Sonntag, 16. Juli 2017

Spider-Man: Homecoming 2D OV



Facts:

Genre:Action, Abenteuer, Fatansy
Regie: Jon Watts
Cast:  Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey jr.
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany


(c) Sony Pictures Germany

Inhalt: 
Nach seinem Aufeinandertreffen mit den Avengers ist Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wieder zurück in New York, wo er bei seiner Tante May (Marisa Tomei) wohnt. Seitdem er mit bzw. gegen die anderen Helden kämpfte, fragt er sich, ob er mit seinen herausragenden Fähigkeiten nicht mehr machen sollte, als nur die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu sein, die den einen oder anderen Einbruch verhindert und Taschendiebe stoppt. Doch daneben muss der von seinem neuen Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) geförderte Jugendliche auch noch den Alltag auf die Reihe bekommen, den Alltag als Teenager an einer Highschool, wo er sich in Liz (Laura Harrier) verguckt hat. Blöd, dass ausgerechnet in dieser Situation ein Bösewicht für Unruhe sorgt, der technisch bestens ausgestattet ist und von Rachedurst getrieben: der Vogelmann Vulture (Michael Keaton)… 

Bewertung:
Die Produktion des Superhelden-Blockbusters „Spider-Man: Homecoming“ hat kolportierte 175 Millionen Dollar verschlungen – und trotzdem sind die ersten Minuten, die wir mit Peter Parker auf seinem Trip nach Berlin verbringen, mit einer einfachen Handykamera gedreht. Während wir die Superhelden-Rauferei am Leipziger Flughafen in „The First Avenger: Civil War“ noch als tragischerweise unabwendbare Eskalation eines schwerwiegenden moralischen Konflikts erlebt haben, sehen wir sie jetzt noch einmal ganz aus der Perspektive des aufgedrehten Peter Parker – und für den New Yorker Teenager ist sein Avengers-Kurzeinsatz eben so etwas wie ein supercooler Schulausflug, bei dem man zwar zwischendurch schon irgendwie beim Weltenretten hilft, aber davor auch noch schnell wie ein ganz normaler Tourist Erinnerungsfotos vor dem Brandenburger Tor schießt. Für Shootingstar Tom Holland war die Rolle als Spider-Man sein größter Traum – und diese ehrliche Begeisterung überträgt er ungefiltert auf die Leinwand.

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung!“ muss also erst mal warten, denn ganz wie man es eigentlich von einem Jungen in seinem Alter erwartet, hat Peter einfach nur mächtig Bock darauf, ein Superheld zu sein (innere Dämonen sucht man bei ihm jedenfalls vergebens). Weil die MCU-Macher um Marvel-Mastermind Kevin Feige ohne klassische Origin Story auskommen und dankenswerterweise darauf verzichten, Peter nach „Spider-Man“ (von 2002) und „The Amazing Spider-Man“ (von 2012) zum dritten Mal in nur 15 Jahren von einer radioaktiven Spinne beißen zu lassen, bleibt mehr Raum für die Szenen, in denen sich Spider-Man voller Elan in seine neue Aufgabe stürzt (und dabei notfalls auch einen Nachmittag damit verbringt, Leuten den Weg zu zeigen). Peter darf sich hier vergleichsweise lange als hilfsbereite „Spinne“ aus der Nachbarschaft austoben, bevor dann schließlich der eigentliche Plot forciert wird. Der Nachwuchs-Avenger ist zwar enttäuscht, dass sich Tony auch nach hunderten SMS nicht bei ihm meldet, aber davon abgesehen kommt die erste Hälfte von „Spider-Man: Homecoming“ ohne allzu schwergewichtige Konflikte aus, was auch mal ganz angenehm ist – zumal sich „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau als Tony Starks rechte Hand Happy Hogan und Jacob Batalon als Peters Nerd-Kumpel Ned als zuverlässig komische Szenendiebe erweisen.

