Mittwoch, 18. Juni 2014

Tiefe Wasser

Facts:

Genre: Drama 
Regie: Tomasz Wasilewski
Cast: Mateusz Banasiuk, Marta Nieradkiewicz
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Salzgeber u. Company Medien


(c) Salzgeber u. Company Medien
Inhalt:


Auf den jungen, hochtalentierten Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) prasseln von allen Seiten Ansprüche ein. Er wohnt gemeinsam mit Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) zuhause bei seiner Mutter (Katarzyna Herman). Die ist genervt von Sylwia und will sie aus der Wohnung haben – und Kubas Schwimmtrainer würde von seinem Schützling gerne mehr Trainingsfleiß sehen. Doch Kuba entzieht sich jeglicher Verantwortung, jeglichen Entscheidungen. Außerdem verheimlicht er seinem Umfeld sowohl, dass er illegale leistungssteigernde Mittel nimmt, als auch seine Homosexualität. Die Dinge ändern sich, als er Michal (Bartosz Gelner) kennen lernt. Der lässt Kuba zum ersten Mal daran glauben, sich in einen Mann verlieben zu können und gibt ihm die Kraft, sich auf die Suche nach einem Weg aus dem erdrückenden Umfeld zu machen…

Bewertung: 

Das Drama „Tiefe Wasser“ ist der zweite Spielfilm von Tomasz Wasilewski („In the Bedroom“). Die grundlegende Idee des polnischen Regisseurs war es, einen Queer-Film zu drehen, der für ein möglichst großes Publikum attraktiv ist. Dafür wählte er einen Protagonisten, der sich zwischen seiner langjährigen Partnerin und der leidenschaftlichen Liebe zu einem Mann entscheiden muss, wobei es gar nicht so sehr um die Frage geht, ob dieser Kuba nun hetero, schwul oder bi ist, sondern um innere Konflikte, die in ähnlicher Form jeder kennt. Mit viel Feingefühl und einem hervorragenden Hauptdarsteller bringt uns der Filmemacher die vielen Facetten dieser Suche nach dem persönlichen Glück nahe.

Die größte Stärke von „Tiefe Wasser“ sind die durchgehend sehr guten Schauspieler. Allen voran brilliert Mateusz Banasiuk in einer seiner ersten Kino-Hauptrollen. Kuba versucht sich nach außen cool und nonchalant zu geben. Aber in seinem Gesicht sind auch kleinste Gefühlsregungen und somit auch seine innere Verunsicherung ablesbar. Einerseits braucht Kuba den sicheren Hafen, den seine langjährige Freundin Sylwia ihm bietet. Zugleich spürt der Leistungssportler in seinem durchdisziplinierten Leben immer stärker den Wunsch, seine Leidenschaften auszuleben. Diesen etwas schematisch angelegten Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit auf der einen Seite sowie dem Verlangen nach persönlicher Selbstverwirklichung andererseits vertieft Tomasz Wasilewski, der auch das Drehbuch zu „Tiefe Wasser“ verfasst hat, durch seine überlegte Inszenierung.

Das Dilemma des Protagonisten fassen der Regisseur Tomasz Wasilewski und sein Kameramann Jakub Kijowski in sprechende Bilder: In gekonnt gerahmten Einstellungen erscheint der Schauplatz Warschau als kalte und unwirtliche moderne Großstadt. Dieses Umfeld spiegelt die Strenge einer Gesellschaft wider, die für abweichendes Verhalten nach wie vor wenig Raum und noch weniger Verständnis bietet. Als Michal sich eines Tages beim Essen bei seiner Familie dazu durchringt, sich gegenüber seinem Vater zu outen, geht jener einfach darüber hinweg, als ob gar nichts gesagt worden wäre. Und nachdem Kuba Michal in dessen Wohnung besucht hat, wird er anschließend im Treppenhaus von Rowdys als Schwuchtel beschimpft. Wutentbrannt jagt Kuba hinter ihnen her und schlägt einen von ihnen im Aufgang der Tiefgarage zusammen.

Kubas innere Unruhe zeigt sich nach außen dadurch, dass er ständig in Bewegung ist – nicht nur beim Schwimmen. In seiner Freizeit fährt er durch das nächtliche Warschau, an dessen nackten Betonwänden er im übertragenen Sinne abzuprallen scheint. Doch die buchstäblich bedrückende Atmosphäre ist kein Dauerzustand, insbesondere durch den Einsatz treibender elektronischer Musik schafft Wasilewski immer wieder eine gänzlich andere Stimmung. Einmal rauchen Kuba und Michal in einem Parkhaus im Auto sitzend einen Joint. Anschließend fahren sie ganz nach oben. Ein wummernder Sound setzt ein, während sich der Wagen immer weiter in die Höhe schraubt: Die so animierte Bewegung wird zum symbolischen Ausdruck für den Durchbruch der bisher unterdrückten schwulen Leidenschaft. Und wenn Kuba und Michal heimlich auf einen langsam anrollenden Güterzug aufsteigen und mitfahren - ziellos, aber mit Blick in die Sonne -, vereinen sich kindliche Verspieltheit und die Zärtlichkeit frisch Verliebter.

Fazit: 

Tomasz' Wasilewskis Film „Tiefe Wasser“ ist ein einfühlsames Drama über das Ringen mit verschiedenen Beziehungsmodellen, gesellschaftlichen Konventionen und der eigenen sexuellen Identität.Wir vergeben dafür 7,5 von 10 Punkten. (mk)

Freitag, 6. Juni 2014

Boyhood

Facts:

Genre: Drama 
Regie: Richard Linklater
Cast: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Ellar Coltrane, Brad Hawkins

Laufzeit: 163 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany

 
(c) Universal Pictures Germany


Inhalt:

Das Leben des sechsjährigen Mason Jr. (Ellar Coltrane) wird auf den Kopf gestellt, als seine Mutter Olivia (Patricia Arquette) mit ihm und seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) in ihre Heimat Texas zurückkehrt, um noch einmal das College zu besuchen. Dort bekommen die Kinder immerhin auch ihren Vater Mason Sr. (Ethan Hawke), der seit der Scheidung kaum für sie da gewesen ist, wieder öfter zu Gesicht. Mason Jr. muss sich mit seiner neuen Lebenssituation arrangieren – und durchlebt so die zwölf Jahre, die aus einem kleinen Jungen einen Mann machen: Es stehen Campingausflüge mit dem Vater an, es wird das erste Bier getrunken, der erste Joint geraucht und auch die erste große Liebe erlebt. Doch die Männergeschichten von Olivia sorgen immer wieder für Probleme…  

