Freitag, 31. Oktober 2014

Pride



Facts:

Genre: Komödie, Drama
Regie:
Matthew Warchus
Cast: Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Senator Filmverleih


(c) Senator Filmverleih

Inhalt: 

Beim Londoner Demonstrationsmarsch „Gay Pride“ 1984 gerät der 20jährige provinziell-naive Joe (George McKay) in eine Gruppe rund um die Aktivisten Mike (Joseph Gilgun) und Mark (Ben Schnetzer). Diese wollen den landesweiten Kampf der streikenden Minenarbeiter mit ihrer Initiative „Lesbians and Gays Support the Miners“ (LGSM) unterstützen, geraten aber auf beiden Seiten auf Gegenwehr. Kurzentschlossen fährt man in die kleine Ortschaft Onllwyn in Südwales, bringt das gesammelte Geld direkt dorthin, wo es gebraucht wird und sorgt dafür, dass einige unrechtmäßig inhaftierte Arbeiter entlassen werden. In der Provinz begegnet man dabei – abgesehen von einigen unbelehrbaren und unerbittlichen Gegnern - größtenteils skeptischer aber wohlwollender Gastfreundlichkeit. Der lokale Anführer der „Miners“, Dai (Paddy Considine), ist der größte Unterstützer der seltsamen Verbrüderung, aber auch der schüchterne alte Cliff (Bill Nighy) und die resolute großherzige Hefina (Imelda Staunton) sehen die Chance, hier eine echte Veränderung voranzutreiben.

Bewertung:

Es ist eine glückliche Fügung, dass trotz mehrerer Schicksalsschläge in der Handlung für „Pride“ die wahre historische Geschichte um die Verbrüderung von Minenarbeitern und Gay-Aktivisten nicht als Drama, sondern als lockere Komödie realisiert wurde. Dabei konnte man zudem ein sehr komplexes Drehbuch mit einem guten Dutzend unterschiedlichster Figuren, die spannende Begegnung und förderliche Entwicklungen erleben, umsetzen. Während die bodenständigen älteren Waliser von gewohnt solide agierenden Größen des britischen Kinos wie Bill Nighy und Imelda Staunton verkörpert werden, sind es vor allem die teilweise noch unbekannteren Darsteller der Aktivisten, die sich nachdrücklich in den Vordergrund spielen. Ihre Figuren ergeben gemeinsam eine vielfältige, aber sehr heterogene Gruppe, wobei der aus strengem Elternhaus stammende scheue Joe als Identifikationsfigur für den Zuschauer fungiert. Seine zwei Geburtstage dienen auch als Klammer für die eigentliche Filmhandlung.

Der politisch wie vermutlich auch sexuell sehr aktive, nordirische Lederjackenträger Mark und der sich hinter seiner hippen Mütze und intellektuellen Romanen versteckende Mike bilden trotz ihrer Gegensätzlichkeit das Rückgrat der bunten Aktivistengruppe. Besonders zeigt sich die hervorragende Figurenzeichnung aber an Steph (Faye Marsay), die nur anfangs wie die Alibi-Lesbe der Gruppe wirkt. Es sind besonders gelungene Szenen, wenn sie im fernen Wales, die älteren Hausfrauen und Witwen der Gemeinde für den Kampf aktiviert, man gemeinsam die Nacht in einer Schwulenbar durchfeiert und sich über die Geheimnisse der veganen Küche austauscht. „The Wire“-Star Dominic West spielt auf köstliche Weise Jonathan, den mit seinem flamboyanten Gehabe und langem Schal auffälligsten Vertreter der LGSM. Er öffnet die Minenarbeiter, in dem er ihnen zeigt, dass der unerschrockene Tanz auch heterosexuellen Männern gut zu Gesicht steht „Sherlock“-Widersacher Andrew Scott bleibt als Gethin, einziges lokales Mitglied der Gruppe, zunächst im Hintergrund, aber auch ihm gehören im Fortlauf berührende Szenen, als er endlich den Mut aufbringt, sich nach langer Funkstille seinem Elternhaus zu nähern.

Der Humor des Films ist vielschichtig und lebensbejahend. Auch, wenn es eigentlich um frustrierende Lebenslügen geht, scheint hier die Sonne und es muss nicht immer ein Regenbogen entstehen. Ein Beispiel: Joe, der seinen Eltern erzählt, er besuche eine Konditoreischule (die Ersatzeltern aus der Gruppe denken immer daran, dass er auch lukullische Beweisstücke mit nach Hause bringt), offenbart an einer Stelle euphorisch der Mutter gegenüber, dass seine Ausflüge die wichtigste Erfahrung seines Lebens darstellen, woraufhin sie zunächst nicht recht nachvollziehen kann, inwiefern „Pasteten backen“ so eine Offenbarung darstellen kann. Auch die politische Orientierung innerhalb der Gewerkschaft spielt im Film eine Rolle, wenn bei einem Treffen der walisischen „Union“, bei dem mittlerweile auch die LGSM mehr als nur toleriert wird, eine einzelne junge Frau (Bronwe Lewis) aufsteht und mit glasklarer Stimme den nicht nur aus einem Ken-Loach-Film bekannten Protestsong „Bread and Roses“ anstimmt, was in der langsam anwachsenden Gesangskulisse sehr schön die vorherrschende Entwicklung des Films symbolisiert. „There is power in a union!“

Trotz der vielen kleinen Einzelgeschichten funktioniert aber auch die übergeordnete Dramaturgie und „Pride“ bleibt bis zum Schluss spannend. Dies ist vor allem ein Verdienst der herausragenden Arbeit des früheren TV-Nebendarstellers Stephen Beresford, der hier sein Drehbuchdebüt abliefert und dem wohl einige wundervolle Ideen zu verdanken sind. Einer der genialsten Momente ist allerdings historisch verbürgt. Nachdem die erzkonservative britische Boulevardpresse in Form von Rupert Murdochs The Sun die eigentümliche Verbindung zwischen Minen-Arbeitern und Gay-Aktivisten mit der Schlagzeile „Perverts support the pits“ (etwa: „Perverse unterstützen die Grubenarbeiter“) der Lächerlichkeit preisgeben will, wird kurzerhand beschlossen, dass man sich die Beschimpfungen einfach selbst aneignen muss: „When someone calls you a name, you take it and you own it!“ Und so initiiert man das Benefizkonzert „Pits and Perverts“. Dort tritt übrigens auch die kultige Synthie-Pop-Gruppe Bronski Beat auf und liefert einen Beitrag zum großartigen, facettenreichen, zeitgenössischen Soundtrack.

Fazit:

Für einen historisch akkuraten Spielfilm mit politischer Botschaft kommt „Pride“ unerwartet leichtfüßig und mitreißend daher. Ob man in seiner Jackentasche eine AIDS-Broschüre, eine Mao-Bibel oder eine Smiths-CD mitführt: bei dieser irgendwie realistischen Feelgood-Komödie wippen alle Füße fröhlich im Takt. Gutgelaunt vergeben wir 8,5 von 10 regenbogenfarbene Punkte. (mk)

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Northmen - A Viking Saga



Facts:

Genre: Abenteuer, Action
Regie: Claudio Fäh
Cast: Tom Hopper, Ryan Kwanten, Ken Duken
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih:
Ascot Elite Filmverleih


(c) Ascot Elite Filmverleih

Inhalt: 

873 nach Christus: Eine Gruppe furchtloser und kampferprobter Wikinger um ihren Anführer Asbjörn (Tom Hopper) wird von ihrem König verbannt und sucht ihr Heil in der Flucht über das Meer. Eigentlich wollen sie Kurs auf Britannien nehmen, um dort ein Kloster zu plündern, doch die Horde strandet nach einem verheerenden Sturm an der Küste Schottlands und gerät gleich in einen wilden Kampf mit der Garde des dortigen Königs Dunchaid (Danny Keogh). Asbjörn und seine Männer bringen in der Folge Lady Inghean (Charlie Murphy) in ihre Gewalt – die sich als Tochter des Königs herausstellt. Die Verbannten sind auf ein stattliches Lösegeld aus, doch Dunchaid denkt gar nicht daran, zu bezahlen. Stattdessen schickt er sein „Wolfsrudel“ aus – eine brutal-kompromisslose Söldnereinheit um den skrupellosen Hjorr (Ed Skrein). Die Jäger heften sich an die Fersen der Wikinger, die sich mit dem mysteriösen und kampfeslustigen Mönch Conrall (Ryan Kwanten) verbünden - der hasst nämlich nichts mehr als „seinen“ König Dunchaid...

