Mittwoch, 28. Januar 2015

Baymax - Riesiges Robowabohu 3D



Genre: Animation
FSK: ab 6 Jahre
Länge: 102 Minuten
Darsteller: Ryan Potter, Scott Adsit, Jamie Chung
Verleih: Walt Disney Germany



(c) Walt Disney Germany


Inhalt: 

Hiro Hamada (Stimme: Ryan Potter) ist ein brillanter Teenager und lebt in der futuristischen Stadt San Fransokyo, wo er sein geniales Erfindertalent aber bei weitem nicht so nutzt, wie es sein Bruder Tadashi (Daniel Henney) gerne hätte. Als dieser stirbt, findet Hiro den aufblasbaren Roboter Baymax (Scott Adsit), der von Tadashi entwickelt wurde, um Menschen mit Schmerzen zu helfen. Baymax' tatkräftige Unterstützung kann der aufgeweckte Junge gut gebrauchen, droht doch schon bald ein mysteriöser Mann mit einer Kabuki-Maske damit, seine Heimatstadt zu zerstören. Mit der Hilfe von Baymax und Tadashis Freunden Go Go Tomago (Jamie Chung), Wasabi (Damon Wayans Jr.), Honey Lemon (Genesis Rodriguez) und Fred (T.J. Miller) beschließt Hiro, alles zu tun, um die Katastrophe zu verhindern. Dazu stattet er seine Mitstreiter mit allerlei nützlichen High-Tech-Gerätschaften aus. Gemeinsam sind sie von nun an die "Big Hero 6"...

Bewertung:

In „Baymax - Riesiges Robowabohu“ gibt es zwei ganz klare Stars: den Roboter Baymax und den Schauplatz. Die Geschichte ist in der fiktiven Stadt San Fransokyo angesiedelt, die wie es der Name schon andeutet eine Mischung aus San Francisco und Tokio ist. Die Macher haben dafür ganz San Francisco mit all seinen bekannten Brücken und Erhebungen in den Computer eingescannt und als Vorlage für die Filmmetropole verwendet. Zahlreiche Gebäude tauschten sie aber gegen Bauwerke aus Tokio aus, machten zudem die aus Filmklassikern wie „Is' was, Doc?“ und „Dirty Harry“ bekannten Straßenrampen noch steiler. Herausgekommen ist eine beeindruckende futuristische Stadt, die vor allem in ihrem Detail- und Abwechslungsreichtum im Animationsfilm ihresgleichen sucht. Man hat immer den Eindruck, dass es hinter der nächsten Straßenbiegung noch mehr zu entdecken gibt und dass die Computer-Welt kein Ende hat. So toll diese Kulisse auch ist, für die Handlung ist natürlich der zweite Star viel wichtiger: Baymax spielt sich in der Hitliste der Filmroboter im Nullkommanichts ganz nach vorne. Die Regisseure und ihre Autoren borgten sich aus dem relativ unbekannten Marvel-Comic „Big Hero 6“ nur die Grundidee und ein paar Einzelheiten. Vor allem die Baymax-Figur gestalteten sie im Vergleich zur Vorlage komplett neu, das gilt sowohl optisch (aus einer Panzerung wurde ein aufblasbares Riesen-Knautschkissen), als auch für seine Persönlichkeit.

Baymax ist grundgut. Er ist darauf programmiert, Schmerzen zu mildern und zu heilen. Der tollpatschige Roboter, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, steht also plötzlich vor einem Dilemma: Um Hiros Pein zu lindern, müsste er ihm eigentlich helfen, seine Rache-Gelüste zu befriedigen. Zwar nicht subtil, aber trotzdem gekonnt, wird hier die moralische Frage eingewoben, wie weit Hiro und seine Freunde gehen dürfen, wenn sie als selbsternannte Superhelden für Recht und Ordnung kämpfen. Mit ernsten Themen wie diesem oder auch dem Tod von Hiros Bruder (ein für einen Familienfilm sehr düsterer Moment, der so früh im Film erhebliche Wirkung entfaltet) setzen die Filmemacher gezielte dunkle Akzente in einem ansonsten vornehmlich amüsanten Unterhaltungsfilm. Und für die zahlreichen Lacher sorgt auch in erster Linie Baymax: Ob er Bekanntschaft mit einer dicken Katze macht, sich bei fast leerer Batterie wie ein Betrunkener aufführt oder ob er – ein immer wieder genutzter Running Gag – einfach nur etwas langsam und ungeschickt ist, dieser schon jetzt kultige Roboter macht jede einzelne Szene zum Genuss.