Bewertung:

Mit „Before Sunrise”, „Before Sunset” und „Before Midnight” erzählte Richard Linklater von 1995 bis 2013 im Abstand von jeweils neun Jahren drei Kapitel aus der Liebesgeschichte zwischen dem Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und der Französin Celine (Julie Delpy). Bei diesen weit auseinanderliegenden Momentaufnahmen bestand ein besonderer Reiz darin, zu sehen, wie sehr sich die Figuren in der langen Pause zwischen den Filmen verändert haben. Seit 2002 arbeitete Linklater aber neben der „Before“-Trilogie und anderen Werken auch noch an einem weiteren Langzeitprojekt, bei dem die Entwicklung des Protagonisten in ihrer Kontinuität im Mittelpunkt steht: Bis 2013 versammelte der Regisseur im Jahresabstand jeweils für ein paar Tage vier Stammschauspieler und wechselnde Nebendarsteller vor der Kamera, um die Kindheit und Jugend eines Jungen in Texas vom Anfang der Schulzeit bis zum Wechsel ans College nachzuzeichnen. Das Ergebnis heißt „Boyhood“ und ist nicht nur ein wunderbares Gegenstück zu den „Before“-Filmen, sondern vor allem ein ungemein faszinierendes Spielfilm-Dokument, das sich über 164 Minuten ganz ohne künstlichen Spannungsbogen entfalten darf und gerade dadurch umso wahrhaftiger wirkt.

Es liegt ein besonderer Reiz darin, jemanden buchstäblich vor der Kamera aufwachsen zu sehen. Das gilt für Langzeitdokumentationen wie „Die Kinder von Golzow“, wo 18 Menschen in insgesamt zwanzig Filmen über einen Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert porträtiert wurden, genauso wie für langlebige Fiktionen wie die TV-Serie „Lindenstraße“, in der ein Millionenpublikum verfolgen konnte, wie nicht nur aus dem kleinen „Klausi Beimer“ ein Mann wurde, sondern auch aus seinem Darsteller Moritz A. Sachs. Im Bereich des Kinofilm ist François Truffauts berühmter „Antoine Doinel“-Zyklus wohl das bekannteste Beispiel: In fünf Filmen spielte der 1944 geborene Jean-Pierre Léaud bis 1979 das Alter Ego Truffauts, zuerst als Jugendlichen, später als erwachsenen Mann. In „Boyhood“ ist der sonst meist auf eine ganze Reihe Filme oder gar Hunderte von Serienepisoden verteilte Prozess des Älterwerdens nun in einem Einzelwerk von knapp drei Kinostunden kondensiert. Hier kann der Zuschauer in einem einzigen Film mitansehen wie Ellar Coltrane und Richard Linklaters Tochter Lorelei von kleinen Kindern zu jungen Erwachsenen heranwachsen und sieht daneben auch noch wie die Kinostars Patricia Arquette („True Romance“) und Ethan Hawke („Gattaca“) sich über die Jahre verändern.

Auch wenn sich die insgesamt nur 39 Drehtage über ein Dutzend Jahre verteilt haben, ist „Boyhood“ ein Film wie aus einem Guss. Linklater teilt ihn nicht etwa starr und fein säuberlich in Jahreskapitel auf, sondern folgt stets einer inneren erzählerischen Logik und so sind die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Szenen ganz unterschiedlich groß – das können Stunden, Tage, Wochen, Monate oder auch mal ein ganzes Jahr sein. Die zeitliche Verortung erfolgt dabei ausschließlich über den Kontext der Handlung. Zu Beginn läuft eine Nachrichtensendung über den Irak-Krieg, wodurch deutlich wird, dass wir uns im Jahr 2003 befinden müssen. Später sehen wir den Ansturm bei der Veröffentlichung eines Harry-Potter-Buches oder Szenen aus Barack Obamas erstem Präsidentschaftswahlkampf, die bei der Einordnung helfen. Die klarsten und zugleich subtilsten Wegmarken setzt Linklater aber über die Popkultur und den Fortschritt er Technik. Da steht Lorelei erst auf Britney Spears und dann auf Lady Gaga, ihr Bruder schaut sich einmal Will Ferrells zu dem Zeitpunkt gerade super angesagten Kurzfilm „The Landlord“ in Dauerschleife an und preist später „The Dark Knight“, „Tropic Thunder“ und „Ananas Express“ als seine Lieblingsfilme des Jahres. Und nebenbei wird vom GameBoy Advance über die Xbox bis zur Wii die Entwicklung der Spielekonsolen eingefangen.

Zum natürlichen Fluss der Handlung passt auch Linklaters gänzlich unaufgeregter Erzählton. Es gibt zwar einzelne dramatische Zuspitzungen - etwa wenn sich Olivias zweiter Ehemann als prügelnder Alkoholiker entpuppt und sie Hals über Kopf mit den Kindern die Flucht antreten muss -, aber im Wesentlichen bekommen wir hier typische, oft ganz alltägliche Ereignisse aus dem Leben eines normalen Heranwachsenden zu sehen: schöne und weniger schöne Momente mit Freunden und Familie, Streit unter Geschwistern, Gespräche mit den Eltern. Das ist vor allem in der herausragenden ersten Hälfte des Films immer wieder sehr amüsant, so wenn sich Mason und seine Schwester ein Zimmer teilen müssen:  Sie spielt sich als Diva auf, raubt ihm den letzten Nerv und am Ende gelingt es ihr, es so aussehen zu lassen, als wäre nur er schuld an dem Streit. Die Besetzung dieser beiden Hauptrollen erweist sich dabei als doppelter Glücksgriff: Linklaters Tochter Lorelai gibt ganz herrlich die leicht blasierte Göre, während Masons Entwicklung vom zugleich aufgeweckten und verträumten Jungen, der mit großen Augen die Welt entdeckt, zum nachdenklichen Melancholiker mit Vorliebe für Kunstfotografie von Ellar Coltranes mit großer Natürlichkeit dargestellt wird. Mit dieser Wandlung verändert sich auch der zunächst leichte Ton des Films und wird etwas ernster.

