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| pic (c) Paramount Pictures Germany |
Inhalt:
Henry Brogan (Will Smith) ist ein Weltklasse-Attentäter, der sich in den Ruhestand begeben will. Da setzt sein ehemaliger Vorgesetzter Clay Verris (Clive Owen) plötzlich einen gefährlichen Assassinen auf ihn an, der sich als Henrys eigener, im Geheimen erzeugter und vor allem viel jüngerer Klon (ebenfalls Smith, aber aus dem Computer) entpuppt. Es entbrennt ein ebenbürtiges Duell zwischen dem menschlichen Original und seiner Kopie, in dem beide immer den nächsten Schritt des jeweils anderen zu kennen scheinen. Brogan wird dabei von der Regierungsagentin Danny Zakarweski (Mary Elizabeth Winstead) und seinem Kollegen Baron (Benedict Wong) beim Überleben unterstützt, während sein Klon in eine Identitätskrise stürzt. Werden die Profi-Killer den tödlichen Teufelskreis durchbrechen können, den der undurchsichtige Verris in Gang gesetzt hat?
Bewertung:
Als James Cameron 2009 mit „Avatar“ Filmgeschichte schrieb, war es die revolutionäre Technik mit bahnbrechenden, nie zuvor gesehenen 3D-Bildern, die seinen Science-Fiction-Action-Thriller auf ein ganz eigenes Level katapultierte. Das Ergebnis: Bis zur kürzlich erfolgten Wachablösung durch „Avengers: Endgame“ war der Ausflug nach Pandora mit 2,79 Milliarden Dollar der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Eine Nummer kleiner, aber von der Blaupause her nach gleichem Muster funktioniert Ang Lees „Gemini Man“, mit dem sich der taiwanesische Meisterregisseur weiter als Vorreiter der noch umstrittenen High Frame Rate etabliert.
Der futuristische Action-Thriller ist in 120 Bildern pro Sekunde (Frames per second) gedreht. Mit glasklarer Tiefenschärfe bis in den allerletzten Winkel der Leinwand wirkt das Geschehen so noch realistischer, fast wie „live dabei“, wie im Theater. Dieses Gimmick, das Lee bereits in „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ ausprobierte, perfektioniert der zweifache Oscarpreisträger (für „Brokeback Mountain“ und „Life Of Pi“) in „Gemini Man“. Das ergibt einen optisch grandiosen Film, der jedoch genauso wie „Avatar“ inhaltlich nicht mit der technischen Brillanz mithalten kann. Die Gedankenspiele um Klonen, Unsterblichkeit und den ultimativen Soldaten wirken etwas halbherzig in einer Old-School-Geschichte, die schon seit den 90er Jahren in Hollywood kursiert.
Immer wieder erblicken Filme nach Jahrzehnten in der Produktionshölle Hollywoods doch noch das Licht der Welt – weil zum Beispiel wie zuletzt bei „Passengers“ gerade angesagte Stars (dort: Jennifer Lawrence und Chris Pratt) endlich den nötigen Anschub geben. Bei „Gemini Man“ waren über die Jahre Regisseure wie Tony Scott, Curtis Hanson und Joe Carnahan am Ball, mit Darstellern wie Harrison Ford, Mel Gibson, Nicolas Cage, Clint Eastwood und Sean Connery gab es sogar reichlich Prominenz für die Hauptrolle. Es ist hier also nicht allein die Star-Power von Will Smith („Aladdin“), sondern vor allem die sich rasant weiterentwickelnde Technik, dank derer der Sci-Fi-Action-Thriller nun endlich in die Kinos kommt. Denn nun war es möglich, einen hochgradig realistischen Leinwandklon des Superstars am Computer zu erzeugen.
Doch Ang Lee beeindruckt technisch nicht nur mit den zwei Will Smith zum Preis von einem. „Gemini Man“ ist herausragend gefilmt – mit überragenden Aufnahmen und innovativen Einstellungen von Kameramann Dion Beebe („Mary Poppins‘ Rückkehr“), der auch die volle Pracht der High Frame Rate ausnutzt. Die Bilder sind so von gestochen scharfer Brillanz. Ja, es braucht zunächst ein wenig Gewöhnungszeit ob der ungewöhnlichen Seherfahrung, doch nach kurzer Zeit ist man voll drin. Dann befeuert das Gefühl, wie im Theater ganz nah dran am Geschehen zu sein, „Gemini Man“ sogar permanent, was von einem treibend-hypnotischem Action-Score noch verstärkt wird.
