisch
wirkenden Eiland geht es um Macht und Kampf. Schon als Kind lernt Diana
von ihrer Tante Antiope (Robin Wright) das Kämpfen. Als der
amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine) auf der Insel strandet und
von einem grauenvollen Krieg berichtet, der in der Welt der Menschen
tobt, vermutet Diana dahinter das Wirken des vor langer Zeit verbannten
Kriegsgottes Ares. So folgt sie Steve in unsere Welt und lässt ihr
Zuhause mit ihrer Mutter, Königin Hippolyta (Connie Nielsen), hinter
sich, um Ares dort zu suchen, wo das Schlachtgetümmel am dichtesten ist.
Doch in den Wirren des Ersten Weltkriegs bekommt sie es zunächst mit
dem deutschen Heerführer General Ludendorff (Danny Huston) und dessen
getreuer Wissenschaftlerin Dr. Maru (Elena Anaya) zu tun, die den Krieg
mit allen Mitteln für sich entscheiden wollen...
Bewertung:
Historisch gesehen taugt Wonder Woman ebenso gut als karnevalstaugliches
Sexsymbol wie als feministische Ikone, wobei in „Wonder Woman“ der
zweite Aspekt glücklicherweise klar im Vordergrund steht. Nur kurzzeitig
sieht Diana nach einer Amazonen-Version der legendären
Kleideranprobier-Sequenz aus „Pretty Woman“
aus wie eine sexy Bibliothekarin aus einem Pornofilm, denn bei einer
Schlägerei an der nächsten Straßenecke tritt sie die zum Outfit gehörige
Brille auch schon wieder kaputt, während stattdessen Chris Pine als verführerische Waschbrett-Nymphe in einem fluoriszierenden Pool für das angemessene Eye Candy
sorgt. Ein kurzer Abstecher ins britische Parlament (Zutritt für Frauen
strengstens verboten) reicht zudem aus, um den verbohrten
Schnurrbartträgern mal zu zeigen, was Tapferkeit wirklich bedeutet,
während wir nach „Wonder Woman“ endlich wissen, warum das zerbombte
Stück Land zwischen gegenüberliegenden Schützengräben im Englischen als No Man’s Land
bezeichnet wird: Im Gegensatz zu den verschanzten Soldaten stürzt sich
Wonder Woman nämlich ohne zu zögern in das feindliche
Maschinengewehrfeuer, um die hilflosen Bewohner eines besetzen
belgischen Dorfes zu retten (wenn auch nur vorübergehend, wobei die
zivilen Verluste hier im Gegensatz zum oft kritisierten „Man Of Steel“-Finale tatsächlich ein angemessenes Gewicht erlangen).
Die erste knappe halbe Stunde auf der paradiesischen Insel Themyscira ist nett anzusehen, aber auch die schwächste des Films: Gerade Robin Wright
braucht mit ihrem narbenübersäten drahtigen Körper zwar nicht länger
als einen Augenblick, um uns glaubhaft zu versichern, was für ein Badass
Antiope ist, trotzdem bleibt der
Soll-Diana-trainieren-oder-nicht-Konflikt zwischen ihr und ihrer
Schwester emotional eher vage (auch die Auflösung folgt unerwartet
plötzlich). Es wird eben eine Menge griechisch-göttlicher Exposition vor
sommerlich-schöner Kulisse präsentiert, mehr nicht. Erst mit dem
Absturz von Steve kommt dann richtig Schwung in die Sache – und den hält
der Film dann auch die folgenden zwei Stunden bis zum Abspann bei. Los
geht’s mit einer an klassische Western erinnernden, mit reichlich
verdienten Zeitlupen gewürzten Kriegssequenz, in der die Amazonen mit
Pfeil und Bogen gegen die mit Gewehren bewaffneten deutschen Soldaten
anreiten – in „Wonder Woman“ wird gestorben, selbst im ersten Akt.
Sowieso entfalten die Actionszenen insgesamt einfach viel mehr Wucht als
man es aus dem DC-Universum gewohnt ist, egal ob beim Zusammenkrachen
zweier Schwerter oder auf den zerfurchten Schlachtfeldern des Ersten
Weltkriegs.
Mit dem Aufbruch gen London macht „Wonder Woman“ dann erst einmal einen Schlenker ins Genre der Fish-out-of-Water-Komödie
– und zwar gleich im doppelten Sinne, schließlich kennt Diana weder
Männer noch die moderne Zivilisation. Während Ex-Model und Ex-Soldatin
Gal Gadot
betont seriös auftreten muss, damit diese Art des Humors überhaupt
funktionieren kann, nutzt Chris Pine die Gelegenheit zu einer
schauspielerischen Sternstunde: Nie war er besser als hier, wenn er auf
Dianas naive Nachfragen oder resolute Forderungen reagieren darf. So
soll etwa ein nackter Steve darauf antworten, wie er sich denn so im
Vergleich zu anderen Männern einschätzen würde - DC kann auch verdammt
lustig sein, wer hätte das gedacht? Und nicht nur das: Zwischen Pine und
Gadot sprühen auch die Funken, wie wir es derart glaubhaft bisher noch
in keinem anderen Superheldenfilm erlebt haben. Vielleicht hat es
zumindest dafür tatsächlich erst einer Frau auf dem Regiestuhl bedurft.
Schließlich geht es dann dorthin, wo es Diana schon die ganze Zeit
hinzieht: an die Front! Aber während man bei DC-Mastermind Zack Snyder immer das Gefühl hat, dass er mit Heldenhaftigkeit einfach generell
nicht sonderlich viel anfangen kann, schließlich darf bei ihm ja nicht
mal Superman wirklich gut sein, inszeniert Patty Jenkins ihre
Protagonistin nun volle Kanne als SuperHELDIN – und es ist genau diese
Lebendigkeit, dieser Optimismus, diese Herzensgüte, die Wonder Woman zu
einer so viel tragischeren und deshalb auch berührenderen Figur macht
als die zynischen Selbstzweifler Batman und Superman. Schließlich ist
dem Publikum schon ab dem Moment, in dem Diana hoffnungsfroh und voller
Aufbruchsstimmung mit Steve Richtung London segelt, vollkommen klar,
dass ihre Mission von Vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Immerhin
geht sie ganz simpel davon aus, dass sie nur Ares aus dem Weg räumen
muss, um damit zugleich auch die dunkle Seite der Menschheit zu
beseitigen – während der Zuschauer im Kinosaal natürlich darum weiß,
dass nur 21 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der nächste
globale Konflikt ausbrechen und erneut Millionen von Todesopfern fordern
wird. Trotzdem fühlt sich Dianas zielstrebige, hoffnungsvolle,
selbstlose Leidenschaft nie wie fehlgeleitetes naives Pathos an, sondern
reißt tatsächlich mit - ihre Kameraden wie das Publikum. Und das liegt
vor allem an Gal Gadot, der man eben nicht nur die Kampfkünste der
Amazonenprinzessin, sondern auch ihre unumstößlichen Werte
hundertprozentig abkauft.
Fazit:
Obwohl sie nicht einmal im Titel auftauchte, ist
Wonder Woman schon 2016 aus dem Giganten-Duell „Batman V Superman“ als
heimliche Siegerin hervorgegangen – aber nach ihrem herausragenden
Solofilm ist Gal Gadot als Diana Prince jetzt endgültig das größte Pfund
der neuen Justice League. Wir vergeben dafür heldenhafte 9 von 10 Punkte. (mk)