Obwohl Patricia Arquette deutlich mehr Leinwandzeit hat als Ethan Hawke (der vom Rebellen mit Oldtimer zum biederen Vater mit Familienkutsche ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung durchläuft), sind es vor allem die kleinen Szenen mit ihm und den Kindern, die im Gedächtnis bleiben. Richard Linklater beweist hier einmal mehr, dass er ein famoser Drehbuchautor ist: wenn Mason Sr. nach anderthalb Jahren das erste Mal seine Kinder wiedersieht und beim Bowlen darüber diskutiert wird, warum ohne Seitenbegrenzung gespielt wird; oder wenn die Kinder rätseln, ob der Vater mit der Rothaarigen, die ihn gerade angesprochen hat, eine sexuelle Beziehung unterhält; oder wenn Mason Sr. seine 15 Jahre alte Tochter höchst umständlich aufzuklären versucht, ihr am Ende sagt, sie solle immer ein Kondom tragen und dann seinen kuriosen Lapsus bemerkt; oder wenn Vater und Sohn sich bei einer „Star Wars“-Diskussion näherkommen als jemals zuvor. Mit wunderbar auf den Punkt gebrachten und vor allem ungemein authentischen Dialogen machen Linklater und seine Schauspieler aus den scheinbaren Nichtigkeiten des Alltagslebens magische Kinomomente.

Richard Linklater verknüpft die Geschichte von Masons Coming of Age gleichsam nebenbei mit einer kleinen soziopolitischen Chronik des Erwachsenwerdens in seiner eigenen Heimat Texas, wo die durch und durch liberale Familie einige absurde Erlebnisse hat. Da wird in der Schule nach der Nationalhymne auch noch ein Loblied auf die texanische Flagge gesungen und zum 15. Geburtstag bekommt Mason von den strengkonservativen Eltern der neuen Frau seines Vaters eine Bibel und ein Gewehr geschenkt. Zu einer amüsanten Szene kommt es, als Mason Jr. beim Platzieren von Werbeschildern für den Wahlkampf von Barack Obama ausgerechnet bei einem Mann anfragt, der die Konföderiertenflagge gehisst hat. Nur einmal weicht Linklater gegen Ende etwas deutlicher von der locker-beiläufigen Art des Erzählens ab und die entsprechende „American Dream Come True“-Sequenz mit einem mexikanischen Restaurantmanager hat in ihrer überhöhenden Zuspitzung dann auch den Beigeschmack eines Hollywood-Klischees. Das passt nicht recht zum Rest des Films, aber es ließe sich zugunsten dieser Szene durchaus einwenden, dass das Leben manchmal eben auch das Kino imitiert. Zumal Linklater auch noch einen überzeugenderen Schlusspunkt folgen lässt.

Fazit: 

Richard Linklaters Mammutprojekt „Boyhood“ ist ein unbedingt sehenswerter Blick auf ein ganzes Kinderleben im „Schnelldurchlauf“ und ein wahrer Kino-Meilenstein. Der Film wurde zurecht auf der Berlinale 2014 gezeigt. Inhaltlich erhält der Film 8 von 10 Punkte. (mk)

Dienstag, 3. Juni 2014

Godzilla 3D

Facts:

Genre: SciFi, Fantasy 
Regie: Gareth Edwards
Cast: Bryan Cranston, Aaron Taylor-Johnson, Juliette Binoche, Elizabeth Olsen, Ken Watanabe

Laufzeit: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros Germany

 
(c) Warner Bros Germany


Inhalt:

Japan, 1999. In einem Kernkraftwerk werden seit einiger Zeit massive Impulse, ähnlich einem Erdbeben, gemessen, die dem Verantwortlichen Joe Brody (Bryan Cranston) Sorgen bereiten. Eines Tages kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall, just in dem Moment, in dem seine Frau (Juliette Binoche) und ebenfalls Mitarbeiterin auf Sondierungssuche in einem sensiblen Trakt des Atomkraftwerks unterwegs ist. 15 Jahre später hat sich Joe von seinem mittlerweise erwachsenen Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) entfremdet. Nicht allein weil Ford als US-Lieutenant in Übersee stationiert ist, sondern weil Joe an seiner Theorie festhält, dass dieses Ereignis vor 15 Jahren niemals von einem Erdbeben herrühren konnte. Als beide erneut in Japan aufeinandertreffen und in ihrem alten Wohnbezirk Nachforschungen anstellen, wird schnell klar, dass die Regierung etwas Unvorstellbares vor der Öffentlichkeit verheimlicht und Joe mit seiner Überzeugung richtig liegt...

Bewertung:

Regisseur Gareth Edwards zeigt nach seinem Überraschungsfilm Monsters erneut, dass er sich mit Monstern auskennt und auch Big Budget-Produktionen stemmen kann. Weitaus besser sogar als so mancher alte Hase im Filmgeschäft. Hollywood braucht mehr Regisseure wie ihn, Duncan Jones und Josh Trank, die Ideen haben und denen auch größere Filme anvertraut werden sollten. Zwar wird man an Aliens - Die Rückkehr oder Starship Troopers erinnert, aber sofern dies seitens der Macher gewünscht war, ist es in Godzilla als Hommage zu sehen.

Sollte man also reingehen? Unbedingt, denn der Film macht Spaß und hievt das Monster aller Monster nach Emmerichs Version aus 1998 wieder auf eine höhere Ebene. Es sind keine unnötigen Witze wie in den Marvel-Filmen nötig, die die Handlung ins Lächerliche ziehen, zudem schafft es Edwards in vielen Szenen auch die Dramatik herauszuarbeiten. Anders als in Pacific Rim gibt es zwar monströse Schlachten mit unfassbar hohem Kollateralschaden, doch man ermüdet als Zuschauer nicht beim Wieder-und-wieder-und-wieder-Aufeinandereinschlagen. Trotz realistischer Herangehensweise behält Godzilla einen leichten Trashcharme. Wie sollte es auch anders sein, wenn über gigantische Monster und deren amüsante Ernährungsweise mit einer derart trockenen Überzeugung seitens der Wissenschaftler, allen voran Ken Watanabe, gesprochen wird?!