(c) Walt Disney Germany

Bei einem so starken Helden fällt es kaum ins Gewicht, dass die Jagd auf den mysteriösen Maskenträger, dessen Identität letztlich auch nicht besonders überraschend ist, aus recht beliebig aneinandergereihten Einzelszenen besteht und dass alle Figuren außer Baymax mehr oder weniger unterentwickelt bleiben. Mit dem erst rebellischen, später verbitterten Teenager Hiro als eigentlicher Hauptfigur kann man immerhin recht gut mitfühlen, seine vier Gefährten sind aber nur Beiwerk. Sie werden schnell auf eine besondere Eigenschaft reduziert, die dann auch ihre jeweilige Superhelden-Persona bestimmt: GoGo Tomago (Jamie Chung) liebt die Geschwindigkeit und saust mit High-Tech-Rädern durch die Gegend; Wasabi (Damon Wayans Jr.) ist ein mit scharfen Plasma-Klingen bewaffneter Hüne, aber trotzdem ein ängstlicher Neurotiker; das süße Girlie Honey Lemon (Genesis Rodriguez) entpuppt sich als Chemie-Expertin, die schließlich mit pinken Glibber-Kugeln um sich wirft. Nur Ober-Nerd Fred (T.J. Miller/Andreas Bourani) fällt aus der Reihe. Der Comic-Fan ist nicht hochbegabt und dient der Gruppe als eine Art Maskottchen. Als Godzilla-Verschnitt Fredzilla (ein feuerspuckendes Gummimonster) hat er das abgefahrenste Helden-Kostüm und wir erfahren sogar ein wenig über seinen persönlichen Hintergrund. Die Nebenfiguren bleiben ansonsten eindimensional, auch wenn sie sich bei den ordentlichen Action-Szenen austoben dürfen. Die „Big Hero 6“ sind hier noch so etwas wie die „Big Hero 2 + 4“, wobei die Marvel-typische Szene nach dem Abspann verrät, dass sich dies in einer Fortsetzung ändern könnte.

Mein Fazit:

„Baymax - Riesiges Robowabohu“ bietet großen Familien-Kino-Spaß mit Humor und Herz. Nur in Sachen Story und Spannung gibt es für eine mögliche Fortsetzung noch etwas Luft nach oben… 7 von 10 knuddligen Punkten. (mk)

Mittwoch, 14. Januar 2015

Frau Müller muss weg

Facts:

Genre: Komödie
Regie: Sönke Wortmann
Cast: Gabriela Maria Schmeide, Justus Von Dohnanyi, Anke Engelke
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Constantin
 
 
(c) Constantin
 
Inhalt: 

Bei einem außerplanmäßigen Treffen mit der Klassenlehrerin Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) gibt es einiges zu bereden. Die Kinder sind mit unmöglichen Zensuren nach Hause gekommen. Wie sollen sie es denn mit so einem Übergangszeugnis aufs Gymnasium schaffen? Höchste Zeit, mal ein ernstes Wort mit Frau Müller zu reden. Die knallharte Karrierefrau Jessica Hövel (Anke Engelke) erklärt sich schnell selbst zur Sprecherin der Elterngruppe. Dem arbeitslosen Wolf Heider (Justus Von Dohnanyi) passt das nicht in den Kram und er versucht, die Diskussion immer wieder auf sich und sein Kind zu lenken. Dem Ehepaar Patrick (Ken Duken) und Marina Jeskow (Mina Tander) geht es vor allem um die Ausgrenzung ihres begabten Sohnes, während die alleinerziehende Mutter Katja Grabowski (Alwara Höfels) nur aus Solidarität mitgekommen ist, denn ihre Tochter ist die Klassenbeste. Doch Frau Müller hat keinesfalls vor, die Klasse abzugeben. Stattdessen konfrontiert sie die ahnungslosen Eltern mit dem Verhalten ihrer Kinder. Plötzlich muss sich nicht mehr Frau Müller rechtfertigen, sondern es sind die Eltern, die ob ihrer eigenen Versäumnisse in Erklärungsnot geraten…

Bewertung:

Sönke Wortmann, Regisseur solcher Monsterhits wie „Der bewegte Mann“ (6,5 Millionen Zuschauer) und „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (4,0 Millionen Zuschauer), hat mit seinen beiden vorigen Filmen „Das Hochzeitsvideo“ (103.000 Zuschauer) und „Schoßgebete“ (53.000 Zuschauer) an der Kinokasse Schiffbruch erlitten. Ob sich dieser Trend nun ändert, ist natürlich schwer vorherzusagen, aber die Voraussetzungen für eine Kehrtwende sind gut, denn „Frau Müller muss weg“ ist ein furioser Film, den man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Wortmann inszenierte das gleichnamige Stück von Lutz Hübner bereits 2012 am Berliner GRIPS-Theater und auch in die Verfilmung investiert der dreifache Familienvater nun viel Herzblut. Anders als etwa beim eher harmlosen Pennäler-Schwank „Fack Ju Göhte“ bilden hier ernste gesellschaftliche Probleme das Rückgrat der Erzählung und die verliert Wortmann nie aus den Augen. Zielgenau wird in alle Richtungen ausgeteilt: Die Eltern bekommen ihr Fett weg, das Bildungssystem wird auf den Prüfstand gestellt und ganz nebenbei lassen die Filmemacher Deutschland Ost und Deutschland West ihre von Klischees und Vorurteilen befeuerte Dauerfehde ausfechten.

Die Herkunft von der Bühne ist „Frau Müller muss weg“ indes deutlich anzumerken. Die gesamte Handlung spielt sich auf dem Schulgelände ab, zunächst nur in einem Raum. Das mag die formalen Gestaltungsmöglichkeiten des Regisseurs beschränken, aber die Konzentration erweist sich andererseits durchaus als Vorteil, denn so kommen die Stärken des hervorragenden Drehbuchs von Sarah Nemitz, Oliver Ziegenbalg („Friendship“, „Russendisko“) und Vorlagen-Autor Hübner voll zur Geltung. Die Figuren sind zwar alle Stereotype, doch die prallen hier in einer perfekt ausbalancierten Versuchsanordnung aufeinander und tragen pointierte und stellenweise sehr böse Dialogduelle aus. Die sechs Hauptdarsteller zeigen sich dieser Herausforderung ihrerseits allesamt gewachsen, sodass aus der Konfrontation immer wieder Einsichten und Aha-Erlebnisse (mehr für den Zuschauer als für die Figuren) hervorgehen. Durch geschickt eingeflochtene Nebenstränge wird zudem für Abwechslung gesorgt, ohne dass das Hauptthema je aus den Augen verloren oder die Spannung nachlassen würde. Im Gegenteil: Je mehr Zeit ins Land zieht, desto offener sind die Visiere der Streitenden.

Komikerin, Moderatorin und Gelegenheitsschauspielerin Anke Engelke („Der Wixxer“) läuft in „Frau Müller muss weg“ zur Höchstform auf. Ihr Business-Anzug tragendes Karrierebiest Jessica Hövel ist tough, angriffslustig und gnadenlos – und hält die Truppe mit seiner militärisch-forschen Art permanent auf Trab. Justus von Dohnanyi („Der Untergang“) und Alwara Höfels („Fack Ju Göhte“) bilden im Kontrast dazu ein kurioses Gespann der leiseren, aber nicht unbedingt friedlicheren Töne und haben hauptsächlich mit sich selbst zu tun (abgesehen vom Kampf mit einer Kaffeemaschine), während Ken Duken („Northmen“) und Mina Tander („Buddy“) ihre Ehekrise im Nebenzimmer austragen. Es ist immer etwas los, jeder hat unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu blicken, Lebensmodelle werden einem harten Stresstest unterzogen. Die Probleme, Ansprüche und Sehnsüchte bleiben dabei für den Betrachter stets wiedererkennbar - trotz mancher satirischer Überspitzung. Das dringend nötige Gegengewicht zu den hyperventilierenden Eltern verkörpert Gabriele Maria Schmeide („Das weiße Band“) als gutmütige Lehrerin, die sich so einiges zu Herzen nimmt, sich aber trotzdem nicht mit einem halbherzigen Lob für ihre tollen Bastelarbeiten abspeisen lässt.

