Sonntag, 1. Juni 2014

Edge of Tomorrow 3D OV

Facts:

Genre: SciFi, Drama
Regie: Doug Liman
Cast:  Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton
Laufzeit: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros Germany

 
(c) Warner Bros Germany


Inhalt:

Die Kriege, die Leutnant Bill Cage (Tom Cruise) führt, sind üblicherweise nicht allzu schweißtreibend. Seit die Mimics die Erde angriffen und nahezu ganz Europa erobert haben, sorgt Cage in einem medialen Krieg dafür, dass es genug neue Rekruten gibt. Doch nun steht die Endschlacht gegen die Mimics bevor und darin wird jeder Soldat gebraucht, auch Cage. Der ist alles andere erfreut darüber, in der Schlacht als Kanonenfutter zu enden - und so kommt es dann auch. Wie alle Soldaten stirbt Cage inmitten einer blutigen Schlacht, schafft es aber, einen Alpha-Mimic mit in den Tod zu reißen. Plötzlich gefangen in einer Zeitschleife, muss Cage jeden Tag aufs Neue hinaus in den Kampf, nur um erneut und erneut und erneut zu sterben. Mit jedem Tag, der vergeht, wird aus Cage ein besserer, ein effizienterer Kämpfer, doch den Ausgang der Schlacht kann er nicht beeinflussen. Erst als er auf die Soldatin Rita Vrataski (Emily Blunt) inmitten dieses täglichen Gemetzels trifft, scheint es so etwas wie Hoffnung auf das Ende des Krieges zu geben...

Bewertung: 
 
Bereits 2010 schrieb Autor Dante Harper im Auftrag der eigentlich auf TV-Sitcoms spezialisierten Firma 3 Arts Entertainment ein Drehbuch nach dem Roman „All You Need Is Kill“. Es war ein gewagter Schritt für die kleine Firma, der sich auszahlte: Das Skript sorgte für Aufsehen in Hollywood und wurde schließlich für satte drei Millionen Dollar von Studioriese Warner gekauft. Doch ganz zufrieden war man dort noch nicht, man engagierte neben anderen den britischen Regisseur und Autor Joby Harold („Awake“) für Überarbeitungen. Bei der finalen Filmfassung haben nun weder Harper noch Harold einen Credit bekommen, stattdessen werden die Liman-Vertrauten Jez und John-Henry Butterworth („Fair Game“) sowie Tom-Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“) im Vorspann als Autoren genannt. Wer nun aber glaubt, dass dieses in der Branche nicht unübliche Wechselspiel nach dem Motto „Zu viele Köche verderben den Brei“ für einen unausgegorenen Film sorgt, ist schiefgewickelt. Es ist im Gegenteil beeindruckend, wie geradlinig und punktgenau die Handlung von „Edge of Tomorrow“ aufgebaut ist – das zeigt gleich der Anfang beispielhaft: Mit in die Studio-Logos zu Beginn geschnittenen Nachrichtenfetzen und Talk-Show-Ausschnitten wird die Ausgangslage etabliert, es folgt ein kurzer Disput zwischen Cage und seinem vorgesetzten General und schon landet der Protagonist als einfacher Soldat in der Militärbasis und ab da geht es richtig los.

Nachdem die nötigen Vorinformationen auf ebenso schnörkellose wie elegante Weise geliefert wurden, zelebriert Regisseur Doug Liman das anschließende Aufwachen-Kämpfen-Sterben-Wieder-Aufwachen-Wechselspiel in bester „… und täglich grüßt das Murmeltier“-Manier: mit viel Humor. Wie Bill Murrays Wetterexperte Phil in Harold Ramis‘ existenzialistischer Komödie erlebt auch Tom Cruises unfreiwilliger Soldat reichlich amüsante Momente, wenn er Situationen antizipiert und den verdutzten Kameraden vorhersagt oder mit seinem Vorwissen die Autorität eines Offiziers (Bill Paxton) untergräbt. Und hier gibt es anders als bei Ramis zusätzlich noch reichlich gut inszenierte Action dazwischen. Mit feinem erzählerischen Gespür verlässt Liman diese Action-Humor-Schleife dann rechtzeitig bevor es in ihr langweilig zu werden droht, dann folgt eine Wendung in der Handlung und es geht in eine neue Richtung weiter. So schaffen es der Regisseur und seine Autoren, dass „Edge of Tomorrow“ auf knapp zwei Stunden Laufzeit durchweg kurzweilig und spannend bleibt. Damit der Zuschauer beim freien Umgang mit den Gesetzen der Physik nicht den Überblick verliert, werden ihm gut dosierte Erklärungen an die Hand gegeben. Das geschieht wiederum so beiläufig, dass selbst die Klischee-Erklärer-Figur des unkonventionellen Wissenschaftlers (Noah Taylor) nicht weiter stört – nur verbohrte Logik-Puristen bekommen dann am Ende noch etwas zu mäkeln.

„Edge of Tomorrow“ soll mehr als 175 Millionen Dollar gekostet haben. Wer den fertigen Film sieht, glaubt diese Schätzung sofort: Die Aliens sind beeindruckende leicht glibberige Monster mit riesigen Tentakeln, während die futuristischen Kampfanzüge der Menschen ein starkes Gimmick für imposante Actionszenen abgeben. Sie fungieren als Rüstung und Waffe zugleich, mit ihrer Kraft lassen sich schwere Gegenstände wegschleudern, an ihnen sind Kanonen unterschiedlichster Größe montiert und selbst die geballte Faust ist bestens geeignet, einen Alien-Schädel zu zertrümmern. Diese Schauwerte funktionieren letztlich aber nur so gut, weil die Darsteller trotzdem im Mittelpunkt stehen. Die Hauptrolle – in der Vorlage ein japanischer Rekrut – wurde Tom Cruise auf den Leib geschrieben. Seine Figur hat null Kampferfahrung, ist aber sonst ein alter Hase, dessen eigentliche Waffe das Wort ist. So versucht er sich zu Beginn aus jeder Situation erst einmal herauszureden. Den perfekten Widerpart dazu gibt Emily Blunt („Fast verheiratet“, „Looper“), die hier die eiskalte Militär-Veteranin (Spitzname in der Truppe: Full Metal Bitch) spielt. Das Reizvolle an der Figurenkonstellation ist der fast schon tragische Unterschied zwischen den Erlebnishorizonten: Er lernt sie nach und nach immer besser kennen, so dass sie ihm ans Herz wächst. Sie dagegen fängt jeden Tag bei null an, denn sie verliert nach jeder Zeitschleife die Erinnerung an ihn. So schreckt sie auch nicht davor zurück, ihm beim Training eine Kugel in den Kopf zu jagen, also gleichsam den Reset-Button zu drücken. Wenn ihre harte Fassade irgendwann trotzdem bröckelt, ist das umso wirkungsvoller.

Fazit: 

So einfach kann unterhaltsames Blockbuster-Kino sein: zwei charismatische Stars und gute Schauspieler, eine geradlinige, nicht zu komplexe, aber spannende Story, gute Action und eine gehörige Portion Humor.7,5 von 10 Punkten. (mk)

Samstag, 31. Mai 2014

Maleficent - Die dunkle Fee

Facts:

Genre: Fantasy
Regie: Robert Stromberg
Cast:  Angelina Jolie, Elle Fanning, Juno Temple
Laufzeit: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:

Maleficent ist eine schöne, warmherzige junge Fee (Isobelle Molloy), die in einem friedvollen Waldkönigreich lebt. Eines Tages verirrt sich Stefan (Michael Higgins), ein Junge aus der benachbarten Menschenwelt, in der es weit weniger friedlich zugeht, in Maleficents Heimat. Die Fee und der Mensch werden Freunde und es kommen irgendwann auch romantische Gefühle zwischen ihnen auf, doch schließlich zieht es Stefan zurück in das Reich der Menschen. Dessen König Henry (Kenneth Cranham) will die Feenwelt um jeden Preis erobern, doch gegen Maleficents (nun: Angelina Jolie) magische Kräfte kommt er nicht an. Als alle anderen Pläne versagen, verspricht er demjenigen Thron und Tochter, der es fertigbringt, die scheinbar unbesiegbare Fee in die Knie zu zwingen. Stefan (nun: Sharlto Copley) nimmt die Herausforderung an und begibt sich nach langer Abwesenheit erneut in die Wälder des Feenwelt. Er täuscht Maleficent Liebe vor und raubt ihr im Schlaf ihre imposanten Feenflügel. Die so Betrogene ist tief traurig und verbittert, und als sie Jahre später die Gelegenheit bekommt, nimmt sie fürchterliche Rache. Sie verflucht Aurora, die Tochter des inzwischen zum König gekrönten Stefan: Das Mädchen soll am Tag nach seinem 16. Geburtstag in ewigen Schlaf fallen...

Bewertung:

Nach Gesamteindruckstechnischen 0815 umgesetzten Möchtegern Märchen Katastrophen der letzten Jahre wie z.b. Disneys Realfilm Forsetzung zu Alice im Wunderland, der eigentlich lieber Der Hutmacher im Actionland hätte heißen wollen(?) oder auch Die fantastische Welt von Oz, die außer dieser zu Beginn des Filmes rein gar nichts für mich zu bieten hatte, gab ich die Hoffnung schon auf. Was sollte da schon großartig anders werden bei Maleficent? Deswegen blieb ich dem Kino erstmal fern. Das Ergebnis nun nach der Sichtung auf Blu Ray lautet definitiv: Absolut alles. Ich fange wieder an Angelina Jolie richtig zu mögen, gar zu lieben für den Film.

Verglichen mit Alice und Oz, den voriegen beiden großen Disney Märchen Produktionen, bietet der Maleficent Film als neue Version der Dornröschen Geschichte alles was man bei den beiden anderen vermisst hat, baut trotzdem viele neue Elemente ein und setzt dabei diese auch noch richtig gut um. Der Film übertrumpft für mich auch locker viele andere Fantasy Filme, die von der Laufzeit her zwar oft fast um das doppelte länger sind als nur 97 Minuten, aber bei Maleficent versucht man gar nicht erst durch lange langsame Dialoge den Film zu strecken. Dialoge sind trotzdem viele vorhanden so das der Film nie z.b. in ein langweiliges wortloses CGI Actionspetakel ausarten könnte, wie manch anderer Film in der heutigen Zeit. Die Dialoge haben ein gutes Tempo und sind intensiv. Das finde ich spitze gelöst.

Die Geschichte spielt hauptsächlich aus der Sicht von Maleficent, die sich als junges Mädchen bereits in den späteren König der Menschen verliebt. Doch als ihr eine wirklich grausame Tat wiederfährt ändert sich zunächst alles und Zeit der Rache beginnt. Maleficent ist die Beschützerin der Waldmoore und führt Unmengen an fantastischen Fabelwesen an, die man als Zuschauer auch alle zu Gesicht bekommt. Sie durchlebt in dem Film auch die ganze Gefühlspalette. Liebe, Trauer, Entsetzen, Wut, Hass, Mitgefühl, Freude - einfach alles macht sie einmal durch.

Das führt dazu das die Geschichte sich so ganz anders entwickelt als man Dornröschen kennt und man will erst die damals noch typische "Malefiz" vermissen. Allerdings fängt man mit den neuen Entwicklungen an den Film so richtig zu mögen und zu Maleficents Motiven zu halten (was nicht zuletzt auch an Angelina Jolies klasse Leistung liegt) und kann über das Verhalten der Menschen immer nur wieder den Kopf schütteln wie dumm, naiv und grausam die menschliche Natur doch oft sein kann.

Und trotz das sich vieles anders entwickelt als man es kennt schafft der Film auch noch das Kunststück, das so viel neues vorkommt, Horden von Fabelwesen gezeigt werden und doch noch alle Elemente aus der original Geschichte mindestens einmal irgendwie vorkommen, nur eben anders eingesetzt aber so, das es richtig Spass macht sich das anzusehen.

Maleficent ist einfach endlich das, was der neuere Alice und Oz Film gerne gewesen wären. Ein richtig guter Disney Fantasy Realfilm und ein spitzen Blockbuster zugleich, mit Massenschlacht, viel Liebe und Bildgewalt, der einem jeden Filmabend versüßt. Nach diesem klasse Film habe ich Angelina Jolie nun wieder ganz groß auf dem Merkzettel. Kann nur immer wieder meine absolute Empfehlung für dieses Highlight aussprechen.

Die Extras der Blu Ray zeigen unter anderem auch wie der Dreh der Eindrucksvollen Massenschlacht entstanden ist. Der orchestrale Soundtrack zum Film fetzt richtig rein und das Bild ist eh ein Genuss, besonders wenn die Waldmoore gezeigt werden. Mehr kompakte Qualität für 97 Minuten Film kann man nicht erwarten. Der Film macht einfach alles richtig was Alice und Oz vorher noch falsch gemacht hatten. Da wünscht man sich 100 mal eher eine Maleficent Fortsetzung als jetzt demnächst den geplanten nächsten Alice Film.

Auch noch ein sehr interessantes zu erst kleines, aber dann doch feines Detail mit großartigen Auswirkungen ist die Regie von Robert Stromberg bei dem Film. Das besondere daran ist einfach das er vorher an vielen Filmen immer nur die Visual Effects gemacht hat, zuletzt sogar für Disneys Alice und Oz. Nun hat er selber einen Film in Form von Maleficent gedreht mit seiner Effekte Erfahrung und heraus kam ein Film den ich persönlich viel besser finde als die anderen beiden zusammen und warum? Weil Stromberg es geschafft hat seine Effekte Erfahrung mit einer ordentlichen Handlung nach seinen Vorstellungen mit Bravur zu kombinieren! Und das war erst sein erster Film als Regisseuer! Der Mann hat Talent!


Fazit:

Hollywoods Märchenfilmwelle macht es möglich: Aus der bösen Fee im Animationsklassiker „Dornröschen“ wird die Hauptfigur eines faszinierend uneinheitlichen 3D-Fantasy-Spektakels, bei dem neben dem Designteam vor allem die Schauspielerinnen Akzente setzen. Damit verdient sich der Film märchenhafte 8 von 10 Punkten. (mk)

Montag, 26. Mai 2014

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit 3D OV

Laufzeit: 131 Minuten
Regisseur: Bryan Singer
Genre: Action, Science Fiction, Abenteuer
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland


Inhalt:

Die Tage der Mutanten nähern sich dem Ende. Ein Krieg ist ausgebrochen zwischen Mutanten und normalen Menschen, den die Mutanten nicht mehr gewinnen können. Charles "Professor X" Xavier (Patrick Stewart) hat sich mit Magneto (Ian McKellen) und den letzten überleben Mutanten verbündet und gemeinsam kämpfen sie in einer aussichtslosen Schlacht. Ihre einzige Hoffnung ist die Vergangenheit zu ändern, damit dieser Krieg niemals stattfinden wird. Der Geist von Wolverine (Hugh Jackman) wird zurück in der Zeit geschickt, um im Körper seines jüngeren Selbst Magneto (Michael Fassbender) und Professor X (James McAvoy) zu einen und Mystique (Jennifer Lawrence) daran zu hindern, der Auslöser für den Krieg der Zukunft zu werden. Doch ist es überhaupt möglich, die Zukunft dahingehend zu beeinflussen oder wird diese unweigerlich eintreten?

