Sonntag, 11. Juni 2017

Die Mumie 2017 3D



Facts:

Genre: Horror, Fantasy, Abenteuer
Regie: Alex Krutzman 
Cast: Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Russell Crowe
Laufzeit: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 
Vor 2.000 Jahren wurde die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) tief unter der Erde eingesperrt – aus gutem Grund! Denn wie Expertin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) aus Hieroglyphen entziffert, war Ahmanet als Anwärterin auf den Königsthron zu machtgierig und böse. Durch Mumifizierung und eine meterdicke Sandschicht sollte die Welt vor der Macht der Geschassten geschützt werden, doch nun wurde ihr Grab durch eine Bombenexplosion freigelegt und die Mumie ist erwacht. Ahmanet bahnt sich den Weg aus ihrem düsteren Grab hinein in unsere Gegenwart, in der es am Abenteurer Nick Morton (Tom Cruise) ist, Unheil von der gesamten Menschheit fernzuhalten. Die Tipps von Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe) im Ohr, nimmt Nick den Kampf auf. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich in der Mumie unermessliche Wut und Bosheit angestaut und sie dürstet nach Rache… 

Bewertung:
Einleitend heißt es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei.  Das Zitat „Eine Welt von Göttern und Monstern“ welches als Motto des Dark Universe dienen könnte, wie es uns in „Die Mumie“ offenbart wird. Einleitend heißt es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei. Und in kurzen Momenten zeigt Sofia Boutellas Prinzessin/Mumie eine Macht- und Lebensgier, die erahnen lässt, welche Verheißung und welche Anmaßung in diesem Satz stecken. Auch ansonsten wird das dramatische Potenzial (vom philosophischen ganz zu schweigen) dieser Prämisse gut genutzt. Zombie-Attacken mögen genauso wie die Vogelangriffe (wenn sie durchs Cockpitfenster des Flugzeugs krachen, dann kommt das gute 3D voll zur Geltung) sowie die ganzen Ratten und Spinnen, die über Cruise und Co. herfallen, oft ein wenig willkürlich daherkommen, aber sie gehören neben einem „Scherbenregen“ im Museum zu den visuellen Höhepunkten dieses Films, dem man sein 125-Millionen-Dollar-Budget durchaus ansieht.

In „Die Mumie“ geht es letztlich einmal mehr um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, einem Kampf, dem sich auch Dr. Jekylls Geheimorganisation Prodigium verschrieben hat (und die eine der Konstanten im Dark Universe werden könnte). Die Verlagerung der Haupthandlung in die Gegenwart gibt dabei die Gelegenheit zu einer beeindruckenden Flugzeugabsturzsequenz, aber abgesehen von einem überraschend boshaft eingesetzten Verweis auf die Zerstörung von Kunst- und Kulturschätzen durch den sogenannten Islamischen Staat und einer Zerstörungsorgie in Londons Straßen, die flaue Gefühle auslösen könnte, ist der Film ähnlich zeitlos wie Tom Cruise alterslos zu sein scheint – umso kurioser wirkt da eine der Schlusswendungen des Films, die tatsächlich Lust macht auf eine entsprechende Fortsetzung. Die größte Hoffnung knüpft sich aber an Russell Crowe und seinen Dr. Jekyll: Das ist hier nämlich die einzige Figur, in der echtes Leben und ein nachfühlbarer Konflikt steckt - selbst ihre kaum mehr als angedeutete Verwandlung in Mr. Hyde übertrifft den Großteil des restlichen Films an Ausdruckskraft und Emotionen.

