Samstag, 30. August 2014

Guardians of the Galaxy 3D OV



Facts:

Genre: SciFi, Action
Regie: James Gunn
Cast: Chris Pratt, Dave Bautista, Zoe Saldana, Bradley Cooper
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 

Peter Quill (Chris Pratt), der als Kind in den Achtzigerjahren von der Erde entführt wurde, hält sich für den größten Outlaw der Galaxie und nennt sich hochtrabend Star-Lord. Doch nachdem er eine geheimnisvolle Kugel gestohlen hat, steckt er plötzlich so richtig im Schlamassel, wird er das Opfer einer unerbittlichen Kopfgeldjagd. Ronan the Accuser (Lee Pace) hat es auf das Artefakt abgesehen und nichts Gutes damit im Sinn – die Ziele des mächtigen Bösewichts bedrohen die Sicherheit des Universums! Um dem hartnäckigen Ronan und seinen Schergen zu entgehen, ist Quill gezwungen, einen nicht gerade einfach einzuhaltenden Waffenstillstand mit einem Quartett von ungleichen Außenseitern einzugehen. Dazu gehören der waffenliebende Waschbär Rocket (gesprochen von Bradley Cooper), der Baummensch Groot (Stimme: Vin Diesel), die tödliche und rätselhafte Gamora (Zoe Saldana) und der rachsüchtige Drax the Destroyer (Dave Bautista). Als Peter dann die wahre, gefährliche Macht der Kugel kennenlernt, muss er sein Bestes geben, um die zusammengewürfelten Rivalen für einen letzten, verzweifelten Widerstand zu vereinen. Er muss eine Helden-Truppe aus ihnen machen, denn das Schicksal der Galaxie steht auf dem Spiel.

Bewertung:

Man kann den Machern beim Comic-Giganten Marvel nicht vorwerfen, das Risiko zu scheuen. Als sie ihr großes Filmimperium mit „Iron Man“ so richtig in Gang bringen wollten, setzten sie auf einen Superhelden, der bis dahin nur eingefleischten Comic-Fans bekannt war, dazu engagierten sie mit Robert Downey Jr. einen Hauptdarsteller, der sich zwar von diversen Affären erholt hatte, aber als nicht mehr blockbustertauglich galt. Auch bei späteren Produktionen war im Vorfeld zuweilen Skepsis angebracht: Bei „Captain America“ schien das Scheitern außerhalb des heimischen Marktes vorprogrammiert, bei „Thor“ unkten viele, dass die Einführung dieser neuen Fantasy-Welt das gesamte erzählerische Marvel-Universum aus dem Gleichgewicht bringen würde. Aber am Ende durften die Verantwortlichen doch immer wieder lachen: über gute Kritiken, zufriedene Fans und vor allem über Milliardeneinnahmen. Mit „Guardians Of The Galaxy“ gehen die mittlerweile zum Disney-Konzern gehörenden Marvel-Macher jetzt noch weiter: mit noch abgefahreneren Settings und Figuren (darunter ein kleiner Waschbär mit Vorliebe für riesige Knarren) sowie mit einem Regisseur, der bei der berüchtigten Trash-Schmiede Troma sein Handwerk gelernt hat, unter anderem eine Internet-Porno-Parodie-Reihe („PG Porn“) in seiner Vita stehen hat und dessen vorheriger (und insgesamt erst zweiter) Kinofilm „Super – Shut Up, Crime!“ so böse und brutal ist, dass ihn in den USA kaum ein Kino zeigen wollte. Doch der Mut zum Risiko wurde wieder einmal belohnt: James Gunns „Guardians Of The Galaxy“ ist näher an „Star Wars“ als an „The Avengers“ und vor allem ist es der bislang unterhaltsamste Marvel-Film.

