Freitag, 22. Juni 2018

Oceans 8

Facts:
Genre: Krimi, Komödie
Regie: Gary Ross
Cast: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:
Was ihr Bruder kann, kann sie schon lange: Debbie Ocean (Sandra Bullock), die Schwester von Gauner Danny Ocean (George Clooney), ist aus dem Knast entlassen worden und stellt ein Team von Meisterdiebinnen zusammen, um den hieb- und stichfesten Coup umzusetzen, den sie während ihrer Zeit im Gefängnis geplant hat: Gemeinsam mit ihrer Komplizin Lou Miller (Cate Blanchett) versammelt sie die Juwelierin Amita (Mindy Kaling), die Trickbetrügerin Constance (Awkwafina), die Hehler-Expertin Tammy (Sarah Paulson), die Hackerin Nine Ball (Rihanna) und die Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter), um der weltberühmten Schauspielerin Daphne Kluger (Anne Hathaway) bei der Met Gala eine wertvolle Halskette im Wert von 150 Millionen Dollar zu stehlen – und sich dabei an einem fiesen Galeriebesitzer zu rächen...


Bewertung:
Sowohl das 1960er-Original „Frankie und seine Spießgesellen“ als auch die Remake-Trilogie von Soderbergh sind bis obenhin vollgestopft mit selbstreferenziellen Dialogen. Das liegt vor allem daran, dass die Schauspieler hier wie dort extrem viel improvisieren durften. So weiß man an vielen Stellen gar nicht sicher, ob da gerade wirklich die Filmfiguren oder nicht vielleicht doch eher die Stars selbst miteinander quatschen. Gerade das Finale von „Ocean’s Thirteen“ wirkt viel eher so, als ob sich da am Flughafen gerade George Clooney und Brad Pitt und eben nicht Danny Ocean und Rusty Ryan voneinander verabschieden.

In „Ocean’s 8“ gibt es von diesen doppeldeutigen Dialogen auch wieder jede Menge – aber statt einfach nur auf den Starstatus der Schauspielerinnen verweisen sie vielmehr auf die aktuellen Entwicklungen in Hollywood zurück: Wenn Debbie Ocean an einer Stelle sagt, dass sie den Heist auch deshalb durchziehe, weil da draußen bestimmt gerade ein achtjähriges Mädchen davon träumt, später mal eine Kriminelle zu werden, ist das natürlich nicht allzu schwer als Meta-Kommentar zur Debatte um „Wonder Woman“ & Co. zu durchschauen. Aber darüber hinaus ist „Ocean’s 8“ auch noch mit weit subtileren Seitenhieben auf die Machismo-Attitüde der Vorgängerfilme vollgestopft (und es ist ja auch nicht so, dass die das nicht verdient hätten, Julia Roberts und Catherine Zeta-Jones sind schließlich deshalb bei „Ocean’s Thirteen“ ausgestiegen, weil es den Autoren „nicht möglich war“, substantielle Rollen für sie zu schreiben).

Leider sind diese bissigen Anspielungen aber gerade in der ersten Stunde neben der schauspielerischen Gravitas von Sandra Bullock und Cate Blanchett so ziemlich das einzige, was den nötigen Biss und Schwung in den Film bringt. Ansonsten gestaltet sich die Team-Zusammenstellung samt anschließender Heist-Vorbereitung nämlich erstaunlich träge. Natürlich verlangt niemand von Gary Ross, dass er den Stil von Steven Soderbergh eins zu eins kopieren soll – aber „Ocean’s 8“ bleibt nun mal ein Heistfilm und da gehört der eine oder andere inszenatorische Schnörkel eben einfach dazu.