Bewertung:


Lang ist es her, seit wir Bryan Singer im Regiestuhl eines X-Men-Films erlebt haben, mit X-Men 2 lieferte er 2003 für viele den noch immer besten Teil der Reihe ab und kehrt nun mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit zurück. Der Film soll einen, was bisher zweigeteilt war. Die alte Trilogie und das von Matthew Vaughn 2011 gedrehte Prequel X-Men - Erste Entscheidung. Hierzu versammelte Singer eine Besetzung, die vor allem Fans der ersten Stunde erfreuen wird. Nicht nur die neuen X-Men Michael Fassbender, James McAvoy, Nicholas Hoult und Jennifer Lawrence stehen im Rampenlicht, auch die alten Darsteller bekommen die Möglichkeit, sich von ihren Figuren angemessen zu verabschieden. Darunter unter anderem Namen wie Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Ellen Page, Shawn Ashmore und Anna Paquin samt einiger Überraschungsgäste, die wir an dieser Stelle nicht verraten wollen.

Allein die Besetzung ist ein Garant für Qualität und Grund genug für Fans, sich diesen Film anzusehen. Dauer-Mutant Hugh Jackman als Wolverine darf natürlich auch nicht fehlen. Und Gründe gibt es wahrlich dafür nicht zu knapp. Die Besetzung deutet es bereits an und das zeichnet sich nachfolgend auch im Schauspiel von X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ab. Subtiler Witz, hervorragende Dialoge und Charakterentwicklungen verbinden sich mit einer spannenden Geschichte, in der die Auslöschung der Mutanten und der lange thematisierte Konflikt zwischen Menschen und Mutanten zur zentralen Handlung werden. Unweigerlich werden Erinnerungen an den Beginn der X-Men-Saga im Jahr 2000 wach. Eine andere Zeit, doch der Mensch ändert nicht seine Natur.

Als Antagonist wurde dabei auf Peter Dinklage gesetzt, sonst Fanfavorit Tyrion Lannister in der Erfolgsserie Game of Thrones und hier als Dr. Bolivar Trask Dreh- und Angelpunkt der aktuellen und zukünftigen Ereignisse wird. Trotz vieler guter Ansätze hat uns dennoch X-Men - Erste Entscheidung einen Tick besser gefallen, was aber mehr auf persönliche Vorlieben zurückzuführen ist. Der Fluss des Films samt strukturellem Aufbau war besser gestaltet und auch wenn es damals bereits einige Ungereimtheiten und Inkonsistenzen mit der alten Trilogie gab, war der Film in sich rund. Bei X-Men - Zukunft ist Vergangenheit gibt es nicht viele, aber einige kleine Probleme die leider unserer Meinung nach kurz thematisiert hätten werden müssen, vor allem da der Film als inoffizielles X-Men 4 nicht nur die Brücke schlagen sondern gleichzeitig auch eine etwas veränderte Zeitlinie erschaffen soll.

So wurde X-Men - Zukunft ist Vergangenheit bereits in Wolverine - Weg des Kriegers im vergangenen Jahr angeteastert. Zwar wird keine Zeitspanne angegeben, die Veränderungen auf der Welt erscheinen aber in dem zeitlichen Spielraum unrealistisch. Ebensowenig wird geklärt, wo Wolverine wieder seine Krallen herbekommen hat und wie Magneto zum einen seine vollen Kräfte zurückerlangt hat, Rogue jedoch nicht und wie Professor X wieder vollumfänglich unter den Lebenden weilt. Natürlich wurde einiges davon auch in X-Men - Der letzte Widerstand thematisiert, aber bereits damals erfolgte dies in der After-Credit-Szene mehr als unbefriedigend und erschuf eher mehr Fragen als dass Antworten geliefert wurden.

Wer X-Men-Fan der jüngeren Stunde ist, wird sich an diesen Ecken und Kanten eher weniger stören, es ist nur schade, dass im Rahmen des Gesamtuniversums hier ein wenig Schindluder betrieben wird. Auch wird im Gegensatz zum Comic das Ende ein wenig anders ausgelegt, was etwas schade für die Dramaturgie ist. Fans wird dafür aber ein sehr emotionaler Abschied beliebter Figuren ermöglicht, der dazu noch witzig umgesetzt ist. Vor allem der Witz in X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist eine Stärke des Films, da dieser nie unpassend eingesetzt wird und sehr viele Szenen aufwertet. Singer gelingt dies deutlich besser als es im konkurrierenden Marvel-Filmuniversum der Fall ist, da die Dramaturgie nicht unterwandert wird, die ruhig etwas länger als zwei Stunden hätte andauern können. Denn auch visuell wird eine ganze Menge geboten, obwohl bei einem geschätzten Budget von 200 Mio. $ durchaus noch mehr zu erwarten gewesen wäre. Dafür überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie, der den bekannten Soundtrack früherer Tage weiterentwickelt.

X-Men und Comicfans vereinigt euch. Mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist Bryan Singer wieder ein sehr guter Eintrag in der wohl längsten bisher in sich geschlossenen Comicfilmreihe gelungen. Bis nach dem Abspann sollten aber auch nur jene warten, die Sitzfleisch haben. Mit einer kleinen Szene wird bereits die Zukunft der Reihe in Form von X-Men - Apocalypse angekündigt, was ebenfalls von Bryan Singer umgesetzt wird und 2016 in den Kinos erscheint. Wer sich aber nicht fundiert mit dem Universum auskennt, dürfte diese eher als belanglos abtun. Aber wer will bei diesen sympathischen Mutanten meckern? Es war eine schöne Zeit mit euch, jetzt gehört die Zukunft der Vergangenheit.

