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Sonntag, 23. Juli 2017

Dream Boat



Facts:

Genre: Dokumentation
Regie: Tristan Ferland Milewski
Cast: -
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Real Fiction


(c) Real Fiction


Inhalt: 
Einmal jährlich treffen sich gut 3.000 Männer auf dem sogenannten „Dream Boat“, einem Kreuzfahrtschiff ausschließlich für Schwule. Die Reisenden buchen ihre Fahrt auf dem Schiff aus den unterschiedlichsten Gründen: Einige wollen endlich sie selbst sein, wie etwa Dipankar aus Indien, der seiner arrangierten Ehe entkommen will und auf der Suche nach seinem Traummann ist. Andere werden in ihrer Heimat wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und suchen, so wie Ramzi aus Palästina, Zuflucht auf dem „Dream Boat“. Phillipe hingegen sitzt im Rollstuhl und betrachtet die Männer auf dem Schiff als eine Art Ersatzfamilie, seit seine eigene Familie den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Andere wiederum sind einfach nur an Bord, um andere Männer kennenzulernen und genießen die große Auswahl. 

Bewertung:
Sagenhaft schön gedrehter Dokumentarfilm aus dem Hause Beetz über eine 100% schwule Party-Kreuzfahrt. Cruising ohne Kills also! Tristan Ferland Milewski inszeniert das ganz wunderbar, mit vielen geschickten Kunstgriffen, viel Empathie für seine Protagonisten und betont statischer Kamera. Ist lustig, traurig, kitischig, geil. Nur die Musik übertreibt es mit dem Zuckerguß, wirkt aber nie fehl am Platz. 

Fazit:
Meine im Vorfeld vorhandenen Klischees zu schwulen Kreuzfahrten wurden hier voll bedient. Die Oberflächlichkeit der schwulen Welt und der übertriebene Körperkult kommen hier sehr gut rüber. Die verschiedenen Einzelschicksale berühren und regen starkt zum Hinterfragen der eigenen Denkweisen an. Dafür vergeben wir 7,5 von 10 Punkte. (mk) 

Dienstag, 28. Juli 2015

AMY OmU



Facts:

Genre: Biografie, Dokumentation
Regie:
Asif Kapadia


Cast: Amy Winehouse, Mark Ronson, Tony Bennett


Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: ProKino Filmverleih


(c) ProKino Filmverleih

Inhalt: 

Amy Winehouse war eine waschechte Ausnahmekünstlerin. Mit persönlichen Songtexten, die sie mit ihrer charakteristischen Soulstimme zum Leben erweckte, begeisterte und berührte die Britin eine weltweite Fangemeinde. Sie verkaufte mehrere Millionen Platten und gewann sechs Grammys. Aber ihre kometenhafte Karriere war nur von kurzer Dauer, schließlich sind ihr die Drogen zum Verhängnis geworden: Im Alter von gerade einmal 27 Jahren starb Winehouse an einer Alkoholvergiftung. Filmemacher Asif Kapadia widmet sich in seiner Dokumentation dem kurzen Leben der Sängerin. Mithilfe von zuvor unveröffentlichtem, privatem Material zeigt Kapadia, wie Winehouses Erfahrungen mit Familie, Freunden, anderen Musikern und Medien sich in ihrem künstlerischen Schaffen niedergeschlagen haben und stellt direkte Zusammenhänge her. 

Bewertung:

Kapadia hatte für sein Filmprojekt die volle Unterstützung von Winehouses Familie, er schont die Angehörigen bei seiner Aufarbeitung allerdings nicht, sodass Amys Vater Mitchell sich hinterher als Buhmann in die Ecke gedrängt sah, der ihren Tod hätte verhindern können. Wenn der Senior hier tatsächlich nicht im besten Licht erscheint, dann hat er sich das jedoch zum größten Teil selbst zuzuschreiben: Überaus vielsagend ist eine Szene, in der der umtriebige Mitchell unangemeldet mit der TV-Crew einer Dokusoap auf der Karibikinsel St. Lucia aufkreuzt, wo Amy auf der Flucht vor der Paparazzi-Meute bei einer Entziehungskur zur Ruhe zu kommen versucht. Der egoistischen Fahrlässigkeit des Vaters folgte der nächste Zusammenbruch der Tochter. Solche unglücklichen Episoden bezeugen den enormen Druck, der auf der jungen Frau lastete und an dem sie letztlich auch zu Grunde ging.