Fazit: 
Mir hat die Neuauflage von „Die Mumie“ von Alex Kurtzmans sehr gut gefallen. Düster, Creepy und weg vom lustiges Mumien Image der letzten Filme. Guter Auftakt zum neuen Universal-Monsterfilmuniversum. Wir vergeben frisch einbalsamierte 8 von 10 Punkte.  (mk)

Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache 3D



Facts:

Genre: Fantasy, Action
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg


Cast: Johnny Depp, Javier Bardem, Brenton Thwaites
Laufzeit: 129 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) stolpert unversehens in ein neues Abenteuer, als eine Truppe Geisterpiraten unter der Führung von Sparrows erklärtem Todfeind Captain Salazar (Javier Bardem) das Teufelsdreieck verlässt, in dem sie bislang festgehalten wurde. Salazar und seine Crew sinnen auf Rache an allen lebenden Piraten und wollen sie töten, allen voran Captain Jack. Diesem bleibt nur eine Möglichkeit, sich aus der brenzligen Situation herauszuwinden: Er muss Poseidons magischen Dreizack finden, der ihm die Herrschaft über die Weltmeere verleiht und mit dem er Salazar in die Schranken weisen kann. Auf der Suche danach trifft er zum einen auf die junge Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die ebenfalls den Dreizack finden will, um sich in der von Männern dominierten Welt der Wissenschaft beweisen zu können, sowie auf den jungen Seemann Henry Turner (Brenton Thwaites), der versucht, seinen Vater zu finden. Dieser ist allerdings mit einem Fluch belegt, der ein solches Zusammentreffen verhindert – und Captain Jack kennt Henrys Vater nur zu gut... 

Bewertung:
Die Story von Fluch der Karibik inkl. Jack Sparrow ist längst auserzählt! Egal ob Münzen, Kompasse, Karten oder Dreizacke - inzwischen wird die Handlung gefühlt nur noch vorangetrieben, indem man noch einen magischen Gegenstand oder noch einen Geisterkapitän aus dem Hut zaubert. Aber einen „Pirates Of The Caribbean“-Film schaut sich eh keiner wegen der Story an, sondern wegen der Action, dem Humor und Johnny Depp in seiner Paraderolle als dauerwankender Trunkenbold-Kapitän! Und zumindest was die Action angeht, hat „Salazars Rache“ gleich zu Beginn einige echte Höhepunkte zu bieten:

Wenn Sparrows Crew eine ganze Bank (statt nur den Tresor) hinter sich her an Pferden durch die Stadt zieht, ist nicht nur das komödiantische Timing absolut perfekt, man sieht der Sequenz auch an, dass ein Großteil der Action tatsächlich handgemacht ist, was ihr ein ganz anderes Gewicht verleiht. Erst als das mitgeschleifte Haus am Stadttor zerschellt, sind die Computeranimationen klar als solche zu erkennen – und der Szene entweicht mit einem Mal ihre komplette Energie. In der stärksten Sequenz des ganzen Films soll wenig später neben der als Hexe angeklagten Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario) auch Sparrow selbst exekutiert werden, aber nach einer halbgeglückten Befreiungsaktion rotiert er plötzlich an eine Guillotine gefesselt um eine Holzachse, während das blitzende Fallbeil seinem Hals immer wieder gefährlich nahe kommt. Das ist nicht nur ein verschmitzter Rückverweis auf die Karussell-Wurzeln des Franchises, sondern vereint in sich auch zwei der großen Stärken der Reihe: kreativ-rasante Action und staubtrockenen schwarzen Humor.

Das eigentliche Finale, in dem die Macher „Die zehn Gebote“-mäßig das Meer teilen, kann da jedenfalls nicht mithalten – ganz im Gegensatz übrigens zu den Designs von Salazar und seinem Geisterschiff: Die stammen zwar ebenfalls aus dem Computer, sind aber trotzdem angenehm originell – während Salazar selbst an Bord eines Schiffes mit seinem in der Luft fließenden Haar stets aussieht, als würde er sich gerade schwerfällig unter Wasser fortbewegen, entpuppt sich seine aus nur noch vereinzelten Planken bestehende Silent Mary als wahres Seemonster, das andere Schiffe einfach auffrisst. Weniger gelungen als zum Beispiel in „The First Avenger: Civil War“ oder gerade erst in „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“, wo der junge Kurt Russell die Mutter von Star-Lord verführt, ist hier allerdings die digitale Verjüngungskur des inzwischen auch schon 53-jährigen Johnny Depp, wenn sich der jugendliche Jack Sparrow in einer Rückblende mit dem noch menschlichen Salazar anlegt (in einer weiteren Rückblende ist übrigens auch der deutsche Schauspieler Alexander Scheer kurz als junger Vater von Jack Sparrow zu sehen).