James Gunn, der mit Newcomerin Nicole Perlman auch für das Drehbuch verantwortlich ist, versteht es vorzüglich den Zuschauer sofort ins Geschehen zu ziehen, ihn dabei aber nicht zu überfordern. Mit einem kultigen 80er-Jahre-Auftakt, einem kurzen Überblick über die Bösewichte und der Zusammenkunft der Helden liefert er fix alle wesentlichen Infos und es beginnt ein wild-ausgelassener Spaß-Trip, der sich so anfühlt, wie man es sich von George Lucas‘ „Star Wars“-Prequel-Trilogie erhofft hat. Auch wenn „Guardians Of The Galaxy“ nämlich auf einem Marvel-Comic basiert, hat er letztlich mehr mit dem „Krieg der Sterne“-Universum gemein als mit „Iron Man“ und Co. Vor allem verfügt Gunns Weltall-Abenteuer mit der Mischung aus augenzwinkerndem Humor, detailfreudig-fantasievoller Ausstattung, mit viel Schwung inszenierter Action und einer nostalgisch-märchenhaft angehauchten Prise echten Heldentums über den Charme der ursprünglichen drei Sternenkrieger-Filme, an deren Entstehungszeit hier zudem unter anderem der Soundtrack aus 70er- und 80er-Jahre-Oldies erinnert. Dabei werden alle Musikstücke über eine Kassette angespielt, die Peter Quill als eine der letzten Erinnerungen an seine Erdenjugend noch besitzt und wie seinen kostbarsten Schatz hütet. Die mehr oder weniger direkten „Star Wars“-Referenzen werden indes bei den Figuren fortgesetzt und so lässt sich ohne Übertreibung sagen: Rocket und Groot sind die neuen Han Solo und Chewbacca!

Der von Bradley Cooper in der Originalfassung mit viel Zynismus in der Stimme gesprochene Rocket galt im Vorfeld schon als klarer Fan-Favorit und bestätigt dies eindrucksvoll – er ist sagenhaft gut animiert und vor allem für einige der besten One-Liner zuständig. Doch sein Kumpel Groot, der wirklich nur eine einzige Zeile aufsagen kann, übertrifft den unglaublich witzigen Waschbär sogar noch. Als die Verpflichtung Vin Diesels bekannt wurde, lächelten viele über James Gunns Aussage, er habe nie gedacht, dass jemand den Satz „I am Groot“ auf so viele unterschiedliche Arten aussprechen könnte. Doch wer das Diesel-Engagement für einen Marketing-Gag hielt, sieht sich nun gewaltig getäuscht. Der „Fast & Furious“-Star bringt allein mit seiner Stimme eine solche Bandbreite von Gefühlsregungen zum Ausdruck, dass der scheinbar einfältige Riesenbaum zum emotionalen Zentrum des Films wird. Groot ist einfach nur herzensgut und würde alles für seine Freunde opfern: Von vor Freude strahlend bis vor Wut rasend, dem Zuschauer gehen die Gefühle des  Baums unter die Haut (woran auch die fabelhaft lebensecht wirkende Arbeit der Tricktechniker einen großen Anteil hat) und das ist wichtig: Denn auch wenn „Guardians Of The Galaxy“ vor allem richtig spaßige Unterhaltung ist, sind es die bewegenden Momente, die aus einem sehr guten einen herausragenden Film machen.

Rocket und Groot stechen besonders heraus, aber auch die restliche Besetzung zeigt Beeindruckendes. Selbst Ex-Wrestler Dave Batista - in einem solchen Ensemble gestandener Schauspieler auf den ersten Blick das schwächste Glied - hat brillante Momente. Dass der Hüne in Actionszenen Eindruck schindet, war zu erwarten, aber wenn er als Drax jedes Sprichwort und jede Redewendung für bare Münze nimmt, sich wundert, was ein an der Kehle vorbeigezogener Zeigefinger bedeuten soll und auf einige Vorschläge mit entsprechend verdutzter Miene reagiert, dann sorgt er immer wieder auch für köstlich humorvolle Einschübe. Zoe Saldana („Avatar“) mag daneben als sexy Killer-Amazone auf den ersten Blick ein wenig unterfordert wirken, sie lässt aber in Nuancen das schwere Schicksal hinter der Maske der eiskalten Gamora spürbar werden. Lee Pace („Pushing Daisies“) wiederum gibt bei weitem nicht den besten Schurken der (Marvel-)Filmgeschichte, aber eine solide Leistung zeigt er als Verrückter, dem man alles zutraut, allemal. Zumal hier klar die „Helden“ im Mittelpunkt stehen und von denen ist Chris Pratt („Jurassic World“) die Rampensau. Als Mensch ist er die natürliche Identifikationsfigur für das Publikum und zudem für die locker-lustigen Sprüche zuständig. Schon der erste Auftritt des Charmebolzens mit dem Walkman, wenn er sich tanzend auf das Diebesgut zubewegt und nebenbei irgendwelche außerirdischen Echsenkreaturen zur Seite kickt, ist ein Genuss.

„Guardians Of The Galaxy“ hat nicht nur einige denkwürdige Hauptfiguren zu bieten, bis in kleinste Nebenrollen sind bekannte Gesichter zu sehen, etwa von Glenn Close als nach Frieden strebende Planetenführerin Nova Prime, von Benicio Del Toro als verschrobener Sammler The Collector (bereits bekannt aus dem „Thor 2“-Abspann) sowie von „Doctor Who“-Star Karen Gillan und Djimon Hounsou als Schergen von Thanos, um nur einige wenige zu nennen. Dazu geben sich Kumpel und Stammschauspieler von Regisseur James Gunn wie Michael Rooker, Nathan Fillion, Gregg Henry, sein Bruder Sean Gunn und sein Troma-Lehrmeister Lloyd Kaufman ein Cameo-Stelldichein. Aber selbst wer etwa Kaufman als wütenden Gefängnisinsassen auf der Balustrade nicht entdeckt, kann in einer solchen Szene genug andere lohnenswerte Dinge entdecken, denn dieser Film sieht nicht nur richtig gut aus (kein Wunder, dass Kameramann Ben Davis im Anschluss gleich von Joss Whedon für „The Avengers 2: Age Of Ultron“ angeheuert wurde), sondern steckt voller toller Einzelheiten und verrückter Ideen. Da tummeln sich originell designte Außerirdische auf ebenso abwechslungsreichen Schauplätzen (neben dem fliegenden Gefängnis gehört dazu beispielsweise ein Ort mit dem sehr passenden Namen Knowhere). Und obwohl es keine einzelne so herausragende Actionszene gibt, dass man über sie auch noch Wochen nach dem Film sprechen wird, gibt es eine ganze Reihe von erstklassigen Einlagen. Gefechte und Verfolgungsjagden im All in bester „Star Wars“-Manier wechseln sich dabei mit knackigen Nahkämpfen und wilden Schießereien ab – und mittendrin findet sich fast immer Platz für einen flotten Spruch.

Fazit: 

 „Guardians Of The Galaxy“ ist Spaß pur – ein moderner Nostalgie-Trip, so gespickt mit Retro-Zitaten, dass sogar der Arcade-Über-Klassiker „Asteroids“ mit echten Raumschiffen nachgestellt wird. Ein Pflichttermin nicht nur für alle Marvel-Fans! Die coole Musik gepaart mit witzigen Charakteren sind uns 8 von 10 Punkte wert. (mk)

Freitag, 29. August 2014

Storm Hunters



Facts:

Genre: Action
Regie: Steven Quale
Cast: Richard Armitage, Sarah Wayne Callies, Matt Walsh
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. Germany

(c) Storm Hunters

Inhalt:

In kürzester Zeit jagt eine ganze Reihe von Tornados über die Kleinstadt Silverton hinweg und richtet erheblichen Schaden an. Allerdings erfährt die Gemeinde, dass das Schlimmste erst noch bevorsteht. Die Einwohner gehen sehr unterschiedlich mit dieser beunruhigenden Ankündigung um. Zwar suchen die meisten Schutz in Häusern und Kellern, doch eine kleine Gruppe professioneller Sturmjäger macht sich auf die Jagd nach dem Hurrikan, der die vielen Tornados ausgelöst hat. Der Dokumentarfilmer Pete Moore (Matt Walsh), die Meteorologin Allison Stone (Sarah Wayne Callies) sowie die Kameramänner Lucas (Lee Whittaker), Daryl (Arlen Escarpeta) und Jacob (Jeremy Sumpter) haben nur ein Ziel: die Naturgewalt für die nächste sensationelle Dokumentation zu filmen. Währenddessen sucht Trey (Nathan Kress) mit seinem alleinerziehenden Vater Gary Morris (Richard Armitage) seinen Bruder Donnie (Max Deacon), der mit seiner Freundin Kaitlyn (Alycia Debnam-Carey) spurlos verschwunden ist. Und das im Angesicht des drohenden Desasters…

Bewertung:

Als wir vor einigen Wochen unsere negative Kritik zu „Transformers 4“ veröffentlicht haben, wurde uns von Fans der Reihe vorgeworfen, wir könnten mit simpel gestrickten Spaß-Actionern generell nichts anfangen. Aber ganz so einfach ist das sicherlich nicht. Denn wenn ein Filmemacher handwerklich gut gemachte Action-Unterhaltung abliefert, anstatt das Publikum à la Michael Bay in „Ära des Untergangs“ einfach nur ohne Spannungsbogen oder Verschnaufpausen in voller Lautstärke zuzudröhnen, dann sind wir die letzten, die nach einem „Mehr“ an Plot verlangen. Ein gutes Beispiel dafür ist nun Steven Quales Tornado-Thriller „Storm Hunters“, der zwar auch nur ein Minimum an Handlung, aber über seine knappen 89 Minuten (und länger muss ein solcher Film auch nicht sein) hinweg immer kurzweilige Katastrophen-Action bietet. Und dass zudem die Effekte (trotz CGI-Tornados ist angenehm viel Handgemachtes dabei) sowie das Sound-Design (am besten nach einem Kino mit Dolby Atmos Ausschau halten) oberes Hollywood-Niveau erreichen, schadet natürlich auch nicht.

Nachdem Roland Emmerich drei Jahre vor dem titelgebenden Datum in „2012“ alle erdenklichen Naturdesaster zusammengeschmissen hatte, schien das Katastrophenfilm-Genre für die großen Hollywoodstudios vorläufig ausgereizt zu sein, denn steigern ließ sich das so leicht natürlich nicht mehr. Erst jetzt wagen sie sich mit frischen Ansätzen wieder an den klassischen Naturkatastrophenfilm heran und bevor es Dwayne Johnson 2015 in „San Andreas“ mit den Folgen eines verheerenden Erdbebens zu tun bekommt, macht nun „Final Destination 5“-Regisseur Quale den Anfang: In „Storm Hunters“ peppt er das herkömmliche Genrekonzept mit einem Found-Footage-Ansatz, einem spannungssteigernden Slasher-Kniff und begeisternden Effekten auf, wobei die schon im Trailer zelebrierte Flughafen-Verwüstung noch zu den schwächsten Szenen zählt. Diese ist hier nämlich eine der erfreulich wenigen Zerstörungs-Sequenzen, die ausschließlich am Computer entstanden, während ansonsten überraschend viel handgemacht ist – und das merkt man auch: Die sich am Horizont zusammenbrauenden Tornados mögen aus dem Rechner stammen, aber die vom Himmel fallenden Autos, die durch Haustüren krachenden Baumstämme und damit auch die Gefahr für die Protagonisten fühlen sich jederzeit echt an.