Mein Fazit: 
 
Mit Eltern von Schulkindern ist nicht zu spaßen, trotzdem gibt es in Sönke Wortmanns pointierter Gesellschaftskomödie „Frau Müller muss weg“ jede Menge zu lachen: „Gott des Gemetzels“ trifft „Breakfast Club“ mit einer herrlichen Anke Engelke. 7,5 von 10 Punkte (mk)

Sonntag, 11. Januar 2015

96 Hours - Taken 3

Facts:

Genre: Action
Regie: Oliver Megaton
Cast: Liam Neeson, Forest Whitaker, Famke Janssen
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH

(c) Universum Film GmbH


Inhalt:

Ex-CIA-Agent und Familienvater Bryan Mills (Liam Neeson) rettete seine Tochter Kim (Maggie Grace) und deren Mutter Lenore (Famke Janssen) bereits zwei Mal aus den bedrohlichsten Situationen. Diesmal muss er sich primär um die eigene Haut kümmern – Mills wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall, dessen Opfer ihm sehr nahe stand. Der Einzelkämpfer sieht nur eine Möglichkeit, seine Unschuld zu beweisen: Er muss den Killer selbst ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Seine in vielen gefährlichen Missionen geschulten, ebenso besonderen wie tödlichen Fähigkeit setzt Mills aber nicht nur für die Jagd ein, sondern auch, um sich die Polizei vom Hals zu halten. Diese fahndet mit allen Mitteln nach dem früheren Spion, angeführt von dem hartnäckigen Polizeiinspektor Franck Dotzler (Forest Whitaker)…

Bewertung:
 
Der überraschende Erfolg von Pierre Morels dreckigem B-Movie-Bastard „96 Hours“ kam 2008 aus dem absoluten Nichts. Ein mit dem Wort kompromisslos nur unzureichend drastisch beschriebener Ex-CIA-Familienvater, der seine entführte Tochter heimholen wollte, hinterließ im Nahkampf mit tollwütigen Gangsterschergen eine Spur der Verwüstung – das war politisch höchst unkorrekt und moralisch ausgesprochen fragwürdig, aber auch ein Riesenspaß für Freunde unkonventioneller Action. Bei der unvermeidlichen Fortsetzung „96 Hours - Taken 2“ fiel es weniger ins Gewicht, dass schon wieder jemand gekidnappt wurde, aber indem Nachfolgeregisseur Olivier Megaton („Colombiana“, „Transporter 3“) die Ecken und Kanten abschliff und den Film auf Action-Blockbuster trimmte, ging der ungehobelte Charme des Originals verloren. Anschließend winkten dann sowohl Megaton als auch Hauptdarsteller Liam Neeson dankend ab, als es um die Aussichten auf eine weitere Fortsetzung ging.

Nun kommt es doch anders und es ist davon auszugehen, dass die Studiobosse gute Argumente gehabt haben, um Star und Regisseur zur Rückkehr zu bewegen. Eines wird aber angesichts des fertigen Films schnell klar: Das Drehbuch war es sicherlich nicht. Was Produzent und Vielschreiber Luc Besson („Lucy“) hier mit seinem Partner Robert Mark Kamen zusammengeschustert hat, ergibt von der Handlungslogik her wenig bis gar keinen Sinn und speist sich überdies aus lahmen Copfilm-Klischees der vergangenen drei Jahrzehnte – von den bösen Russen bis zu den dümmlichen, donutmampfenden Polizisten. Die Inszenierung wiederum erinnert an den zweiten Teil, bei dem Olivier Megaton den Staffelstab von Pierre Morel übernahm. Man merkt dem technisch versierten Franzosen seine Herkunft aus der Regieschmiede von Luc Bessons Produktionsteam an: Hochglanzoptik, rasanter Schnitt, satte Action. Dieser Standard sichert „96 Hours - Taken 3“ (ein kurioser, weil mittlerweile vollkommen sinnloser Titel übrigens) einen gewissen Unterhaltungswert, von der laut Megaton beabsichtigten Rückkehr zu den Wurzeln des ersten Teils ist allerdings nichts zu spüren.

