Dienstag, 28. Juli 2015

AMY OmU



Facts:

Genre: Biografie, Dokumentation
Regie:
Asif Kapadia


Cast: Amy Winehouse, Mark Ronson, Tony Bennett


Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: ProKino Filmverleih


(c) ProKino Filmverleih

Inhalt: 

Amy Winehouse war eine waschechte Ausnahmekünstlerin. Mit persönlichen Songtexten, die sie mit ihrer charakteristischen Soulstimme zum Leben erweckte, begeisterte und berührte die Britin eine weltweite Fangemeinde. Sie verkaufte mehrere Millionen Platten und gewann sechs Grammys. Aber ihre kometenhafte Karriere war nur von kurzer Dauer, schließlich sind ihr die Drogen zum Verhängnis geworden: Im Alter von gerade einmal 27 Jahren starb Winehouse an einer Alkoholvergiftung. Filmemacher Asif Kapadia widmet sich in seiner Dokumentation dem kurzen Leben der Sängerin. Mithilfe von zuvor unveröffentlichtem, privatem Material zeigt Kapadia, wie Winehouses Erfahrungen mit Familie, Freunden, anderen Musikern und Medien sich in ihrem künstlerischen Schaffen niedergeschlagen haben und stellt direkte Zusammenhänge her. 

Bewertung:

Kapadia hatte für sein Filmprojekt die volle Unterstützung von Winehouses Familie, er schont die Angehörigen bei seiner Aufarbeitung allerdings nicht, sodass Amys Vater Mitchell sich hinterher als Buhmann in die Ecke gedrängt sah, der ihren Tod hätte verhindern können. Wenn der Senior hier tatsächlich nicht im besten Licht erscheint, dann hat er sich das jedoch zum größten Teil selbst zuzuschreiben: Überaus vielsagend ist eine Szene, in der der umtriebige Mitchell unangemeldet mit der TV-Crew einer Dokusoap auf der Karibikinsel St. Lucia aufkreuzt, wo Amy auf der Flucht vor der Paparazzi-Meute bei einer Entziehungskur zur Ruhe zu kommen versucht. Der egoistischen Fahrlässigkeit des Vaters folgte der nächste Zusammenbruch der Tochter. Solche unglücklichen Episoden bezeugen den enormen Druck, der auf der jungen Frau lastete und an dem sie letztlich auch zu Grunde ging.

Amy Winehouse war nach Prinzessin Diana die wohl berühmteste Zielscheibe der berüchtigten britischen Boulevardpresse. Sie selbst ahnte früh, dass sie der ständigen unerbittlichen Beobachtung durch die Öffentlichkeit auf die Dauer nicht standhalten könnte und taumelte hilflos einem im Rückblick vorgezeichnet scheinenden Untergang entgegen - bis zu ihrem letzten Auftritt, jenem fatalen Konzert in Belgrad, bei dem sie torkelnd und lallend auftrat, ehe sie vorzeitig die Bühne verließ. Die beschämende Rolle von Teilen der Medien in Winehouses Leben beschönigt Asif Kapadia genauso wenig wie das Verhalten der Familie oder ihre eigenen Dämonen, umso befremdlicher ist es, dass er sich mit den Aasgeiern des Boulevards auf eine Stufe stellt, indem er selbst immer wieder so ausführlich auf Paparazzi-Videos und -Fotos zurückgreift. Bei der Abwägung zwischen Chronistenpflicht und angemessener Zurückhaltung fehlt zuweilen das Feingefühl - so bleibt trotz des erkennbaren Bemühens um ein faires und differenziertes Porträt ein unangenehmer Beigeschmack. 

Fazit: 

Kapadia setzt der viel zu früh verstorbenen Ausnahmesängerin Amy Winehouse in seiner akribischen Dokumentation „Amy“ kein schwärmerisches Denkmal, sondern würdigt eindrucksvoll ihr Talent und zeigt zugleich - schonungslos auch in der Wahl seiner Mittel - wie sie auf den Abgrund zuraste. Mit einer Träne im Auge und den Songs im Ohr vergeben wir 8,5 von 10 Punkte. (mk)

1 Kommentar:

  1. Hier ein Kommentar von Martin, der uns per Email erreichte:

    Kompliment zu dieser gelungenen Rezension!

    Auch in sprachlicher Hinsicht ein Lesegenuss.

    Ich hätte inhaltlich die Akzente geringfügig unterschiedlich gesetzt, stimme aber mit Deiner Bewertung weitgehend überein :-)

    Herzliche Grüße

    Martin

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