Unserer Ansicht nach wurde Godzilla auch endlich mal gut umgesetzt. Es ist nicht die typische Amerikanisierung von 1998, aber auch kein Typ im Kostüm, der sich nach vorne beugen muss, wenn Godzilla nach unten gucken soll. Er mag ein wenig moppsig wirken, aber das tut seiner Schlagkraft keinen Abbruch. Auch die Computereffekte im Film sind überwiegend sehr gut, nur in manchen Sequenzen, vor allem bei Wasserszenen, fällt deren künstlicher Stil wie schon in den Trailern auf.

Auch die Darstellerriege ist durchweg gut besetzt. Juliette Binoche und vor allem Bryan Cranston haben leider zu wenig Screentime und Aaron Taylor-Johnson, den wir als ausdrucksstarken, smarten Schauspieler sonst sehr schätzen, wirkt hier etwas blass, selbst wenn er zu den Hauptfiguren zählt. Elizabeth Olsen zeigt wie in ihren Filmen zuvor eine sehr emotionale Seite und spielt ihre Rolle sensibel und verletzlich. Watanabe wirkte auf uns in der Rolle des wortkargen Wissenschaftlers ein wenig zu konzentriert, zu verschlossen, aber das tut dem Schauspiel insgesamt keinen Abbruch.
Was jedoch ein wenig überrascht, ist, dass Trailer und Werbekampagne ein falsches Bild vom Film vermitteln. Teilweise kommen Szenen im Film nicht vor beziehungsweise wurden bewusst Elemente in den Trailern entfernt, die den Eindruck erwecken, als wäre Godzilla die Hauptbedrohung. Dabei gewinnt man später jedoch den Eindruck, dass Godzilla fast nur Nebencharakter ist, der ein wenig zu nett für unseren Geschmack wirkt. In der Tradition der japanischen Filme ist Godzilla also nicht zwingend der Schurke, sondern hilft unbewusst der Menschheit gegen andere MUTOs.

Fazit:

„Godzilla“ hat einen starken emotionalen Beginn und großartige Monster-Action im Finale, dazwischen gibt es allerdings einigen Leerlauf – nicht zuletzt wegen des Fehlens von (menschlichen) Identifikationsfiguren. Aber allein der gekonnte Einsatz der Titelfigur sind 8 von 10 Punkte wert. (mk)

Sonntag, 1. Juni 2014

Edge of Tomorrow 3D OV

Facts:

Genre: SciFi, Drama
Regie: Doug Liman
Cast:  Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton
Laufzeit: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros Germany

 
(c) Warner Bros Germany


Inhalt:

Die Kriege, die Leutnant Bill Cage (Tom Cruise) führt, sind üblicherweise nicht allzu schweißtreibend. Seit die Mimics die Erde angriffen und nahezu ganz Europa erobert haben, sorgt Cage in einem medialen Krieg dafür, dass es genug neue Rekruten gibt. Doch nun steht die Endschlacht gegen die Mimics bevor und darin wird jeder Soldat gebraucht, auch Cage. Der ist alles andere erfreut darüber, in der Schlacht als Kanonenfutter zu enden - und so kommt es dann auch. Wie alle Soldaten stirbt Cage inmitten einer blutigen Schlacht, schafft es aber, einen Alpha-Mimic mit in den Tod zu reißen. Plötzlich gefangen in einer Zeitschleife, muss Cage jeden Tag aufs Neue hinaus in den Kampf, nur um erneut und erneut und erneut zu sterben. Mit jedem Tag, der vergeht, wird aus Cage ein besserer, ein effizienterer Kämpfer, doch den Ausgang der Schlacht kann er nicht beeinflussen. Erst als er auf die Soldatin Rita Vrataski (Emily Blunt) inmitten dieses täglichen Gemetzels trifft, scheint es so etwas wie Hoffnung auf das Ende des Krieges zu geben...

Bewertung: 
 
Bereits 2010 schrieb Autor Dante Harper im Auftrag der eigentlich auf TV-Sitcoms spezialisierten Firma 3 Arts Entertainment ein Drehbuch nach dem Roman „All You Need Is Kill“. Es war ein gewagter Schritt für die kleine Firma, der sich auszahlte: Das Skript sorgte für Aufsehen in Hollywood und wurde schließlich für satte drei Millionen Dollar von Studioriese Warner gekauft. Doch ganz zufrieden war man dort noch nicht, man engagierte neben anderen den britischen Regisseur und Autor Joby Harold („Awake“) für Überarbeitungen. Bei der finalen Filmfassung haben nun weder Harper noch Harold einen Credit bekommen, stattdessen werden die Liman-Vertrauten Jez und John-Henry Butterworth („Fair Game“) sowie Tom-Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“) im Vorspann als Autoren genannt. Wer nun aber glaubt, dass dieses in der Branche nicht unübliche Wechselspiel nach dem Motto „Zu viele Köche verderben den Brei“ für einen unausgegorenen Film sorgt, ist schiefgewickelt. Es ist im Gegenteil beeindruckend, wie geradlinig und punktgenau die Handlung von „Edge of Tomorrow“ aufgebaut ist – das zeigt gleich der Anfang beispielhaft: Mit in die Studio-Logos zu Beginn geschnittenen Nachrichtenfetzen und Talk-Show-Ausschnitten wird die Ausgangslage etabliert, es folgt ein kurzer Disput zwischen Cage und seinem vorgesetzten General und schon landet der Protagonist als einfacher Soldat in der Militärbasis und ab da geht es richtig los.