Weil es den Sturmjägern ebenso wie dem YouTube-Duo Donk (Kyle Davis) und Reevis (Jon Reep), das sich nach Art von „Jackass“ bei haarsträubenden Aktionen aufnimmt, gerade darum geht, Filmaufnahmen der Tornados zu machen, benötigt die Herkunft des Found-Footage-Materials erfreulich wenige Erklärungen - nur bei all dem Kameraeinsatz in der Familie Morris (Abschlussfeier, Zeitkapsel-Projekt und Uni-Bewerbungsvideo) musste sich Drehbuchautor John Swetnam spürbar ins Zeug legen. Dafür bringt Regisseur Quale das Beste aus zwei Welten zusammen: Wie es sich für Found Footage gehört, bekommt das Publikum Aufnahmen geboten, die es mitten in den Sturm hineinversetzen, aber weil dieses Material zum größten Teil innerhalb der Handlung mit professioneller Ausrüstung gedreht wird, müssen die Zuschauer trotzdem keine nervig-verwackelten, streifenreichen Handkamera-Bilder in Kauf nehmen. Und dann gibt es noch einen besonderen Kniff, den „Storm Hunters“ den meisten Katastrophen-Filmen voraushat: Gleich in der Eröffnungsszene wird eine Gruppe Teenager von einem Tornado überrascht und getötet – fast so wie bei dem obligatorischen Auftakt-Mord in einem Slasher-Film à la „Scream“. Und auch später wirken die unerwartet abwechslungsreichen Stürme (inklusive eines Feuer-Tornados) immer wie eigenständige mörderische (Horror-)Figuren, die jederzeit, aus dem Nichts und aus allen Richtungen vom Himmel herabstoßen können.

Fazit: 

Was die Leinwand-Zerstörungsorgien dieses Kinosommers angeht, ist „Storm Hunters“ so etwas wie der Anti-„Transformers“ - er ist nur knappe eineinhalb Stunden lang und bietet dem Publikum wohldosiert und ohne Umschweife alles, was es von einem Katastrophenfilm erwarten darf. Für den frischen Wind im Katastrophen-Genre vergeben wir 8 von 10 Punkte. (mk)

Mittwoch, 20. August 2014

The Expendables 3



Facts:

Genre: Action
Regie: Patrick Hughes
Cast: Sylvester Stallone, Jason Statham, Dolph Lundgren, Randy Couture, Terry Crews, Jet Li, Arnold Schwarzenegger
Laufzeit: 126 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Splendid Film GmbH 

(c) Splendid Film GmbH

Inhalt:

Barney Ross (Sylvester Stallone), Lee Christmas (Jason Statham) und ihr Team stehen vor ihrer größten Herausforderung: Conrad Stonebanks (Mel Gibson), einstiger Mitgründer der Expendables, will der Truppe den Garaus machen. Sein Ex-Partner Barney ist ihm ein Dorn im Auge – wurde Stonebanks doch von ihm verfolgt, als er sich zu einem skrupellosen Waffenhändler wandelte und so zum Feind der Expendables avancierte. Barney betrachtet die aktuellen Pläne des Fieslings mit Argwohn. Seine Mission ist nun, altes mit jungem Blut zu bekämpfen. Also trommelt er die Gang zusammen und läutet mit einigen jüngeren und schnelleren Kombattanten als Verstärkung eine neue Ära der Expendables ein. Dieses Mal ziehen die Haudegen auch mit einigen modernen Waffen ausgerüstet in den Kampf. Die persönliche Auseinandersetzung zwischen Barney und Stonebanks wird zu einem Gefecht zwischen Jung und Alt, zwischen High-Tech und Tradition… 

Bewertung: 

Das oberste Gebot bei Fortsetzungen lautet: Alles muss noch eine Nummer größer werden als beim Vorgänger! Das ist bei der „Expendables“-Reihe nicht anders, von Teil zu Teil versammelt Sylvester Stallone mehr Action-Stars aus verschiedenen Generationen um sich, in der Hoffnung, dass entsprechend auch mehr Fans in die Kinos rennen. Doch mit „The Expendables 3“ überspannt der „Rocky“- und „Rambo“-Veteran den Bogen: Das Stelldichein der Stars verkommt über weite Strecken zur bloßen Nummernrevue, schließlich muss jeder der im Dutzend auftretenden Promis seinen eigenen großen Auftritt bekommen. Das Ganze wird dazu pflichtschuldig mit unzähligen selbstironischen Sprüchen garniert – eine ebenso ermüdende wie einfallslose Verfahrensweise. Weil die Immer-größer-immer-erfolgreicher-Rechnung am heimischen US-Box-Office bei „The Expendables 2“ nicht aufging und er dort – anders als auf dem internationalen Markt - hinter dem Reihenauftakt zurückblieb, entschied sich Stallone beim dritten Teil zudem dazu, erstmals eine niedrigere (US-)Altersfreigabe anzustreben. Die mit der Jugendtauglichkeit einhergehende Blutarmut sorgt in Verbindung mit den teilweise miserablen Computereffekten für eine Künstlichkeit, die so gar nicht zu einem Actionfilm alter Schule passt – und genau einen solchen erwarten die Fans von einem „Expendables“-Kracher. Und so ist der vom australischen Regisseur Patrick Hughes inszenierte dritte Film der Reihe fast schon folgerichtig auch der bislang schwächste.