Der angestrebte (aber dann eben nicht umgesetzte) Sparkurs war übrigens nicht der einzige Grund für die Verpflichtung von Rønning und Sandberg – die Regisseure sollten der Reihe auch unbedingt wieder mehr Herz verleihen. Das ist mit der Einführung der zwei neuen Hauptfiguren Henry Turner und Carina Smyth allerdings nur so semioptimal gelungen: Henry hat mit der Befreiung seines verfluchten Vaters zwar ein starkes persönliches Ziel, aber der britische Shootingstar Brenton Thwaites („Hüter der Erinnerung“, „Gods Of Egypt“) gibt sich dann doch recht widerstandslos mit der Rolle des geerdeten Schönlings zufrieden. Da bekommt Kaya Scodelario („Skins“, „Maze Runner“-Trilogie) als wandelnde Marie-Curie-Hommage schon mehr zu tun, wenn sie sich als zukunftsgewandte Wissenschaftlerin schlagfertig gegen ihre rückständigen männlichen Kollegen, die jede Forschung einer Frau unweigerlich als Hexerei abtun, zur Wehr setzt (an einem Labor hängt sogar das Schild: „Keine Hunde. Keine Frauen“). Bei Carina offenbart sich zudem später ebenfalls eine verwandtschaftliche Verbindung zu einer schon bekannten Figur, die wir aber hier selbstverständlich nicht verraten. Nur wenn die Neuzugänge doch eigentlich das emotionale Zentrum bilden sollten, dann fragt man sich natürlich schon, warum das finale emotionale Highlight des Films dann ausgerechnet eine Szene ist, in der sich zwei Figuren in die Arme fallen, von denen die eine in „Salazars Rache“ vorher noch gar nicht und die andere noch keine fünf Minuten lang zu sehen war.

Fazit: 
„Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache“ hat dem Franchise zwar absolut nichts Neues mehr hinzuzufügen, aber einige der augenzwinkernden Actionszenen sind verdammt gut und Johnny Depp wankt so cool wie eh und je. Solide 6,5 von 10 Punkte

Montag, 22. Mai 2017

Guardians Of The Galaxy Vol. 2 3D



Facts:

Genre: SciFi, Fantasy, Action
Regie: James Gunn
Cast:  Chris Pratt, Zoe Saldana, Karen Gillian, David Hasselhoff, Kurt Russell
Laufzeit: 136 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Die „Guardians Of The Galaxy“ rund um Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt) sind mittlerweile im ganzen Universum bekannt und auch Ayesha (Elizabeth Debicki), die Anführerin der Sovereign People, einem Volk von genetisch zur Perfektion veränderten Wesen, bemüht sich um ihre Dienste. Die Guardians sollen für sie und ihre Mitbürger ein interdimensionales Monster bekämpfen. Im Ausgleich will sie ihnen Nebula (Karen Gillan) übergeben, so dass die Guardians die Killerin und Schwester von Gamora (Zoe Saldana) ins Gefängnis bringen können. Doch Rocket (Stimme im Original: Bradley Cooper) kann seine Finger mal wieder nicht bei sich behalten und klaut nach vollbrachter Tat ein paar mächtige Batterien. Ayesha ist darüber alles andere als begeistert und heuert die Ravagers an, die Guardians zu jagen und die Energiequelle zurückzuholen. Weil Yondu sich weigert, seinen Ziehsohn Star-Lord mit vollem Einsatz zu verfolgen, kommt es innerhalb der Ravagers zur Meuterei. Taserface (Chris Sullivan) übernimmt das Kommando und setzt Star-Lord und den Guardians nach. Bei deren Überführung von Nebula zum Nova Corps wiederum geht derweil wenig nach Plan und bald werden die Helden getrennt… 

