Samstag, 21. November 2015

Die Tribute von Panem 3.2 - Mockingjay Teil 2 3D OV



Facts:
Genre: Abenteuer, Action
Regie: Francis Lawrence
Cast: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: StudioCanal Deutschland


(c) StudioCanal Deutschland

Inhalt: 
Der Krieg in Panem spitzt sich immer weiter zu. Die junge Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), die mittlerweile ganz offen als Gesicht der Rebellion der Distrikte gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) und sein totalitäres Regime gilt, bereitet sich auf die letzte große Konfrontation vor, die alles beenden und die Bevölkerung endgültig befreien soll. Mit jedem Erfolg der Aufständischen wird Snow nur noch besessener davon, Katniss zu stoppen. Unter Einsatz ihres Lebens will sie gemeinsam mit einer Einsatztruppe aus Distrikt 13, zu der auch ihre Freunde Gale (Liam Hemsworth), Finnick (Sam Claflin) und Peeta (Josh Hutcherson) gehören, das Kapitol erobern und Snow ein für alle Mal stürzen. Doch die Gefahren, die beim Kampf um die Zukunft auf sie warten, übertreffen alles, was die jungen Leute je in den Arenen der Hungerspiele durchleben mussten… 

Bewertung:
Die Macher sind bei ihrer pessimistischen Zukunftsvision konsequent vorgegangen und haben die positiven und hoffnungsvollen Töne immer mehr in den Hintergrund rücken lassen. In „Die Tribute von Panem“ und „Catching Fire“ wurde nicht nur mitreißende Arena-Action geboten, sondern man hat auch zunehmend ätzende mediensatirische Töne angeschlagen und die faschistischen Züge des Kapitol-Regimes angeprangert, ehe in „Mockingjay Teil 1“ ein gnadenloser Propagandakrieg entfesselt wurde. Diese Auseinandersetzung eskaliert nun in Teil 2, wobei die Grenzen zwischen den Gegnern Snow und Coin endgültig verschwimmen. Wenn die Rebellen die Strategie für ihren Angriff auf Distrikt 2 besprechen, dann steht schnell die Tötung von Zivilisten im Raum, der Zweck soll die Mittel heiligen, aber er wird damit nur entwertet. Die Unterschiede zwischen Richtig und Falsch, Wahrheit und Lüge, Realität und Täuschung sind in „Mockingjay Teil 2“ fast komplett aufgelöst. Während Gales moralischer Kompass ins kriegerische Extrem ausschlägt, hat Peeta durch die Gehirnwäsche jegliche Orientierung verloren. Immer wieder fragt er Katniss, ob seine Gefühle und Erinnerungen real sind. Und auch die Heldin selbst wird von Zweifeln geplagt, sträubt sich gegen ihre Instrumentalisierung und gegen die ihr zugedachte (Ver-)Führungsrolle. Diese an sich sehr spannenden Konflikte wurden und werden zwar geschickt etabliert, aber danach meist mehr abgehakt als vertieft und auserzählt.

Selbst im Liebesdreieck zwischen Katniss, Peeta und Gale gibt es kaum Platz für die Unvernunft der Gefühle, seine Auflösung ist so zwangsläufig, dass ihr die Wirkungsmacht fehlt. Und ähnliches gilt für die Schicksale vieler Nebenfiguren: Dass Philip Seymour Hoffmans entscheidende Rolle als Ex-Spielleiter und Strippenzieher Plutarch Heavensbee kein ihrer Wichtigkeit entsprechendes Gewicht bekommt, ist mutmaßlich auf den frühen Tod des Schauspielers vor Abschluss seiner Arbeit zurückzuführen, aber auch Jeffrey Wright als Beetee, Jena Malone als Johanna, Sam Claflin als Finnick und andere bekommen leider kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Es bleiben nur Donald Sutherland, der als unverbesserlicher Präsident Snow viel aus seinen kurzen Auftritten herausholt und Julianne Moore, die uns in ihren knappen Szenen immerhin spüren lässt, dass ihre Figur sich von der einstmals spröden Überzeugungstäterin zur clever-eigensüchtigen Machtpolitikerin gewandelt hat. Und es ist einmal mehr Jennifer Lawrence vorbehalten, das Publikum durch die trostlose Welt von Panem zu lotsen und bei der Stange zu halten. Dieser Aufgabe entledigt sie sich souverän wie immer, aber wenn Katniss am Ende wieder einmal alles auf den Kopf stellt, dann kann auch Lawrence nicht im Alleingang für die dramatische Fallhöhe sorgen, die der Moment verdient hätte.

Im Showdown müssen uns die an Hitlers Pläne für die Reichshauptstadt Germania erinnernde monströse Architektur und das dazu passende faschistoide Zeremoniell genügen, um alle Fragen zu Katniss‘ Handlungsweise zu beantworten. Stärker als in den vorigen Filmen der Reihe bleibt die Spannung diesmal äußerlich, in dieser Hinsicht wird gerade im Vergleich zum eher ruhigen ersten „Mockingjay“-Kapitel allerdings eine Menge geboten. Auch aus dem Entscheidungskampf im Bürgerkrieg wird dabei von den gegnerischen Parteien auf perfide Weise ein Medienspektakel gemacht (es ist nicht zufällig die Rede von den „76. Hungerspielen“): Snow lockt die Rebellen ins Kapitol und lässt die Straßen mit sogenannten Kapseln übersäen, tödlichen Fallen, die den vorrückenden Feinden Einhalt gebieten und nebenbei für nützliche Fernsehunterhaltung sorgen sollen. Besonders eindrucksvoll ist dabei eine Sequenz, in der die Gruppe um Katniss in einem Hinterhalt unter einer lawinenartigen Welle Öl begraben zu werden droht. Sie ist der Höhepunkt in einem durchweg spannenden Parcours, der für Ortskundige noch den zusätzlichen Reiz des Wiedererkennens der Berliner Drehorte bietet. Und wenn es aus dem Straßendschungel in die Kanalisation geht, dann wird dort mit einer fiesen Mutantenattacke für weitere Aufregung gesorgt. Das vorherrschende Gefühl von ständiger Gefahr – das auch dadurch befeuert wird, dass auch bekannte Gesichter nicht sicher sind – ist vielleicht die größte Stärke des Films. Aus dem Albtraum wird niemand entlassen. 

Fazit: 
Der abschließende Film der „Tribute von Panem“-Reihe bietet viele der gewohnten Qualitäten, bleibt insgesamt aber hinter den anderen Teilen zurück. Besonders die Doppelvorstellung mit Teil 1 bietet einen etwas runderen Abschluss der Trilogie (in vier Teilen), als der Film allein. Wir vergeben abschließende 7,5 von 10 Punkte (mk)

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