Fazit:

Es war schon beeindruckend, wie stimmig Joss Whedon all seine Superhelden in „Marvel’s The Avengers“ unter einen Hut bekommen hat. Aber Bryan Singer setzt mit „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ nun sogar noch einen drauf. Daher bekommt der Film 9 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Muppets Most Wanted



Facts:

Genre: Komödie
Regie: James Bobin
Cast: Ray Liotta, Tina Fey, Ricky Gervais, Ty Burrell, Peter Linz
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

(c) Walt Disney Germany

Inhalt:

Die Beliebtheit der Muppets lässt nach, deshalb unternehmen sie auf Anraten des windigen Veranstalters Dominic Fieslinger (Ricky Gervais) eine Europa-Tournee. Alles scheint rund zu laufen, doch der zwielichtige Impressario hat finstere Absichten: Er will Kermit durch den garstigen Gangsterfrosch Constantine ersetzen, den gefährlichsten Kriminellen der Welt. Die Verbrecher-Kröte ist dem Ober-Muppet wie aus dem Gesicht geschnitten und soll die Auftritte nutzen, um in nahegelegene Museen einzubrechen. Das geschickt eingefädelte Ablenkungsmanöver des durchtriebenen Duos führt dazu, dass die Muppets von dem Interpol-Agenten Jean Pierre Napoleon (Ty Burrell) gejagt werden, in dessen Wahrnehmung es nur einen Schandfrosch gibt: Kermit. Dominic und Constantine glauben, freie Bahn für ihren größten Coup zu haben und wollen einen riesigen Diamanten stehlen - aber sie haben die Rechnung ohne die Muppets gemacht...

Bewertung:

Nach dem Kauf des aus der Mode gekommenen „Muppets“-Franchise wusste bei Walt Disney offenbar niemand so recht etwas mit den anarchischen Kultfiguren anzufangen. Also heuerte man „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel (der dann auch die Hauptrolle übernahm) und seinen Schreibpartner Nicholas Stoller für einen Neustart der Reihe um Kermit & Co. an, wobei den beiden Superfans weitestgehend freie Hand gelassen wurde. Und das Duo hat die Chance genutzt: „Die Muppets“ ist ungemein liebevoll, zugleich aber auch völlig durchgeknallt und dem Geist der originalen TV-Show aus den 70er Jahren treu ergeben. So avancierte das Leinwand-Musical nach seinem Start Ende 2011 zum Überraschungshit und gewann sogar einen Oscar (für den Besten Original-Song). Doch nach dem Ausstieg von Jason Segel und mit einem weltweiten Einspiel von mehr als 160 Millionen Dollar im Rücken ist das Studio bei der erneut von James Bobin inszenierten Fortsetzung „Muppets Most Wanted“ nun weniger risikofreudig. Der Anarcho-Anteil wurde reduziert, dafür ist der Krimi-Komödien-Plot familienfreundlicher als der des Vorgängers mit seinen über die Köpfe der jungen Kinogänger hinweggehenden „Boulevard der Dämmerung“-Reminiszenzen. Jetzt könnte man vorschnell urteilen: Typisch Disney! Aber das alles ist am Ende nicht allzu wichtig, denn trotz allem ist auch „Muppets Most Wanted“ über weite Strecken sehr unterhaltsam.

 Das Comeback ist gelungen... und jetzt? Darum geht es in den großartigen ersten fünf Minuten von „Muppets Most Wanted“. Die Puppen singen einen Sequel-Song, der davon handelt, wie in Hollywood mit Fortsetzungen umgegangen wird. Dabei machen Fozzie Bär & Co. eigene Vorschläge (vom Kriegsfilm bis zur exakten Kopie des Vorgängers) und an einer Stelle heißt es, dass Fortsetzungen sowieso nie so gut werden wie das Original. Das ist grandios-selbstironisch und mit dem grau-nebelverhangenen Porträt von Berlin als Quasi-Sowjetprovinz (die „Muppets Show“ stammt immerhin aus der Zeit des Kalten Krieges, da kann man sich auch die in der Gegenwart angesiedelte Filmhandlung entsprechend zurechtbiegen), in der die Polizeiautos direkt bis ins Gefangenenlager nach Sibirien durchfahren, geht es ähnlich doppelbödig-augenzwinkernd weiter. Aber die beiden dann einsetzenden parallelen Handlungsstränge können mit diesem saustarken Auftakt leider nicht mithalten: Während aus Kermits Abenteuer als Musical-Regisseur im Gulag zumindest mit den tanzenden Harte-Männer-Gaststars Danny Trejo („Machete“) und Ray Liotta („GoodFellas“) eine Menge herausgeholt wird, erinnert der überraschungsfreie Krimi-Plot dann doch zu sehr an die seichten Familien-Komödien, die regelmäßig das TV-Programm am Sonntagvormittag bestimmen.

„Muppets Most Wanted“ bleibt insgesamt tatsächlich spürbar hinter dem Vorgänger zurück und dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das ausgedehnte Spiel mit den Europaklischees nur in Berlin wirklich gelungen. Dass etwa „Modern Family“-Star Ty Burrell als französischer Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon immer pünktlich Feierabend macht, im Miniatur-Auto herumdüst und sich direkt nach Abschluss eines Falls samt Familie in einen mehrwöchigen Strandurlaub verabschiedet, kann man wahrscheinlich nur als Straßenkreuzer fahrender und keine Sozialleistungen kennender Amerikaner so richtig lustig finden. Zum anderen erhalten die eher für den Erwachsenen-Humor zuständigen Zweite-Reihe-Muppets hinter Kermit und Miss Píggy diesmal weniger Raum, vor allem der tragisch-unlustige Stand-up-Bär Fozzie ist kaum noch mehr als ein Statist. Wobei: Wenn sie sich dann doch mal in den Vordergrund drängen, dann ist ihre Trefferquote - von Gonzos Indoor-Stier-Stampede bis zum mehrstündigen Trommelsolo des Tiers - phänomenal hoch.

Jason Segel und Amy Adams ersetzen zu müssen, ist schon eine verdammt harte Nuss. Und so ganz ist das den „Muppets Most Wanted“-Machern auch nicht gelungen. Denn während „30 Rock“-Schöpferin Tina Fey als in Kermit verschossene Gulag-Aufseherin mit ihrem russischen Akzent angemessen über die Stränge schlägt, nimmt sich „The Office“-Tyrann Ricky Gervais soweit zurück, dass er zum bloßen Stichwortgeber für Kermit und Constantine verkommt. Natürlich geht es in einem Film mit dem Titel „Muppets Most Wanted“ in erster Linie um die Muppets selbst, aber die eine oder andere grenzwertig-trockene Pointe hätten wir von dem sonst so unerschrockenen Briten doch erwartet. Daneben ist der Film wie jedes „Muppets“-Abenteuer erneut vollgestopft mit prominenten Cameo-Auftritten, die diesmal sogar noch ein wenig lustiger sind als sonst. Zuviel wollen wir über die Star-Gastspiele natürlich nicht verraten, aber zumindest so viel sei gesagt (Achtung Spoiler!): Ein schweigsamer „Tatort“-Kommissar ermittelt jetzt auch bei den Muppets und ein zweifacher deutsch-österreichischer Oscar-Preisträger tanzt seinen Namen. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch schon!

Fazit: 

„Muppets Most Wanted“ ist zwar mehr harmloses Familienabenteuer als Anarcho-Muppets-Spaß, aber unterhält trotzdem wunderbar. Daher vergeben wir lachhafte 6 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 17. April 2014

The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro 3D OV



Facts:

Genre: Action, Fantasy
Regie: Marc Webb
Cast: Andrew Garfield, Emma Stone, Dane DeHaan, Jamie Foxx, Martin Sheen
Laufzeit: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany

(c) Sony Pictures Germany

Inhalt:

Für Peter Parker (Andrew Garfield) bedeutet das Leben aktuell vor allem eines: Stress! Auf der einen Seite fühlt er sich aufgrund seiner übermenschlichen Fähigkeiten dazu verpflichtet, als Spider-Man die Bevölkerung New Yorks zu beschützen. Auf der anderen Seite hat er aber auch die ganz alltäglichen Pflichten eines normalen jungen Mannes. Daher sehnt Peter seinen Highschool-Abschluss herbei, um endlich mehr Zeit für die Verbrechensbekämpfung zu haben. Auch die Situation zwischen ihm und seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) muss geklärt werden, schließlich hat Peter ihrem sterbenden Vater (Denis Leary) versprochen, sie nicht in Gefahr zu bringen. Doch eben das passiert, als der zum buchstäblich unter Strom stehenden Electro mutierte Oscorp-Mitarbeiter Matt Dillon (Jamie Foxx) auf dem Times Square außer Kontrolle gerät. Dann kehrt schließlich auch noch Peters alter Freund und Oscorp-Erbe Harry Osborn (Dane DeHaan) zurück, der ebenfalls nichts Gutes im Schilde führt…

Bewertung:

Nach dem Titellogo stürzt sich Spider-Man direkt in eine erste Action-Sequenz: Der Held schwingt durch New Yorks Häuserschluchten und sofort fallen die  noch einmal deutlich plastischer als im Vorgänger wirkenden 3D-Bilder auf. Und wenn Spider-Man den mit einem gekaperten Oscorp-Transporter samt radioaktivem Material durch Manhattan rasenden Rhino (Paul Giamatti) aufzuhalten versucht, begeistert vor allem der in Fülle vorhandene Lausbuben-Witz (vor dem Einschlagen der Windschutzscheibe wird erstmal höflich angeklopft), für den seine Fans Spider-Man so lieben. Dabei bleibt Andrew Garfield („The Social Network“) mit seiner völlig unpathetischen Art auch in der Fortsetzung der liebenswert-natürliche Superheld von nebenan. Von allen Marvel-Heroen kann man sich mit ihm wohl am leichtesten identifizieren, zumal auch die romantischen Kabbeleien mit Emma Stone („Einfach zu haben“) als Gwen Stacy erneut ebenso brillant-schlagfertig geschrieben wie gespielt sind: Wenn in einem Comic-Blockbuster eine Beziehungsaussprache genauso aufregend ausfällt wie die kurz darauf folgende Zerstörung des New Yorker Times Square, dann haben die Macher definitiv etwas richtig gemacht!
 
Obwohl er letztlich nur ein Handlanger von Harry Osborn ist, zählt der sogar im Titel erwähnte Electro zu den faszinierendsten Schurken im Marvel-Universum – und das liegt nicht nur an der effektvollen Computeranimation der zerstörerischen Kräfte des unter Starkstrom stehenden Mutanten, sondern auch und vor allem an Oscar-Preisträger Jamie Foxx („Ray“), der in dieser Rolle seine Talente als dramatischer Schauspieler und Stand-up-Komiker perfekt kombiniert: Max Dillon ist ein totaler Loser mit fragwürdiger Frisur, den seine Kollegen bei Oscorp regelmäßig als Schuhabtreter missbrauchen und der zu einem besessenen Spider-Man-Fan wird, nachdem der Spinnenmann ihm nicht nur das Leben gerettet, sondern anschließend sogar noch ein paar Worte mit ihm gewechselt hat. Foxx legt seinen Part als comichaft überhöhte Verlierer-Karikatur an, verleiht dem ständig Übersehenen aber gleichzeitig so viel menschliche Tragik, dass man zumindest bei ihrem ersten Duell eher Electro als Spider-Man die Daumen drückt. Dane DeHaan („Chronicle“) spielt den todkranken Konzernerben und kommenden Green Goblin Harry Osborn unterdessen mit einem überzeugenden fanatischen Wahn, kann sich aber noch nicht endgültig von James Francos Darstellung der Rolle in Sam Raimis „Spider-Man“-Trilogie lösen, wozu er aber ebenso wie die diesmal nur in wenigen Szenen als Harrys Assistentin Felicia auftretende Felicity Jones („Like Crazy“) in den kommenden Fortsetzungen wohl noch einige Gelegenheit erhalten wird.

„The Amazing Spider-Man 4“ sowie Spin-offs zu Venom und den Sinister Six sind zwar bereits angekündigt, aber Marc Webb betrachtet die ersten drei Teile der Reihe trotzdem als eigene Trilogie. Und da heißt es für den Regisseur nun ganz schön jonglieren: In diesem zweiten Teil muss er sowohl das im Vorgänger angedeutete Mysterium um Peters verschollene Eltern sinnvoll aufgreifen, als auch die Bösewicht-Truppe Sinister Six zumindest teilweise für die Fortsetzungen und Ableger an den Start bringen – und dazu will er natürlich noch eine eigene Geschichte erzählen. Aber auch wenn das Schicksal von Peters Vater Richard (Campbell Scott) in Anbetracht der dann doch überschaubaren Auswirkungen auf das aktuelle Geschehen etwas zu viel Raum erhält (gleich die ersten zehn Minuten sind eine ausführliche Rückblende), hält Webb insgesamt doch hervorragend die Waage zwischen Rückblick, Vorbereitung und dem Hier und Jetzt, weshalb sich trotz der stolzen Laufzeit von mehr als 140 Minuten nie Längen einschleichen. Und statt wie in den Filmen der Marvel Studios („Captain America“, „Thor“ & Co.) einfach im Abspann noch eine bestenfalls lose mit dem Rest zusammenhängende Szene zu platzieren, um den Hype für den folgenden Film anzufeuern, verwendet Webb gleich die ganze finale Viertelstunde, um unsere Vorfreude auf „The Amazing Spider-Man 3“ zu schüren: Das wirkt nicht nur organischer, es ist auch wirkungsvoller als ein einfach angeklatschter Blick auf den nächsten Gegenspieler.

Fazit: 

„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ bietet noch mehr Action und Humor als der erste Auftritt von Andrew Garfield im Spinnenkostüm, die größte Stärke ist  aber erneut die dramatische Liebesgeschichte zwischen Peter Parker und Gwen Stacy. Dafür gibts von uns hochfliegende 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 13. April 2014

The Lego Movie



Facts:

Genre: Animation
Regie: Chris Miller
Cast: Will Ferrell, Liam Neeson, Alison Brie
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:Warner Bros Germany

(c) Warner Bros Germany

Inhalt:

Der gutmütige Emmet (Stimme: Chris Pratt) wird eines Tages von der abenteuerlustigen Wyldstyle (Elizabeth Banks) entführt. Sie glaubt, in dem Normalo den von einer Prophezeiung angekündigten Meisterbauer gefunden zu haben. Unter der Führung des alten Mystikers Vitruvius (Morgan Freeman) soll Emmet gemeinsam mit Batman (Will Arnett) und Wyldstyle den skrupellosen Bösewicht Lord Business (Will Ferrell) aufhalten. Der möchte mit Hilfe zahlloser finsterer Schergen das Universum zusammenkleben – und somit die LEGO-Welt zerstören. Obwohl Emmet darauf beharrt, dass er nicht der Auserwählte ist, glaubt insbesondere Wyldstyle an seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Ebenfalls mit von der heldenhaften Partie sind Pirat Eisenbart (Nick Offerman), Weltraumfahrer Benny (Charlie Day) und das liebreizende Einhorn Kitty (Alison Brie).