Bewertung:
Auch in der Fortsetzung finden sich wieder zahlreiche Anspielungen auf die legendäre Sternenkriegssaga – bis hin zu den mit absoluter Selbstverständlichkeit eingeblendeten zunächst nichtssagenden Planetennamen. Denn auch die Vorliebe für mehrere parallele Schauplätze und Erzählstränge teilt Gunn dieses Mal mit dem „Star Wars“-Schöpfer George Lucas und lässt die Guardians-Gang getrennte Wege gehen. Doch diese Strategie zahlt sich nicht aus. Man mag noch darüber hinwegsehen, dass die Aufteilung inhaltlich sehr dürftig begründet wird und sie nur als Mittel zum erzählerischen Zweck erscheint, doch wer die Helden als Einzelkämpfer oder im Duo auftreten lässt, tut dies auf Kosten der einzigartigen Gruppendynamik der Guardians. Sie sind als Team am stärksten und so ist auch der Film am besten, wenn sie alle zusammen in Aktion treten wie zum Auftakt und im Finale. Dort erreicht die Fortsetzung trotzdem kaum die Qualität des Vorgängers.

Dazwischen ist „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ kurzweilig und hat lustige Momente, aber die erzählerische Stringenz lässt ein wenig zu wünschen übrig und die Spannung bleibt weitgehend auf der Strecke, zumal die Bösewichte nicht wirklich überzeugen. Man lacht immer wieder über eine wundervolle Hommage oder die ironische Brechung eines kitschigen Moments und freut sich über einen der vielen überraschenden Cameo-Auftritte oder die Entdeckung einiger Easter Eggs. James Gunn sorgt konstant für Humor, doch gibt er uns lange Zeit kaum Gelegenheit, mit den Figuren mitzufiebern. Sie sind meist zu zweit unterwegs und ergänzen sich jeweils gut, aber das großartige Potenzial der Figuren wird dabei nicht immer ausgeschöpft. Besonders amüsant ist die Paarung zwischen Drax und Egos Gehilfin Mantis (Pom Klementieff): Der naive Neuzugang wird von dem Hünen immer wieder wunderbar veräppelt. Die Schwestern Nebula und Gamora zelebrieren derweil einige nette Bad-Ass-Momente, während der langsame Aufbau einer besonderen Bindung zwischen Rocket und Star-Lords Ziehvater Yondu (absolut großartig: Michael Rooker) sich im Finale bezahlt macht.

Ausgerechnet der von Charisma-Bombe Chris Pratt gespielte Anführer Star-Lord bleibt dagegen dieses Mal trotz einiger cooler Sprüche etwas blasser. Zwischen ihm und dem in seiner menschlichen Form von Altstar Kurt Russell verkörperten lebenden Planeten Ego kommen trotz vieler gemeinsamer Momente keine rechten Vater-Sohn-Wiedervereinigungsgefühle auf. Dies wird einem noch einmal besonders klar vor Augen geführt, wenn gen Ende der Klassiker „Father And Son“ von Cat Stevens alias Yusuf Islam auf dem leider sehr abfallenden Soundtrack erklingt und den (nicht nur emotionalen) Höhepunkt des gesamten Films untermalt. Trotz des Songtitels geht es hier nämlich nicht um die Beziehung von Star-Lord und Ego (so viel kann verraten werden), sondern um eine andere, die ungleich besser ausgestaltet und erzählt wird.