Schon die erste Sequenz von „The Expendables 3“ illustriert perfekt die Schwächen des Films, die sich durch die gesamte über zweistündige Laufzeit ziehen. Barney Ross und seine Truppe wollen Doc aus einem gepanzerten Gefängniszug befreien und starten ihren Angriff mit einem Helikopter, von dem aus sie erst einmal einen Großteil der Zugbesatzung niedermähen, ehe sie schließlich das Schienenfahrzeug selbst entern. Der Hubschrauber wurde hier stellenweise mit absolut nicht mehr zeitgemäßer CGI-Technik eingefügt (was zu allem Überfluss im großen Finale noch einmal wiederholt wird und da noch schlechter gelingt) und trudelt in einigen Momenten notdürftig ins Bild gebastelt auf der Leinwand herum, während die Gegner beim folgenden Geballer vom Zug fallen als seien sie ferngesteuerte Marionetten (so offensichtlich hängen die Stuntmen an Seilen). Natürlich kann Filmaction auch ohne knackende Knochen oder spritzendes Blut eine intensive Wirkung erreichen, aber hier fehlt jeder Anflug von Körperlichkeit und Raumgefühl gleichermaßen. Damit bleibt auch jede Illusion auf der Strecke und von der lebt ein Film wie dieser nun mal. Deutlich überzeugender sind die Nahkampfszenen gelungen, was auch an den routinierten Action-Stars in der Besetzung liegt. Vor allem Mixed-Martial-Arts-Sportlerin Ronda Rousey in ihrem Spielfilmdebüt und Jason Statham haben einige starke Momente, auch der finale Kampf zwischen Gibson und Stallone ist ordentlich, kann aber nicht dem Finalfight aus „Expendables 2“ mithalten.

Der Auftakt steht nicht nur exemplarisch für die teilweise miese Action, sondern auch für die in ihrer Fülle zunehmend nervigen und sich oft allzu sehr gleichenden selbstreferenziellen Witzchen und Anspielungen. Nachdem Doc aus dem Knast befreit wurde, scherzt er erst einmal, dass er dort wegen Steuerflucht einsaß – ganz wie Schauspieler Wesley Snipes selbst, der die vergangenen Jahre tatsächlich deswegen hinter schwedischen Gardinen verbrachte. Wenn später Harrison Ford als Barneys neuer CIA-Kontakt auftritt, und der sich wundert, wo der von Bruce Willis gespielte Vorgänger Church ist, bekommt er die Antwort, dieser sei „out of the picture“ – ein doppeldeutiges Wortspiel, denn „picture“ bedeutet auch Film und Willis wurde nach überzogenen Gehaltsforderungen von Stallone gefeuert und durch Ford ersetzt. So treffend einzelne dieser Insidergags auch sein mögen, in dieser hohen Dosierung lassen sie den ganzen Film letztlich zu nicht viel mehr als einer millionenschweren Eigenpromotion verkommen. Zumal hier einmal mehr ausdauernd das fortgeschrittene Alter der auftretenden Recken thematisiert wird und sich der erneut auch als Co-Autor fungierende Stallone von „Cop Land“ bis „Cliffhanger“ quer durch die eigene Filmografie zitiert. Immerhin klingt immer wieder auch echte, gelungene Selbstironie und sogar ein wenig (Eigen-)Kritik an: Dass zum Beispiel Arnold Schwarzenegger immer wieder quasi aus dem Nichts auftaucht, um ungefragt einen Ratschlag zu geben, wird irgendwann mit einem lapidaren „Thanks for showing up“ gewürdigt.