Auch wenn die Entscheidung, nicht schon wieder eine Person entführen zu lassen, ebenso richtig wie logisch war, hakt die Story schon bei der Prämisse. Es ist kaum nachvollziehbar, warum Bryan Mills, der ganz offensichtlich nicht der Täter ist, sich nicht einfach in die Hände der Polizei begibt, um die Sache zu klären. Stattdessen vermöbelt er die Gesetzeshüter reihenweise, verursacht monströse Kollateralschäden an Gangstern, Gebäuden und Fahrzeugen und tritt in einem Zwei-Fronten-Krieg gegen gleich zwei Gegenspieler an. Dabei verkörpert Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland“) den ausschließlich mit dem Gehirn ermittelnden Cop Dotzler routiniert im Gestus des Intellektuellen, der zwar weiß, dass Mills unschuldig ist, ihn aber trotzdem jagt (man denkt an „Auf der Flucht“). Den Drahtzieher des ganzen Komplotts wiederum an dieser Stelle zu verraten, verbietet sich aus Gründen der Fairness. Nur soviel: Schwer zu erraten ist er nicht!

Bei dem erst im fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere zum Actionstar aufgestiegenen Liam Neeson („Non-Stop“, „Unknown Identity“) zeigen sich indes Abnutzungserscheinungen. Durch den hektischen Schnitt vieler Szenen geht nicht nur oft die Übersichtlichkeit verloren, es wird auch klar, dass Neesons Stuntdouble gut beschäftigt war. Der Star setzt dem seine natürliche Autorität entgegen, auch im Nahkampf zeigt er Präsenz. Von dem Grimm und der Kompromisslosigkeit des Originals, als sich Mills förmlich durch Paris berserkerte, ist allerdings auch in seiner Darstellung nicht mehr viel zu spüren, was allerdings damit zusammenhängt, dass Mills diesmal vom Jäger zum Gejagten wird. Beibehalten wurde dagegen die stereotype Zeichnung der Gangster: Die hier als Hauptschergen auftretenden finsteren Russen sind genauso dumpf porträtiert wie zu ihrer Blütezeit als Hollywood-Bösewichte in den 80er Jahren. Aber immerhin geht Bryan Mills wenigstens mit der Zeit, denn das von der CIA geschätzte Waterboarding hat der Ex-Agent richtig gut drauf…

Mein Fazit:

Mal wieder eine Fortsetzung, die die Hollywood Welt nicht gebraucht hätte. Der Film reicht völlig als DVD Release zum heimischen Kinoabend. Für mehr als 3 von 10 Punkten reichts daher auch nicht. (mk)

Freitag, 2. Januar 2015

Herz aus Stahl OV

Facts:

Genre: Action, Drama
Regie: David Ayer
Cast: Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Sony Pictures Deutschland
 
 
(c) Sony Pictures Deutschland
 
Inhalt:
 
Als die alliierten Streitkräfte im April 1945 zum finalen Schlag gegen das Dritte Reich ansetzen, hat Hitlers dezimierte Wehrmacht mit ihren Tiger-Panzern immer noch ein Ass im Ärmel: Während die deutschen Geschosse die Panzerung der alliierten Fahrzeuge leicht durchschlagen, prallt das US-Feuer an den deutschen Panzern meist wirkungslos ab. Trotz dieser technischen Unterlegenheit kämpfen Panzerführer Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) und seine Crew bestehend aus dem Schützen Boyd „Bible“ Swan (Shia LaBeouf), dem Ladeschützen Grady „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) und dem Fahrer Trini „Gordo“ Garcia (Michael Peña) nun schon seit dem Afrikafeldzug gemeinsam gegen die Achsenmächte. Nur den Bugschützen ihres „Fury“ getauften Panzers hat es beim letzten Einsatz erwischt, weshalb der Besatzung als Ersatz der unerfahrene Norman Ellison (Logan Lerman) zugeteilt wird. Erst vor wenigen Wochen als Schreibkraft zur Armee gestoßen, hat dieser nicht nur noch nie einen Panzer von innen gesehen, er kann sich auch nicht dazu überwinden, Nazis zu töten…  

