Freitag, 2. Januar 2015

Herz aus Stahl OV

Facts:

Genre: Action, Drama
Regie: David Ayer
Cast: Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Sony Pictures Deutschland
 
 
(c) Sony Pictures Deutschland
 
Inhalt:
 
Als die alliierten Streitkräfte im April 1945 zum finalen Schlag gegen das Dritte Reich ansetzen, hat Hitlers dezimierte Wehrmacht mit ihren Tiger-Panzern immer noch ein Ass im Ärmel: Während die deutschen Geschosse die Panzerung der alliierten Fahrzeuge leicht durchschlagen, prallt das US-Feuer an den deutschen Panzern meist wirkungslos ab. Trotz dieser technischen Unterlegenheit kämpfen Panzerführer Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) und seine Crew bestehend aus dem Schützen Boyd „Bible“ Swan (Shia LaBeouf), dem Ladeschützen Grady „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) und dem Fahrer Trini „Gordo“ Garcia (Michael Peña) nun schon seit dem Afrikafeldzug gemeinsam gegen die Achsenmächte. Nur den Bugschützen ihres „Fury“ getauften Panzers hat es beim letzten Einsatz erwischt, weshalb der Besatzung als Ersatz der unerfahrene Norman Ellison (Logan Lerman) zugeteilt wird. Erst vor wenigen Wochen als Schreibkraft zur Armee gestoßen, hat dieser nicht nur noch nie einen Panzer von innen gesehen, er kann sich auch nicht dazu überwinden, Nazis zu töten…  

Bewertung:

Der Regisseur David Ayer war schon immer ein Filmemacher mit einem Hang zum Genrekino („End of Watch“, „Sabotage“) und diese Vorliebe verleugnet er auch in seinem Kriegsfilm nicht. Die Atmosphäre von „Herz aus Stahl“ ist grimmig bis zum Gehtnichtmehr, aber die Actionszenen sind dennoch auch mitreißende Unterhaltung (verkommen dabei aber anders als etwa in Peter Bergs dummdreist-patriotischem „Lone Survivor“ nie zum bloßen Selbstzweck). Neben einem ungleichen Panzerduell (selbst drei US-Panzer haben gegen einen deutschen Tiger kaum eine Chance) stechen dabei vor allem die Maschinengewehrgefechte mit einer im ersten Moment verwunderlichen, aber dann doch beeindruckenden Eigenheit visuell heraus: Wie auch reale Archivaufnahmen von damaligen Gefechten zeigen, haben die Deutschen grüne und die Amerikaner rote Leuchtspurmunition verwendet – und Ayer ist nun einer der ersten Regisseure, der diesen Fakt als bewusstes Stilmittel einsetzt. So erinnern die Duelle zwar ein wenig an „Krieg der Sterne“-Laserduelle, aber sie entfalten auch eine ungewöhnlich unmittelbare Wirkung, weil der Zuschauer die Kugeln nicht nur zischen hört, sondern ihre Spur auch mit den Augen nachvollziehen kann.
 
Oscar-Preisträger Brad Pitt (als Produzent von „12 Years A Slave“) verkörpert in „Herz aus Stahl“ so etwas wie eine geerdete Version seines naziskalpierenden Lt. Aldo Raine aus Quentin Tarantinos Geschichtsumschreibung „Inglourious Basterds“: Mit seiner rauen Ausstrahlung ist Wardaddy für sein Team Anführer, Vaterfigur und Idol in einem. Aber auch wenn Pitt den Film mit seinem einnehmenden Charme allein tragen könnte, sticht einer seiner Co-Stars aus der insgesamt hervorragenden Besetzung besonders heraus: „Herz aus Stahl“ ist in den Wochen nach dem US-Start zwar weitestgehend aus den Oscar-Diskussionen verschwunden (was weniger an der Qualität des Films liegt als an dem Umstand, dass er eben doch die DNA eines Genrefilms in sich trägt und die meisten Oscar-Wähler klassische Zweite-Weltkriegs-Dramenkost wie etwa Angelina Jolies „Unbroken“ bevorzugen), aber wenn der Film noch ernsthaft im Rennen wäre, müsste Shia LaBeouf ganz oben auf den Listen möglicher Nominierungs-Kandidaten stehen. Dessen schlagzeilenträchtigen Method-Acting-Sperenzchen (er hat wochenlang nicht geduscht, sich selbst einen Zahn gezogen und den Panzer nur verlassen, wenn er von den Sicherheitsleuten dazu gezwungen wurde) zahlen sich nämlich tatsächlich aus und obwohl er als bibeltreuer Schütze der Ruhigste der Truppe ist, strahlt LaBeouf selbst in den Momenten eine faszinierende Präsenz aus, in denen er nur beobachtend in der Ecke sitzt.
 
 
Mein Fazit:

„Herz aus Stahl“ ist intensiv-klaustrophobische Genre-Action und vehement-fatalistisches Anti-Kriegs-Pamphlet in einem. Dafür vergeben wir 7 von 10 Punkte (mk)

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