Genre: Drama
Regie: Tomasz Wasilewski
Cast: Mateusz Banasiuk, Marta Nieradkiewicz
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Salzgeber u. Company Medien
![]() |
| (c) Salzgeber u. Company Medien |
Auf den jungen, hochtalentierten Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) prasseln von allen Seiten Ansprüche ein. Er wohnt gemeinsam mit Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) zuhause bei seiner Mutter (Katarzyna Herman). Die ist genervt von Sylwia und will sie aus der Wohnung haben – und Kubas Schwimmtrainer würde von seinem Schützling gerne mehr Trainingsfleiß sehen. Doch Kuba entzieht sich jeglicher Verantwortung, jeglichen Entscheidungen. Außerdem verheimlicht er seinem Umfeld sowohl, dass er illegale leistungssteigernde Mittel nimmt, als auch seine Homosexualität. Die Dinge ändern sich, als er Michal (Bartosz Gelner) kennen lernt. Der lässt Kuba zum ersten Mal daran glauben, sich in einen Mann verlieben zu können und gibt ihm die Kraft, sich auf die Suche nach einem Weg aus dem erdrückenden Umfeld zu machen…
Bewertung:
Das Drama „Tiefe Wasser“ ist der zweite Spielfilm von Tomasz Wasilewski („In the Bedroom“). Die grundlegende Idee des polnischen Regisseurs war es, einen Queer-Film zu drehen, der für ein möglichst großes Publikum attraktiv ist. Dafür wählte er einen Protagonisten, der sich zwischen seiner langjährigen Partnerin und der leidenschaftlichen Liebe zu einem Mann entscheiden muss, wobei es gar nicht so sehr um die Frage geht, ob dieser Kuba nun hetero, schwul oder bi ist, sondern um innere Konflikte, die in ähnlicher Form jeder kennt. Mit viel Feingefühl und einem hervorragenden Hauptdarsteller bringt uns der Filmemacher die vielen Facetten dieser Suche nach dem persönlichen Glück nahe.
Die größte Stärke von „Tiefe Wasser“ sind die durchgehend sehr guten Schauspieler. Allen voran brilliert Mateusz Banasiuk in einer seiner ersten Kino-Hauptrollen. Kuba versucht sich nach außen cool und nonchalant zu geben. Aber in seinem Gesicht sind auch kleinste Gefühlsregungen und somit auch seine innere Verunsicherung ablesbar. Einerseits braucht Kuba den sicheren Hafen, den seine langjährige Freundin Sylwia ihm bietet. Zugleich spürt der Leistungssportler in seinem durchdisziplinierten Leben immer stärker den Wunsch, seine Leidenschaften auszuleben. Diesen etwas schematisch angelegten Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit auf der einen Seite sowie dem Verlangen nach persönlicher Selbstverwirklichung andererseits vertieft Tomasz Wasilewski, der auch das Drehbuch zu „Tiefe Wasser“ verfasst hat, durch seine überlegte Inszenierung.
Das Dilemma des Protagonisten fassen der Regisseur Tomasz Wasilewski und sein Kameramann Jakub Kijowski in sprechende Bilder: In gekonnt gerahmten Einstellungen erscheint der Schauplatz Warschau als kalte und unwirtliche moderne Großstadt. Dieses Umfeld spiegelt die Strenge einer Gesellschaft wider, die für abweichendes Verhalten nach wie vor wenig Raum und noch weniger Verständnis bietet. Als Michal sich eines Tages beim Essen bei seiner Familie dazu durchringt, sich gegenüber seinem Vater zu outen, geht jener einfach darüber hinweg, als ob gar nichts gesagt worden wäre. Und nachdem Kuba Michal in dessen Wohnung besucht hat, wird er anschließend im Treppenhaus von Rowdys als Schwuchtel beschimpft. Wutentbrannt jagt Kuba hinter ihnen her und schlägt einen von ihnen im Aufgang der Tiefgarage zusammen.
Kubas innere Unruhe zeigt sich nach außen dadurch, dass er ständig in Bewegung ist – nicht nur beim Schwimmen. In seiner Freizeit fährt er durch das nächtliche Warschau, an dessen nackten Betonwänden er im übertragenen Sinne abzuprallen scheint. Doch die buchstäblich bedrückende Atmosphäre ist kein Dauerzustand, insbesondere durch den Einsatz treibender elektronischer Musik schafft Wasilewski immer wieder eine gänzlich andere Stimmung. Einmal rauchen Kuba und Michal in einem Parkhaus im Auto sitzend einen Joint. Anschließend fahren sie ganz nach oben. Ein wummernder Sound setzt ein, während sich der Wagen immer weiter in die Höhe schraubt: Die so animierte Bewegung wird zum symbolischen Ausdruck für den Durchbruch der bisher unterdrückten schwulen Leidenschaft. Und wenn Kuba und Michal heimlich auf einen langsam anrollenden Güterzug aufsteigen und mitfahren - ziellos, aber mit Blick in die Sonne -, vereinen sich kindliche Verspieltheit und die Zärtlichkeit frisch Verliebter.
Fazit:
Tomasz' Wasilewskis Film „Tiefe Wasser“ ist ein einfühlsames Drama über das Ringen mit verschiedenen Beziehungsmodellen, gesellschaftlichen Konventionen und der eigenen sexuellen Identität.Wir vergeben dafür 7,5 von 10 Punkten. (mk)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen