Facts:
Genre: Komödie
Regie: Sönke Wortmann
Genre: Komödie
Regie: Sönke Wortmann
Cast: Gabriela Maria Schmeide, Justus Von Dohnanyi, Anke Engelke
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Constantin
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Constantin
Inhalt:
Bei einem außerplanmäßigen Treffen mit der Klassenlehrerin Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) gibt es einiges zu bereden. Die Kinder sind mit unmöglichen Zensuren nach Hause gekommen. Wie sollen sie es denn mit so einem Übergangszeugnis aufs Gymnasium schaffen? Höchste Zeit, mal ein ernstes Wort mit Frau Müller zu reden. Die knallharte Karrierefrau Jessica Hövel (Anke Engelke) erklärt sich schnell selbst zur Sprecherin der Elterngruppe. Dem arbeitslosen Wolf Heider (Justus Von Dohnanyi) passt das nicht in den Kram und er versucht, die Diskussion immer wieder auf sich und sein Kind zu lenken. Dem Ehepaar Patrick (Ken Duken) und Marina Jeskow (Mina Tander) geht es vor allem um die Ausgrenzung ihres begabten Sohnes, während die alleinerziehende Mutter Katja Grabowski (Alwara Höfels) nur aus Solidarität mitgekommen ist, denn ihre Tochter ist die Klassenbeste. Doch Frau Müller hat keinesfalls vor, die Klasse abzugeben. Stattdessen konfrontiert sie die ahnungslosen Eltern mit dem Verhalten ihrer Kinder. Plötzlich muss sich nicht mehr Frau Müller rechtfertigen, sondern es sind die Eltern, die ob ihrer eigenen Versäumnisse in Erklärungsnot geraten…
Bewertung:
Sönke Wortmann, Regisseur solcher Monsterhits wie „Der bewegte Mann“ (6,5 Millionen Zuschauer) und „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (4,0 Millionen Zuschauer), hat mit seinen beiden vorigen Filmen „Das Hochzeitsvideo“ (103.000 Zuschauer) und „Schoßgebete“ (53.000 Zuschauer) an der Kinokasse Schiffbruch erlitten. Ob sich dieser Trend nun ändert, ist natürlich schwer vorherzusagen, aber die Voraussetzungen für eine Kehrtwende sind gut, denn „Frau Müller muss weg“ ist ein furioser Film, den man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Wortmann inszenierte das gleichnamige Stück von Lutz Hübner bereits 2012 am Berliner GRIPS-Theater und auch in die Verfilmung investiert der dreifache Familienvater nun viel Herzblut. Anders als etwa beim eher harmlosen Pennäler-Schwank „Fack Ju Göhte“ bilden hier ernste gesellschaftliche Probleme das Rückgrat der Erzählung und die verliert Wortmann nie aus den Augen. Zielgenau wird in alle Richtungen ausgeteilt: Die Eltern bekommen ihr Fett weg, das Bildungssystem wird auf den Prüfstand gestellt und ganz nebenbei lassen die Filmemacher Deutschland Ost und Deutschland West ihre von Klischees und Vorurteilen befeuerte Dauerfehde ausfechten.
Die Herkunft von der Bühne ist „Frau Müller muss weg“ indes deutlich anzumerken. Die gesamte Handlung spielt sich auf dem Schulgelände ab, zunächst nur in einem Raum. Das mag die formalen Gestaltungsmöglichkeiten des Regisseurs beschränken, aber die Konzentration erweist sich andererseits durchaus als Vorteil, denn so kommen die Stärken des hervorragenden Drehbuchs von Sarah Nemitz, Oliver Ziegenbalg („Friendship“, „Russendisko“) und Vorlagen-Autor Hübner voll zur Geltung. Die Figuren sind zwar alle Stereotype, doch die prallen hier in einer perfekt ausbalancierten Versuchsanordnung aufeinander und tragen pointierte und stellenweise sehr böse Dialogduelle aus. Die sechs Hauptdarsteller zeigen sich dieser Herausforderung ihrerseits allesamt gewachsen, sodass aus der Konfrontation immer wieder Einsichten und Aha-Erlebnisse (mehr für den Zuschauer als für die Figuren) hervorgehen. Durch geschickt eingeflochtene Nebenstränge wird zudem für Abwechslung gesorgt, ohne dass das Hauptthema je aus den Augen verloren oder die Spannung nachlassen würde. Im Gegenteil: Je mehr Zeit ins Land zieht, desto offener sind die Visiere der Streitenden.
Komikerin, Moderatorin und Gelegenheitsschauspielerin Anke Engelke („Der Wixxer“) läuft in „Frau Müller muss weg“ zur Höchstform auf. Ihr Business-Anzug tragendes Karrierebiest Jessica Hövel ist tough, angriffslustig und gnadenlos – und hält die Truppe mit seiner militärisch-forschen Art permanent auf Trab. Justus von Dohnanyi („Der Untergang“) und Alwara Höfels („Fack Ju Göhte“) bilden im Kontrast dazu ein kurioses Gespann der leiseren, aber nicht unbedingt friedlicheren Töne und haben hauptsächlich mit sich selbst zu tun (abgesehen vom Kampf mit einer Kaffeemaschine), während Ken Duken („Northmen“) und Mina Tander („Buddy“) ihre Ehekrise im Nebenzimmer austragen. Es ist immer etwas los, jeder hat unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu blicken, Lebensmodelle werden einem harten Stresstest unterzogen. Die Probleme, Ansprüche und Sehnsüchte bleiben dabei für den Betrachter stets wiedererkennbar - trotz mancher satirischer Überspitzung. Das dringend nötige Gegengewicht zu den hyperventilierenden Eltern verkörpert Gabriele Maria Schmeide („Das weiße Band“) als gutmütige Lehrerin, die sich so einiges zu Herzen nimmt, sich aber trotzdem nicht mit einem halbherzigen Lob für ihre tollen Bastelarbeiten abspeisen lässt.
Mein Fazit:
Mit Eltern von
Schulkindern ist nicht zu spaßen, trotzdem gibt es in Sönke Wortmanns
pointierter Gesellschaftskomödie „Frau Müller muss weg“ jede Menge zu
lachen: „Gott des Gemetzels“ trifft „Breakfast Club“ mit einer herrlichen Anke Engelke. 7,5 von 10 Punkte (mk)

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