![]() |
| (c) StudioCanal Deutschland |
Inhalt:
In Kehoe, einem verschneiten Skigebiet der Rocky Mountains, zeigt das Thermometer Minus 10 Grad an. Für den Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) sind das perfekte Bedingungen. Er führt mit seiner Familie ein bescheidenes Leben, was sich allerdings schlagartig ändert, als sich sein Sohn mit dem Drogenboss Viking (Tom Bateman) einlässt und kurz darauf auf dessen Anordnung ermordet wird. Nels will Rache und sieht keinen anderen Weg, als sich selbst mit dem Drogenkartell anzulegen. Schnell wird allen Beteiligten klar: Das Kartell hat Nels ganz gewaltig unterschätzt, denn der dezimiert die Gangsterbande nach und nach.Und während Viking seinen ehemaligen Rivalen White Bull (Tom Jackson) für das Ableben von Nels' Sohn verantwortlich macht, entsteht ein eiskalter Bandenkrieg, der die schneeweißen Hänge der Berge sind schon bald blutrot färbt.
Bewertung:
Für ihr US-Remake von „Einer nach dem anderen“ haben sich die Produzenten der Einfachheit halber gleich an Original-Regisseur Hans Petter Moland gewendet. Das spricht nicht unbedingt für einen erfrischend-neuartigen Ansatz. Aber dafür ist der skurrile und nicht einfache Stoff eben auch in sicheren Händen, schließlich kann man hier mit dem Erzählton auch schnell mal neben der Spur landen, wenn man kein Gespür für diese schrägen Typen abseits des monolithisch-bodenständigen Schneepflugpflügers Nels Coxman hat. Ein Selbstplagiat ist „Hard Powder“ deshalb aber nicht unbedingt. Moland behält zwar die Grundpfeiler des Plots und oft auch inszenatorische Details wie die Einblendungen von Friedhofskreuzen nach jedem weiteren Toten bei, verlegt die Handlung aber in die Rocky Mountains und liefert dort nun sogar noch imposantere Panoramen von tiefverschneiten Schneelandschaften als im norwegischen Original – absolut beeindruckende Bilder. Auch was die erzeugte Atmosphäre angeht, passt Moland seinen Film durchaus der Verpflanzung der Story von Norwegen nach Colorado an.
Die Besetzung von Liam Neeson („96 Hours - Taken“, „Run All Night“), einem der rüstigsten Action-Senioren Hollywoods, ist so logisch wie stimmig: In seiner spätgefundenen Paraderolle des wortkargen Aufräumers kann Neeson seinem ähnlich störrischen Vorgänger Stellan Skarsgard durchaus Paroli bieten, wenn er als väterlicher Racheengel kaum eine Miene verzieht und bei seinen brutalen Feldzügen gegen das Böse die Sympathien – allein schon mangels Alternativen in dieser abgrundtief verabscheuungswürdigen Welt – sicher auf seiner Seite weiß. Dabei fällt die Einführung der Figuren sehr knapp aus, weshalb der Sprung vom besorgten Familienvater zum Rache-Berserker, der seine Opfer brutal ermordet und anschließend mitleidlos entsorgt, wie schon im Original sehr knapp und plötzlich anmutet. Aber „Hard Powder“ lebt sowieso nicht von der Tiefe seiner Charaktere, sondern von deren oft köstlich-abgründigen Absonderlichkeiten.
Etwas Ähnliches gilt auch für die Methoden, mit denen Nels Coxman seine Widersacher ins Jenseits befördert. Jedenfalls haben wir noch niemanden gesehen, der sich in eine Rodemaschine schwingt, einen kompletten Baum in Sekunden zu einem Megarammbock anspitzt und aus mehreren Metern Höhe auf einen im Auto festsitzenden Gangster niederkrachen lässt – ein waschechter Wow-Effekt. Kein Wunder also, dass es die Szene sogar bis aufs Filmplakat von „Hard Powder“ geschafft hat. Regisseur Moland pfeift auf Bodenständigkeit, sondern strebt nach Schauwerten, Skurrilität und natürlich möglichst viel schwarzen Humor, der all die Abscheulichkeiten deutlich leichter verträglich macht.
Und den stoischen Grübler, der auch hart austeilen kann, spielt Neeson mittlerweile im Schlaf. Aber langweilig wird es trotzdem nie. Sein Gegenspieler Tom Bateman („Mord im Orient-Express“) gibt als super-cholerischer Drogenboss Viking Vollgas, während das Talent von Laura Dern („Jurassic Park“, „Big Little Lies“) als kiffend-depressive Mutter in dieser limitierten Rolle weitergehend verschenkt wird. Als wahrer Szenendieb spielt sich hingegen William Forsythe („The Rock“) als Nels‘ extravaganter Bruder ins Gedächtnis. Der Ex-Gangster trug einst den Codenamen „Wingman“ und versucht nun, Nels aus der Patsche zu helfen – was in einer sehr amüsanten „True Romance“-Reminiszenz endet. In diesen Szenen ist „Hard Powder“ ähnlich skurril-komisch wie das Original.
Ansonsten bleibt das Action-Drama konsequent immer eine kleine Spur hinter „Einer nach dem anderen“ zurück. „Hard Powder“ ist schon brutal, wenn ein Gangster nach dem anderen um die Ecke gebracht wird, aber auch nicht so explizit, dass es ein potenzielles Mainstreampublikum allzu sehr vergrätzen könnte. Dieses Muster zieht sich durch den ganzen Film. Etwas weniger Absurdität, etwas weniger Groteske, etwas weniger Wahnsinn – insgesamt etwas weniger Groove, aber immer noch ziemlich unterhaltsam.
Fazit:
Durchaus ruppig und rau, aber insgesamt weniger radikal – Hans Petter Moland legt seine Gangster-Thriller-Groteske „Einer nach dem anderen“ als mit wunderschönen Schneepanoramen und abgründigen Sonderlingen gespicktes US-Remake selbst neu auf.
Text by (mk)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen