Donnerstag, 28. Februar 2019

Hard Powder (2019)

(c) StudioCanal Deutschland



Inhalt:

In Kehoe, einem verschneiten Skigebiet der Rocky Mountains, zeigt das Thermometer Minus 10 Grad an. Für den Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) sind das perfekte Bedingungen. Er führt mit seiner Familie ein bescheidenes Leben, was sich allerdings schlagartig ändert, als sich sein Sohn mit dem Drogenboss Viking (Tom Bateman) einlässt und kurz darauf auf dessen Anordnung ermordet wird. Nels will Rache und sieht keinen anderen Weg, als sich selbst mit dem Drogenkartell anzulegen. Schnell wird allen Beteiligten klar: Das Kartell hat Nels ganz gewaltig unterschätzt, denn der dezimiert die Gangsterbande nach und nach.Und während Viking seinen ehemaligen Rivalen White Bull (Tom Jackson) für das Ableben von Nels' Sohn verantwortlich macht, entsteht ein eiskalter Bandenkrieg, der die schneeweißen Hänge der Berge sind schon bald blutrot färbt.


Bewertung:

Für ihr US-Remake von „Einer nach dem anderen“ haben sich die Produzenten der Einfachheit halber gleich an Original-Regisseur Hans Petter Moland gewendet. Das spricht nicht unbedingt für einen erfrischend-neuartigen Ansatz. Aber dafür ist der skurrile und nicht einfache Stoff eben auch in sicheren Händen, schließlich kann man hier mit dem Erzählton auch schnell mal neben der Spur landen, wenn man kein Gespür für diese schrägen Typen abseits des monolithisch-bodenständigen Schneepflugpflügers Nels Coxman hat. Ein Selbstplagiat ist „Hard Powder“ deshalb aber nicht unbedingt. Moland behält zwar die Grundpfeiler des Plots und oft auch inszenatorische Details wie die Einblendungen von Friedhofskreuzen nach jedem weiteren Toten bei, verlegt die Handlung aber in die Rocky Mountains und liefert dort nun sogar noch imposantere Panoramen von tiefverschneiten Schneelandschaften als im norwegischen Original – absolut beeindruckende Bilder. Auch was die erzeugte Atmosphäre angeht, passt Moland seinen Film durchaus der Verpflanzung der Story von Norwegen nach Colorado an.

Die Besetzung von Liam Neeson („96 Hours - Taken“, „Run All Night“), einem der rüstigsten Action-Senioren Hollywoods, ist so logisch wie stimmig: In seiner spätgefundenen Paraderolle des wortkargen Aufräumers kann Neeson seinem ähnlich störrischen Vorgänger Stellan Skarsgard durchaus Paroli bieten, wenn er als väterlicher Racheengel kaum eine Miene verzieht und bei seinen brutalen Feldzügen gegen das Böse die Sympathien – allein schon mangels Alternativen in dieser abgrundtief verabscheuungswürdigen Welt – sicher auf seiner Seite weiß. Dabei fällt die Einführung der Figuren sehr knapp aus, weshalb der Sprung vom besorgten Familienvater zum Rache-Berserker, der seine Opfer brutal ermordet und anschließend mitleidlos entsorgt, wie schon im Original sehr knapp und plötzlich anmutet. Aber „Hard Powder“ lebt sowieso nicht von der Tiefe seiner Charaktere, sondern von deren oft köstlich-abgründigen Absonderlichkeiten.

Etwas Ähnliches gilt auch für die Methoden, mit denen Nels Coxman seine Widersacher ins Jenseits befördert. Jedenfalls haben wir noch niemanden gesehen, der sich in eine Rodemaschine schwingt, einen kompletten Baum in Sekunden zu einem Megarammbock anspitzt und aus mehreren Metern Höhe auf einen im Auto festsitzenden Gangster niederkrachen lässt – ein waschechter Wow-Effekt. Kein Wunder also, dass es die Szene sogar bis aufs Filmplakat von „Hard Powder“ geschafft hat. Regisseur Moland pfeift auf Bodenständigkeit, sondern strebt nach Schauwerten, Skurrilität und natürlich möglichst viel schwarzen Humor, der all die Abscheulichkeiten deutlich leichter verträglich macht.