Der eigentliche Star im gegenüber Teil eins noch umfangreicheren Figurenarsenal ist neben Michael Rookers Yondu einmal mehr Groot - beziehungsweise nun Baby Groot. James Gunn hat zwar mehrfach gesagt, dass mögliche Spielzeug-Verkäufe rein gar nichts mit der Entscheidung zu tun hätten, das Baumwesen im kurz nach dem Ende des Vorgängers und so ebenfalls im Jahr 2014 angesiedelten Sequel im Baby-Alter zu belassen, doch bei Disney und den Merchandise-Partnern dürfte man sich trotzdem die Hände reiben. Denn Gunn tut alles dafür, dass Baby-Groot-Puppen der Renner werden. Ähnlich wie im ersten Film gibt es zwar erst ein Vorspiel in der Vergangenheit, doch danach gehört die Bühne ganz Groot. Wenn die Guardians etwa für die Sovereign das riesige Weltraummonster besiegen, findet die Action zum größten Teil nur im Bildhintergrund statt, denn der Fokus liegt auf dem munter durch die Szenerie tapernden Baum-Baby. Das hat zum Kampf nichts beizutragen, stellt allerlei Unsinn an und lenkt immer wieder die Kollegen ab, die sich Sorgen um den kleinen Racker machen. Dieser Auftakt nimmt viel vom späteren Ablauf vorweg: Im Zweifelsfall wird in diesem launigen Sequel Humor gegenüber Action und Thrill bevorzugt.

Fazit: 
Mich hat „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ nicht überzeugt und besser gesagt - sogar enttäuscht. Die Musik ist weit aus schlechter als im 1. Teil. Die Handlung besteht aus viel zu viel unsinnigem Gelaber und die Story ist selbst für das Scifi Genre zu weit hergeholt. Dafür gibts nur schwache 5 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 18. Mai 2017

Logan - The Wolverine



Facts:

Genre: Abenteuer, Action
Regie: James Mangold
Cast: Hugh Jackman, Patrick Steward, Dafne Keen
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 
In der Welt des Jahres 2029 sind Mutanten Geschichte, beinahe jedenfalls: Der gealterte Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) ist einer der wenigen verbleibenden Menschen mit außergewöhnlichen Kräften und verbringt seine Tage an einem verlassenen Flecken Erde nahe der Grenze zu Mexiko, wo er sein Geld als Fahrer verdient und ihm nur zwei weitere Mutanten Gesellschaft leisten: Caliban (Stephen Merchant) und Charles Xavier alias Professor X (Patrick Stewart), dessen einst so brillanter und mächtiger Verstand von regelmäßigen Anfällen heimgesucht wird. Doch Logans selbstauferlegtes Exil endet eines Tages abrupt, als eine mysteriöse Frau ihn darum bittet, sich um die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) zu kümmern und diese in Sicherheit zu bringen. Bald schon muss sich der krallenbewehrte Krieger mit dunklen Mächten und einem Bösewicht aus seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, um Laura zu beschützen…

Bewertung:
Dass ein Film wie „Logan“ überhaupt möglich ist, verdanken wir zu einem großen Teil dem Erfolg von „Deadpool“, der trotz - oder gerade wegen? - seines R-Ratings (das US-Pendant zu „ab 18 Jahren“) weltweit mehr als 780 Millionen Dollar eingespielt hat. Plötzlich erschien es den Verantwortlichen bei 20th Century Fox als eine gute Idee, einen so engagierten Star wie Hugh Jackman einfach mal machen zu lassen. Nachdem wir „Logan“ nun gesehen haben, können wir dazu nur sagen: Jackman und sein Regisseur-Komplize James Mangold haben ihre neugewonnene Freiheit bis an die absolute Schmerzgrenze ausgereizt.