In der Welt des MCU gehören Superhelden längst zum Alltag – aber noch in keinem Film kam das derart selbstverständlich und natürlich rüber wie jetzt in „Spider-Man: Homecoming“. Wo es sonst in den meisten MCU-Produktionen einzelne ausgestellte Szenen gibt, in denen auf die anderen Superhelden des Kinouniversums verwiesen wird, sind die Auswirkungen der Existenz der Avengers in „Spider-Man: Homecoming“ buchstäblich an jeder Straßenecke zu spüren. Wenn Peter einem vermeintlichen Autodieb das Handwerk legt, beschweren sich die Anwohner allenfalls über die Lautstärke, aber einem Spinnennetze verschießenden Superhelden schenkt hier kaum noch jemand Beachtung – da haben die abgeklärten New Yorker in der Schlacht am Ende von „Marvel's The Avengers“ schließlich schon ganz andere Sachen mitgemacht. Und obwohl Captain America ja seit „Civil War“ offiziell als Kriegsverbrecher gilt, sind die öffentlichen Schulen noch immer voll mit Motivationsvideos, in denen Cap die Schüler zum Fitnesstraining antreibt oder ihnen beim Nachsitzen die Leviten liest – zugleich ein amüsanter Running Gag und ein treffender Seitenhieb auf das amerikanische Schulsystem mit seinen oft hoffnungslos veralteten Lehrmaterialien.

Das Treiben der Superhelden hat auch ganz praktische Auswirkungen auf das Leben der Leute – besonders deutlich wird das am Beispiel des Bösewichts Vulture. Der Entsorgungsunternehmer Adrian Toomes, von Michael Keaton als Mischung aus seinen vorherigen Rollen in „Birdman“ und „The Founder“ angelegt, hat nämlich früher sein Geld damit verdient, den außerirdischen Dreck hinter den Avengers wegzuräumen – bis Tony Stark plötzlich entschied, Toomes auszubooten und sich stattdessen mit seiner eigenen Firma darum zu kümmern. „Spider-Man: Homecoming“ ist politisch und gesellschaftlich ähnlich aktuell wie zuletzt „Wonder Woman“, wenn auch auf eine weniger deutliche Art. Denn in Toomes spiegelt sich nicht nur der von Donald Trump ausgerufene Widerstand des (vermeintlichen) kleinen Mannes gegen die abgehobenen Eliten, sondern auch die politische Korrektheit wird zum Thema, wenn auch ganz anders, als man es vielleicht erwarten würde. Denn obwohl Toomes gleich in der allerersten Szene des Films „Indians“ statt „Native Americans“ sagt und darauf auch sofort von einem seiner Angestellten hingewiesen wird, geht es weniger um seine Engstirnigkeit als um die des Publikums, die diesem mit dem großen Twist des Films wunderbar subtil vor Augen geführt wird (und wir schließen uns da explizit mit ein, wir haben ihn nämlich auch nicht kommen sehen).

Diese zentrale Wendung ist es dann auch, die dem zuvor so lockerflockigen Film von einer Sekunde auf die nächste eine ganz neue Intensität verleiht. Und die wird über das finale Drittel hindurch bis zum Rollen des Abspanns beibehalten. Die mit Abstand spannendste Szene ist dabei ein vermeintlich harmloses Gespräch während einer Autofahrt, bei der Peter nicht mal sein Spider-Man-Kostüm trägt – das spricht zum einen für die Qualität der sich hier nur mit Blicken duellierenden Schauspieler Tom Holland und Michael Keaton, es ist aber auch Ausdruck davon, dass Jon Watts das Actionkino mit „Spider-Man: Homecoming“ nicht gerade neu erfindet. Die Actionszenen sind von der Bankprügelei mit den Fake-Avengers bis hin zur halbierten Staten Island Ferry vor allem auch wegen Spideys frechen Sprüchen allesamt angenehm kurzweilig und handwerklich einwandfrei umgesetzt.

Fazit:  
Der neue MCU-Spider-Man kann den starken Eindruck seines Kurzauftritts in „The First Avenger: Civil War“ auch in seinem ersten Solo-Abenteuer voll bestätigen. Tom Holland bringt eine ganz andere Art von Energie in die Rolle ein als vor ihm Tobey Maguire oder Andrew Garfield – und das ist auch gut so. Dass der britische Nachwuchsstar nach „Avengers 4“ und dem dann anstehenden Ausstieg vieler etablierter Avengers-Darsteller DIE zentrale Rolle im MCU einnehmen soll, muss einem nach „Homecoming“ jedenfalls definitiv keine Sorgen mehr machen. Dafür vergeben wir spinnenfreie 8,5 von 10 Punkte. (mk)


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