Zumindest ein wenig zieht das Tempo dann mit dem Beginn des Raubzugs an, der sich - wie gesagt - diesmal sogar als vergleichsweise nachvollziehbar erweist (und während dem Sandra Bullock die ganze Zeit Deutsch spricht, weshalb man sich den Film nach Möglichkeit im englischen Original angucken sollte). So richtig Laune macht „Ocean’s 8“ dann allerdings ironischerweise erst ab dem Moment, wo a) der Heist vorbei ist und b) mit James Corden („Into The Woods“) als Versicherungsdetektiv der einzige männliche Hauptdarsteller auf dem Plan erscheint. Der MVP der starken letzten halben Stunde ist Corden aber trotzdem nicht, dieser Preis geht an Anne Hathaway (Oscar für „Les Misérables“), die auf der Zielgeraden noch mal richtig Gas gibt und sowieso von allen Beteiligten den meisten Spaß an ihrer herrlich selbstironischen Rolle zu haben scheint.

Fazit: 
Die Schauspielerinnen (und James Corden) sind top, der Heist wird tatsächlich einigermaßen glaubhaft eingefädelt, aber die Inszenierung ist mit Ausnahme der letzten halben Stunde einfach ein ganzes Stück zu lahm. Daher vergeben wir hier diebstahlsichere 6 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 2. Juni 2018

Jurassic World 2: Das gefallene Königreich 3D

Facts:
Genre:  Abenteuer, Action, SciFi
Regie:  Juan Bayona
Cast:  Chris Pratt, Rafe Spall, Bryce Dallas Howard
Laufzeit: 128 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany

(c) Universal Pictures Germany


Inhalt:
Drei Jahre, nachdem der Themenpark Jurassic World vor marodierenden Dinosauriern zerstört wurde, haben die Urzeitechsen die Isla Nublar komplett für sich zurückerobert. Dort leben sie ungestört von den Menschen, sehen jedoch bald einer ganz neuen Bedrohung ins Auge: Auf der Insel befindet sich ein aktiver Vulkan, der auszubrechen und die gesamte Gegend unter Feuer und Asche zu begraben droht. Dinosaurierflüsterer Owen (Chris Pratt) und die ehemalige Parkmanagerin Claire (Bryce Dallas Howard) möchten das erneute Aussterben der Dinos um jeden Preis verhindern und kehren zur Rettung der Tiere auf die Insel zurück. Vor allem um seinen Saurier-Schützling Blue ist Owen besorgt. Der Raptor ist scheinbar unauffindbar in der Wildnis verschollen. Während Owen sich auf die Suche begibt, kommen die anderen Mitglieder seiner Expedition einer Verschwörung auf die Spur...


Bewertung:
Wo es in „Jurassic World“ noch verhältnismäßig lange dauert, bis die Action so richtig losgeht, startet die Fortsetzung nun direkt mit einer grandiosen Doppel-Kombination aus Schatten und Blitzen. Nach diesen zwei visuell und atmosphärisch atemberaubenden Wirkungstreffern direkt in der allerersten Minute ist klar: J.A. Bayona ist ganz offensichtlich ein sehr viel besserer Regisseur als Reihen-Mastermind Colin Trevorrow (der mit seinem Kreativpartner Derek Connolly die Drehbücher zu allen Teilen der Trilogie beisteuert und bei „Jurassic World 3“ auch selbst wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird).

Bayonas überlegenes inszenatorisches Talent zahlt sich in der ersten Hälfte vor allem bei der puren Wirkungsmacht der Dinosaurier aus: Wenn die Riesenechsen in „Jurassic World 2“ über die Insel trampeln und auf der Flucht gegeneinander oder gegen sonstige Hindernisse krachen, entfalten sie dabei einfach eine viel größere Wucht als im Vorgänger. Also den Bass am besten bis zum Anschlag aufdrehen und die bloße Urgewalt der tonnenschweren lebendigen Dampfwalzen genießen – und wenn dann zum Beben der Dino-Stampede auch noch das Rumsen des Vulkanausbruchs dazukommt, wähnt man sich endgültig im Bombast-Himmel.