… und diese Befürchtungen sind auch durchaus nachvollziehbar – was allerdings weniger an der Qualität des Films, als vielmehr an seiner rücksichtslosen Konsequenz liegt: „Logan“ fühlt sich an wie ein Mix aus „Terminator“ und einem abgründigen Anti-Western. Ein (zumindest für einen Comic-Blockbuster) ungewohnt gemächlich erzähltes Roadmovie trifft auf todessehnsüchtige Anti-Helden und megabrutale, knapp gehaltene Actionszenen. Es ist definitiv kein Zufall, dass sich Charles Xavier in seinem Hotelzimmer Szenen aus dem Western-Klassiker „Mein großer Freund Shane“ ansieht, dafür gibt es viel zu viele Parallelen zwischen den beiden Filmen.

Los geht es mit der neuen Konsequenz gleich in der ersten Szene: Der in seiner Limousine seinen Rausch ausschlafende Logan will eigentlich nur seine Ruhe haben, bekommt es aber doch mit einer mexikanischen Gang zu tun, die ihn direkt mit einer Schrotflinte niederstreckt (was aber natürlich nur von kurzer Dauer ist). Schon während dieses knappen Auftakts werden dem Zuschauer mehrere Dinge klar: Zum einen ist Wolverine nicht mehr der unbesiegbare, in Sekundenbruchteilen selbstheilende Superheld, wie wir ihn aus den ersten „X-Men“-Filmen kennen. Sein ganzer Körper ist vernarbt und die Heilung dauert bedeutend länger. Zum anderen achtet er beim Einsatz seiner Klauen nicht mehr auf mögliche jugendliche Zuschauer – ist früher kaum mal ein Tropfen Blut geflossen, wenn Wolverine seinen Adamantiumstahl in seine Widersacher gerammt hat, spritzt der rote Saft jetzt nicht nur in Strömen, es werden auch regelmäßig Gliedmaßen abgetrennt, Körper aufgerissen, Köpfe durchbohrt: Stellenweise lässt sich „Logan“ ohne Übertreibung mit einem 80er-Jahre-Splatterfilm vergleichen.

Ein großes Fragezeichen stand im Vorfeld hinter der kindlichen Mutantin Laura, die Logan auf dem Poster zum Film so süß die Hand reicht. Aber „Logan“ ist kein zweiter „Iron Man 3“, in dem Tony Stark ein kleiner Junge als (durchaus gelungener) sentimentaler Sidekick zur Seite gestellt wird. Die väterlichen Gefühle sind hier auf ein Minimum reduziert (wobei die wenigen offen emotionalen Szenen zum Ende hin ehrlich gesagt auch nicht so richtig gut funktionieren), aber Laura tritt andererseits auch nicht in die Fußstapfen von Hit-Girl: Zwar hat auch Chloë Grace Moretz als vermeintlich harmloses kleines Mädchen in den beiden „Kick-Ass“-Filmen ihre Widersacher reihenweise auf superbrutale Weise eliminiert, allerdings stets mit einem gewissen Augenzwinkern. Lauras Metzelarien haben hingegen nicht den geringsten Funken Humor an sich – vielmehr agiert sie, zumal sie in den ersten zwei Dritteln des Films nicht spricht, tatsächlich wie ein in die Enge getriebenes Tier – und das ist natürlich noch mal eine ganz andere Hausnummer als bei Logans Szenen. Will ein Mainstream-Publikum wirklich sehen, wie eine Zehnjährige mit einem abgetrennten Kopf (mit gut erkennbarer Luft- und Speiseröhre) Bowling spielt? Wir sind gespannt.

