Donnerstag, 18. Mai 2017

Logan - The Wolverine



Facts:

Genre: Abenteuer, Action
Regie: James Mangold
Cast: Hugh Jackman, Patrick Steward, Dafne Keen
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 
In der Welt des Jahres 2029 sind Mutanten Geschichte, beinahe jedenfalls: Der gealterte Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) ist einer der wenigen verbleibenden Menschen mit außergewöhnlichen Kräften und verbringt seine Tage an einem verlassenen Flecken Erde nahe der Grenze zu Mexiko, wo er sein Geld als Fahrer verdient und ihm nur zwei weitere Mutanten Gesellschaft leisten: Caliban (Stephen Merchant) und Charles Xavier alias Professor X (Patrick Stewart), dessen einst so brillanter und mächtiger Verstand von regelmäßigen Anfällen heimgesucht wird. Doch Logans selbstauferlegtes Exil endet eines Tages abrupt, als eine mysteriöse Frau ihn darum bittet, sich um die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) zu kümmern und diese in Sicherheit zu bringen. Bald schon muss sich der krallenbewehrte Krieger mit dunklen Mächten und einem Bösewicht aus seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, um Laura zu beschützen…

Bewertung:
Dass ein Film wie „Logan“ überhaupt möglich ist, verdanken wir zu einem großen Teil dem Erfolg von „Deadpool“, der trotz - oder gerade wegen? - seines R-Ratings (das US-Pendant zu „ab 18 Jahren“) weltweit mehr als 780 Millionen Dollar eingespielt hat. Plötzlich erschien es den Verantwortlichen bei 20th Century Fox als eine gute Idee, einen so engagierten Star wie Hugh Jackman einfach mal machen zu lassen. Nachdem wir „Logan“ nun gesehen haben, können wir dazu nur sagen: Jackman und sein Regisseur-Komplize James Mangold haben ihre neugewonnene Freiheit bis an die absolute Schmerzgrenze ausgereizt.

… und diese Befürchtungen sind auch durchaus nachvollziehbar – was allerdings weniger an der Qualität des Films, als vielmehr an seiner rücksichtslosen Konsequenz liegt: „Logan“ fühlt sich an wie ein Mix aus „Terminator“ und einem abgründigen Anti-Western. Ein (zumindest für einen Comic-Blockbuster) ungewohnt gemächlich erzähltes Roadmovie trifft auf todessehnsüchtige Anti-Helden und megabrutale, knapp gehaltene Actionszenen. Es ist definitiv kein Zufall, dass sich Charles Xavier in seinem Hotelzimmer Szenen aus dem Western-Klassiker „Mein großer Freund Shane“ ansieht, dafür gibt es viel zu viele Parallelen zwischen den beiden Filmen.

Los geht es mit der neuen Konsequenz gleich in der ersten Szene: Der in seiner Limousine seinen Rausch ausschlafende Logan will eigentlich nur seine Ruhe haben, bekommt es aber doch mit einer mexikanischen Gang zu tun, die ihn direkt mit einer Schrotflinte niederstreckt (was aber natürlich nur von kurzer Dauer ist). Schon während dieses knappen Auftakts werden dem Zuschauer mehrere Dinge klar: Zum einen ist Wolverine nicht mehr der unbesiegbare, in Sekundenbruchteilen selbstheilende Superheld, wie wir ihn aus den ersten „X-Men“-Filmen kennen. Sein ganzer Körper ist vernarbt und die Heilung dauert bedeutend länger. Zum anderen achtet er beim Einsatz seiner Klauen nicht mehr auf mögliche jugendliche Zuschauer – ist früher kaum mal ein Tropfen Blut geflossen, wenn Wolverine seinen Adamantiumstahl in seine Widersacher gerammt hat, spritzt der rote Saft jetzt nicht nur in Strömen, es werden auch regelmäßig Gliedmaßen abgetrennt, Körper aufgerissen, Köpfe durchbohrt: Stellenweise lässt sich „Logan“ ohne Übertreibung mit einem 80er-Jahre-Splatterfilm vergleichen.

Ein großes Fragezeichen stand im Vorfeld hinter der kindlichen Mutantin Laura, die Logan auf dem Poster zum Film so süß die Hand reicht. Aber „Logan“ ist kein zweiter „Iron Man 3“, in dem Tony Stark ein kleiner Junge als (durchaus gelungener) sentimentaler Sidekick zur Seite gestellt wird. Die väterlichen Gefühle sind hier auf ein Minimum reduziert (wobei die wenigen offen emotionalen Szenen zum Ende hin ehrlich gesagt auch nicht so richtig gut funktionieren), aber Laura tritt andererseits auch nicht in die Fußstapfen von Hit-Girl: Zwar hat auch Chloë Grace Moretz als vermeintlich harmloses kleines Mädchen in den beiden „Kick-Ass“-Filmen ihre Widersacher reihenweise auf superbrutale Weise eliminiert, allerdings stets mit einem gewissen Augenzwinkern. Lauras Metzelarien haben hingegen nicht den geringsten Funken Humor an sich – vielmehr agiert sie, zumal sie in den ersten zwei Dritteln des Films nicht spricht, tatsächlich wie ein in die Enge getriebenes Tier – und das ist natürlich noch mal eine ganz andere Hausnummer als bei Logans Szenen. Will ein Mainstream-Publikum wirklich sehen, wie eine Zehnjährige mit einem abgetrennten Kopf (mit gut erkennbarer Luft- und Speiseröhre) Bowling spielt? Wir sind gespannt.

Auch was das gedrosselte Erzähltempo und die auf ein Minimum reduzierte Handlung angeht, dürfen sich Fans der üblichen Marvel-Blockbuster auf eine – je nach persönlichem Geschmack – schöne oder unschöne Überraschung einstellen. Es gibt in „Logan“ lediglich eine Handvoll Actionszenen – und die erschöpfen sich meist in knackig-brutalem Nahkampf. Wenn Logan mit seiner Limousine einen in der Stoßstange feststeckenden Stacheldrahtzaun ein Stück weit mitschleift, dann ist das fast schon das höchste der Gefühle – so etwas wie die Flughafensequenz in „Civil War“ sucht man hier zumindest vergebens. Stattdessen setzt James Mangold ganz auf die grimmig-dreckige Atmosphäre seines abgefuckt-düsteren New-Hollywood-Spätwestern, der nun gleichsam mit 40 Jahren Verspätung auf das ganz große Kinopublikum losgelassen wird. Dass „Logan“ nicht einfach nur ein Hugh-Jackman-Starvehikel ist, sondern Teil einer Multimilliarden-Dollar-Comic-Kinoreihe, macht die Konsequenz der Filmemacher nur noch überraschender – und es lässt uns auch leichter darüber hinwegsehen, dass „Logan“ thematisch am Ende sicherlich nicht so tiefschürfend ist, wie er zwischendurch manchmal tut.

Fazit: 
Ein Anti-Western mit Adamantium-Twist – „Logan“ ist die erste Verfilmung, die dem Wolverine aus den Comics tatsächlich gerecht wird. Düster, depressiv, gewalttätig... trotz der teilweise zu gewaltätigen Szenen von Nachwuchs Wolverine Dafne Keed vergeben wir stahlglatte 8,5 von 10 Punkte. (mk)  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen