Genre: Action, Abenteuer, Fantasy
Regie: James Wan
Cast: Jason Momoa, Amber Heard, Nicole Kidman, Willem Dafoe
Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH
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| (c) Warner Bros GmbH |
Inhalt:
Aquaman (Jason Momoa), der mit bürgerlichem Namen Arthur Curry heißt, ist als Sohn seines menschlichen Vaters Tom Curry (Temuera Morrison) und seiner atlantischen Mutter Atlanna (Nicole Kidman) berechtigt, den Thron von Atlantis zu besteigen. Doch aktuell regiert sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) das Unterwasserkönigreich und dieser möchte auch die anderen sechs Königreiche der Meere um sich scharen, um gemeinsam einen Krieg gegen die Menschen an der Erdoberfläche zu führen, die seit vielen Jahren die Ozeane verschmutzen. Gemeinsam mit Mera (Amber Heard) macht sich Aquaman auf die Suche nach dem Dreizack des ersten Königs von Atlantis, der seinen Anspruch auf den Thron untermauern würde. Doch das kann Orm nicht zulassen und so hetzt er den beiden den Piraten David Kane alias Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II) auf den Hals, der mit Aquaman noch eine Rechnung zu begleichen hat...
Bewertung:
„Aquaman“ ist eine Rosamunde-Pilcher-Schnulze, ein H.P.-Lovecraft-Monsterfilm, ein Indiana-Jones-Abenteuer, eine Fisch-aus-dem-Wasser-Komödie und ein Unter-der-Meeresoberfläche-„Avatar“ mit schwankender Effektqualität in einem. Den daraus fast zwingend resultierenden sehr uneinheitlichen Tonfall des Films darf man durchaus als Kritik verstehen. Trotzdem müssen wir zugeben, dass uns diese Achterbahnfahrt, so rumpelig sie zwischendrin auch sein mag, am Ende der knapp zweieinhalb Stunden doch erstaunlich viel Spaß gemacht hat. Regisseur James Wan wandelt konstant auf dem schmalen Grat zwischen augenzwinkernder Selbstironie und unfreiwilliger Komik, zwischen einer nie zuvor gesehenen Unterwasserwelt und seelenlosem CGI-Bombast, zwischen einer berührenden Geschichte und sonnendurchflutetem Kitsch. Dabei landet der „Saw“-Erfinder ganz sicher nicht immer auf der richtigen, aber fast immer auf der unterhaltsamen Seite.
Nachdem Zack Snyder in seinen drei DCEU-Filmen „Man Of Steel“, „Batman V Superman“ und eben „Justice League“ noch alles einer – je nach Sichtweise – behaupteten oder tatsächlich vorhandenen Ernsthaftigkeit untergeordnet hat, ist es regelrecht erfrischend, mit welcher Konsequenz sich Wan nun in alle noch so widersprüchlichen Elemente seines Comic-Blockbusters hineinstürzt: Bei der von Aquaman durchaus schmalzig aus dem Off kommentierten Liebesgeschichte zwischen „einem Leuchtturmwärter und einer Prinzessin“ dreht er den Weichzeichner auf, bis das Gesicht von Nicole Kidman im Licht der untergehenden Sonne regelrecht zerfließt. Das führt übrigens zu einem ganz wunderbaren Bruch, wenn sie plötzlich einen Trupp atlantischer Soldaten mit ordentlich Wumms im heimischen Wohnzimmer vermöbelt. Und dass im Leuchtturm unter einer süßlichen Schneekugel ausgerechnet ein Buch von H.P. Lovecraft liegt, ist natürlich auch kein Zufall, sondern ein erster Hinweis auf eine fast zwei Stunden später folgende Szene, in der Tausende von Lovecraft’schen Fischmonstern für einen der visuell beeindruckendsten Momente von „Aquaman“ sorgen.