Mit Logik war es schon im 80er-Jahre-Actionkino nicht weit her und wenn die Expendables die rumänische Hauptstadt Bukarest per nächtlichem Fallschirmsprung „besuchen“, verbeugen sie sich augenzwinkernd vor dieser Tradition, die auch ihre eigene ist. Wenn im Finale allerdings ein mit C4-Sprengstoff vollgepacktes Gebäude durch Panzerbeschuss zerlegt wird, dann wirkt es nur gedankenlos, dass der Granateneinschlag keinerlei Wirkung auf das explosive Material hat. Inmitten der zwar in der Fülle und durch die riesige Zahl an Stuntmen durchaus auch mal imposanten, insgesamt aber zu monotonen Action haben es die Darsteller schwer, sich zu profilieren, zumal sie angesichts der schieren Masse an Stars meist auch nicht sehr viele Szenen bekommen. Und doch gibt es einen Reihenneuzugang, der seine Chance nutzt: Antonio Banderas. Als verzweifelt um die Mitgliedschaft in der Söldnertruppe bettelnder, aber jedes Team-Mitglied mit seinem Dauergeplappere zur Weißglut treibender Ex-Soldat gehören dem Spanier in fast jeder Hinsicht die besten Szenen des Films. Nach einem witzigen ersten Auftritt (der durch das gute Zusammenspiel mit Kelsey Grammer noch gewinnt), hat er auch in der Folge die mit Abstand besten Sprüche und liefert das absurdeste Over-Acting – damit löst er den diesmal weitgehend auf die Ersatzbank verbannten Terry Crews als Mann fürs Komische ab. Und auch wenn Banderas in den Action-Szenen Spezialisten wie Statham, Rousey oder Jungstar Kellan Lutz nicht ganz das Wasser reicht, beweist er mehrfach eindrucksvoll, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört und fast 20 Jahre nach Filmen wie „Desperado“ und „Assassins - Die Killer“ nichts verlernt hat.

Fazit: 

Der Versuch, mit mehr Stars und weniger Gewalt mehr Zuschauer anzulocken, wird zum Bumerang: Nun gibt es nämlich weniger gute Szenen der einzelnen Stars und weniger harte Action nach gewohnter „Expendables“-Manier. So ist dies trotz eines exzellenten Antonio Banderas der schwächste Film der Reihe und läßt Schlimmes für den 4. Teil erahnen. Magere 4 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 16. August 2014

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück



Facts:

Genre: Drama, Komödie
Regie: Peter Chelsom
Cast: Rosamund Pike, Simon Pegg, Stellan Skarsgård, Jean Reno
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Wild Bunch Germany

(c) Wild Bunch Germany

Inhalt:

Der leicht exzentrische, aber liebenswerte Psychiater Hector (Simon Pegg) hat kein leichtes Leben. Obwohl er alles gibt, werden seine Patienten einfach nicht glücklich. Auch ist er sich nicht sicher, ob seine Beziehung zu Freundin Clara (Rosamund Pike) auf einem wirklich festen Fundament steht. So kommt der Tag, an dem Hector sein Leben grundsätzlich ändert. Er packt seinen Rucksack und geht auf die Suche nach dem wahren Glück. Ausgerüstet mit einer Menge Mut und geradezu kindlicher Neugier verlässt der Sinnsucher London, stürzt sich ins Abenteuer. Seine weite, gefährliche, aber vor allem lustige Reise führt ihn dabei um den ganzen Erdball, nach China, Afrika und ins "Meist-Land". Dabei hält sie neben vielen interessanten Reisebekanntschaften auch einige Antworten für seine drängenden Fragen nach dem echten Glück bereit. Die wichtigste lautet: Existiert so etwas überhaupt?