Und den stoischen Grübler, der auch hart austeilen kann, spielt Neeson mittlerweile im Schlaf. Aber langweilig wird es trotzdem nie. Sein Gegenspieler Tom Bateman („Mord im Orient-Express“) gibt als super-cholerischer Drogenboss Viking Vollgas, während das Talent von Laura Dern („Jurassic Park“, „Big Little Lies“) als kiffend-depressive Mutter in dieser limitierten Rolle weitergehend verschenkt wird. Als wahrer Szenendieb spielt sich hingegen William Forsythe („The Rock“) als Nels‘ extravaganter Bruder ins Gedächtnis. Der Ex-Gangster trug einst den Codenamen „Wingman“  und versucht nun, Nels aus der Patsche zu helfen – was in einer sehr amüsanten „True Romance“-Reminiszenz endet. In diesen Szenen ist „Hard Powder“ ähnlich skurril-komisch wie das Original.

Ansonsten bleibt das Action-Drama konsequent immer eine kleine Spur hinter „Einer nach dem anderen“ zurück. „Hard Powder“ ist schon brutal, wenn ein Gangster nach dem anderen um die Ecke gebracht wird, aber auch nicht so explizit, dass es ein potenzielles Mainstreampublikum allzu sehr vergrätzen könnte. Dieses Muster zieht sich durch den ganzen Film. Etwas weniger Absurdität, etwas weniger Groteske, etwas weniger Wahnsinn – insgesamt etwas weniger Groove, aber immer noch ziemlich unterhaltsam.

Fazit: 
Durchaus ruppig und rau, aber insgesamt weniger radikal – Hans Petter Moland legt seine Gangster-Thriller-Groteske „Einer nach dem anderen“ als mit wunderschönen Schneepanoramen und abgründigen Sonderlingen gespicktes US-Remake selbst neu auf. 


Text by (mk) 

Montag, 25. Februar 2019

Oscars 2019: Die grossen Gewinner


(c) Oscars (c) AMPAS


In der Nacht zum Montag wurden in Los Angeles die Oscars für die besten Filme, Darsteller, Regisseure, Autoren und Komponisten verliehen. Hier die Übersicht der Gewinner der Nacht.


Bester Film - Green Book
Beste Regie - Alfonso Cuarón für Roma
Beste Hauptdarstellerin - Olivia Colman für The Favourite
Bester Hauptdarsteller - Rami Malek für Bohemian Rhapsody
Bester Filmsong - Shallow „A Star Is Born“

Beste Filmmusik - Black Panther Ludwig Göransson
Bester Animationsfilm - Spider-Man: A New Universe
Beste Nebendarstellerin - Regina King
Bester Nebendarsteller - Mahershala Ali
Bester fremdsprachiger Film - Roma (Mexiko)
Bestes Kostümdesign - Ruth E. Carter für Black Panther




Sonntag, 17. Februar 2019

Alita - Battle Angel (2019)

(c) Fox Deutschland



Inhalt:

Der Arzt Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) lebt in der fernen Zukunft in der düsteren und brutalen Stadt Iron City. Eines Tages findet er den Kopf eines weiblichen Cyborgs und baut ihr einen neuen Körper. Das Robotermädchen hat keinerlei Erinnerung an ihr bisheriges Leben und Ido setzt alles daran, sie vor ihrer außergewöhnlichen Vergangenheit zu beschützen, während er Alita (Rosa Salazar) – wie er sie nennt – wie seine Tochter aufzieht. Ihr Freund Hugo (Keean Johnson) hingegen setzt alles daran, dass sich die Androidin wieder an ihre Vergangenheit erinnert und die Herrscher von Iron City machen bald Jagd auf Alita. Denn sie verfügt über einzigartige Kampffähigkeiten, die sich die Obrigkeit zunutze machen will. Gleichzeitig könnten Alitas Fähigkeiten jedoch auch der Schlüssel sein, um Iron City und Alitas Freunde und Familie zu retten…


Bewertung:

Als Ende 2017 der erste Trailer von „Alita: Battle Angel“ veröffentlicht wurde, gab es anschließend vor allem ein Gesprächsthema: die großen Augen der Titelheldin! Die zum Teilen sehr harschen Reaktionen führten schließlich sogar dazu, dass Robert Rodriguez sich zu einer Mitteilung veranlasst sah, dass James Cameron und er unbedingt die Manga-Augen der Vorlage beibehalten und diese in eine ansonsten real wirkende Umgebung überführen wollten. Auch im finalen Film ist es zumindest zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig, dass sich die Filmemacher eben mal nicht an den Sehgewohnheiten des Großteils ihres Publikums orientierten, sondern ihren eigenen Weg gehen. Rodriguez stellt wie schon bei „Sin City“ auch diesmal wieder das Ziel einer visuell möglichst vorlagengetreuen Adaption über alles – und das zahlt sich nicht nur für Fans des Ursprungs-Mangas aus.

Denn schon allein durch die großen Augen sieht Alita eben nicht aus wie das nette Mädchen von nebenan. Das ist nur konsequent (schließlich ist Alita nicht mal ein Mensch) und wirft den Zuschauer erst mal mit Schmackes aus seiner Komfortzone. Trotzdem sorgen Rodriguez, Cameron und ihre Co-Autorin Laeta Kalogridis („Shutter Island“) anschließend schnell dafür, dass man die Protagonistin als Zuschauer trotzdem ins Herz schließt: Wir entdecken mit ihr gemeinsam die Welt, wie sie sich an ihrer ersten Partie Motorball versucht oder mit einer Orange ihre Geschmacksrezeptoren auf die Probe stellt. Alitas kindlich-naiver Entdeckergeist im Zusammenspiel mit ihrem stets ein wenig verschmitzten Lächeln ist mitreißend. Das lässt sie obendrein übrigens menschlicher als die meisten ihrer Mitmenschen (und Mit-Cyborgs) erscheinen.

Die Macher lassen uns die dystopische Sci-Fi-Welt aus Alitas (unschuldiger) Perspektive wahrnehmen – und da gehören dann auch schon mal ein paar ziemlich schmalzige Momente dazu, schließlich ist Alita ein Teenager und verhält sich auch wie einer. Da ist der erste Kuss eben etwas ganz Besonderes, Killer-Cyborg hin oder her. Alita ist der emotionale Anker in einer wilden, visuell überbordenden Welt, aus der neben einem souveränen Christoph Waltz als Erbauer vor allem die Gegenspieler Vector und Chiren herausstechen: Während der hier saucoole Oscarpreisträger Mahershala Ali („Moonlight“) glatt das „Matrix“-Erbe von Laurence Fishburne antreten könnte, gibt Jennifer Connelly („Requiem For A Dream“) eine ebenso vielschichtige wie verführerische Antagonistin.

Gerade nach der bahnbrechenden Gestaltung von Pandora waren natürlich alle gespannt, was für eine Welt James Cameron diesmal erschaffen würde: Während Alita anfangs noch vermutet, dass es „Magie“ sein müsse, die die Himmelsstadt schweben lässt, findet sie schon bald heraus, dass in Wahrheit noch etwas viel Mächtigeres dahintersteckt, nämlich Technologie. Damit sind Iron City und Zalem automatisch sowas wie eine Metapher für den Film selbst, der ja schließlich auch zu einem großen Teil aus dem Computer stammt. Derart bahnbrechend, dass man hinter dem CGI-Spektakel von „Alita“ direkt Zauberei vermuten würde, sind die Effekte zwar nicht, mit Hilfe der einst für „Avatar“ entwickelten Technik lässt Rodriguez aber dennoch eine faszinierende Welt voller visueller Raffinesse entstehen. Wobei es immer wieder auch Widerhaken gibt, weil die Welt von „Alita“ eben nicht unsere reale Welt imitiert, sondern sich als ein ganz eigens Universum mit eigenen Regeln erweist. Das ist reizvoll – kann einen zugleich aber auch so sehr reizen, dass man zwischenzeitig aus dem Film gerissen wird.