Auch was das gedrosselte Erzähltempo und die auf ein Minimum reduzierte Handlung angeht, dürfen sich Fans der üblichen Marvel-Blockbuster auf eine – je nach persönlichem Geschmack – schöne oder unschöne Überraschung einstellen. Es gibt in „Logan“ lediglich eine Handvoll Actionszenen – und die erschöpfen sich meist in knackig-brutalem Nahkampf. Wenn Logan mit seiner Limousine einen in der Stoßstange feststeckenden Stacheldrahtzaun ein Stück weit mitschleift, dann ist das fast schon das höchste der Gefühle – so etwas wie die Flughafensequenz in „Civil War“ sucht man hier zumindest vergebens. Stattdessen setzt James Mangold ganz auf die grimmig-dreckige Atmosphäre seines abgefuckt-düsteren New-Hollywood-Spätwestern, der nun gleichsam mit 40 Jahren Verspätung auf das ganz große Kinopublikum losgelassen wird. Dass „Logan“ nicht einfach nur ein Hugh-Jackman-Starvehikel ist, sondern Teil einer Multimilliarden-Dollar-Comic-Kinoreihe, macht die Konsequenz der Filmemacher nur noch überraschender – und es lässt uns auch leichter darüber hinwegsehen, dass „Logan“ thematisch am Ende sicherlich nicht so tiefschürfend ist, wie er zwischendurch manchmal tut.

Fazit: 
Ein Anti-Western mit Adamantium-Twist – „Logan“ ist die erste Verfilmung, die dem Wolverine aus den Comics tatsächlich gerecht wird. Düster, depressiv, gewalttätig... trotz der teilweise zu gewaltätigen Szenen von Nachwuchs Wolverine Dafne Keed vergeben wir stahlglatte 8,5 von 10 Punkte. (mk)  

Donnerstag, 2. März 2017

Oscars 2017 - Die Gewinner

Hier die Gewinner der diesjährigen Oscar Verleihung.


(c) Academy of Motion Picture Arts and Sciences


Der Oscar® für den "Besten Nebendarsteller" geht an Mahershala Ali mit "Moonlight"
Der Oscar® für "Makeup and Hair" gewinnt "Suicide Squad"
Der Oscar® für "Kostümdesign" geht an "Fantastic Beasts and Where to find Them"
Der Oscar® für "Dokumentarfilm Lang" geht an "O.J. Made in America"

Der Oscar® für "Bester Tonschnitt" geht an Sylvain Bellemare mit "Arrival"
Der Oscar® für "Bester Tonmix" geht an Kevin O’Connell und Andy Wright mit "Hacksaw Ridge"
Der Oscar® für die "Beste Nebendarstellerin" geht an Viola Davis mit "Fences"
Der Oscar® für "Bester fremdsprachiger Film" geht an "The Salesman"

Der Oscar® für "Bester animierter Kurzfilm" geht an "Piper"
Der Oscar® für "Bester animierter Spielfilm" geht an "Zoomania"
Der Oscar® für "Bestes Szenenbild" geht an "La La Land"
Der Oscar® für "Beste visuelle Effekte" geht an Roberto Legato mit "Das Dschungelbuch"

Der Oscar® für "Bester Schnitt" geht an John Gilbert für "Hacksaw Ridge"
Der Oscar® für "Bester Dokumentar-Kurzfilm" geht an "The White Helmets"
Der Oscar® für "Bester Kurzfilm" geht an "Sing"
Der Oscar® für "Beste Kamera" geht an "La La Land"

Der Oscar® für "Bester Titelsong" geht an "City of Stars" von "La La Land"
Der Oscar® für "Beste Filmmusik" geht an "La La Land"
Der Oscar® für "Bestes Originaldrehbuch" geht an Kenneth Lonergan mit „Manchester by the Sea“
Der Oscar® für "Bestes adaptiertes Drehbuch" geht an Barry Jenkins mit "Moonlight"

Der Oscar® für "Beste Regie" geht an Damien Chazelle mit "La La Land"
Der Oscar® für "Bester Hauptdarsteller" geht an  Casey Affleck in "Manchester by the Sea"
Der Oscar® für "Beste Hauptdarstellerin" geht an Emma Stone in "La La Land"
Der Oscar® für "Bester Film" geht an "Moonlight"