In einer Handvoll großer, rund um den Erdball verteilter Actionszenen, die auch an repräsentativen Schauplätzen (besonders der Tourismusverband der ungarischen Hauptstadt Budapest wird erfreut sein) gefilmt wurden, zischen einem die Kugeln im Kinosessel förmlich um die Ohren. 3D wird hier (und das können wir gar nicht genug unterstreichen) jederzeit sinnvoll eingesetzt, sodass die Auswahl einer entsprechenden Kinovorführung ein MUSS ist. Natürlich liefern eine Motorrad-Verfolgungsjagd in Kolumbien, eine Katakomben-Klopperei in Budapest und der finale Showdown in Georgia ein spektakuläres Action-Gerüst, doch „Gemini Man“ bietet immer wieder Verschnaufpausen, um die Figuren greifbar zu machen. Diese Rhythmuswechsel geben dem Film ein angenehmes Tempo.
Erzählerisch kann „Gemini Man“ mit der technischen Revolution nicht schritthalten. Hinter dem vielleicht ein paar Jährchen in die Zukunft gedachten, sich aber ansonsten wie in der Gegenwart geerdet anfühlenden Action-Thriller steckt im Kern dann doch eine sehr simple Old-School-Story, die in dieser Art wohl schon in den 1990er Jahren geplant war. Die gleich zu Beginn angeleierte Verschwörung ist so ein nicht allzu schwer zu durchschauendes, recht oberflächliches Story-Vehikel. Gerade von einem begnadeten Erzähler wie Ang Lee durften wir uns da durchaus noch deutlich mehr erwarten.
Doch die Geschichte ist am Ende nur Mittel zum Zweck, um Henry Brogan und seinen Klon Junior in Bewegung zu bringen. Schließlich sind ihre Duelle in vielfacher Hinsicht das Highlight des Films – auch wenn sich irgendwann die Logikfrage stellt, warum Junior darauf beharrt, seinen DNA-Spender weiterhin umzubringen, als er mehr Informationen bekommt. Mit der Auseinandersetzung der beiden Killer bringen Lee und seine Drehbuchautoren dann auch eine zusätzliche emotionale Ebene ein. Schließlich fechten sie einen zweiten Kampf aus, der auch tiefer gehende Gedanken in diesen Actionfilm einwebt. Was passiert, wenn ich meinem eigenen Ich in einer Kopie begegne? Was macht das mit mir selbst und der Nachahmer-Version? Leider sind die Antworten auf diese Fragen nicht sonderlich revolutionär. Sie sind nicht nur ein Stück weit berechenbar, sondern erfüllen vor allem zu deutlich eine Story-Funktion.
Doch über solche Schwächen hilft am Ende vor allem der Hauptdarsteller hinweg. Ein Hauch Melancholie, physische Präsenz und Charisma: Will Smith dominiert „Gemini Man“ und verleiht Profikiller Henry Brogan mit seiner bekannten, natürlichen Aura etwas Grundsympathisches. Schließlich spielt der Superstar nicht plötzlich durchweg einen eiskalten Attentäter (was er deswegen nur einmal am Anfang ist, wo er zudem für die scheinbar gute Sache tötet), sondern ist das Opfer, mit dem man mitfühlen soll. Tröstlich für Nostalgiker: Obwohl der CGI-Will-Smith physisch sehr überzeugend umgesetzt, praktisch nicht von einem echten Schauspieler zu unterscheiden ist, spielt der echte Will Smith den Klon trotzdem an die Wand, weil er schlicht mehr Seele in seine Rolle bringt.
An der Seite eines Will Smiths selbst ein gutes Bild abzugeben, ist nicht die einfachste Aufgabe. Mary Elizabeth Winstead („10 Cloverfield Lane“) ist als weiblicher Sidekick eine ordentliche Wahl. Nach einer überaus charmanten Enttarnung zu Beginn, bei der ihre Deckung als DIA-Agentin auffliegt, wird sie zur souveränen Spielpartnerin (nicht Gespielin!) des Superstars. Selten ist sie aber selbst eine handelnde Person, etwas mehr aktive Beschäftigung hätte ihrer Rolle gutgetan. Das launige Trio komplettiert Benedict Wong („Doctor Strange“) als Flieger-Haudegen Baron, der die Sprüche klopft, als sei er direkt aus den 90er eingeflogen.
Clive Owen („Children Of Men“) macht als Supersoldaten züchtender Bösewicht Clay Verris eine passable Figur, selbst wenn sein Charakter nicht der originellste ist. Verris‘ Motivation steht das ein oder andere Mal auf tönernen Füßen. Viel spannender ist da die Beziehung zu seinem Sohn Junior, den er als echter Vater aufgezogen hat. Denn hier offenbaren sich die kniffligsten moralischen Fragen, weil immer in der Schwebe ist, ob Verris tatsächlich väterliche Gefühle für Junior hegt oder diese nur vorspielt, um den perfekten Soldaten zu züchten. Es ist einer von vielen spannenden inhaltlichen Diskussionspunkten, die „Gemini Man“ hat, auch wenn am Ende die starke Optik im Vordergrund steht.
Fazit:
„Gemini Man“ ist auf technischer Ebene eine Wucht. Durch den Einsatz der hohen Bildrate wirkt der Action-Thriller plastisch, rasant, aufregend – was die etwas angestaubte Story weitgehend übertüncht. (mk)

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