Bewertung:

Nach 140 schrecklich oberflächlich-klischeehaften Minuten hat das Publikum gelernt, dass es zum Glücklichsein eigentlich nur drei Dinge braucht: italienische Touristen-Pasta, indische Chakren-Meditation und einen südländischen Lover, der aussieht wie Javier Bardem! Aber genug von der unsäglichen Julia-Roberts-Selbstfindungs-Schmonzette „Eat Pray Love“… denn selbst wenn nun auch Simon Pegg als welttourender Psychiater in Peter Chelsoms Romanverfilmung „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ immer mal wieder mit lokalen Klischees (der Regisseur des ersten Glücksfilms ohne buddhistischen Mönch bekommt von uns einen Glückskeks!) in Berührung kommt, so hat der französische, selbst als Psychiater in Vietnam tätige Schriftsteller François Lelord seinen zugrundeliegenden Bestseller doch mit so vielen Momenten „wahren Lebens“ gewürzt, dass man als Zuschauer inmitten der von Hector in sein Tagebüchlein gedoodelten So-wird-man-glücklich-Kalendersprüche tatsächlich immer wieder ins Grübeln gerät.

In Bücherläden gibt es ganze Regalwände voller Glücksliteratur und mit den meisten der dort angebotenen Werke ist es wie mit geschickt verfassten Horoskopen: Beim Lesen erkennt man sich zwar durchaus selbst in dem Geschriebenen wieder, aber mit etwas Distanz betrachtet entpuppen sich die klugen Sprüche allzu häufig als nichtssagende und austauschbare Worthülsen. In „Hectors Reise“ ist das zum Glück anders. Die von Hector gesammelten Weisheiten (etwa „Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen“ oder „Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu begreifen“) mögen für sich genommen nach dem üblichen Sinnsuche-Schmarrn klingen, aber hier werden die Probleme der Welt eben nicht in „Eat Pray Love“-Manier hemmungslos geschönt oder gleich komplett ausgeblendet. Und das ist der entscheidende Unterschied: Hectors Erkenntnisse sind meist glaubhaft seinen Erlebnissen abgerungen und es wird dabei nicht so getan, als ließe sich alles Leid einfach so in Wohlgefühl verwandeln. Dazu hilft Simon Pegg („Shaun of the Dead“, „Star Trek“) mit seinem gewohnt trockenen Humor, den Film weitestgehend in einer kitschfreien Zone zu halten.

So lernt Hector in Afrika zwar wie erwartet, wie wichtig der Zusammenhalt in der Familie ist, er landet aber auch durchaus unerwartet im Kerker eines lokalen Warlords. Und der superreiche Geschäftsmann Edward (Stellan Skarsgård), für den selbst der Champagner in der Businessklasse wie Waschwasser schmeckt und der Hector ohne dessen Wissen in Hongkong eine studentische Prostituierte (ja, mal wieder eine mit einem Herz aus Gold = leider Klischee³) bezahlt, wird nicht einfach als kapitalistischer Arsch abgestempelt, sondern erweist sich auf seine eigene, sehr fatalistische Weise doch als ziemlich weise. Es sind diese Widerhaken und Zwischentöne, die einen noch nach dem Abspann über die gesammelten Weisheiten nachdenken lassen. Und wenn dann im finalen Drittel zusätzlich auch die chemisch-wissenschaftliche Seite des Glücks beleuchtet wird (wie gewohnt großartig: Oscar-Preisträger Christopher Plummer als Glücksforscher), merkt man noch einmal sehr deutlich, dass hier mit François Lelord eben kein New-Age-Scharlatan am Werk war, sondern jemand, der sich in seiner eigenen Karriere offenbar sehr ausführlich mit denselben Fragen beschäftigt hat, wie sie nun auch Hector für sich beantworten muss.

Fazit: 

Regisseur Peter Chelsom bewegt sich bei seiner kurzweilig-sympathischen filmischen Sinnsuche zuweilen am Rande des Glückskitsches, sein inszenatorisches Feingefühl und ein Schuss Realitätssinn bewahren ihn jedoch davor, zu sehr ins Klischeehafte abzudriften.Wir fühlten uns 120 Minuten dennoch gut unterhalten und die Unterschiede zum Buch sind nicht all zu gross. Dafür vergeben wir 7 von 10 Punkte. (mk)