Mittwoch, 22. April 2015

Fast & Furious 7 OV



Facts:

Genre:  Action
Regie: James Wan
Cast: Vin Diesel, Paul Walker, Jason Statham


Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Nach den Ereignissen in "Fast & Furious 6" sinnt Deckard Shaw (Jason Statham) auf Rache für seinen Bruder Owen (Luke Evans). Er will alle aus der Crew von Dom (Vin Diesel) tot sehen: Brian (Paul Walker), Mia (Jordana Brewster), Letty (Michelle Rodriguez), Tej (Ludacris) und Roman (Tyrese Gibson). Die Bleifüße merken, wie ernst es Shaw ist, als der ihren Verbündeten, den Bundesagenten Luke Hobbs (Dwayne Johnson) ins Visier nimmt. Um ihren gefährlichen Gegner auszuschalten, gehen Dom & Co. einen Deal mit dem mysteriösen Mr. Nobody (Kurt Russell) ein, der Geheimaufträge für die Regierung erledigt. Sie sollen die Hackerin Ramsey (Nathalie Emmanuel) befreien, die entführt wurde, weil sie ein Überwachungsprogramm namens "God's Eye" entwickelt hat. Gelingt es der Gang, Ramsey zu retten, dürfen sie "God's Eye" dazu benutzen, Shaw aufzuspüren. Teil der Mission sind – wie immer – diverse halsbrecherische Aktionen mit schnellen, teuren Autos… 

Bewertung:

Seit dem dritten Film „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ ist Chris Morgan der Stammautor der Reihe. Er hat dem Franchise neues Leben eingehaucht und zwar nicht erst mit dem entsprechend betitelten „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“, sondern schon mit dem oft belächelten Ausflug nach Tokio, der hier anknüpfend an das Ende von „Fast & Furious 6“ endgültig in das Reihenuniversum integriert wird. Aber das ist nicht der einzige Brückenschlag in die Vergangenheit, denn es geht hier zwischendurch ganz zurück zu den Wurzeln, wenn durch Los Angeles geheizt oder wenn ein kleiner Abstecher in die Welt der (nun allerdings nicht mehr illegalen) Eins-gegen-Eins-Rennen unternommen wird, bei denen leichtbekleidete Frauen in Zeitlupe das Startsignal geben, während das Kameraauge unter ihre viel zu kurzen Röckchen lugt. Die Szene dient zugleich dazu, Dom und Letty (Michelle Rodriguez) kurz einzuführen. Seine Sehnsucht nach der alten Zeit und ihre Suche nach dem alten Ich werden dem Zuschauer geschickt noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Beim insgesamt gut gelungenen Spagat zwischen neuen Attraktionen und dem Blick in den Rückspiegel gibt es in der Handlung von „Fast & Furious 7“ allerdings auch den ein oder anderen Schlenker zu viel. Dabei ist der ganze aus arg dünnen Fäden geknüpfte Erzählstrang um die Hackerin Ramsey und die Terroristen vor allem ein Vorwand für die rasant-absurden Actionszenen rund um den Globus – aber genau die erwarten wir hier natürlich auch.

„Autos können nicht fliegen“ sagt der mit seinem Leben als Minivan fahrender Familienvater hadernde Brian früh zu seinem kleinen Sohn, aber diese später noch variierte Behauptung wird selbstverständlich bald auf spektakuläre Weise widerlegt, wenn die Crew in ihren Wagen aus einem Flugzeug springt. Die Macher setzen gegenüber den Vorgängern noch einmal einen drauf und übertreffen sich mit abgefahrenen Stunts und Ideen selbst. Dabei fliegen die Autos mehr als einmal durch die Lüfte, dazu rasen sie auch durch unzugängliches Unterholz oder durch ein Penthouse in einem Luxus-Wolkenkratzer. In der „Fast & Furious“-Reihe sind Autos zudem längst keine bloßen Fahrzeuge mehr, sondern Waffen. So rasen die Kontrahenten aufeinander zu, als wären sie bei einem Ritterturnier und im Finale treten die vielseitigen Flitzer sogar im Straßenkampf mit einer Drohne an, wobei halb Los Angeles in Schutt und Asche gelegt wird. „Fast & Furious 7“ bietet Action satt - in immer neuen Variationen. Mit Cast-Zugängen wie Martial-Arts-Superstar Tony Jaa („Ong Bak“), MMA-Meisterin Ronda Rousey und nicht zuletzt Jason Statham („The Transporter) sind da natürlich auch harte Handkanten-Fights angesagt.

Jason Stathams Deckard Shaw gehört gleich die allererste Szene, in der er als monströser und anscheinend unbesiegbarer Widersacher für Dom & Co. eingeführt wird. Sein Besuch am Krankenbett seines Bruders mündet in eine grandiose Pointe: James Wan zeigt uns nach und nach die Spur der Zerstörung, die der von Statham überzeugend als eiskalter Racheengel verkörperte Berserker auf dem Weg in das Hospital angerichtet hat - die Taten selbst bleiben überaus wirkungsvoll ausgeklammert. Auf ähnliche Weise wirkt der Schurke umso bedrohlicher, je weniger er sagt, zumal ihm einige bedeutungsschwangere Zeilen in den Mund gelegt werden, in denen es mit der Harte-Männer-Ernsthaftigkeit doch etwas übertrieben wird. Noch stärker ist Vin Diesel von dieser Dialogschwäche betroffen, mit seinen verkniffenen Kalendersprüchen schießt er zuweilen deutlich über das Ziel hinaus. Gelegentliche kernige One-Liner („Daddy muss arbeiten“) bieten da ein willkommenes Gegengewicht, bleiben aber hauptsächlich Dwayne Johnson vorbehalten. Der ist diesmal zwar nur eine Randfigur, doch dadurch entfalten seine Einsätze erst ihre besondere Durchschlagskraft. Für Auflockerung sorgen auch Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Ludacris) mit ständigen Frotzeleien, sie haben zudem die etwas fadenscheinige Erklärbär-Aufgabe, die absurd-abgefahrenen Pläne der Crew noch einmal zusammenzufassen, damit jedem klar ist, dass etwas völlig Unmögliches versucht werden soll... Und schließlich ist da noch Paul Walker.

Paul Walker ist stärker noch als Vin Diesel das Herz der „Fast & Furious“-Reihe. Während Diesels Dom immer mit Ernst an die Sache geht, steht sein Brian für eine besondere Mischung aus Leichtigkeit und Professionalität, die letztlich auch das Franchise selbst kennzeichnet. Mit Jeans, Vans und Kapuzensweater geht Brian auf heikle Missionen und dabei ist es egal, ob dies die richtige „Arbeitskleidung“ ist: Sie ist lässig und das auf völlig natürliche, unaufdringliche Weise. Schon mit Auftritten in Filmen wie „Running Scared“ oder „Kill Bobby Z“ hatte der wegen seines Sunny-Boy-Charmes zuweilen unterschätzte Walker seine schauspielerischen Qualitäten nachhaltig bewiesen; seine ganz eigene Kombination aus Talent und Charisma ist nun auch in „Fast & Furious 7“ noch einmal deutlich zu sehen, vor allem in den emotionalen Gesprächen zwischen Brian und seiner schwangeren Frau Mia (Jordana Brewster). Wenn Brian ihr vorsorglich Lebewohl sagt, falls er die Auseinandersetzung mit Deckard Shaw nicht überleben sollte, dann rührt die beachtliche Wirkung der durch ihre Lebendigkeit beeindruckenden Szene längst nicht nur daher, dass sie zugleich auch so etwas ist wie der Abschied des Schauspielers Paul Walker von seinen Fans. Und gerade dadurch führt sie uns den Verlust noch einmal schmerzlich vor Augen.

Nach dem Tod von Paul Walker noch deutlich vor Ende der Dreharbeiten wurde gerätselt, wie „Fast & Furious 7“ zu Ende gebracht werden kann. Den Machern ist es mit Bravour gelungen. Wir wissen zwar, dass das Drehbuch geändert wurde, Walkers Brüder als Body-Doubles eingesprungen sind und außerdem alte Aufnahmen des Schauspielers sowie viel Computertechnik genutzt wurden, doch von alldem ist im Film so gut wie nichts zu merken – im Gegenteil: „Fast & Furious 7“ ist eine runde Angelegenheit! Durch Walkers tragischen Tod werden nicht nur die ohnehin schon angelegten Emotionen verstärkt, sondern es wird sogar die Spannung gesteigert. Das Problem vieler Heldengeschichten ist ja, dass die Hauptfiguren überleben müssen, weil sie für den nächsten Teil wieder gebraucht werden. Bei der Konfrontation mit Deckard Shaw wissen wir nun, dass Doms Crew auch draufgehen kann – Han hat es schließlich schon erwischt. Und wir wissen auch, dass Paul Walker für „Fast & Furious 8“ nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn ausgerechnet sein Brian O’Conner nun in die brenzligsten, scheinbar ausweglosen Situationen gerät, dann lässt sich nicht ahnen, wie es ausgeht. Dass er das erste Mal überlebt, verraten wir noch, zumal es in allen Trailern zu sehen ist. Wie es im Anschluss ausschaut, ist eine andere Frage, die wir bewusst unbeantwortet lassen.

