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| pic (c) StudioCanal Deutschland |
Inhalt:
Jessica (Luna Wedler) ist eine junge Frau, die ein unkompliziertes Leben lebt und beste Aussichten für die Zukunft hat. Doch als sie eines Abends vor die Tür geht, ahnt sie nicht, dass sie ihre große Liebe kennenlernen wird. Ihr gesamtes Weltbild wird sich ändern und schon bald steht sie vor der schwerwiegendsten Entscheidung ihres Lebens. Denn Danny (Jannik Schürmann) ist nicht nur gut aussehend, charmant und selbstbewusst, sondern verbirgt vor allem ein dunkles Geheimnis. Die gemeinsame Zukunft, von der Jessica träumt, wird immer unwahrscheinlicher. Doch die 18-Jährige glaubt an Danny und an ihre Liebe und dafür ist sie bereit zu kämpfen. Schließlich kommt es für die beiden nicht darauf an, wie lange sie sich noch lieben können, sondern wie intensiv sie ihre gemeinsame Zeit genossen und gelebt haben...
Bewertung:
Im Herbst 2018 gelang der jungen Zürcherin Luna Wedler mit der Titelrolle in der Coming-Of-Age-Liebeskomödie „Das schönste Mädchen der Welt“ der Durchbruch in Deutschland. Ein gutes halbes Jahr zuvor war sie bereits im Rahmen der Berlinale zu einem der European Shooting Stars gekürt worden. Grundlage für die Ehrung war ihre noch nicht sehr umfangreiche, dennoch bereits beeindruckende Arbeit in der Schweiz, wo sie unter anderen mit der Komödie „Flitzer“ und dem atmosphärischen, fantastisch angehauchten Jugenddrama „Blue My Mind“ für Furore sorgte. Wedlers herausragendes, vielseitiges und bislang immer natürlich-sympathisches Auftreten ist der Grund, warum wir darauf hoffen, dass wir sie in naher Zukunft noch viel, viel öfter im Kino sehen – gerne auch in künstlerisch herausragenden Filmen. Das ist das von Regisseur Tim Trachte inszenierte Young-Adult-Romantikdrama „Dem Horizont so nah“ nämlich leider nicht.
„Dem Horizont so nah“ beginnt mit der Feier zu Jessicas 18. Geburtstag. Die strahlend hellen Bilder vom familiären Garten mit den fröhlich schnatternden Freundinnen und den leicht stoffeligen Eltern lassen das Ganze wie eine Sitcom oder fast schon wie einen Ableger von Detlev Bucks „Bibi & Tina“-Reihe (minus der Hexerei) erscheinen. Dieser Eindruck soll sich bald ändern – vor allem was die Stimmung betrifft. Regisseur Tim Trachte, der sich mit dem missratenen „Benjamin Blümchen“ oder der grottigen „Abschussfahrt“ bis dato nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, liefert hier seine zumindest visuell mit Abstand reifste Leistung ab. Das liegt größtenteils an den Breitbildformat-Kompositionen seines Stamm-Kollaborateurs Fabian Rösler. Dem Chef-Kameramann gelingt es, Drehorte wie die Umgebung von Köln oder die portugiesische Atlantikküste (wo in den USA spielende Szenen aufgenommen wurden) nicht nur mit Hollywood-Optik ins Kino zu holen, sondern ihnen gen Ende sogar eine epische Dimension zu verpassen.
Das Prunkstück ist aber – wie schon in der Einleitung verraten – Luna Wedler. Die Eidgenossin spielt Jessica nicht, sie ist Jessica – ob sie verliebt schmachtet, verzweifelt schluchzt, sich streitet oder lacht. Sie macht den Film mit ihrer fesselnden Leistung fast im Alleingang gerade so noch sehenswert. Wedler ragt auch aus dem prominenten Cast heraus, bei dem sonst noch am ehesten Denis Moschitto („Chiko“) als Dannys Ersatzvater und Betreuer sowie Frederick Lau („Victoria“) als sein Kickboxtrainer es schaffen, das Bestmögliche aus ihren wenigen Szenen und eher eindimensionalen Figuren zu holen. Jungstar Jannik Schümann gibt nach Streifen wie „Jugend ohne Gott“, „Niemandsland - The Aftermath“ oder „High Society - Gegensätze ziehen sich an“ hier mal keinen Fiesling, sondern einen schönen Rebellen in bester James-Dean-Manier. Warum er trotzdem durchweg so verschlagen schaut, als würde er etwas Hinterhältiges aushecken, bleibt dagegen offen.
Doch nicht nur deswegen bleibt Danny blass. Ebenso wie übrigens auch Hauptfigur Jessica fällt es dem Zuschauer schwer, ihn als Todgeweihten zu erleben. Er treibt Kampfsport auf hohem Niveau, modelt für Unterhosen-Anbieter und fährt mit Jessica in den USA-Urlaub. Die über seinem Haupt schwebende Gefahr bleibt bis zum Ende wenig akut. Sie ist die meiste Zeit nur abstrakt, was die Dramatik mindert. Ungeachtet der feinen Optik und der starken Hauptdarstellerin erreicht „Dem Horizont so nah“ daher nie länger als für kurze Augenblicke die berührende Intensität und nahezu greifbare Dringlichkeit eines zumindest ansatzweise in ähnlichen Gefühls- und Gedankenwelten verankerten „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.
Am Ende wirkt „Dem Horizont so nah“ so, als wäre eine der US-Verfilmungen, die auf einem manipulativen Herzschmerz-Roman von Schnulzenpapst Nicholas Sparks („Nur mit Dir“) beruhen, eher plump für Teens umgemünzt worden – so ähnlich formelhaft und durchschaubar wird die Geschichte über weite Strecken abgewickelt. In Wirklichkeit basiert der Film auf der wahren Geschichte von Jessica Koch, die diese selbst in Romanversion (mittlerweile gibt es eine ganze Danny-Trilogie) aufschrieb. Drehbuchautorin Ariane Schröder („Hin und weg“) packt in ihre Verknappung dieser knapp 500 Seiten umfassenden Buchvorlage auf fast zwei Stunden Laufzeit zwar genug Herz und Schmerz, damit bei der Teen-Zielgruppe hin und wieder in einzelnen Szenen die Augen feucht werden dürften, aber am Ende bleibt die Story dann zu platt und vorhersehbar, um wirklich nachhaltig zu berühren.
Fazit:
Das Beste an der zu formelhaften und vorhersehbaren Liebes-Tragödie für jugendliche Kino-Fans ist Hauptdarstellerin Luna Wedler. (mk)

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