Facts:
Genre: Biografie, Drama, Komödie
Regie: Caroline Link
Cast: Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Warner Bros. GmbH
 |
| (c) Warner Bros. GmbH |
Inhalt:
Der Ruhrpott im Jahr 1972: Der neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf)
ist ein wenig pummelig, lässt sich davon aber nicht bedrücken.
Stattdessen feilt er fleißig an seiner großen Begabung, andere zum
Lachen zu bringen, was sowohl bei den Kunden im Krämerladen seiner Oma
Änne (Hedi Kriegesgott) als auch bei seiner ebenso gut gelaunten wie
feierwütigen Verwandtschaft natürlich gerne gesehen wird. Doch dann wird
seine Mutter Margret (Luise Heyer) wegen einer chronischen
Kieferhöhlenentzündung operiert und verliert ihren Geruchs- und
Geschmackssinn, wodurch sie in eine tiefe Depression stürzt. Sein Vater
Heinz (Sönke Möhring) ist ratlos, aber Hans-Peter fühlt sich dadurch nur
noch umso mehr angetrieben, sein komödiantisches Talent auszubauen...
Bewertung:
In seiner rund eine Millionen Mal verkauften Autobiografie „Der Junge
muss an die frische Luft“ kreist Hape Kerkeling in 19 Kapiteln, die sich
nicht nur mit seiner Kindheit, sondern auch schon mit ersten Ausflügen
ins Showgeschäft befassen, um den markerschütternden Suizid seiner
geliebten Mutter. Obwohl Regisseurin Caroline Link diese schwierige Situation ebenso wie den Tod
von Großmutter Änne nicht verschweigt, sind das nur wichtige Etappen,
aber nicht das zentrale Thema von „Der Junge muss an die frische Luft“.
Link geht es vielmehr darum, das Milieu zu schildern, in dem Hape
Kerkeling zu dem erwachsen konnte, was er später war: ein Entertainer,
der Millionen vor den Bildschirmen oder auf der Bühne in seinen Bann
ziehen konnte. Der Schlüssel liegt einerseits im Charakter Kerkelings,
aber vor allem in seiner herzlichen und liebevollen Familie, die trotz
größter Krisen und vielen Schicksalsschlägen nie den Humor und die Wärme
gegenüber Hans-Peter und seinem Bruder Matthes verlor.
Wenn man so will, ist „Der Junge muss an die frische Luft“ ein Prequel zu Julia von Heinz‘ großem Kino-Erfolg „Ich bin dann mal weg“
(zwei Millionen Besucher in Deutschland), der von Hape Kerkelings
Auszeit-Erlebnissen auf seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg handelt.
Dort war der Zugang zur Hauptfigur einfach, weil jeder Kerkeling vom
Bildschirm kannte. Aber bei „Der Junge muss an die frische Luft“ stand natürlich
die bange Frage im Raum: Schafft es ein solch junger Schauspielneuling
tatsächlich, einen Film dieser Größe zu schultern? Aber die Antwort
lautet schlicht und einfach Ja! Und wie! Der zum Zeitpunkt des Drehs
neun Jahre alte Debütant Julius Weckauf ist eine Wucht als kleiner
Hans-Peter Kerkeling. Das ist unglaublich wichtig für den Film. Der
Junge beherrscht den rheinischen Dialekt auf natürliche Art und schlägt
sich bravourös an der Seite von gestandenen Schauspielern wie Joachim
Król, Luise Heyer und Sönke Möhring. Während um ihn herum die kleinen und großen
Katastrophen geschehen, sucht Hans-Peter per Überlebensreflex die Flucht
in den Humor.
„Der Junge muss an die frische Luft“ lebt
weniger von einer aufsehenerregenden Handlung, denn das, was bei den
Kerkelings passiert, ist eben Alltag wie in vielen anderen Familien des
Ruhrpotts in den frühen 70er Jahren. Krankheiten, Zankereien, ein
abwesender Vater – das sind alles keine Paradethemen für Lustspiele,
aber Caroline Link gelingt es, auch in den größten Krisen stets eine
unglaubliche Menge Wärme und Herzlichkeit von ihren Figuren auf das
Publikum zu übertragen. Es ist also das „Wie“, das den Film so
unterhaltsam macht – eingebettet in ein stimmiges, sorgsam
ausgestattetes 70er-Jahre-Setting. Wenn zum Beispiel auf einem Höhepunkt
der emotionalen Niedergeschlagenheit die Welt unter Hans-Peter
zusammenzubrechen droht, schnappt sich sein „Oppa“ Willi den Jungen und
fährt mit ihm in den Wanderurlaub nach Österreich. „Der Junge muss an die frische Luft“,
meint er. Was in der Realität banal sein mag, hat im Film etwas
zutiefst Menschliches. Von diesen Momenten lebt die Tragikomödie. Es
geht um Zusammenhalt in der Familie – so lässt sich alles überwinden,
das ist die Botschaft.
Damit es noch mehr zu lachen gibt,
verteilt Caroline Link nebenbei kleine Seitenhiebe auf die
Mittelklasse-Gesellschaft der 70er Jahre, wo Klatsch und Tratsch in der
Nachbarschaft ganz groß waren. Da wird zum Beispiel über die umtriebige
Frau Kolossa (Diana Amft)
geschwätzt und haarklein seziert, wie es um ihren Männerverschleiß
steht. Und da darf dann auch wieder Julius Weckauf brillieren: Wie er
hier seine Mitmenschen nachmacht, persifliert und parodiert ist ganz
großes Kino – da würde es uns nicht wundern, wenn er in den nächsten
Jahren ebenfalls eine ähnlich steile Karriere wie der junge Hape
Kerkeling hinlegt.
Fazit:
„Der Junge muss an die
frische Luft“ ist eine ebenso humorvolle wie herzliche Tragikomödie über
die bewegte Kindheit des späteren Comedy-Superstars Hape Kerkeling. Wir vergeben herzzerreißende 8,5 von 10 Punkte für einen wirklich guten deutschen Film. (mk)
Facts:
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy
Regie: James Wan
Cast: Jason Momoa, Amber Heard, Nicole Kidman, Willem Dafoe
Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH
 |
| (c) Warner Bros GmbH |
Inhalt:
Aquaman (Jason Momoa), der mit bürgerlichem Namen Arthur Curry heißt,
ist als Sohn seines menschlichen Vaters Tom Curry (Temuera Morrison) und
seiner atlantischen Mutter Atlanna (Nicole Kidman) berechtigt, den
Thron von Atlantis zu besteigen. Doch aktuell regiert sein Halbbruder
Orm (Patrick Wilson) das Unterwasserkönigreich und dieser möchte auch
die anderen sechs Königreiche der Meere um sich scharen, um gemeinsam
einen Krieg gegen die Menschen an der Erdoberfläche zu führen, die seit
vielen Jahren die Ozeane verschmutzen. Gemeinsam mit Mera (Amber Heard)
macht sich Aquaman auf die Suche nach dem Dreizack des ersten Königs von
Atlantis, der seinen Anspruch auf den Thron untermauern würde. Doch das
kann Orm nicht zulassen und so hetzt er den beiden den Piraten David
Kane alias Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II) auf den Hals, der mit
Aquaman noch eine Rechnung zu begleichen hat...
Bewertung:
„Aquaman“ ist eine Rosamunde-Pilcher-Schnulze, ein
H.P.-Lovecraft-Monsterfilm, ein Indiana-Jones-Abenteuer, eine
Fisch-aus-dem-Wasser-Komödie und ein Unter-der-Meeresoberfläche-„Avatar“
mit schwankender Effektqualität in einem. Den daraus fast zwingend
resultierenden sehr uneinheitlichen Tonfall des Films darf man durchaus
als Kritik verstehen. Trotzdem müssen wir zugeben, dass uns diese
Achterbahnfahrt, so rumpelig sie zwischendrin auch sein mag, am Ende der
knapp zweieinhalb Stunden doch erstaunlich viel Spaß gemacht hat.
Regisseur James Wan wandelt konstant auf dem schmalen Grat zwischen
augenzwinkernder Selbstironie und unfreiwilliger Komik, zwischen einer
nie zuvor gesehenen Unterwasserwelt und seelenlosem CGI-Bombast,
zwischen einer berührenden Geschichte und sonnendurchflutetem Kitsch.
Dabei landet der „Saw“-Erfinder ganz sicher nicht immer auf der richtigen, aber fast immer auf der unterhaltsamen Seite.
Nachdem Zack Snyder in seinen drei DCEU-Filmen „Man Of Steel“, „Batman V Superman“
und eben „Justice League“ noch alles einer – je nach Sichtweise –
behaupteten oder tatsächlich vorhandenen Ernsthaftigkeit untergeordnet
hat, ist es regelrecht erfrischend, mit welcher Konsequenz sich Wan nun
in alle noch so widersprüchlichen Elemente seines Comic-Blockbusters
hineinstürzt: Bei der von Aquaman durchaus schmalzig aus dem Off
kommentierten Liebesgeschichte zwischen „einem Leuchtturmwärter und einer Prinzessin“ dreht er den Weichzeichner auf, bis das Gesicht von Nicole Kidman
im Licht der untergehenden Sonne regelrecht zerfließt. Das führt
übrigens zu einem ganz wunderbaren Bruch,
wenn sie plötzlich einen Trupp atlantischer Soldaten mit ordentlich
Wumms im heimischen Wohnzimmer vermöbelt. Und dass im Leuchtturm unter
einer süßlichen Schneekugel ausgerechnet ein Buch von H.P. Lovecraft
liegt, ist natürlich auch kein Zufall, sondern ein erster Hinweis auf
eine fast zwei Stunden später folgende Szene, in der Tausende von
Lovecraft’schen Fischmonstern für einen der visuell beeindruckendsten
Momente von „Aquaman“ sorgen.
Apropos visuell beeindruckende
Momente: Davon gibt es in „Aquaman“ zwar eine ganze Menge, aber daneben finden sich leider fast genauso häufig auch
Einstellungen, die zumindest in der 2D-Fassung des Films echt
fragwürdig aussehen. Das gilt vor allem für den oft eher merkwürdigen
als glaubhaften Unterwasser-Verschwimm-Effekt. Zudem setzt Wan zu oft
einfach nur auf bloße Überwältigung, statt uns mit brillanter Qualität
oder cleveren Details zu überzeugen. Das gilt etwa für das
psychedelisch-schimmernde Atlantis, wo man sich viel mehr Einzelheiten
über das Leben am Meeresgrund gewünscht hätte. Und für die finale epische Schlacht, in der unter anderem
überdimensionierte Seepferdchen, Krebse und Haie gegeneinander ins Feld
ziehen. Klingt super und bietet auch einige echt coole Momente, aber ist
insgesamt so überfüllt und unübersichtlich, dass man gerade dann das
Interesse zu verlieren droht, wenn Aquaman eigentlich seinen großen
Auftritt haben soll. Zumal sich die tonale Uneinheitlichkeit des Films
nicht nur zwischen verschiedenen Abschnitten oder Sequenzen, sondern
auch innerhalb einzelner Actionszenen zeigt, wenn ein eigentlich
ernsthafter Moment plötzlich durch einen unangemessenen Oneliner
aufgebrochen wird.
Und mittendrin in diesem wilden Mischmasch, quasi wie der Fels in der Brandung: Jason Momoa,
der seinen Mega-Muskelkörper mit einer solch bodenständig-charmanten
Selbstverständlichkeit vor der Kamera präsentiert, wie es neben ihm kein
zweiter Schauspieler hinbekommt. „Aquaman“ beweist einmal mehr, dass
Momoa eigentlich schon längst ein Action-Superstar wie vor ihm Arnold
Schwarzenegger oder Sylvester Stallone sein müsste. Dass das bis jetzt
noch nicht so richtig hingehauen hat, ist wohl vor allem die Schuld von Marcus Nispel und seinem furchtbaren „Conan“-Remake.
Aber egal, besser spät als nie: Es gibt in „Aquaman“ eine Menge
Zeitlupe-Einstellungen, die auch aus einer Deo-Werbung stammen könnten,
und es gibt eine Menge Oneliner, die auch richtig peinlich hätten
ausfallen können, aber Momoa rockt beides gleichermaßen. An seiner Seite
erweist sich Amber Heard („Machete 2“, „Drive Angry“) als würdiger
Sparringspartner – und zwar in den komödiantischen genauso wie in den
actionlastigen Szenen. Bei einer One-Shot-Actionsequenz in Sizilien, in
der die Kamera wiederholt und ohne Schnitt zwischen den beiden sich
prügelnden Helden hin und her wechselt, ist ihr Part sogar der
interessantere: Alkohol tötet!
Von den anderen Darstellern kann
sich hingegen keiner nachhaltig in den Vordergrund spielen. Während
Willem Dafoe („Spider-Man“) und Patrick Wilson („Watchmen“) souverän
ihren Stiefel runterspielen, ist der in „Creed 2“ triumphierende Dolph Lundgren
als Xebelianer-König ein offensichtlicher Fremdkörper, der einen immer
wieder aus dem Geschehen reißt und dafür im Gegenzug noch nicht mal auf
trashige Weise Spaß macht. Ebenfalls blass bleibt Yahya Abdul-Mateen II als Superpirat Black Manta – und das, obwohl Aquaman dessen Vater Jesse
absichtlich sterben lässt. Das könnte besonders deshalb noch zu einem
größeren Problem werden, weil die Rolle von Black Manta nach jetzigem
Kenntnisstand in „Aquaman 2“
wohl vom Edel-Handlanger zu dem (oder zumindest einem der)
Hauptwidersacher des Helden ausgebaut werden soll. Seinem Auftritt in
„Aquaman“ nach zu urteilen, wäre das wahrscheinlich nicht die allerbeste
Idee. Sichtlich Spaß hat hingegen Nicole Kidman
an ihrem kurzen Part als Schnulzenheldin, die ebenso überzeugend
Soldaten den Hintern versohlt wie mit erstaunlichem komödiantischen
Timing Goldfische zum Frühstück verspeist.
Fazit:
Ein erstaunlich guter und unterhaltsamer DC Film, welcher besonders vom Hauptdarsteller lebt und Lust auf Meer macht. Wir vergeben daher tiefseetaugliche 8,5 von 10 Punkte. (mk)