Nachdem die nötigen Vorinformationen auf ebenso schnörkellose wie elegante Weise geliefert wurden, zelebriert Regisseur Doug Liman das anschließende Aufwachen-Kämpfen-Sterben-Wieder-Aufwachen-Wechselspiel in bester „… und täglich grüßt das Murmeltier“-Manier: mit viel Humor. Wie Bill Murrays Wetterexperte Phil in Harold Ramis‘ existenzialistischer Komödie erlebt auch Tom Cruises unfreiwilliger Soldat reichlich amüsante Momente, wenn er Situationen antizipiert und den verdutzten Kameraden vorhersagt oder mit seinem Vorwissen die Autorität eines Offiziers (Bill Paxton) untergräbt. Und hier gibt es anders als bei Ramis zusätzlich noch reichlich gut inszenierte Action dazwischen. Mit feinem erzählerischen Gespür verlässt Liman diese Action-Humor-Schleife dann rechtzeitig bevor es in ihr langweilig zu werden droht, dann folgt eine Wendung in der Handlung und es geht in eine neue Richtung weiter. So schaffen es der Regisseur und seine Autoren, dass „Edge of Tomorrow“ auf knapp zwei Stunden Laufzeit durchweg kurzweilig und spannend bleibt. Damit der Zuschauer beim freien Umgang mit den Gesetzen der Physik nicht den Überblick verliert, werden ihm gut dosierte Erklärungen an die Hand gegeben. Das geschieht wiederum so beiläufig, dass selbst die Klischee-Erklärer-Figur des unkonventionellen Wissenschaftlers (Noah Taylor) nicht weiter stört – nur verbohrte Logik-Puristen bekommen dann am Ende noch etwas zu mäkeln.

„Edge of Tomorrow“ soll mehr als 175 Millionen Dollar gekostet haben. Wer den fertigen Film sieht, glaubt diese Schätzung sofort: Die Aliens sind beeindruckende leicht glibberige Monster mit riesigen Tentakeln, während die futuristischen Kampfanzüge der Menschen ein starkes Gimmick für imposante Actionszenen abgeben. Sie fungieren als Rüstung und Waffe zugleich, mit ihrer Kraft lassen sich schwere Gegenstände wegschleudern, an ihnen sind Kanonen unterschiedlichster Größe montiert und selbst die geballte Faust ist bestens geeignet, einen Alien-Schädel zu zertrümmern. Diese Schauwerte funktionieren letztlich aber nur so gut, weil die Darsteller trotzdem im Mittelpunkt stehen. Die Hauptrolle – in der Vorlage ein japanischer Rekrut – wurde Tom Cruise auf den Leib geschrieben. Seine Figur hat null Kampferfahrung, ist aber sonst ein alter Hase, dessen eigentliche Waffe das Wort ist. So versucht er sich zu Beginn aus jeder Situation erst einmal herauszureden. Den perfekten Widerpart dazu gibt Emily Blunt („Fast verheiratet“, „Looper“), die hier die eiskalte Militär-Veteranin (Spitzname in der Truppe: Full Metal Bitch) spielt. Das Reizvolle an der Figurenkonstellation ist der fast schon tragische Unterschied zwischen den Erlebnishorizonten: Er lernt sie nach und nach immer besser kennen, so dass sie ihm ans Herz wächst. Sie dagegen fängt jeden Tag bei null an, denn sie verliert nach jeder Zeitschleife die Erinnerung an ihn. So schreckt sie auch nicht davor zurück, ihm beim Training eine Kugel in den Kopf zu jagen, also gleichsam den Reset-Button zu drücken. Wenn ihre harte Fassade irgendwann trotzdem bröckelt, ist das umso wirkungsvoller.

Fazit: 

So einfach kann unterhaltsames Blockbuster-Kino sein: zwei charismatische Stars und gute Schauspieler, eine geradlinige, nicht zu komplexe, aber spannende Story, gute Action und eine gehörige Portion Humor.7,5 von 10 Punkten. (mk)

Samstag, 31. Mai 2014

Maleficent - Die dunkle Fee

Facts:

Genre: Fantasy
Regie: Robert Stromberg
Cast:  Angelina Jolie, Elle Fanning, Juno Temple
Laufzeit: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:

Maleficent ist eine schöne, warmherzige junge Fee (Isobelle Molloy), die in einem friedvollen Waldkönigreich lebt. Eines Tages verirrt sich Stefan (Michael Higgins), ein Junge aus der benachbarten Menschenwelt, in der es weit weniger friedlich zugeht, in Maleficents Heimat. Die Fee und der Mensch werden Freunde und es kommen irgendwann auch romantische Gefühle zwischen ihnen auf, doch schließlich zieht es Stefan zurück in das Reich der Menschen. Dessen König Henry (Kenneth Cranham) will die Feenwelt um jeden Preis erobern, doch gegen Maleficents (nun: Angelina Jolie) magische Kräfte kommt er nicht an. Als alle anderen Pläne versagen, verspricht er demjenigen Thron und Tochter, der es fertigbringt, die scheinbar unbesiegbare Fee in die Knie zu zwingen. Stefan (nun: Sharlto Copley) nimmt die Herausforderung an und begibt sich nach langer Abwesenheit erneut in die Wälder des Feenwelt. Er täuscht Maleficent Liebe vor und raubt ihr im Schlaf ihre imposanten Feenflügel. Die so Betrogene ist tief traurig und verbittert, und als sie Jahre später die Gelegenheit bekommt, nimmt sie fürchterliche Rache. Sie verflucht Aurora, die Tochter des inzwischen zum König gekrönten Stefan: Das Mädchen soll am Tag nach seinem 16. Geburtstag in ewigen Schlaf fallen...

Bewertung:

Nach Gesamteindruckstechnischen 0815 umgesetzten Möchtegern Märchen Katastrophen der letzten Jahre wie z.b. Disneys Realfilm Forsetzung zu Alice im Wunderland, der eigentlich lieber Der Hutmacher im Actionland hätte heißen wollen(?) oder auch Die fantastische Welt von Oz, die außer dieser zu Beginn des Filmes rein gar nichts für mich zu bieten hatte, gab ich die Hoffnung schon auf. Was sollte da schon großartig anders werden bei Maleficent? Deswegen blieb ich dem Kino erstmal fern. Das Ergebnis nun nach der Sichtung auf Blu Ray lautet definitiv: Absolut alles. Ich fange wieder an Angelina Jolie richtig zu mögen, gar zu lieben für den Film.