Gerade wenn in den Actionsequenzen auf der Leinwand besonders viel passiert, entwickelt sich das weitestgehend am Computer entworfene Szenario fast schon zu einem Animationsfilm. Mit ihren Wechseln zwischen pfeilschnellen Bewegungen und eingestreuten Superzeitlupen sind die Verfolgungsjagden und Roboter-Fights aber dennoch spektakulär – und das liegt nicht nur an dem für einen FSK-12-Film überraschendem Maß an Brutalität (es sind nicht nur Cyborgs, die hier auf jede erdenkliche Art und Weise zerstückelt und zermalmt werden). Vielmehr hat der Stunt-Experte Steve Brown („Deadpool 2“) die Sequenzen derart überzeugend choreografiert, dass sie selbst dann noch funktionieren, wenn Rodriguez mit den Effekten mal wieder übertreibt.

Am stärksten ist „Alita: Battle Angel“ aber überraschenderweise in seinen ruhigeren, emotionaleren Momenten. Wenn die Titelheldin ihren neuen Körper erforscht oder soziale Gepflogenheiten studiert, sind die computergenerierten Bilder einfach nur umwerfend. Und hier kommen auch wieder ihre großen Augen ins Spiel. Denn es ist nicht nur die sensationell aussehende Hauttextur, sondern der je nach Situation wechselnde Ausdruck in eben diesen riesigen Augen, der visuell den bleibendsten Eindruck hinterlässt. Und in diesen Momenten fällt es leicht, die Computertechnik dahinter zu vergessen und in der unschuldig-gutmütigen Alita vielleicht doch einen Funken Magie zu erkennen.

Fazit: 
Das Effektgewitter in „Alita: Battle Angel“ ist – wie auch der Körper des Kriegerengels – letztendlich nur eine Hülle. Stattdessen kommt es vielmehr darauf an, das Herz am rechten Fleck zu haben — und das hat die Manga-Verfilmung ebenso wie ihre Titelheldin.


Text by (mk)

Samstag, 9. Februar 2019

Drachenzähmen leicht gemacht 3 - Die geheime Welt

(c) Universal Pictures Germany



Inhalt:

Seit dem Tod seines Vaters ist Hicks der neue Anführer der Wikinger von Berk. Mit seinen Freunden, seiner Mutter Valka und vor allem seinem besten Freund Ohnezahn befreit er immer mehr Drachen aus der Gefangenschaft, was aber auch zu Problemen führt: In Berk leben mittlerweile so viele Drachen, dass es kaum mehr Platz gibt. Und all den Drachenfängern sind Hicks und Co. natürlich ein Dorn im Auge. Daher soll der finstere Drachentöter Grimmel für sie das Problem Hicks erledigen und er weiß, dass nur Ohnezahn der Schlüssel dazu sein kann. Nach einem ersten Angriff von Grimmel trifft der junge Wikinger-Anführer eine folgenschwere Entscheidung: Er beschließt, mit seinem Volk die Heimat zu verlassen und nach einer sagenumwobenen geheimen Welt zu suchen, in der Menschen und Drachen versteckt vor der Öffentlichkeit in Frieden leben sollen. Doch er ahnt nicht, dass er Grimmel damit nur in die Karten spielt und dieser auch noch ein As im Ärmel hat: Er nutzt einen weiblichen Nachtschatten, um Ohnezahn den Kopf zu verdrehen und so von seinem Freund zu entzweien...

Bewertung:

Dass nach dem großen Zeitsprung von fünf Jahren zwischen den ersten beiden Filmen dieses Mal nur ein einzelnes Jahr vergangen ist, wird nicht nur direkt aus dem Off erzählt, sondern auch in der Figurenentwicklung des Protagonisten deutlich: Hicks ist zwar nun der Anführer der Wikinger von Berk, steht aber halt immer noch an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die zentralen Konflikte ähneln daher (etwas zu sehr) denen des Vorgängers. In „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ fühlte er sich nicht geeignet, die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Nun ist er zwar gezwungenermaßen der neue Anführer, glaubt aber immer noch nicht an seine Fähigkeiten. Einige Elemente fühlen sich daher etwas repetitiv an – was zum Teil auch an der Figur des Bösewichts liegt. Grimmel ist zwar per se ein starker, angsteinflößender Antagonist, aber im Wesentlichen auch eine Wiederholung von Drago Blutfaust aus dem zweiten Teil – es wird halt nur, wie es sich für ein Sequel gehört, noch einer draufgesattelt: Grimmel will Ohnezahn und Co. diesmal nicht wie Blutfaust einfach nur fangen, sondern töten. Und die Drachen unter seiner eigenen Kontrolle hat er dazu auch noch „gedopt“.

Die fehlende erzählerische Innovation sorgt zwar dafür, dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ wie auch schon der direkte Vorgänger nicht an die Klasse des ersten Teils heranreicht, aber ein guter Film, den man unbedingt im Kino sehen sollte, ist es trotzdem: Schließlich übertreffen sich Regisseur DeBlois und sein Team in Sachen visueller Brillanz erneut – und zwar bis in den Abspann hinein, in den, was keine Selbstverständlichkeit ist, auch die deutschen Synchronsprecher richtig integriert wurden. Der eröffnende Angriff von Hicks und seinen Freunden auf ein Drachenjägerschiff ist herausragend inszeniert. Über weite Strecken sogar ohne Schnitt entfaltet sich direkt zum Auftakt ein großes Action-Stück: Es duellieren sich an verschiedenen Orten gute und böse Wikinger, die Drachen setzen zu ihren mächtigen Angriffen an oder werden aus Käfigen befreit. Diese Sequenz kann sich ganz locker mit Realfilm-Highlights des vergangenen Kinojahres wie der ähnlich schnittlos zwischen verschiedenen Schauplätzen wechselnden Sizilien-Dächer-Verfolgungsjagd in „Aquaman“ messen. Dazu passen die perfekt getimten humorvollen Einschübe wie zum Beispiel ein Running Gag um den einen Baby-Drachen mitschleppenden Fischbein.

Dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ schon jetzt zu den visuellen Highlights des Kinojahres 2019 gehört, macht auch die auf den Auftaktüberfall folgende Rückkehr nach Berk deutlich: Der Himmel ist voll von den verschiedensten Drachenarten – ein sensationeller Anblick und dabei nur ein Vorgeschmack auf die prächtigen Bilderwelten, die später auf der Reise der Wikinger noch kommen werden, auf die wir hier aber aus Spoilergründen nicht weiter eingehen wollen. Einen Anteil daran dürfte übrigens auch Roger Deakins haben: Der bereits 14 Mal für den Oscar nominierte und zuletzt für „Blade Runner 2049“ endlich prämierte Kameragott war schon bei den Vorgängern als „visueller Berater“ mit an Bord. Vor allem bei der Be- und Ausleuchtung einzelner Szenen brachte sich der auch als „Meister über Licht und Schatten“ bekannte Deakins ein - und wie wichtig genau dieser oft unterschätzte Aspekt ist, beweist „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ erneut eindrucksvoll.

Daneben besticht „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ durch seine immense Detailverliebtheit (es lohnt sich darauf zu achten, wie Hicks‘ Mannwerden durch leicht zunehmende Bartstoppeln illustriert wird) und jede Menge Humor für alle Altersklassen. Während es bei der Liebesgeschichte von Hicks und seiner Astrid und der Frage, ob die beiden nicht endlich heiraten müssen, ein wenig dauert, bis die Macher den richtigen Ton treffen, sind die Flirts zwischen Nachtschatten Ohnezahn und einem strahlend weißen Tagschatten von der ersten Sekunde an romantisch und komisch. Seine Tollpatschigkeit und ihre Eleganz werden nicht nur wunderbar als Gegensätze positioniert, sondern auch illustriert: Die Mimik von Ohnezahn, dem eigentlichen Star der Reihe, ist im dritten Kinofilm so gut wie nie zuvor. Und so hilft diese visuelle Brillanz gepaart mit der rührenden Komik immer wieder über kleine inhaltliche Schwächen hinweg. Wer sich gerade noch wundert, warum hier selbst der eigentlich zentrale Konflikt über das Zurücklassen der vom Vater anvertrauten Heimat doch recht beiläufig abgehandelt wird, der bekommt in der nächsten Szene so viel zu Staunen und/oder zu Lachen, dass er diesen Vorbehalt direkt wieder vergisst.

Fazit: 
„Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ ist trotz erzählerischer Schwächen ein berührend humorvolles und visuell herausragendes Trilogie-Finale.

Text by (mk)