Fazit: 

„Fast & Furious 7“ ist genau der ebenso mitreißende wie emotionale Action-Abschied geworden, den sich die Fans der Reihe und von Paul Walker erhofft haben. Sprachlose 8 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 18. April 2015

Best Exotic Marigold Hotel 2



Facts:

Genre: Komödie
Regie: John Madden
Cast: Judi Dench, Maggie Smith, Bill Nighy


Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 

Im Best Exotic Marigold Hotel hat sich einiges getan: Sonny (Dev Patel) ist wild entschlossen, ein zweites Hotel zu eröffnen, hat jedoch auch alle Hände voll mit den Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Sunaina (Tina Desai) zu tun. Immerhin erhält er tatkräftige Unterstützung von Muriel (Maggie Smith), die mittlerweile Co-Managerin des Hotels ist. Allerdings besteht ihre Aufgabe hauptsächlich darin, sich die Sorgen und Nöte der Gäste anzuhören. Madge (Celia Imrie) hat beispielsweise zwei Verehrer, die sie nicht verlieren will, Norman (Ronald Pickup) und Carol (Diana Hardcastle) sind ständig damit beschäftigt, ihre Partnerschaft auszudiskutieren, und die Dauergäste Evelyn (Judi Dench) und Douglas (Bill Nighy) haben sich in der Stadt mittlerweile eingelebt und sogar angefangen zu arbeiten. In die Riege der altbekannten Gäste reihen sich mit Guy (Richard Gere) und Lavinia (Tamsin Greig) zudem zwei Neuankömmlinge ein. Doch Sonny hat nur noch ein Zimmer frei...

Bewertung:

Wie schon im ersten Film stehen die ausgewanderten Rentner im Mittelpunkt, während das Land Indien präsentiert wird wie ein leicht chaotischer, bunter Krämerladen und die einheimischen Nebenfiguren den ergrauten Westlern ergeben mit weisen Ratschlägen zur Seite stehen. Dev Patels („Slumdog Millionär“) Sonny mit seiner permanenten Unruhe, seinem kindisch-kindlichen Verhalten und seiner Schnellfeuer-Sprechweise verkommt dieses Mal zudem fast zur Cartoon-Figur. Solche fragwürdigen Überzeichnungen werden durch das bewährte Senioren-Ensemble immerhin zu beachtlichen Teilen wettgemacht. Die besten Dialogzeilen gehören dabei der unnachahmlich britisch-unterkühlten Maggie Smith („Downton Abbey“), etwa wenn ihre Mrs. Donnelly auf Evelyns Frage, warum sie sich etwas darauf einbilde, 19 Tage älter zu sein als sie, grandios kontert: „Das ist immerhin die Lebensspanne einer Wespe.“

Mit ihrer spitzen Zunge bleibt Mrs. Donnelly ein bisschen einsam, während die anderen bei großen Feierlichkeiten in bollywoodhaften Tanzchoreographien ihren Platz finden – und sich wie verklemmte Teenager heimlich nacheinander sehnen. Wenn die Senioren um Judi Dench („Skyfall“) und Bill Nighy („Alles eine Frage der Zeit“) hier noch einmal Wonnen und Herzklopfen erleben, dann ist das sanft rührend und wird mit leisem Lächeln erzählt. Das Rentnerporträt bietet nebenbei sogar einen Hauch von sozialem Einfühlungsvermögen (das bei der Zeichnung der Inder meist fehlt), etwa wenn gezeigt wird, dass die Alten Motorräder reparieren oder als Fremdenführer jobben müssen, um über die Runden zu kommen. Nur der Auftritt des prominenten Neuzugangs fällt enttäuschend aus: In seiner eigentlichen Paraderolle des Silberhaar-Beaus fühlt sich Richard Gere („Pretty Woman“) hier sichtlich unwohl, was etwas mit den uncharmant-penetranten Dialogen zu tun haben dürfte, die ihm in den Mund gelegt werden.