Verglichen mit Alice und Oz, den voriegen beiden großen Disney Märchen Produktionen, bietet der Maleficent Film als neue Version der Dornröschen Geschichte alles was man bei den beiden anderen vermisst hat, baut trotzdem viele neue Elemente ein und setzt dabei diese auch noch richtig gut um. Der Film übertrumpft für mich auch locker viele andere Fantasy Filme, die von der Laufzeit her zwar oft fast um das doppelte länger sind als nur 97 Minuten, aber bei Maleficent versucht man gar nicht erst durch lange langsame Dialoge den Film zu strecken. Dialoge sind trotzdem viele vorhanden so das der Film nie z.b. in ein langweiliges wortloses CGI Actionspetakel ausarten könnte, wie manch anderer Film in der heutigen Zeit. Die Dialoge haben ein gutes Tempo und sind intensiv. Das finde ich spitze gelöst.

Die Geschichte spielt hauptsächlich aus der Sicht von Maleficent, die sich als junges Mädchen bereits in den späteren König der Menschen verliebt. Doch als ihr eine wirklich grausame Tat wiederfährt ändert sich zunächst alles und Zeit der Rache beginnt. Maleficent ist die Beschützerin der Waldmoore und führt Unmengen an fantastischen Fabelwesen an, die man als Zuschauer auch alle zu Gesicht bekommt. Sie durchlebt in dem Film auch die ganze Gefühlspalette. Liebe, Trauer, Entsetzen, Wut, Hass, Mitgefühl, Freude - einfach alles macht sie einmal durch.

Das führt dazu das die Geschichte sich so ganz anders entwickelt als man Dornröschen kennt und man will erst die damals noch typische "Malefiz" vermissen. Allerdings fängt man mit den neuen Entwicklungen an den Film so richtig zu mögen und zu Maleficents Motiven zu halten (was nicht zuletzt auch an Angelina Jolies klasse Leistung liegt) und kann über das Verhalten der Menschen immer nur wieder den Kopf schütteln wie dumm, naiv und grausam die menschliche Natur doch oft sein kann.

Und trotz das sich vieles anders entwickelt als man es kennt schafft der Film auch noch das Kunststück, das so viel neues vorkommt, Horden von Fabelwesen gezeigt werden und doch noch alle Elemente aus der original Geschichte mindestens einmal irgendwie vorkommen, nur eben anders eingesetzt aber so, das es richtig Spass macht sich das anzusehen.

Maleficent ist einfach endlich das, was der neuere Alice und Oz Film gerne gewesen wären. Ein richtig guter Disney Fantasy Realfilm und ein spitzen Blockbuster zugleich, mit Massenschlacht, viel Liebe und Bildgewalt, der einem jeden Filmabend versüßt. Nach diesem klasse Film habe ich Angelina Jolie nun wieder ganz groß auf dem Merkzettel. Kann nur immer wieder meine absolute Empfehlung für dieses Highlight aussprechen.

Die Extras der Blu Ray zeigen unter anderem auch wie der Dreh der Eindrucksvollen Massenschlacht entstanden ist. Der orchestrale Soundtrack zum Film fetzt richtig rein und das Bild ist eh ein Genuss, besonders wenn die Waldmoore gezeigt werden. Mehr kompakte Qualität für 97 Minuten Film kann man nicht erwarten. Der Film macht einfach alles richtig was Alice und Oz vorher noch falsch gemacht hatten. Da wünscht man sich 100 mal eher eine Maleficent Fortsetzung als jetzt demnächst den geplanten nächsten Alice Film.

Auch noch ein sehr interessantes zu erst kleines, aber dann doch feines Detail mit großartigen Auswirkungen ist die Regie von Robert Stromberg bei dem Film. Das besondere daran ist einfach das er vorher an vielen Filmen immer nur die Visual Effects gemacht hat, zuletzt sogar für Disneys Alice und Oz. Nun hat er selber einen Film in Form von Maleficent gedreht mit seiner Effekte Erfahrung und heraus kam ein Film den ich persönlich viel besser finde als die anderen beiden zusammen und warum? Weil Stromberg es geschafft hat seine Effekte Erfahrung mit einer ordentlichen Handlung nach seinen Vorstellungen mit Bravur zu kombinieren! Und das war erst sein erster Film als Regisseuer! Der Mann hat Talent!


Fazit:

Hollywoods Märchenfilmwelle macht es möglich: Aus der bösen Fee im Animationsklassiker „Dornröschen“ wird die Hauptfigur eines faszinierend uneinheitlichen 3D-Fantasy-Spektakels, bei dem neben dem Designteam vor allem die Schauspielerinnen Akzente setzen. Damit verdient sich der Film märchenhafte 8 von 10 Punkten. (mk)

Montag, 26. Mai 2014

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit 3D OV

Laufzeit: 131 Minuten
Regisseur: Bryan Singer
Genre: Action, Science Fiction, Abenteuer
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland


Inhalt:

Die Tage der Mutanten nähern sich dem Ende. Ein Krieg ist ausgebrochen zwischen Mutanten und normalen Menschen, den die Mutanten nicht mehr gewinnen können. Charles "Professor X" Xavier (Patrick Stewart) hat sich mit Magneto (Ian McKellen) und den letzten überleben Mutanten verbündet und gemeinsam kämpfen sie in einer aussichtslosen Schlacht. Ihre einzige Hoffnung ist die Vergangenheit zu ändern, damit dieser Krieg niemals stattfinden wird. Der Geist von Wolverine (Hugh Jackman) wird zurück in der Zeit geschickt, um im Körper seines jüngeren Selbst Magneto (Michael Fassbender) und Professor X (James McAvoy) zu einen und Mystique (Jennifer Lawrence) daran zu hindern, der Auslöser für den Krieg der Zukunft zu werden. Doch ist es überhaupt möglich, die Zukunft dahingehend zu beeinflussen oder wird diese unweigerlich eintreten?

Bewertung:


Lang ist es her, seit wir Bryan Singer im Regiestuhl eines X-Men-Films erlebt haben, mit X-Men 2 lieferte er 2003 für viele den noch immer besten Teil der Reihe ab und kehrt nun mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit zurück. Der Film soll einen, was bisher zweigeteilt war. Die alte Trilogie und das von Matthew Vaughn 2011 gedrehte Prequel X-Men - Erste Entscheidung. Hierzu versammelte Singer eine Besetzung, die vor allem Fans der ersten Stunde erfreuen wird. Nicht nur die neuen X-Men Michael Fassbender, James McAvoy, Nicholas Hoult und Jennifer Lawrence stehen im Rampenlicht, auch die alten Darsteller bekommen die Möglichkeit, sich von ihren Figuren angemessen zu verabschieden. Darunter unter anderem Namen wie Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Ellen Page, Shawn Ashmore und Anna Paquin samt einiger Überraschungsgäste, die wir an dieser Stelle nicht verraten wollen.