Amy Winehouse war nach Prinzessin Diana die wohl berühmteste Zielscheibe der berüchtigten britischen Boulevardpresse. Sie selbst ahnte früh, dass sie der ständigen unerbittlichen Beobachtung durch die Öffentlichkeit auf die Dauer nicht standhalten könnte und taumelte hilflos einem im Rückblick vorgezeichnet scheinenden Untergang entgegen - bis zu ihrem letzten Auftritt, jenem fatalen Konzert in Belgrad, bei dem sie torkelnd und lallend auftrat, ehe sie vorzeitig die Bühne verließ. Die beschämende Rolle von Teilen der Medien in Winehouses Leben beschönigt Asif Kapadia genauso wenig wie das Verhalten der Familie oder ihre eigenen Dämonen, umso befremdlicher ist es, dass er sich mit den Aasgeiern des Boulevards auf eine Stufe stellt, indem er selbst immer wieder so ausführlich auf Paparazzi-Videos und -Fotos zurückgreift. Bei der Abwägung zwischen Chronistenpflicht und angemessener Zurückhaltung fehlt zuweilen das Feingefühl - so bleibt trotz des erkennbaren Bemühens um ein faires und differenziertes Porträt ein unangenehmer Beigeschmack. 

Fazit: 

Kapadia setzt der viel zu früh verstorbenen Ausnahmesängerin Amy Winehouse in seiner akribischen Dokumentation „Amy“ kein schwärmerisches Denkmal, sondern würdigt eindrucksvoll ihr Talent und zeigt zugleich - schonungslos auch in der Wahl seiner Mittel - wie sie auf den Abgrund zuraste. Mit einer Träne im Auge und den Songs im Ohr vergeben wir 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 7. November 2014

Im Labyrinth des Schweigens



Facts:

Genre: Drama, Historie
Regie:
Giulio Ricciarelli
Cast: Alexander Fehling, Gert Voss, Friederike Becht
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:
Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Deutschland, Ende der 50er Jahre: Die Wirtschaft brummt, den Menschen geht es wieder gut und die Geschehnisse, die keine zwanzig Jahre zurückliegen, geraten langsam aber sicher in willkommene Vergessenheit. Eines Tages sorgt jedoch der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) am Frankfurter Gericht für Aufruhr, als er einen ehemaligen Auschwitz-Wärter anzeigen will, den ein Freund auf einem Schulhof identifiziert hat und der jetzt als Lehrer offenbar unbehelligt durchs Lebens gehen kann. Der Journalist stößt mit seiner Forderung jedoch auf Ablehnung. Nur der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) schenkt ihm Gehör und will die Vorgänge aufklären. Rückendeckung erhält er dabei vom Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss), der ihm die Leitung der Ermittlungen überträgt. Radmann versinkt völlig in dem Fall und vernachlässigt darüber sein Privatleben. Selbst Marlene (Friederike Becht), die er gerade erst kennengelernt hat, vermag nicht auf ihn einzuwirken. Immer weiter schottet sich der junge Anwalt von seiner Umwelt ab um das Labyrinth aus Verleugnung und Verdrängung aufzuarbeiten und ein Exempel zu statuieren.

Bewertung:

Die in „Im Labyrinth des Schweigens“ mit Hilfe der fiktiven Figur des Johann Radmann dargestellte Entwicklung ist quasi der Wegbereiter für die Auschwitz-Prozesse, die ab 1963 unter Fritz Bauer den Auftakt der deutschen Aufarbeitung markierten. An einer Stelle des Films hört der Staatsanwalt den Vorwurf, dass sich nach einer Bekanntmachung der Nazi-Verbrechen alle Kinder fragen, ob ihre Väter Mörder sind – ein Verweis auf die spätere 68er-Jugend, die zur Handlungszeit des Films noch undenkbar war. In den 50er-Jahren erlebte Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer nämlich einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg und fand zu neuem Selbstbewusstsein. Die Scham über das Nazi-Regime wog schwerer als der Wunsch nach einer lückenlosen Aufklärung der Ereignisse, die als Spukgeschichten durch die Lande geisterten. Und so muss der Staatsanwalt im Film etwa die Frage beantworten, ob es überhaupt eine konkrete Tat oder ein konkretes Opfer gibt und muss sich anhören, dass der Aufenthaltsort des grausamen Auschwitzer Lagerarztes Josef Mengele in Südamerika ja ziemlich weit weg ist. Mit solchen Einschüben gelingt es Giulio Ricciarelli famos, genau dieses Klima jener Zeit einzufangen und von der ersten Minute an erlebbar zu machen.

