Samstag, 2. August 2014

Monsieur Claude und seine Töchter



Facts:

Genre: Komödie
Regie:
Philippe de Chauveron
Cast: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Medi Sadoun
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Neue Visionen

(c) Neue Versionen

Inhalt:

Claude und Marie Verneuil (Christian Clavier, Chantal Lauby) sind ein wohlhabendes, leicht konservatives katholisches Ehepaar in der französischen Provinz. Sie haben vier attraktive Töchter. Für die jungen Frauen können sich die Verneuils nichts Schöneres vorstellen, als dass diese von Männern mit den Attributen "attraktiv, französisch, männlich" geehelicht werden. Doch Tochter Ségolène (Emilie Caen) heiratet den Chinesen Chao (Frédéric Chau), Isabelle (Frédérique Bel) den Muslim Rachid (Medi Sadoun) und Odile (Julia Piaton) den Juden David (Ary Abittan). Da hängt der familiäre Haussegen der Verneuils gewaltig schief. Wenigstens ihre jüngste Tochter Laure (Elodie Fontan) ist mit einem französischen Katholiken zusammen. Doch als dieser zum ersten Abendessen vorbei kommt, reißt den besorgten Eltern der Geduldsfaden: Charles (Noom Diawara) ist schwarz. Claude und Marie geben ihre Töchter aber nicht so einfach auf. Sie nutzen die Hochzeitsvorbereitungen, um die unerwünschten Beziehungen zu sabotieren…

Bewertung:

Es ist natürlich Zufall, dass „Monsieur Claude und seine Töchter“ kurz nachdem in Frankreich der rechtsextreme Front National stärkste Partei bei den Europawahlen 2014 wurde in die deutschen Kinos kommt. Aber der zeitliche Zusammenhang ist ungemein passend, da auf diese Weise der gesellschaftliche Kontext noch einmal deutlich stärker zutage tritt. Die eigentlich recht traditionell angelegte Familienkomödie von Regisseur Philippe de Chauveron („L'amour aux trousses“) lässt sich nämlich gerade durch diese besonderen Umstände als ebenso geistreicher wie bissiger Kommentar zur aktuellen politischen Lage in unserem Nachbarland lesen. Der offen ausgestellte politische Anspruch mag dem amüsanten, multikulturellen Lustspiel zwar fehlen, umso treffender sind viele der gemachten Beobachtungen. So ist „Monsieur Claude und seine Töchter“ selbst in seinen weniger überzeugenden Momenten immer noch extrem aufschlussreich.

In dieser Komödie über kulturelle Unterschiede wird das Klischee zum Erzählprinzip erhoben. Niemand wird verschont, aber natürlich wird die Eskalation nicht so weit getrieben, dass das glückliche Ende der angenehm geradeaus erzählten Geschichte in Gefahr geraten könnte. Claude und Marie sind längst nicht die einzigen vorurteilsbehafteten Bedenkenträger, menschliche Schwächen, tradierte Vorbehalte und persönliche Ticks werden vielmehr sehr gleichmäßig auf die große Mehrheit der Figuren verteilt, ganz egal, welchen kulturellen oder religiösen Hintergrund sie haben. So sind sich auch die Schwiegersöhne untereinander zunächst ganz und gar nicht grün: Der Jude und der Muslim dissen sich gegenseitig und mobben gemeinsam den Chinesen (bei dem unklar bleibt, ob er einer Religion anhängt, und wenn ja, welcher). Der wiederum lässt dafür den Juden bei einer versprochenen Investition kalt abblitzen und kontert dessen magere Krav-Maga-Künste mit einem energischen Handkantenschlag. Und selbstverständlich bekommen auch die Katholiken ihr Fett weg: Der Geistliche etwa, der die Trauung vornehmen soll, wird dargestellt als alberner Weichling, der heimlich im Internet nach schicken Priesterklamotten surft, während er Marie die Beichte abnimmt.

Rassismus, Borniertheit, Fremdenfeindlichkeit und Ignoranz werden auf allen Seiten entlarvt. Neben den treffend aufs Korn genommenen Klischees stehen dabei zwar immer wieder auch missratene Pointen, aber auch was das angeht, kann es hier jeden erwischen - so ist diese Komödie auch in ihrem Spott wahrlich multikulturell und in ihrer Ausgewogenheit trotz gelegentlicher Bosheiten für fast alle akzeptabel. Allerdings wird nicht jede einzelne Figur mit eigenen lächerlichen Eigenschaften ausgestattet und so bleiben ausgerechnet Claudes und Maries Töchter, die doch das ganze Chaos erst ausgelöst haben, nicht mehr als hübsche, aber als Personen uninteressante Leerstellen. Eine Ausnahme bildet nur die Malerin Ségolène, welche die ganze Familie mit depressiven Selbstporträts versorgt, ihre drei Schwestern sind jedoch ganz ungebrochene Exemplare jenes im Kino immer noch allzu verbreiteten weiblichen Rollentyps des schmückenden Beiwerks. Hier tappt Regisseur Chauveron letztlich selbst in die Klischeefalle und lädt zugleich unwillentlich zu einem interessanten Gedankenspiel ein: Wie würde der Film wohl aussehen, wenn Monsieur Claude statt vier Töchtern vier Söhne hätte?

Fazit: 

Ihre vier Töchter mit vier Immigranten zu verheiraten, ist für das traditionsbewusste französische Ehepaar Claude und Marie eine harte Prüfung. Für die Zuschauer ist das Ergebnis eine amüsante Familienkomödie über kulturelle Vorurteile und andere Misslichkeiten. 8,5 von 10 Punkte (mk)

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