Allein die Besetzung ist ein Garant für Qualität und Grund genug für Fans, sich diesen Film anzusehen. Dauer-Mutant Hugh Jackman als Wolverine darf natürlich auch nicht fehlen. Und Gründe gibt es wahrlich dafür nicht zu knapp. Die Besetzung deutet es bereits an und das zeichnet sich nachfolgend auch im Schauspiel von X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ab. Subtiler Witz, hervorragende Dialoge und Charakterentwicklungen verbinden sich mit einer spannenden Geschichte, in der die Auslöschung der Mutanten und der lange thematisierte Konflikt zwischen Menschen und Mutanten zur zentralen Handlung werden. Unweigerlich werden Erinnerungen an den Beginn der X-Men-Saga im Jahr 2000 wach. Eine andere Zeit, doch der Mensch ändert nicht seine Natur.

Als Antagonist wurde dabei auf Peter Dinklage gesetzt, sonst Fanfavorit Tyrion Lannister in der Erfolgsserie Game of Thrones und hier als Dr. Bolivar Trask Dreh- und Angelpunkt der aktuellen und zukünftigen Ereignisse wird. Trotz vieler guter Ansätze hat uns dennoch X-Men - Erste Entscheidung einen Tick besser gefallen, was aber mehr auf persönliche Vorlieben zurückzuführen ist. Der Fluss des Films samt strukturellem Aufbau war besser gestaltet und auch wenn es damals bereits einige Ungereimtheiten und Inkonsistenzen mit der alten Trilogie gab, war der Film in sich rund. Bei X-Men - Zukunft ist Vergangenheit gibt es nicht viele, aber einige kleine Probleme die leider unserer Meinung nach kurz thematisiert hätten werden müssen, vor allem da der Film als inoffizielles X-Men 4 nicht nur die Brücke schlagen sondern gleichzeitig auch eine etwas veränderte Zeitlinie erschaffen soll.

So wurde X-Men - Zukunft ist Vergangenheit bereits in Wolverine - Weg des Kriegers im vergangenen Jahr angeteastert. Zwar wird keine Zeitspanne angegeben, die Veränderungen auf der Welt erscheinen aber in dem zeitlichen Spielraum unrealistisch. Ebensowenig wird geklärt, wo Wolverine wieder seine Krallen herbekommen hat und wie Magneto zum einen seine vollen Kräfte zurückerlangt hat, Rogue jedoch nicht und wie Professor X wieder vollumfänglich unter den Lebenden weilt. Natürlich wurde einiges davon auch in X-Men - Der letzte Widerstand thematisiert, aber bereits damals erfolgte dies in der After-Credit-Szene mehr als unbefriedigend und erschuf eher mehr Fragen als dass Antworten geliefert wurden.

Wer X-Men-Fan der jüngeren Stunde ist, wird sich an diesen Ecken und Kanten eher weniger stören, es ist nur schade, dass im Rahmen des Gesamtuniversums hier ein wenig Schindluder betrieben wird. Auch wird im Gegensatz zum Comic das Ende ein wenig anders ausgelegt, was etwas schade für die Dramaturgie ist. Fans wird dafür aber ein sehr emotionaler Abschied beliebter Figuren ermöglicht, der dazu noch witzig umgesetzt ist. Vor allem der Witz in X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist eine Stärke des Films, da dieser nie unpassend eingesetzt wird und sehr viele Szenen aufwertet. Singer gelingt dies deutlich besser als es im konkurrierenden Marvel-Filmuniversum der Fall ist, da die Dramaturgie nicht unterwandert wird, die ruhig etwas länger als zwei Stunden hätte andauern können. Denn auch visuell wird eine ganze Menge geboten, obwohl bei einem geschätzten Budget von 200 Mio. $ durchaus noch mehr zu erwarten gewesen wäre. Dafür überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie, der den bekannten Soundtrack früherer Tage weiterentwickelt.

X-Men und Comicfans vereinigt euch. Mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist Bryan Singer wieder ein sehr guter Eintrag in der wohl längsten bisher in sich geschlossenen Comicfilmreihe gelungen. Bis nach dem Abspann sollten aber auch nur jene warten, die Sitzfleisch haben. Mit einer kleinen Szene wird bereits die Zukunft der Reihe in Form von X-Men - Apocalypse angekündigt, was ebenfalls von Bryan Singer umgesetzt wird und 2016 in den Kinos erscheint. Wer sich aber nicht fundiert mit dem Universum auskennt, dürfte diese eher als belanglos abtun. Aber wer will bei diesen sympathischen Mutanten meckern? Es war eine schöne Zeit mit euch, jetzt gehört die Zukunft der Vergangenheit.

Fazit:

Es war schon beeindruckend, wie stimmig Joss Whedon all seine Superhelden in „Marvel’s The Avengers“ unter einen Hut bekommen hat. Aber Bryan Singer setzt mit „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ nun sogar noch einen drauf. Daher bekommt der Film 9 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Muppets Most Wanted



Facts:

Genre: Komödie
Regie: James Bobin
Cast: Ray Liotta, Tina Fey, Ricky Gervais, Ty Burrell, Peter Linz
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

(c) Walt Disney Germany

Inhalt:

Die Beliebtheit der Muppets lässt nach, deshalb unternehmen sie auf Anraten des windigen Veranstalters Dominic Fieslinger (Ricky Gervais) eine Europa-Tournee. Alles scheint rund zu laufen, doch der zwielichtige Impressario hat finstere Absichten: Er will Kermit durch den garstigen Gangsterfrosch Constantine ersetzen, den gefährlichsten Kriminellen der Welt. Die Verbrecher-Kröte ist dem Ober-Muppet wie aus dem Gesicht geschnitten und soll die Auftritte nutzen, um in nahegelegene Museen einzubrechen. Das geschickt eingefädelte Ablenkungsmanöver des durchtriebenen Duos führt dazu, dass die Muppets von dem Interpol-Agenten Jean Pierre Napoleon (Ty Burrell) gejagt werden, in dessen Wahrnehmung es nur einen Schandfrosch gibt: Kermit. Dominic und Constantine glauben, freie Bahn für ihren größten Coup zu haben und wollen einen riesigen Diamanten stehlen - aber sie haben die Rechnung ohne die Muppets gemacht...