Apropos visuell beeindruckende Momente: Davon gibt es in „Aquaman“ zwar eine ganze Menge, aber daneben finden sich leider fast genauso häufig auch Einstellungen, die zumindest in der 2D-Fassung des Films echt fragwürdig aussehen. Das gilt vor allem für den oft eher merkwürdigen als glaubhaften Unterwasser-Verschwimm-Effekt. Zudem setzt Wan zu oft einfach nur auf bloße Überwältigung, statt uns mit brillanter Qualität oder cleveren Details zu überzeugen. Das gilt etwa für das psychedelisch-schimmernde Atlantis, wo man sich viel mehr Einzelheiten über das Leben am Meeresgrund gewünscht hätte. Und für die finale epische Schlacht, in der unter anderem überdimensionierte Seepferdchen, Krebse und Haie gegeneinander ins Feld ziehen. Klingt super und bietet auch einige echt coole Momente, aber ist insgesamt so überfüllt und unübersichtlich, dass man gerade dann das Interesse zu verlieren droht, wenn Aquaman eigentlich seinen großen Auftritt haben soll. Zumal sich die tonale Uneinheitlichkeit des Films nicht nur zwischen verschiedenen Abschnitten oder Sequenzen, sondern auch innerhalb einzelner Actionszenen zeigt, wenn ein eigentlich ernsthafter Moment plötzlich durch einen unangemessenen Oneliner aufgebrochen wird.
Und mittendrin in diesem wilden Mischmasch, quasi wie der Fels in der Brandung: Jason Momoa, der seinen Mega-Muskelkörper mit einer solch bodenständig-charmanten Selbstverständlichkeit vor der Kamera präsentiert, wie es neben ihm kein zweiter Schauspieler hinbekommt. „Aquaman“ beweist einmal mehr, dass Momoa eigentlich schon längst ein Action-Superstar wie vor ihm Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone sein müsste. Dass das bis jetzt noch nicht so richtig hingehauen hat, ist wohl vor allem die Schuld von Marcus Nispel und seinem furchtbaren „Conan“-Remake. Aber egal, besser spät als nie: Es gibt in „Aquaman“ eine Menge Zeitlupe-Einstellungen, die auch aus einer Deo-Werbung stammen könnten, und es gibt eine Menge Oneliner, die auch richtig peinlich hätten ausfallen können, aber Momoa rockt beides gleichermaßen. An seiner Seite erweist sich Amber Heard („Machete 2“, „Drive Angry“) als würdiger Sparringspartner – und zwar in den komödiantischen genauso wie in den actionlastigen Szenen. Bei einer One-Shot-Actionsequenz in Sizilien, in der die Kamera wiederholt und ohne Schnitt zwischen den beiden sich prügelnden Helden hin und her wechselt, ist ihr Part sogar der interessantere: Alkohol tötet!
Von den anderen Darstellern kann sich hingegen keiner nachhaltig in den Vordergrund spielen. Während Willem Dafoe („Spider-Man“) und Patrick Wilson („Watchmen“) souverän ihren Stiefel runterspielen, ist der in „Creed 2“ triumphierende Dolph Lundgren als Xebelianer-König ein offensichtlicher Fremdkörper, der einen immer wieder aus dem Geschehen reißt und dafür im Gegenzug noch nicht mal auf trashige Weise Spaß macht. Ebenfalls blass bleibt Yahya Abdul-Mateen II als Superpirat Black Manta – und das, obwohl Aquaman dessen Vater Jesse absichtlich sterben lässt. Das könnte besonders deshalb noch zu einem größeren Problem werden, weil die Rolle von Black Manta nach jetzigem Kenntnisstand in „Aquaman 2“ wohl vom Edel-Handlanger zu dem (oder zumindest einem der) Hauptwidersacher des Helden ausgebaut werden soll. Seinem Auftritt in „Aquaman“ nach zu urteilen, wäre das wahrscheinlich nicht die allerbeste Idee. Sichtlich Spaß hat hingegen Nicole Kidman an ihrem kurzen Part als Schnulzenheldin, die ebenso überzeugend Soldaten den Hintern versohlt wie mit erstaunlichem komödiantischen Timing Goldfische zum Frühstück verspeist.
Fazit:
Ein erstaunlich guter und unterhaltsamer DC Film, welcher besonders vom Hauptdarsteller lebt und Lust auf Meer macht. Wir vergeben daher tiefseetaugliche 8,5 von 10 Punkte. (mk)

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