Bewertung:

Während der Superhelden-Showdown „Batman vs. Superman“ gerade um ein ganzes Jahr nach hinten verschoben wurde und erst 2016 in die Kinos kommt, tritt nun in „The LEGO Movie“ nicht nur die versammelte Justice League um Superman, Batman, Wonder Woman und Green Lantern auf, auch Gandalf, Dumbledore und die Ninja Turtles sind mit von der Partie. Das Animations-Abenteuer der „21 Jump Street“-Regisseure Phil Lord und Chris Miller ist das ultimative Meta-Erlebnis, ein einziger feuchter Traum für Filmfans und zudem auch für jüngere Kinogänger ohne Vorkenntnisse absolut kurzweilig. Mit den verschiedenförmigen Plastikklötzchen des dänischen Weltkonzerns lässt sich so ziemlich alles bauen – und von dieser kreativen Freiheit haben sich offensichtlich auch die Filmemacher inspirieren lassen, als sie von einhörnigen Katzen über Western- und Ritterwelten bis zu einem Cameo-Auftritt von Han Solo mit seinem Millennium Falken wirklich alles zusammengeschmissen haben, was das ausgedehnte Lego-Universum hergibt. Das Ergebnis ist ein grandios-unterhaltsames Chaos, das einfach nur Spaß macht.

 Nachdem Phil Lord und Chris Miller schon mit ihrem im positiven Sinne verrückten Debüt „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ einen Pfad abseits des Animations-Mainstreams eingeschlagen haben, scheinen die „The LEGO Movie“-Regisseure nun endgültig keine kreativen Schranken mehr zu kennen: Nachdem die Warner-Bros.-Anwälte ihnen empfohlen haben, möglichst wenige Figuren aus anderen Filmreihen zu verwenden, weil das nur Probleme bringt, bedeutete das für das Duo offenbar: Jetzt erst recht! Wenn Kinder mit LEGO spielen, wird schließlich auch keine Rücksicht auf Franchise-Grenzen genommen und Han Solo im Feuerwehrwagen kurzerhand neben einem Ninja Turtle platziert. Diesem Alles-ist-möglich-Geist wird der Film in jeder Szene gerecht, wobei die Macher lustvoll Schauplätze und Genres (vom Science-Fiction-Schurkenstück über bonbonbunte Superhelden-Action bis zum abenteuerlichen Fantasy-Epos) wechseln – und das in einem Tempo wie man es sonst nur aus den maximal zwanzigminütigen Animationsepisoden im Spätprogramm von Comedy Central kennt. Lord und Miller halten dies mit nicht nachlassender Energie über eineinhalb Stunden Spielfilmlänge durch und bescheren uns dabei jede Menge geniale Einfälle wie etwa die urkomischen Streitereien zwischen Superman und Green Lantern.

Die fast anarchische Freude am kreativen Chaos spiegelt sich auch in der Story wider: Nachdem Emmet zu Beginn noch eine Anleitung dafür verwendet, wie man als LEGO-Figur seinen Tag „richtig“ verbringt, muss er von Wyldstyle und ihren Gefährten möglichst schnell lernen, dass man auch ohne gedruckte Instruktion und nur mit seiner eigenen Kreativität aus den Steinen um sich herum neue Dinge erschaffen kann. Aber bevor es soweit ist, hat Emmet genau wie jede andere LEGO-Figur dieselbe Lieblings-TV-Serie („Wo ist meine Hose?“) und denselben Lieblings-Song, der den von Lord Business eingeführten LEGO-Korpsgeist zugleich auf den Punkt bringt und wunderbar persifliert: „Everything is Awesome! Everything is cool when you are part of a team!” Aber Achtung: Die Regisseure haben uns im Interview gestanden, dass das Lied Teil eines teuflischen Plans ist, die Weltherrschaft zu übernehmen – und nachdem wir den fies-genialen Ohrwurm nun schon seit der Pressevorführung vor drei Monaten einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen, sind wir langsam geneigt, dieser zunächst als Ironie gedeuteten Warnung doch noch zu glauben.

Der Look des Films (3D lohnt sich, ist aber kein Muss) erinnert ein wenig an neuere Stop-Motion-Filme wie „ParaNorman“ oder an die 8-Bit-Sequenzen aus „Ralph reicht’s“. Das Ziel der Regisseure war es dabei, der Heimvideo-Optik von LEGO-Fan-Filmen auf YouTube nachzueifern – nur eben mit einem sehr viel größeren Budget: Stoppt man den Film an einer beliebigen Stelle, lässt sich das Standbild tatsächlich immer aus LEGO-Steinen nachbauen (obwohl man dafür eine MENGE Klötzchen bräuchte, erscheint uns die von Chris Pratt im FILMSTARTS-Interview geschätzte Zahl von fünf Trillionen im Film verwendeten LEGO-Steinen doch ein wenig übertrieben). Wir würden darauf wetten, dass sich die Marketing-Abteilung von LEGO zu Beginn des Projekts einen ganz anderen, sehr viel deutlicher auf ein kindliches Publikum ausgelegten Film gewünscht hätte. Aber am Ende hätten sich die Dänen gar keine bessere Werbung als „The LEGO Movie“ wünschen können, denn sowohl mit dem Look als auch mit der Haltung, die ihn prägt, setzt der Film der von LEGO-Steinen befeuerten Kreativität ein würdiges Denkmal.

Fazit: 

Völlig abgefahren und super unterhaltsam – da freut man sich direkt auf das Duplo-Prequel! Für diesen steinigen Spass vergeben wir 7 von 10 Punkte. (mk)