Nach der Flucht von der Insel tritt die offensiv-überwältigend in Szene gesetzte Präsenz der Tiere dann zunehmend hinter eine klaustrophobische Grusel-Atmosphäre zurück. Nicht von ungefähr erinnert das Anwesen von Benjamin Lockwood (James Cromwell), in dem nahezu die gesamte zweite Hälfte des Films angesiedelt ist, an die klassischen Spukschlösser aus alten Gothic-Horrorfilmen. Auch hier kreiert Bayona erneut einige Einstellungen (vor allem mit der Hilfe von Spiegelungen), die zu den besten im gesamten „Jurassic Park“-Franchise zählen.

Dass die zweite Hälfte trotz solcher starken Einzelmomente eher enttäuscht, liegt dann auch mehr am Skript als an der Inszenierung. Die ganze Situation in dem Anwesen (mehr wollen wir hier nicht verraten) wirkt einfach kaum glaubwürdig, was viel mit einem echt nervigen und echt dämlichen Bösewicht zu tun hat (selbst wenn so gut wie jeder Zuschauer sofort durchschauen wird, wer es ist, outen wir ihn an dieser Stelle vorsichtshalber trotzdem nicht). Von Film zu Film immer glaubwürdiger präsentieren sich dagegen die Dinos, die in diesem unglaubwürdigen Szenario ein erstaunlich brutales (und zugleich wegen der Jugendfreigabe dennoch unblutiges) Chaos anrichten. Es zahlt sich aus, dass die Macher dieses Mal wieder sehr viel mehr auf Animatronik (also pneumatische Modelle) setzen und natürlich werden auch in Sachen CGI immer wieder Fortschritte gemacht.

Die klassische Screwball-Chemie zwischen Claire und Owen stimmt auch diesmal wieder. Neben erneut amüsanten Kabbeleien bekommen Chris Pratt  und Bryce Dallas Howard allerdings kaum Neues zu tun – eine Szene, in der ihnen der Bösewicht ziemlich überzeugende Vorhaltungen macht, dass sie ja als Dino-Züchter und Tiertrainer auch nicht moralischer agieren würden als er, erzeugt nur kurzzeitig eine gewisse Ambivalenz, die dann aber nicht weiter verfolgt wird. Zumindest darf Claire in der Fortsetzung dem Anlass angemessenes Schuhwerk tragen – zumindest nachdem sich die Macher mit einem letzten charmant-bockigen Seitenhieb von der nach dem ersten Teil aus dem Ruder gelaufenen Diskussion verabschieden: Die allererste Einstellung von Claire im Bürofahrstuhl beginnt mit einer vielsagenden Großaufnahme ihrer High Heels…

Von den Neuzugängen wird vor allem Isabella Sermon als neunmalkluge kleine Dino-Expertin Maisie Lockwood das Publikum spalten – die einen werden sie nervig, die anderen einfach nur liebenswert-keck finden. Aber die „Jurassic World“-Reihe bleibt trotz einiger wirklich heftiger Szenen ein Familien-Franchise – und da brauchen eben auch die jüngeren Zuschauer eine Identifikationsfigur. Daniella Pineda („The Originals“) und Justice Smith („Margos Spuren“) geben als Claires NGO-Mitstreiter zwar zweckmäßige Sidekicks ab, können darüber hinaus aber praktisch keine eigenen Akzente setzen. Und wie gesagt: Der ominöse Bösewicht taugt leider gar nichts.

Fazit: 
„Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ ist viel besser inszeniert als sein Vorgänger – und deshalb atmosphärischer und spannender. Dennoch verhindern fundamentale Drehbuchschwächen in der zweiten Hälfte und ein sehr schwacher Bösewicht eine bessere Bewertung als beim ersten „Jurassic World“.  Die aufwendig animierten Dinos machen dies aber wieder wett und so vergeben wir saurierhafte 8 von 10 Punkte. (mk)