Fazit: 

Das schlichte, aber herzliche Porträt einer Rentner-WG im pittoresken Indien hat den Charme eines exotischen Urlaubs. Entspannt vergeben wir dafür 8 von 10 Punkte. (mk)

Mittwoch, 15. April 2015

Home - Ein smektakulärer Trip 3D OV



Facts:

Genre: Animation
Regie: Tim Johnon
Cast/ Stimmen: Jim Parsons, Rihanna, Steve Martin


Laufzeit: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 

Um vor Feinden in Sicherheit zu sein, schleppt Captain Smek (Stimme im Original: Steve Martin / deutsche Fassung: Uwe Ochsenknecht) sein Volk, die Boov, von Planet zu Planet – nur um immer wieder festzustellen, dass längst nicht jede Umgebung als Zufluchtsort geeignet ist: Fleischfressende Würmer, Laser-Tintenfische und Lava-Einöden sind schließlich nicht das, was sich die Boovs für ihre neue Heimat vorstellen. Nach einer langen, kräftezehrenden Reise durchs Weltall scheinen die Aliens mit dem Planeten Erde endlich fündig zu werden. Kurzerhand beginnen die Boovs, die menschliche Bevölkerung umzusiedeln. Als ein Boov namens Oh (Jim Parsons / Bastian Pastewka) aber den Fehler macht, den neuen Aufenthaltsort an die gefürchteten Feinde zu verraten, ist auch in der neuen Heimat niemand mehr sicher. Um sein Missgeschick wieder auszubügeln, begibt sich Oh deshalb gemeinsam mit dem Teenager-Mädchen Tip (Rihanna), das der Umsiedlung entkommen ist, auf eine abenteuerliche Reise um die Welt...

Bewertung:

Als der Außerirdische und das Menschenmädchen sich in ihrem zum schnittigen Weltraumvehikel aufgerüsteten Kleinwagen gegenseitig ihre Lieblingsmusik präsentieren, hören wir einige Takte der galaktischen Kakophonie, die in der Welt des bewegungslos und verzückt lauschenden lila Männchens aus dem All zum Superhit wurde. Das schräge Geschrammel wird allerdings schnell links liegengelassen und der im Original von Rihanna gesprochene Teenager übernimmt recht uncharmant mit einem harmlosen Popsong das Kommando. Diese Szene aus DreamWorks‘ neuem 3D-Animationsabenteuer „Home – Ein smektakulärer Trip“ bringt die Stärken und die Schwächen des Films auf den Punkt: Ein putzig-verschrobener Alien-Protagonist und viele witzige Details, über die sich vor allem Kinder amüsieren können, stehen einer etwas zu gut geölten Erzählmaschinerie gegenüber, in der vieles als rein funktional erscheint und buchstäblich nicht immer der richtige Ton getroffen wird. Regisseur Tim Johnson („Antz“, „Ab durch die Hecke“) beschreibt „Home“ als „die erste postapokalyptische animierte Road-Movie-Buddy-Komödie samt Invasion von Außerirdischen“. Damit will er eindeutig zu viel, aber durchaus charmante Familienunterhaltung bietet sein Film trotzdem. 

Fazit:

Fazit: Niedlicher, aber erzählerisch grob gestrickter 3D-Animationsfilm mit vielen netten Einzelheiten für 6 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 3. April 2015

Die Bestimmung - Insurgent OV



Facts:

Genre: Sci-Fi, Action
Regie: Robert Schwentke
Cast: Shailene Woodley, Theo James, Octavia Spencer


Laufzeit: 119 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH


(c) Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt: 

In einer nahen Zukunft ist die Stadt Chicago von der Außenwelt abgeschnitten und die Menschen sind entsprechend ihrer Fähigkeiten in fünf Gruppen eingeteilt: Ferox (die Furchtlosen), Altruan (die Selbstlosen), Candor (die Freimütigen), Ken (die Gelehrten) und Amite (die Friedfertigen). Nach ihrem Konflikt mit der skrupellosen Ken-Anführerin Jeanine Matthews (Kate Winslet) und ihrer Flucht steht die Unbestimmte Beatrice Prior (Shailene Woodley) mehr denn je zwischen den Fronten. Sie gehört nicht eindeutig einer der Fraktionen an und wird daher genauso wie ihr ehemaliger Trainingsleiter Four (Theo James), der sie  begleitet, als Gefahr betrachtet. Aber genau diese Vielseitigkeit der Unbestimmten braucht Jeanine nun, denn nur sie können eine rätselhafte Box öffnen, in der die skrupellose Chefin der Gelehrten eine wichtige Geheimbotschaft vermutet. Die Ken verstärken ihre Anstrengungen, Tris und ihresgleichen zu finden. 