Bewertung:

Bei seiner dritten Regiearbeit „Northmen – A Viking Saga“ geht Fäh einen anderen Regie-Weg und erzielt ein deutlich überzeugenderes Resultat: Der kompakte Abenteuer-Actioner gefällt mit vielen harten, handgemacht-erdigen Kampfszenen und Verfolgungsjagden. Fäh lässt sein Personal mit offenem Visier antreten, anstatt es vor einer grünen Wand ins Leere spielen zu lassen wie einst. Und so hat seine Wikinger-Saga zwar vor allem in der arg konventionellen und überraschungsfreien Handlung ihre Schwächen, aber eben auch ein echtes, blutpochendes Herz.

Die simple Ausgangslage ist zügig etabliert und die Fronten werden in Windeseile abgesteckt. Auf der einen Seite steht die rüpelige, aber eine Art Ehrenkodex befolgende Wikinger-Horde, die im Feindesland versucht, eine sichere Siedlung zu erreichen und eher wider Willen in eine tödliche Auseinandersetzung gezogen wird. Ihre Gegner sind dagegen von vornherein lediglich auf das Töten aus. Die Wikinger verhalten sich wahrlich nicht wie Kinder von Traurigkeit, aber das hetzende „Wolfsrudel“ ist eine gemeingefährliche Meute und macht keine Gefangenen. Damit sind die Rollen von Gut und Böse deutlich verteilt, ein kleiner Widerhaken wird nur durch einen zusätzlichen Dauerkonflikt innerhalb der Wikingergruppe gesetzt. Der Streit, in dessen Mittelpunkt der notorische Vokuhila-Querkopf Jorund (Leo Gregory) steht, trieft vor Klischees, sorgt aber immerhin für dynamische Reibung – der Rest ist Rennen, Kämpfen, Schädeleinhauen!

Die Schauwerte dieser deutsch-schweizerisch-südafrikanischen Co-Produktion können sich sehen lassen. Aus Kostengründen „doubelt“ Südafrika das für die Handlung relevante Schottland, ohne dass dieser Umstand dem Publikum störend auffallen sollte. Kameramann Lorenzo Senatore sorgt für Landschaftspanoramen, die manchmal sogar ein wenig an die epischen Bilder von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“-Trilogie erinnern. Und nachdem besonders zu Anfang bei einem Schiffsuntergang sowie ersten Kämpfen an der Küste Schottlands der Überblick für das Publikum durch den exzessiven Einsatz extremer Nahaufnahmen erschwert wird, finden die Filmemacher mit zunehmender Dauer eine bessere Balance zwischen dynamischen Bildern und erzählerischer Klarheit. Je mehr sich die Reihen auf beiden Seiten lichten, desto stärker darf mit der sympathischen Wikingertruppe mitgefiebert werden – dazu tut die typgerechte Besetzung ihr Übriges, die schauspielerisch indes nicht groß gefordert wird.

Mit Tom Hopper steht der rauffreudigen Kloppertruppe ein abgebrühter Held vor, der als harter Kerl und smarter Anführer zugleich eine gute Figur abgibt. Auch Ryan Kwanten besitzt als patenter Kampfmönch Charisma, während Ken Duken als getreuer Bogenschütze Thorald souverän die deutschen Farben im Cast vertritt. Die Widersacher der Wikinger bekommen dagegen kaum individuelle Charaktermerkmale attestiert. Die mordlustigen Rabauken aus dem Wolfsrudel sind allesamt nur abgrundtief böse und intrigant, deshalb kann sich auch keiner aus der Gruppe in den Vordergrund spielen. Auf psychologischen Feinschliff kommt es Regisseur Claudio Fäh auch gar nicht an, genauso wenig wie auf historische Akkuratesse. Die Wikingerzeit ist die Kulisse für einen weniger an realen Vorbildern als an Genreerfordernissen orientierten Abenteuerfilm.

