Sonntag, 11. Januar 2015

96 Hours - Taken 3

Facts:

Genre: Action
Regie: Oliver Megaton
Cast: Liam Neeson, Forest Whitaker, Famke Janssen
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH

(c) Universum Film GmbH


Inhalt:

Ex-CIA-Agent und Familienvater Bryan Mills (Liam Neeson) rettete seine Tochter Kim (Maggie Grace) und deren Mutter Lenore (Famke Janssen) bereits zwei Mal aus den bedrohlichsten Situationen. Diesmal muss er sich primär um die eigene Haut kümmern – Mills wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall, dessen Opfer ihm sehr nahe stand. Der Einzelkämpfer sieht nur eine Möglichkeit, seine Unschuld zu beweisen: Er muss den Killer selbst ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Seine in vielen gefährlichen Missionen geschulten, ebenso besonderen wie tödlichen Fähigkeit setzt Mills aber nicht nur für die Jagd ein, sondern auch, um sich die Polizei vom Hals zu halten. Diese fahndet mit allen Mitteln nach dem früheren Spion, angeführt von dem hartnäckigen Polizeiinspektor Franck Dotzler (Forest Whitaker)…

Bewertung:
 
Der überraschende Erfolg von Pierre Morels dreckigem B-Movie-Bastard „96 Hours“ kam 2008 aus dem absoluten Nichts. Ein mit dem Wort kompromisslos nur unzureichend drastisch beschriebener Ex-CIA-Familienvater, der seine entführte Tochter heimholen wollte, hinterließ im Nahkampf mit tollwütigen Gangsterschergen eine Spur der Verwüstung – das war politisch höchst unkorrekt und moralisch ausgesprochen fragwürdig, aber auch ein Riesenspaß für Freunde unkonventioneller Action. Bei der unvermeidlichen Fortsetzung „96 Hours - Taken 2“ fiel es weniger ins Gewicht, dass schon wieder jemand gekidnappt wurde, aber indem Nachfolgeregisseur Olivier Megaton („Colombiana“, „Transporter 3“) die Ecken und Kanten abschliff und den Film auf Action-Blockbuster trimmte, ging der ungehobelte Charme des Originals verloren. Anschließend winkten dann sowohl Megaton als auch Hauptdarsteller Liam Neeson dankend ab, als es um die Aussichten auf eine weitere Fortsetzung ging.

Nun kommt es doch anders und es ist davon auszugehen, dass die Studiobosse gute Argumente gehabt haben, um Star und Regisseur zur Rückkehr zu bewegen. Eines wird aber angesichts des fertigen Films schnell klar: Das Drehbuch war es sicherlich nicht. Was Produzent und Vielschreiber Luc Besson („Lucy“) hier mit seinem Partner Robert Mark Kamen zusammengeschustert hat, ergibt von der Handlungslogik her wenig bis gar keinen Sinn und speist sich überdies aus lahmen Copfilm-Klischees der vergangenen drei Jahrzehnte – von den bösen Russen bis zu den dümmlichen, donutmampfenden Polizisten. Die Inszenierung wiederum erinnert an den zweiten Teil, bei dem Olivier Megaton den Staffelstab von Pierre Morel übernahm. Man merkt dem technisch versierten Franzosen seine Herkunft aus der Regieschmiede von Luc Bessons Produktionsteam an: Hochglanzoptik, rasanter Schnitt, satte Action. Dieser Standard sichert „96 Hours - Taken 3“ (ein kurioser, weil mittlerweile vollkommen sinnloser Titel übrigens) einen gewissen Unterhaltungswert, von der laut Megaton beabsichtigten Rückkehr zu den Wurzeln des ersten Teils ist allerdings nichts zu spüren.

Auch wenn die Entscheidung, nicht schon wieder eine Person entführen zu lassen, ebenso richtig wie logisch war, hakt die Story schon bei der Prämisse. Es ist kaum nachvollziehbar, warum Bryan Mills, der ganz offensichtlich nicht der Täter ist, sich nicht einfach in die Hände der Polizei begibt, um die Sache zu klären. Stattdessen vermöbelt er die Gesetzeshüter reihenweise, verursacht monströse Kollateralschäden an Gangstern, Gebäuden und Fahrzeugen und tritt in einem Zwei-Fronten-Krieg gegen gleich zwei Gegenspieler an. Dabei verkörpert Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland“) den ausschließlich mit dem Gehirn ermittelnden Cop Dotzler routiniert im Gestus des Intellektuellen, der zwar weiß, dass Mills unschuldig ist, ihn aber trotzdem jagt (man denkt an „Auf der Flucht“). Den Drahtzieher des ganzen Komplotts wiederum an dieser Stelle zu verraten, verbietet sich aus Gründen der Fairness. Nur soviel: Schwer zu erraten ist er nicht!

Bei dem erst im fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere zum Actionstar aufgestiegenen Liam Neeson („Non-Stop“, „Unknown Identity“) zeigen sich indes Abnutzungserscheinungen. Durch den hektischen Schnitt vieler Szenen geht nicht nur oft die Übersichtlichkeit verloren, es wird auch klar, dass Neesons Stuntdouble gut beschäftigt war. Der Star setzt dem seine natürliche Autorität entgegen, auch im Nahkampf zeigt er Präsenz. Von dem Grimm und der Kompromisslosigkeit des Originals, als sich Mills förmlich durch Paris berserkerte, ist allerdings auch in seiner Darstellung nicht mehr viel zu spüren, was allerdings damit zusammenhängt, dass Mills diesmal vom Jäger zum Gejagten wird. Beibehalten wurde dagegen die stereotype Zeichnung der Gangster: Die hier als Hauptschergen auftretenden finsteren Russen sind genauso dumpf porträtiert wie zu ihrer Blütezeit als Hollywood-Bösewichte in den 80er Jahren. Aber immerhin geht Bryan Mills wenigstens mit der Zeit, denn das von der CIA geschätzte Waterboarding hat der Ex-Agent richtig gut drauf…

Mein Fazit:

Mal wieder eine Fortsetzung, die die Hollywood Welt nicht gebraucht hätte. Der Film reicht völlig als DVD Release zum heimischen Kinoabend. Für mehr als 3 von 10 Punkten reichts daher auch nicht. (mk)

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