Freitag, 7. November 2014

Im Labyrinth des Schweigens



Facts:

Genre: Drama, Historie
Regie:
Giulio Ricciarelli
Cast: Alexander Fehling, Gert Voss, Friederike Becht
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:
Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Deutschland, Ende der 50er Jahre: Die Wirtschaft brummt, den Menschen geht es wieder gut und die Geschehnisse, die keine zwanzig Jahre zurückliegen, geraten langsam aber sicher in willkommene Vergessenheit. Eines Tages sorgt jedoch der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) am Frankfurter Gericht für Aufruhr, als er einen ehemaligen Auschwitz-Wärter anzeigen will, den ein Freund auf einem Schulhof identifiziert hat und der jetzt als Lehrer offenbar unbehelligt durchs Lebens gehen kann. Der Journalist stößt mit seiner Forderung jedoch auf Ablehnung. Nur der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) schenkt ihm Gehör und will die Vorgänge aufklären. Rückendeckung erhält er dabei vom Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss), der ihm die Leitung der Ermittlungen überträgt. Radmann versinkt völlig in dem Fall und vernachlässigt darüber sein Privatleben. Selbst Marlene (Friederike Becht), die er gerade erst kennengelernt hat, vermag nicht auf ihn einzuwirken. Immer weiter schottet sich der junge Anwalt von seiner Umwelt ab um das Labyrinth aus Verleugnung und Verdrängung aufzuarbeiten und ein Exempel zu statuieren.

Bewertung:

Die in „Im Labyrinth des Schweigens“ mit Hilfe der fiktiven Figur des Johann Radmann dargestellte Entwicklung ist quasi der Wegbereiter für die Auschwitz-Prozesse, die ab 1963 unter Fritz Bauer den Auftakt der deutschen Aufarbeitung markierten. An einer Stelle des Films hört der Staatsanwalt den Vorwurf, dass sich nach einer Bekanntmachung der Nazi-Verbrechen alle Kinder fragen, ob ihre Väter Mörder sind – ein Verweis auf die spätere 68er-Jugend, die zur Handlungszeit des Films noch undenkbar war. In den 50er-Jahren erlebte Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer nämlich einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg und fand zu neuem Selbstbewusstsein. Die Scham über das Nazi-Regime wog schwerer als der Wunsch nach einer lückenlosen Aufklärung der Ereignisse, die als Spukgeschichten durch die Lande geisterten. Und so muss der Staatsanwalt im Film etwa die Frage beantworten, ob es überhaupt eine konkrete Tat oder ein konkretes Opfer gibt und muss sich anhören, dass der Aufenthaltsort des grausamen Auschwitzer Lagerarztes Josef Mengele in Südamerika ja ziemlich weit weg ist. Mit solchen Einschüben gelingt es Giulio Ricciarelli famos, genau dieses Klima jener Zeit einzufangen und von der ersten Minute an erlebbar zu machen.

Inszenatorisch orientiert sich Ricciarelli an der Ästhetik deutscher Großproduktionen, die sich mit dem Dritten Reich befassen, wie etwa „Sophie Scholl – Die letzten Tage“. Die gelungene Ausstattung und die akkuraten Kostüme erwecken die 50er-Jahre zum Leben, während die pathetische Filmmusik ihren Anteil daran hat, dass die Story emotional aufgeladen ist. Die farbentsättigten Bilder passen zum ernsthaften Grundton der Geschichte. Aus der sehr starken Besetzung ragt dazu Alexander Fehling heraus. Dass man sich über den von ihn gespielten, fiktiven Anwalt den Ereignissen nähert, ermöglicht dem Regisseur die Entwicklung eines Spannungsbogens, ohne die historischen Fakten rund um die Auschwitz-Prozesse über Bord zu werfen. Giulio Ricciarelli findet dazu immer wieder Bilder, mit denen es ihm gelingt, die Schrecken des KZ-Terrors in nonverbaler Weise spürbar machen. Drastische Bilder lässt er allerdings weg, auch dies ist ein kluger Schachzug. So überlässt er den genauen Ablauf der Vorstellung des Publikums, zwingt förmlich zur weiteren Auseinandersetzung. Das Ergebnis: „Im Labyrinth des Schweigens“ ist nicht nur ein spannend erzähltes, durchaus fesselndes Drama, sondern vor allem auch ein Film, der zum Nachdenken anregt.

Fazit:

Ruhig erzähltes und thematisch reifes Polit-Drama, das ein wichtiges Kapitel der bundesdeutschen Vergangenheit behandelt.Gut informiert vergeben wir 7 von 10 Punkte. (mk)

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