Bewertung:

Im inoffiziellen Duell der beiden zumindest in den USA erfolgreichsten Dystopien-für-Teenager-Franchises „The Hunger Games“ und „Divergent“ hatten die Tribute von Panem (der abschließende vierte Film „Mockingjay Teil 2“ kommt im November 2015) bisher nicht nur zeitlich die Nase vorn. Verkaufszahlen, Einspielergebnisse und Kritikerecho sprachen ebenfalls bisher für Katniss Everdeen alias Jennifer Lawrence und ihre Rebellion. Das dürfte sich auch mit „Die Bestimmung – Insurgent“ nicht wesentlich ändern, mit dem Shailene Woodleys Tris Prior nun in die zweite Runde geht. Obwohl sichtbar versucht wurde, dem neuen Film gegenüber dem Reihenauftakt „Die Bestimmung – Divergent“ frische Impulse zu geben, kommt das SciFi-Action-Drama von Robert Schwentke („R.E.D.“, „Flightplan“), der Neil Burger („Ohne Limit“) auf dem Regiestuhl ersetzte, trotz einer ebenso engagierten wie charismatischen Hauptdarstellerin nicht über das Mittelmaß hinaus.  

Der ganze Film ist sehr stark auf Tris und ihre Sicht zugeschnitten (was der Ich-Perspektive des Romans entspricht) und ruht damit fast vollständig auf Shailene Woodleys Schultern. Auch sie kann den knappen Szenen mit Four (auch Theo James‘ Rolle ist unterbelichtet) indes keine emotionale Nachhaltigkeit verleihen, die große Liebesgeschichte wurde wie so vieles offenbar für das doppelte Finale in „Die Bestimmung – Allegiant“ aufgespart. Dennoch ist es hauptsächlich Woodley zu verdanken, dass „Insurgent“ auch für Zuschauer, die weder „Divergent“ gesehen noch die Bücher gelesen haben und für die dieser Film trotz vieler erklärender Szenen nur schwer verständlich sein dürfte, nicht in Langeweile versinkt. Es ist ein echtes Vergnügen zu sehen, wie die Jungschauspielerin selbst in allzu offensichtlichen Szenen (etwa wenn der Neuanfang durch einen selbst verpassten Kurzhaarschnitt, der zudem nach angesagter 200-Dollar-Frisur aussieht, äußeren Ausdruck finden soll) noch einen Kern von Glaubwürdigkeit herausarbeitet.

Woodley gelingt es in einer aufreibenden Sequenz, in der sie unter dem Einfluss eines Wahrheitsserums gesteht, ihren Freund Will getötet zu haben (was im ersten Film arg beiläufig abgehandelt wurde), durch ihre Intensität sogar fast, erzählerische Defizite im Alleingang auszugleichen. Regisseur Schwentke weiß, was er an ihr hat und so werden die abschließenden Prüfungen, wenn Tris in lebensgefährlichen Simulationen ihre Vielseitigkeit beweisen muss, zu kleinen Höhepunkten, auch wenn die fast messianische Überhöhung der Figur am Ende aus den Resten eines Teenager-Dramas auf nicht gerade überzeugende Art einen Superhelden-Film macht. Als Tris buchstäblich mit sich selbst kämpft, wirkt das Effekt-Brimborium drumherum zwar etwas übertrieben, aber wenn Woodley an einem brennenden Haus hängend über die Ruinen des zerstörten Chicago fliegt, dann lohnt sich der 3D-Blockbuster-Aufwand alleine für diese Szene. Überhaupt werden die Story-Defizite - bei genauerer Betrachtung erweist sich auch die Boxen-Prämisse als äußerst wackelig – zumindest teilweise durch die meist überzeugenden Effekte und das abwechslungsreiche Produktionsdesign ausgeglichen.

Fazit

Die überzeugende Hauptdarstellerin und einige beeindruckende Schauwerte stehen einer unausgegorenen Geschichte gegenüber. Daher gibts nicht mehr als 6 von 10 Punkte. (mk)