Fazit:

Auf ins Abenteuerland – Regisseur Claudio Fäh lässt die Wikinger in Schottland stranden und kernig-krachend um ihr Leben kämpfen. Der sympathische Charme der rustikalen Rauferei und ordentliche Schauwerte überdecken die Schlichtheit und Überraschungsarmut der Geschichte. Am Ende bleiben daher 6 von 10 Punkte übrig. (mk)

Dienstag, 21. Oktober 2014

Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth



Facts:

Genre: Action, Sci-Fi
Regie: Wes Ball
Cast: Dylan O'Brien, Aml Ameen, Will Poulter
Laufzeit: 113 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(C) Fox Deutschland

Inhalt: 

Der Teenager Thomas (Dylan O’Brien, „Teen Wolf“) erwacht in einem heraufsausenden Aufzug und kann sich an nichts mehr erinnern, nicht einmal an seinen eigenen Namen. Oben angekommen, wird er von einer Gruppe etwa gleichaltriger Jungen in Empfang genommen, die dieses Schauspiel offenbar schon gewohnt sind. Denn wie Thomas bald erfährt, kommt einmal im Monat ein Neuankömmling samt frischen Vorräten mit dem Fahrstuhl zu ihnen auf die Lichtung. Der allererste Junge war Alby (Aml Ameen, „Der Butler“), der einen ganzen Monat alleine überleben musste und nun als Anführer der Gruppe fungiert. Eine noch wichtigere Funktion haben allerdings die sogenannten Läufer, die jeden Tag aufs Neue das die Lichtung umgebende Labyrinth mit seinen sich immer wieder verschiebenden Wänden erkunden, um vielleicht doch noch einen Ausweg zu finden. Aber der Job bringt nicht nur großes Prestige mit sich, er ist auch extrem gefährlich. Denn jeden Abend schließen sich die gewaltigen Tore zu dem Beton-Irrgarten und es ist noch niemandem gelungen, eine Nacht in dem Labyrinth lebend zu überstehen…

Bewertung:

„Maze Runner“ wurde wiederholt als Mix aus „Die Tribute von Panem“ (= Young-Adult-Action) und „Herr der Fliegen“ (Jugendliche müssen ihre eigene Gesellschaft errichten) beschrieben. Aber auch wenn man mit dieser Einordnung insgesamt nicht völlig daneben liegt, gibt es doch einen großen Unterschied zu William Goldings Klassiker: Denn während die Kinder-Zivilisation in „Herr der Fliegen“ bekanntlich grandios scheitert, schlagen sich die Teenager in „Maze Runner“ erstaunlich gut und man schaut ihnen bei ihrem XXL-Zeltlager-Abenteuer gerne über die Schultern. Es hätten sogar ruhig noch ein paar Beschreibungen des Lichtung-Alltags mehr sein dürfen, aber nach der vergleichsweise ruhigen ersten halben Stunde schiebt sich eben doch immer mehr die Action in den Vordergrund – und für die hat das Studio 20th Century Fox das passende Personal verpflichtet: Nachdem ursprünglich Catherine Hardwicke („Twilight – Biss zum Morgengrauen“) die Inszenierung übernehmen sollte, konnte sich nämlich schließlich doch Wes Ball mit seinem vielbeachteten, vor allem visuell und atmosphärisch beeindruckenden Animationskurzfilm „Ruin“ für den Regieposten empfehlen. 

 Der 30-Millionen-Blockbuster hält was der komplett selbstproduzierte Kurzfilm verspricht: Nicht nur erinnert das Labyrinth aus „Maze Runner“ mit seinen überwucherten Wänden optisch an die postapokalyptischen Betonfassaden aus „Ruin“ (eine Langfilm-Version dazu ist bereits in Arbeit), auch sind die Actionsequenzen in Balls Hollywood-Debüt – selbst ohne Motorrad – wieder extrem intensiv geraten. Neben dem Labyrinth selbst mit seinen zuschnellenden Metallplatten und verschiebbaren Wänden (es wird sich oft in letzter Sekunde irgendwo durchgequetscht) gibt es dabei zwar nur eine einzige Art Widersacher, nämlich die sogenannten Griewer, aber wenn ein Irrgarten schon nur einen Typ von „Monster“ bereithält, dann sind diese spinnenartigen Roboter-Viecher ganz sicher nicht die schlechteste Wahl! Zudem haben die Griewer noch den netten Nebeneffekt, dass der unerklärliche Mix aus biologischen und technologischen Komponenten, aus dem sie bestehen, alle möglichen Theorien über die Lichtung nur noch weiter befeuert.

Am Ende geht dann plötzlich alles ganz schnell, zumindest für den buchunkundigen Zuschauer sogar ein wenig zu schnell. Nicht dass man den Geschehnissen inhaltlich nicht folgen könnte, aber nachdem sich der Zuschauer mehr als eineinhalb Stunden den Kopf über Sinn und Unsinn des Labyrinths zerbrochen hat, würde man den finalen Aha-Moment gerne ein wenig länger und nachhaltiger auskosten, doch stattdessen wird noch schnell die Überleitung zur Fortsetzung abgehandelt. Da fällt dann leider auch der ein oder andere Todesfall am Ende weniger emotional aus, als es die Figuren eigentlich verdient hätten. Dafür ist die Auflösung an sich tatsächlich recht geschickt angelegt: Der finale Twist lüftet ebenso viele Mysterien wie er neue Fragen aufwirft. Gerade diese relative Offenheit ist immer Geschmackssache, aber das Ganze ist in sich soweit schlüssig, dass niemand fluchend aus dem Kinosaal stürmen muss. Vielmehr darf man sich durchaus darauf freuen, in den Fortsetzungen, an denen bereits fleißig gearbeitet wird, auch die offenbar ziemlich abgefuckte Welt außerhalb der Labyrinth-Mauern zu erforschen.

Fazit:

 Spannende, visuell beeindruckende Mystery-Action mit einem etwas überhasteten Finale - welches dennoch Spass nach Mehr macht. So vergeben wir 8 von 10 Punkte und warten auf die Teile 2 und 3. (mk)


Samstag, 18. Oktober 2014

Teenage Mutant Ninja Turtles



Facts:

Genre: Action, Abenteuer
Regie: Jonathan Liebesman
Cast: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany


(c) Paramount Pictures Germany

Inhalt: 

Die TV-Reporterin April O'Neal ist in ihrem Job bei den Kanal-6-Nachrichten unterfordert und darf mit ihrem Kameramann Vernon Fenwick (Will Arnett) nur kleine Beiträge produzieren. Daher verfolgt die furchtlose Journalistin in Eigenregie die Spur der mysteriösen Armee der Fußsoldaten, die mit ihren kriminellen Machenschaften eine Bedrohung für ganz New York darstellt. Eines Nachts wird sie dabei Zeugin, wie ein vermummtes Wesen die Gangster auf eigene Faust aufmischt – doch die Story will ihr beim Sender keiner glauben, selbst ihre Chefin Bernadette Thompson (Whoopi Goldberg) nicht. Als April die Spur weiter verfolgt, lernt sie die humanoiden Schildkröten Leonardo (Pete Ploszek), Michelangelo (Noel Fisher), Raphael (Alan Ritchson) und Donatello (Jeremy Howard) kennen. Sie wurden von ihrem Meister, der auf zwei Beinen gehenden Ratte Splinter (Danny Woodburn; Stimme: Tony Shalhoub), zu bewaffneten Ninjas ausgebildet. Außerdem haben die witzigen Turtles eine ausgeprägte Vorliebe für Pizza...

Bewertung:

Die Turtles sind auch nur ganz normale Teenager, die alles, was mit Popkultur zu tun hat, wie ein Schwamm aufsaugen – und so benahmen sie sich Ende der 1980er eben wie superlässige Surfer Dudes. Im Reboot sind sie hingegen mit der New Yorker Hip-Hop-Kultur aufgewachsen und führen sich dementsprechend wie Möchtegern-Gangsta auf. Leider ist dieses passende Update so ziemlich der einzige gute Einfall, den die Drehbuchautoren Josh Appelbaum, André Nemec und Evan Daugherty zu bieten haben: Darüber hinaus präsentieren sie nämlich lediglich einen vollkommen austauschbaren Blockbuster-Plot, dessen rudimentäre Logik nicht einmal ausreicht, um einigermaßen unfallfrei von einer Action-Sequenz zur nächsten überzuleiten: Warum etwa zieht Turtles-Erzfeind Shredder (Tohoru Masamune) in der Szene mit den eingesperrten Schildkröten einfach von dannen, nachdem er Raphael niedergeschlagen hat, aber April und Vernon noch lustig im selben Raum herumturnen? Genau, weil der Film sonst schon nach einer Stunde zu Ende gewesen wäre! Aber die unsinnige Handlung ist längst nicht das größte Problem des Films.

