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Inhalt:
Bryon Widner (Jamie Bell) gehört zu den Hammerskins, einer neonazistischen Vereinigung, die vom FBI beobachtet wird. Von Kopf bis Fuß mit rassistischen Tätowierungen bedeckt, die er sich durch Hassverbrechen „verdiente“, führt er ein zerstörerisches Leben und geht damit einen Weg, den er nicht wieder rückgängig machen kann. Als er Julie (Danielle MacDonald) und deren drei Töchter trifft, weckt das in ihm den Wunsch nach einem anderen Leben. Doch als er sich anschickt, die Bewegung zu verlassen, erhält er Todesdrohungen von seinen ehemaligen Verbündeten. Und auch sein neues Leben lässt sich wegen der Tätowierungen, die ihn für jeden klar als Neonazi kennzeichnen, nur schwer in Angriff nehmen. Mithilfe des FBI und des Southern Poverty Law Centers unterzieht er sich 25 harten Tattooentfernungssitzungen. Als Gegenleistung dürfen die Beamten seine Tätowierungen entschlüsseln, was in Verhaftungen und Verurteilungen von Hammerskins-Mitgliedern mündet.
Bewertung:
Als vor gut 20 Jahren „American History X“ mit Edward Norton ins Kino kam, mutete ein amerikanischer Neonazi mit tätowiertem Hakenkreuz auf der Brust noch exotisch an. Inzwischen hat sich die Wahrnehmung von sogenannten White supremacists speziell in den USA jedoch gewandelt, zeigen Anschläge wie der in Charlottesville 2017 doch, dass sich diese Ewiggestrigen immer stärker fühlen, nicht zuletzt dank US-Präsident Donald Trump, der sie nur oberflächlich kritisiert. Da kommt ein Film wie „Skin“ eigentlich gerade recht, der mit Bildern einer Demonstration beginnt, bei der Neonazis America-First-Plakate schwenken, Shirts mit Blut-und-Ehre-Aufdruck tragen und sich mit Gegendemonstranten eine brutale Schlacht liefern. Wie man in so eine Szene reinrutscht, erzählt Guy Nattiv etwas unbeholfen über eine Nebenfigur, einen jungen Typen von der Straße, der vom Versprechen auf etwas Essen und vor allem eine Art Familie verführt wird. Man darf vermuten, dass es Bryon Widner einst ebenso ging, doch vom Entstehen seines Hasses und auch vom Innenleben der Szene erfährt man wenig.
Stattdessen konzentriert sich der Israeli Nattiv, der hier seinen ersten in englischer Sprache gedrehten Film vorlegt, ganz auf den schwierigen Prozess des Ausstiegs. Warum es ausgerechnet diese Frau ist, die Bryon dazu veranlasst, sein bisheriges Leben zu überdenken, bleibt dabei wie so vieles offen. Man muss es wohl hinnehmen, ebenso wie den Wunsch Bryons, seine Familie hinter sich zu lassen, auch wenn sie ihn – wie er selbst oft betont – einst gerettet hat. Was dabei hilft, diese Drehbuchschwächen zu übersehen, ist vor allem die Performance des einstigen Kinderstars Jamie „Billy Elliot“ Bell. Mit ganzem Körpereinsatz, geschorenem Schädel und einem Gesicht, das großflächig mit martialischen Tattoos bedeckt ist, spielt sich Bell bisweilen in einen beeindruckenden Rausch aus Zweifeln und Selbsthass.
Dass unter der harten Schale immer auch das zarte, verletzliche Wesen zu erkennen ist, das Bell zuletzt etwa auch in „Film Stars Don‘t Die In Liverpool“ zeigte, macht die Zerrissenheit Bryons spürbar und glaubwürdig. Wie der langwierige und offenbar sehr schmerzhafte Prozess des Entfernens der Tattoos ablief, der in „Skin“ nur angedeutet wir, kann man sich stattdessen besser in Bill Brummels „Hass auf der Haut“ ansehen. Diese Dokumentation ist eine sehenswerte Ergänzung zu „Skin“, der sich am Ende einfach zu sehr auf die Entwicklung seiner Hauptfigur beschränkt, um wirkliche Einblicke in die Neonazi-Szene liefern zu können.
Fazit:
Vor allem Jamie Bells Performance als von Zweifeln und Selbsthass geplagter Ex-Neonazi macht Guy Nattivs Aussteigerdrama „Skin“ sehenswert, selbst wenn es erzählerisch dann doch arg konventionell geraten ist. (mk)

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