Inszenatorisch orientiert sich Ricciarelli an der Ästhetik deutscher Großproduktionen, die sich mit dem Dritten Reich befassen, wie etwa „Sophie Scholl – Die letzten Tage“. Die gelungene Ausstattung und die akkuraten Kostüme erwecken die 50er-Jahre zum Leben, während die pathetische Filmmusik ihren Anteil daran hat, dass die Story emotional aufgeladen ist. Die farbentsättigten Bilder passen zum ernsthaften Grundton der Geschichte. Aus der sehr starken Besetzung ragt dazu Alexander Fehling heraus. Dass man sich über den von ihn gespielten, fiktiven Anwalt den Ereignissen nähert, ermöglicht dem Regisseur die Entwicklung eines Spannungsbogens, ohne die historischen Fakten rund um die Auschwitz-Prozesse über Bord zu werfen. Giulio Ricciarelli findet dazu immer wieder Bilder, mit denen es ihm gelingt, die Schrecken des KZ-Terrors in nonverbaler Weise spürbar machen. Drastische Bilder lässt er allerdings weg, auch dies ist ein kluger Schachzug. So überlässt er den genauen Ablauf der Vorstellung des Publikums, zwingt förmlich zur weiteren Auseinandersetzung. Das Ergebnis: „Im Labyrinth des Schweigens“ ist nicht nur ein spannend erzähltes, durchaus fesselndes Drama, sondern vor allem auch ein Film, der zum Nachdenken anregt.

Fazit:

Ruhig erzähltes und thematisch reifes Polit-Drama, das ein wichtiges Kapitel der bundesdeutschen Vergangenheit behandelt.Gut informiert vergeben wir 7 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 11. September 2014

Who Cares? - du machst den Unterschied



Facts:

Genre: Dokumentation
Regie:
Mara Mourão
Cast: Rodrigo Santoro, Muhammad Yunus, Bill Drayton
Laufzeit: 93 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:
BraveHearts International GmbH


(c) BraveHearts International GmbH

Inhalt: 

Der englische Ausdruck „Who cares?“ ist ein einziges verbales Achselzucken. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Wen kümmert es?“, tatsächlich gemeint ist jedoch „Na und?“. Die Brasilianerin Mara Mourão stellt in ihrem Dokumentarfilm „Who Cares? Du machst den Unterschied“ dieser eigentlich keine Replik benötigenden Frage Antworten entgegen und zeigt Personen, die sich mit ganzem Herzen und konkreten Taten kümmern. Es sind sogenannte „Social Entrepreneurs“, die in unterschiedlichen Arten des sozialen Engagements ihre Berufung gefunden und diese zu ihrem Beruf gemacht haben. Gezeigt wird dabei auch, wie aus kleinen lokalen Projekten global tätige soziale Unternehmen entstehen können.

Bewertung:

Regisseurin Mara Mourão begnügt sich jedoch nicht damit, einfach nur Menschen und ihre Projekte vorzustellen. Im Guten wie im Schlechten ist jederzeit spürbar, dass der Zuschauer motiviert werden soll, mehr Verantwortung in seiner eigenen Umgebung zu übernehmen. Tatsächlich ist es ermutigend zu sehen, wie viele verschiedene Menschen auf der ganzen Welt mit nichts weiter als einer Idee angefangen haben und welche Erfolge sie feiern konnten. Allerdings führt der gute Wille der Regisseurin auch dazu, dass „Who Cares? Du machst den Unterschied“ oft wie ein Werbefilm wirkt, der dazu da ist, neue „Social Entrepreneuers“ zu rekrutieren. Das ist dem Presseheft zufolge sogar tatsächlich die ganz konkrete Motivation. Dies ist ein ehrenwertes Anliegen, nur hat die von Mara Mourão gewählte emotionale Überrumpelungstaktik mit massivem Einsatz von pathetischer Musik und von Bildern fröhlicher Menschen in ihrer Durchsichtigkeit einen fragwürdigen Beigeschmack.

Denn dass hier eine gute Sache vertreten wird, hätte der Zuschauer auch so bemerkt: Die oft sehr charismatischen Aktivisten sprechen da im wahrsten Sinne des Wortes bereits für sich. Darüber hinaus sorgt es für Widersprüche, dass Mourão ausschließlich Aktivisten vorstellt, die ihr Engagement zu ihrem Beruf gemacht haben. So wird unterschwellig die dem eigentlichen Anliegen ein wenig entgegenlaufende Botschaft vermittelt, dass sich soziales Engagement auch konkret bezahlt machen soll. Ein deutlich umfassenderes und überzeugendes Bild sozialer Engagements hätte man sehr einfach bekommen können, in dem man noch zwei zusätzliche Protagonisten aufgenommen hätte, die sich in ihrer Freizeit, neben dem eigentlichen Beruf, engagieren. Denn die Lösung aller Probleme kann gewiss nicht darin liegen, dass sich die gesamte Menschheit in soziale Entrepreneurs verwandelt. Trotzdem ist Mara Mourão mit „Who Cares? Du machst den Unterschied“ ein ermutigender und inspirierender Film geglückt, der große Beachtung verdient hat.

Fazit:

„Who Cares? Du machst den Unterschied“ stellt auf zum Teil unnötig pathetische Weise hochinteressante Beispiele für den äußerst vielfältigen Beruf eines „sozialen Entrepreneurs“ vor, die Mut machen, dass die Probleme der Welt durch individuelles Engagement zu lösen sind. Dafür vergeben wir nachdenkliche 5 von 10 Punkte.