Bewertung:

Der Regisseur David Ayer war schon immer ein Filmemacher mit einem Hang zum Genrekino („End of Watch“, „Sabotage“) und diese Vorliebe verleugnet er auch in seinem Kriegsfilm nicht. Die Atmosphäre von „Herz aus Stahl“ ist grimmig bis zum Gehtnichtmehr, aber die Actionszenen sind dennoch auch mitreißende Unterhaltung (verkommen dabei aber anders als etwa in Peter Bergs dummdreist-patriotischem „Lone Survivor“ nie zum bloßen Selbstzweck). Neben einem ungleichen Panzerduell (selbst drei US-Panzer haben gegen einen deutschen Tiger kaum eine Chance) stechen dabei vor allem die Maschinengewehrgefechte mit einer im ersten Moment verwunderlichen, aber dann doch beeindruckenden Eigenheit visuell heraus: Wie auch reale Archivaufnahmen von damaligen Gefechten zeigen, haben die Deutschen grüne und die Amerikaner rote Leuchtspurmunition verwendet – und Ayer ist nun einer der ersten Regisseure, der diesen Fakt als bewusstes Stilmittel einsetzt. So erinnern die Duelle zwar ein wenig an „Krieg der Sterne“-Laserduelle, aber sie entfalten auch eine ungewöhnlich unmittelbare Wirkung, weil der Zuschauer die Kugeln nicht nur zischen hört, sondern ihre Spur auch mit den Augen nachvollziehen kann.
 
Oscar-Preisträger Brad Pitt (als Produzent von „12 Years A Slave“) verkörpert in „Herz aus Stahl“ so etwas wie eine geerdete Version seines naziskalpierenden Lt. Aldo Raine aus Quentin Tarantinos Geschichtsumschreibung „Inglourious Basterds“: Mit seiner rauen Ausstrahlung ist Wardaddy für sein Team Anführer, Vaterfigur und Idol in einem. Aber auch wenn Pitt den Film mit seinem einnehmenden Charme allein tragen könnte, sticht einer seiner Co-Stars aus der insgesamt hervorragenden Besetzung besonders heraus: „Herz aus Stahl“ ist in den Wochen nach dem US-Start zwar weitestgehend aus den Oscar-Diskussionen verschwunden (was weniger an der Qualität des Films liegt als an dem Umstand, dass er eben doch die DNA eines Genrefilms in sich trägt und die meisten Oscar-Wähler klassische Zweite-Weltkriegs-Dramenkost wie etwa Angelina Jolies „Unbroken“ bevorzugen), aber wenn der Film noch ernsthaft im Rennen wäre, müsste Shia LaBeouf ganz oben auf den Listen möglicher Nominierungs-Kandidaten stehen. Dessen schlagzeilenträchtigen Method-Acting-Sperenzchen (er hat wochenlang nicht geduscht, sich selbst einen Zahn gezogen und den Panzer nur verlassen, wenn er von den Sicherheitsleuten dazu gezwungen wurde) zahlen sich nämlich tatsächlich aus und obwohl er als bibeltreuer Schütze der Ruhigste der Truppe ist, strahlt LaBeouf selbst in den Momenten eine faszinierende Präsenz aus, in denen er nur beobachtend in der Ecke sitzt.
 
 
Mein Fazit:

„Herz aus Stahl“ ist intensiv-klaustrophobische Genre-Action und vehement-fatalistisches Anti-Kriegs-Pamphlet in einem. Dafür vergeben wir 7 von 10 Punkte (mk)