Bewertung:

Nach dem Kauf des aus der Mode gekommenen „Muppets“-Franchise wusste bei Walt Disney offenbar niemand so recht etwas mit den anarchischen Kultfiguren anzufangen. Also heuerte man „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel (der dann auch die Hauptrolle übernahm) und seinen Schreibpartner Nicholas Stoller für einen Neustart der Reihe um Kermit & Co. an, wobei den beiden Superfans weitestgehend freie Hand gelassen wurde. Und das Duo hat die Chance genutzt: „Die Muppets“ ist ungemein liebevoll, zugleich aber auch völlig durchgeknallt und dem Geist der originalen TV-Show aus den 70er Jahren treu ergeben. So avancierte das Leinwand-Musical nach seinem Start Ende 2011 zum Überraschungshit und gewann sogar einen Oscar (für den Besten Original-Song). Doch nach dem Ausstieg von Jason Segel und mit einem weltweiten Einspiel von mehr als 160 Millionen Dollar im Rücken ist das Studio bei der erneut von James Bobin inszenierten Fortsetzung „Muppets Most Wanted“ nun weniger risikofreudig. Der Anarcho-Anteil wurde reduziert, dafür ist der Krimi-Komödien-Plot familienfreundlicher als der des Vorgängers mit seinen über die Köpfe der jungen Kinogänger hinweggehenden „Boulevard der Dämmerung“-Reminiszenzen. Jetzt könnte man vorschnell urteilen: Typisch Disney! Aber das alles ist am Ende nicht allzu wichtig, denn trotz allem ist auch „Muppets Most Wanted“ über weite Strecken sehr unterhaltsam.

 Das Comeback ist gelungen... und jetzt? Darum geht es in den großartigen ersten fünf Minuten von „Muppets Most Wanted“. Die Puppen singen einen Sequel-Song, der davon handelt, wie in Hollywood mit Fortsetzungen umgegangen wird. Dabei machen Fozzie Bär & Co. eigene Vorschläge (vom Kriegsfilm bis zur exakten Kopie des Vorgängers) und an einer Stelle heißt es, dass Fortsetzungen sowieso nie so gut werden wie das Original. Das ist grandios-selbstironisch und mit dem grau-nebelverhangenen Porträt von Berlin als Quasi-Sowjetprovinz (die „Muppets Show“ stammt immerhin aus der Zeit des Kalten Krieges, da kann man sich auch die in der Gegenwart angesiedelte Filmhandlung entsprechend zurechtbiegen), in der die Polizeiautos direkt bis ins Gefangenenlager nach Sibirien durchfahren, geht es ähnlich doppelbödig-augenzwinkernd weiter. Aber die beiden dann einsetzenden parallelen Handlungsstränge können mit diesem saustarken Auftakt leider nicht mithalten: Während aus Kermits Abenteuer als Musical-Regisseur im Gulag zumindest mit den tanzenden Harte-Männer-Gaststars Danny Trejo („Machete“) und Ray Liotta („GoodFellas“) eine Menge herausgeholt wird, erinnert der überraschungsfreie Krimi-Plot dann doch zu sehr an die seichten Familien-Komödien, die regelmäßig das TV-Programm am Sonntagvormittag bestimmen.

„Muppets Most Wanted“ bleibt insgesamt tatsächlich spürbar hinter dem Vorgänger zurück und dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das ausgedehnte Spiel mit den Europaklischees nur in Berlin wirklich gelungen. Dass etwa „Modern Family“-Star Ty Burrell als französischer Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon immer pünktlich Feierabend macht, im Miniatur-Auto herumdüst und sich direkt nach Abschluss eines Falls samt Familie in einen mehrwöchigen Strandurlaub verabschiedet, kann man wahrscheinlich nur als Straßenkreuzer fahrender und keine Sozialleistungen kennender Amerikaner so richtig lustig finden. Zum anderen erhalten die eher für den Erwachsenen-Humor zuständigen Zweite-Reihe-Muppets hinter Kermit und Miss Píggy diesmal weniger Raum, vor allem der tragisch-unlustige Stand-up-Bär Fozzie ist kaum noch mehr als ein Statist. Wobei: Wenn sie sich dann doch mal in den Vordergrund drängen, dann ist ihre Trefferquote - von Gonzos Indoor-Stier-Stampede bis zum mehrstündigen Trommelsolo des Tiers - phänomenal hoch.

Jason Segel und Amy Adams ersetzen zu müssen, ist schon eine verdammt harte Nuss. Und so ganz ist das den „Muppets Most Wanted“-Machern auch nicht gelungen. Denn während „30 Rock“-Schöpferin Tina Fey als in Kermit verschossene Gulag-Aufseherin mit ihrem russischen Akzent angemessen über die Stränge schlägt, nimmt sich „The Office“-Tyrann Ricky Gervais soweit zurück, dass er zum bloßen Stichwortgeber für Kermit und Constantine verkommt. Natürlich geht es in einem Film mit dem Titel „Muppets Most Wanted“ in erster Linie um die Muppets selbst, aber die eine oder andere grenzwertig-trockene Pointe hätten wir von dem sonst so unerschrockenen Briten doch erwartet. Daneben ist der Film wie jedes „Muppets“-Abenteuer erneut vollgestopft mit prominenten Cameo-Auftritten, die diesmal sogar noch ein wenig lustiger sind als sonst. Zuviel wollen wir über die Star-Gastspiele natürlich nicht verraten, aber zumindest so viel sei gesagt (Achtung Spoiler!): Ein schweigsamer „Tatort“-Kommissar ermittelt jetzt auch bei den Muppets und ein zweifacher deutsch-österreichischer Oscar-Preisträger tanzt seinen Namen. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch schon!

Fazit: 

„Muppets Most Wanted“ ist zwar mehr harmloses Familienabenteuer als Anarcho-Muppets-Spaß, aber unterhält trotzdem wunderbar. Daher vergeben wir lachhafte 6 von 10 Punkte. (mk)