Vielmehr haben die Autoren und ihr Regisseur den Geist der Turtles einfach nicht verstanden – und da spricht jetzt keinesfalls der Nostalgiker in uns, der seine Kindheitshelden heute genauso haben möchte wie vor einem Vierteljahrhundert. Doch wenn man einen Film über mannshohe mutierte Schildkröten dreht, die mit Nunchakus und Ninja-Schwertern herumwirbeln, während sie Pizza mit 99 Käsesorten in sich hineinschaufeln, dann sollte man den Figuren schon mit einem gewissen Augenzwinkern begegnen. Die Grundhaltung von „Teenage Mutant Ninja Tutles“ ist allerdings erschreckend humorlos – zwar gibt es zwischendurch immer wieder eingestreute Oneliner und Gags, aber die wirken inmitten der düsteren Action und der bierernst durchgezogenen Ganz-New-York-wird-vergiftet-Handlung fast schon wie Fremdkörper. Dabei hat ein anderer Blockbuster in diesem Kinosommer jenen augenzwinkernd-selbstreferenziellen Humor, den wir uns auch von einem „Turtles“-Reboot erhofft hätten, bereits zur Perfektion getrieben: James Gunns fantastischer „Guardians of the Galaxy“!

Aber trotz der erzählerischen Defizite und des unpassend ernsthaften Tonfalls ist nicht alles schlecht. Denn auch wenn wohl nur Michael Bay und seine Mitstreiter selbst wissen, was sie mit dem mehr als gewöhnungsdürftigen Neudesign und der unsympathischen Aufrüstung der Turtles im Sinn hatten, sind die Performance-Capture-Animationen der Titelhelden schlicht makellos – in dieser Hinsicht muss sich „Teenage Mutant Ninja Turtles“ nicht einmal vor dem bahnbrechenden „Planet der Affen: Revolution“ verstecken. Die mitunter unnötig wild geschnittenen Action-Szenen sind allesamt ansehnlich, wobei eine haarsträubende Verfolgungsjagd in der Mitte des Films deutlich herausragt: Die ausufernd-schlitternde Hatz einen schneebedeckten Abhang hinunter fühlt sich an wie ein 007-Setpiece auf Crack – von solchen hemmungslosen, einfach nur Spaß machenden Over-the-Top-Sequenzen hätten wir gerne sehr viel mehr gesehen.

Im Gegensatz zu ihren Auftritten in den ersten beiden „Transformers“-Filmen ist Megan Fox diesmal nicht nur dazu da, ihren trainierten Körper in Zeitlupe abfilmen zu lassen: Zwar muss sie einen für einen Familienfilm unpassenden Arsch-Witz über sich ergehen lassen, darf ansonsten aber tatsächlich schauspielern. Und auch wenn die Rolle der rasenden Reporterin ihr nicht viel abverlangt, macht sie trotzdem einen guten Job. Will Arnett hat es da als ihr Sidekick schon bedeutend schwerer – seine Gags sind schon auf dem Papier so unlustig, dass selbst ein Komödienprofi wie der „Arrested Development“-Star die Pointen nicht zum Zünden bringt. Dazu gibt William Fichtner („Lone Ranger“) als Industrie-Magnat Eric Sacks einen öden Bösewicht ab – inklusive der unmotiviertesten Ich-erkläre-euch-jetzt-meinen-teuflischen-Plan-Szene aller Zeiten. Darüber lässt sich indes durchaus noch hinwegsehen, aber dass selbst der Kultschurke Shredder trotz Schweizer-Taschenmesser-Kampfanzug völlig blass bleibt, ist für einen „Turtles“-Film natürlich nahezu unverzeihlich. Da können wir nur hoffen, dass die Macher in einer möglichen Fortsetzung mit den diesmal noch nicht auftretenden Rocksteady und Bebob mehr anzufangen wissen.

Fazit:

Die herausragenden Effekte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Reboot der Charme und der Witz eines anständigen „Turtles“-Films völlig abgehen. SCHADE. Dafür gibts dann leider auch nur 4 von 10 tierischen Punkte. (mk)