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Inhalt:
Der junge Adelige Robin von Locksley (Taron Egerton) verliebt sich in die ebenso schöne wie willensstarke Marian (Eve Hewson). Doch dann wird er einberufen, um in den Kreuzzügen zu kämpfen und als er in seine Heimat zurückkehrt, erkennt er das Land nicht wieder: England ist zu einer von Korruption und Intrigen gezeichneten Gesellschaft geworden, die Reichen schwelgen in Luxus, während es bei den Armen kaum zum Überleben reicht. Robin beschließt, dass er nicht länger wegschauen kann, und nimmt – ausgerüstet mit Maske, Pfeil und Bogen – den Kampf gegen die Ungerechtigkeit im Land und die tyrannische Oberschicht auf. Dabei hat er in dem arabischen Krieger John (Jamie Foxx) einen Verbündeten. Doch die herrschende Klasse will Robins Raubzüge und seinen Kampf für Gerechtigkeit nicht einfach hinnehmen und der gnadenlose Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) eröffnet die Jagd nach dem Gesetzlosen…
Bewertung:
Robin Hood führt ein Doppelleben – als Adeliger und Rebell! Robin Hood ist hier also quasi das geheime Superhelden-Alter-Ego von Robin von Locksley. Die Bogenschützen-Variante von Batman. Das ist zumindest auf dem Papier der spannendste neue Ansatz, den die Drehbuchdebütanten Ben Chandler und David James Kelly für ihren Titelhelden bereithalten. Aber selbst aus dieser frischen Idee wird zu wenig herausgeholt. Sogar die Dialogduelle auf einer Party zwischen Robin von Locksley und dem noch ahnungslosen, aber nichtsdestotrotz argwöhnischen Sherriff von Nottingham, quasi dieselbe Konstellation wie bei Clark Kent und Lex Luthor, entwickeln kaum eine Intensität. Diese fehlende Dynamik steht symptomatisch für den Film. „Robin Hood“ mangelt es insgesamt an Pfiff, da kann er noch so auf modern und kinetisch getrimmt daherkommen.
Verkörpert wird Robin Hood diesmal von Taron Egerton, der sich im Casting unter anderem gegen Dylan O’Brien, Nicholas Hoult und Jack Huston durchsetzen konnte. Regisseur Otto Bathurst war sogar so begeistert von ihm, dass er den Dreh seines Films sogar noch einmal nach hinten verschob, weil Egerton erst noch die „Kingsman“-Fortsetzung „The Golden Circle“ zu Ende drehen musste. Aber so ganz erschließt sich einem diese Begeisterung nicht. Egerton mimt zwar routiniert den stets verschmitzt dreinschauenden Actionhelden mit Vorliebe für atemberaubende Pfeil-und-Bogen-Stunts, doch eine eigene Persönlichkeit besitzt sein Robin Hood nicht. Selbst neben eigentlich deutlich weniger wichtigen Figuren wie der seines Nebenbuhlers Will Scarlett (Jamie Dornan überzeugt als sich ganz langsam zum Widersacher entwickelnder neuer Liebhaber von Marian) wirkt der Titelheld vollkommen farblos, was auch daran liegt, dass man über ihn so gut wie nichts erfährt.
Stattdessen erweisen sich Jamie Foxx als von dem unbedingten Willen nach Gerechtigkeit getriebener, hin und wieder schon mal einen kecken Spruch auf den Lippen tragender John sowie der von Ben Mendelsohn fast schon als Karikatur eines Blockbuster-Bösewichts angelegte Sherriff von Nottingham als Szenendiebe, gegen die der Titelheld so ganz ohne Ecken und Kanten einfach nicht bestehen kann. Das sehr offensichtlich auf ein Sequel hinarbeitende Finale lässt da fast schon hoffen, dass in einer etwaigen Fortsetzung möglichst nicht mehr Robin Hood, sondern eine der vielen anderen Figuren im Mittelpunkt stehen möge. (Die Produktionsfirma hat das Skript zu dem damals noch „Robin Hood: Origins“ betitelten Projekt schließlich von Anfang an als Auftakt eines ganzen Cinematic Universe in Auftrag gegeben.)
Visuell fügt sich der im kroatischen Dubrovnik gedrehte „Robin Hood“ in die seit einigen Jahren andauernde Flut modern inszenierter historischer Stoffe ein. Wobei das auf einen hochglänzenden Digitallook getrimmte Mittelaltersetting natürlich zuallererst an Guy Ritchies Neuaufguss der Arthus-Sage erinnert. Einige der Szenen und Schauplätze meint man sogar eins zu eins aus „King Arthur: Legend Of The Sword“ wiederzuerkennen, so ähnlich sind sich der Look, die Kameraarbeit und die Arrangements. Aber auch Justin Kurzels „Assassin’s Creed“ sowie das Remake von „Ben Hur“ haben hier ihre visuellen Spuren hinterlassen – und das hat sowohl positive als auch negative Seiten.
Die haptischen Sets, die gewaltigen Explosionen und die stilsicher inszenierten Kämpfe, in denen eben nicht mit Pistolen rumgeballert, sondern eben mit Pfeil und Bogen geschossen wird, können durchaus überzeugen. Als Höhepunkt des Bogen-Spektakels gibt es sogar eine mit Pfeilen bestückte Gatling Gun! Aber daneben trüben vor allem zwei Dinge das Seherlebnis ungemein: Wenn neben den vielen handgemachten Effekten doch mal eine Szene aus dem Computer stammt, sieht diese dafür umso miserabler aus. Und auch die Kameraarbeit lässt stark zu wünschen übrig. George Steel filmt mit derart unruhiger Hand, dass man in den auf harte Gewalt verzichtenden Actionszenen schnell den Überblick verliert. In Kombination mit dem hektischen Schnitt lässt sich bisweilen kaum noch was von dem regen Treiben auf der Leinwand erkennen. Das ist schade. Denn eigentlich ist die Idee, einen modernen Actionfilm in ein einem klassischen Mittelaltersetting anzusiedeln, ja durchaus vielversprechend. Leider erfüllt sich dieses Versprechen in „Robin Hood“ aber viel zu selten.
Fazit:
Die Neuinterpretation von „Robin Hood“ sieht dank des hohen Produktionsaufwandes hin und wieder ganz gut aus und punktet mit amüsanten Nebenfiguren. Aber ausgerechnet der Titelheld bleibt bis zum Schluss vollkommen uninteressant und die bewusst gewaltfreien Actionsequenzen sind so hektisch gefilmt und geschnitten, dass man schnell die Übersicht – und damit auch die Lust - verliert. Den Auftakt für ein komplettes Sherwood-Forest-Filmuniversum hat Otto Bathurst also schon mal in den Sand gesetzt.
Text by (mk)

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