Freitag, 18. Mai 2018

Deadpool 2 2D

Facts:
Genre: Action, Komödoe, Abenteuer
Regie: David Leitch
Cast: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Josh Brolin
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Fox Deutschland





(c) Fox Deutschland

Inhalt:
Wade Wilson alias Deadpool, der im ersten Film fies entstellt und genetisch verändert wurde, wird vom Schicksal ein weiteres Mal so richtig ins Gesicht gepisst. Zum Glück nimmt ihn sein X-Men-Kumpel Colossus (Stefan Kapicic) mit ins Refugium der Mutanten, einem abgelegenen Anwesen. Hier trifft Deadpool seine Kumpanin Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) wieder, die inzwischen erwachsen geworden ist – und lernt dummerweise auch den Superschurken Cable (Josh Brolin) kennen, der hinter dem wütenden Teenager-Mutanten Russell (Julian Dennison) alias Firefist her ist. Deadpool weiß, dass er Cable nicht alleine wird plattmachen können. Also trommelt er seine eigene Crew Superhelden zusammen, die X-Force, mit unter anderem Domino (Zazie Beetz), Zeitgeist (Bill Skarsgård), Weasel (T.J. Miller) – und dem Normalo Peter (Rob Delaney), der absolut gar keine Superheldenkräfte hat, aber die Stellenanzeige gut fand.


Bewertung:
Das Studio ist durch den Erfolg des Auftaktfilms deutlich mutiger geworden und stellte den Machern für die Fortsetzung direkt das Dreifache des Original-Budgets zur Verfügung. Regisseur Tim Miller, der mit „Deadpool“ die Gelegenheit erhalten hatte, als Langfilmdebüt einen groß angelegten Studiofilm zu inszenieren, räumte allerdings nach kreativen Differenzen mit dem Hauptdarsteller das Feld und übergab das Regiezepter an Stuntman und Actionfilmexperte David Leitch. Zumindest auf inszenatorischer Ebene erweist sich der selbst erst seit vier Jahren als Regisseur tätige Filmemacher als Glücksgriff: „Deadpool 2“ ist visuell um einiges raffinierter als der im Vergleich zur Big-Budget-Superheldenkonkurrenz bewusst klein gehaltene erste Teil. Darüber hinaus gibt es wieder Gags und Popkulturreferenzen am laufenden Band. Doch so ganz frisch fühlt sich das im Sequel nicht mehr an - nicht zuletzt, weil sich die Story in „Deadpool 2“ erneut als größter Schwachpunkt erweist.

Wenn sich am ersten „Deadpool“-Film etwas kritisieren ließ, dann war das in erster Linie die Story. Ohne Deadpool in der Hauptrolle, der sich auch im zweiten Teil im Minutentakt über sein Mitwirken in einem Comicfilm lustig macht, wären sowohl der erste und noch mehr der zweite Teil weitgehend generische Superheldenblockbuster. Das fiel im ersten Films jedoch gar nicht so sehr ins Gewicht – Wade Wilsons draufgängerische, vor nichts und niemandem haltmachende Attitüde war schließlich so noch nie dagewesen und besaß deshalb einen entsprechend hohen Überraschungsfaktor. Deadpools Gags, Flüche und (selbstreferenzielle) Anspielungen waren mal plump, mal treffsicher, aber immer unvorhersehbar. Und die extrem hohe Pointendichte machte es schier unmöglich, an „Deadpool“ keinen Spaß zu haben. Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn die Macher an der bewährten Erfolgsformel festhalten, trotzdem erweist sich das in „Deadpool 2“ als kleines Problem.

Schon vor der erneut gelungen unkonventionellen, diesmal mit einer theatralischen Celine-Dion-Powerballade unterlegten Vorspannsequenz, gibt die meilenweit gegen den Wind zu riechende Katastrophe im Prolog die Richtung vor: Hier geht handlungsmäßig erneut alles seinen allzu gewohnten Superheldenblockbustergang, nur dass es der Titelfigur hier nicht mehr ganz so spielend leicht gelingt wie im Vorgänger, darüber hinweg zu scherzen. Wenn er sich zwischendurch entweder kopfschüttelnd über das Geschehen amüsiert oder das Publikum direkt darauf aufmerksam macht, was es da gerade eigentlich für einen stumpfsinnigen Schwachsinn anschaut („CGI-Kampf in 3, 2, 1…“), dann ist das zwar immer noch oft wirklich treffsicher, doch mittlerweile hat man das sich ständig wiederholende Prinzip – das eben auch zu einem großen Teil daraus besteht, dass die Figuren einfach nur Schimpfworte von sich geben – eben durchschaut und es erweist sich nicht als so strapazierbar, wie von den Machern vielleicht erhofft.

So wirkt die Meta-Masche zuweilen etwas müde, aber insbesondere die Seitenhiebe gegen den unterschwelligen Sexismus und Rassismus in Big-Budget-Studiofilmen kommen nicht nur ohne aufdringliche Moralkeule aus, sondern sind gerade in ihrer Spitzfindigkeit lustig. Die Autoren, zu denen sich diesmal auch ganz offiziell Hauptdarsteller Ryan Reynolds gesellt hat, nehmen einmal mehr alles Mögliche und Unmögliche ins Visier, worüber man herziehen könnte – vom „Green Lantern“-Engagement des Stars über jedes erdenkliche Klischee des Superheldenkinos bis hin zur bierernsten Konkurrenz aus dem DC-Universum (wo Cable aufgrund seiner dunklen Stimme ja eigentlich hingehört!) ist erneut nichts vor Deadpools derben Sprüchen sicher. Selbst wer nur jeden zehnten davon lustig findet, kann sich immer noch hin und wieder genüsslich die Seele aus dem Leib lachen.

Fast ganz ohne Einschränkung gelungen, sind die Actionsequenzen. David Leitch, der bereits bei der Inszenierung von „John Wick“ und „Atomic Blonde“ sein Gespür für gleichermaßen hochmoderne wie zum Großteil handgemachte Nahkampfszenen und Ballerorgien bewiesen hat, sorgt mit Hilfe seines Stammkameramanns Jonathan Sela für Übersicht und – im wahrsten Sinne des Wortes – ganz neue Perspektiven. Wer schon immer mal wissen wollte, wie eine Autoverfolgungsjagd aus der Sicht eines Auf-dem-Kopf-Stehenden aussieht, hier kann er es erleben. Auch eine bewusst derb inszenierte Mischung aus tumber Schlägerei, blutiger Schießerei und puren Martial Arts fällt nicht nur durch ihre muntere Brutalität auf, sondern auch durch ihre unwiderstehliche Dynamik. Darüber hinaus wird einmal mehr in Nahaufnahme durch Köpfe geschossen, Gliedmaßen werden abgetrennt und anschließend auf obskure Weise wieder zusammengeflickt. Das geht zum Teil nicht ohne Computereffekte vonstatten, die sich hier insgesamt sehr solide in das Geschehen einfügen.

Neben Ryan Reynolds als das Geschehen stets an sich reißende Hauptfigur (im Vorspann wird bereits darauf verwiesen, dass er die Bühne nicht gern mit anderen teilt…), kann „Deadpool 2“ nicht bloß mit einem bislang völlig unter Verschluss gehaltenen Cameo eines Hollywood-A-Promis punkten, sondern auch mit einigen hervorragenden Neuzugängen. Die gebürtige Berlinerin Zazie Beetz  ist nicht nur mit der diverse Gagvorlagen liefernden Superkraft „Glück“ gesegnet (alles was sie braucht, um eine Krisensituationen heil zu überstehen, tritt tatsächlich ein – genial!), sondern überzeugt auch als toughe Kampfamazone und mit einem fantastisch trockenen Humor, mit dem sie selbst Deadpool hin und wieder die Show stiehlt. Schurkenspezialist Josh „Thanos“ Brolin genießt sichtbar seine Rolle als „Aushilfs-Terminator“ Cable, während die X-Force-Crew (die Bezeichnung X-Men ist schließlich nicht genderneutral) in ihren sehr kurzen Auftritten amüsante Akzente setzt. Eddie Marsan als betont geerdet aufspielender Mutanten-Feind ist dagegen eine echte Überraschung: Indem er sich vom überzeichneten Auftreten seiner Kollegen absetzt, sorgt er letztlich für die einzig wahre Bedrohung.

Fazit: 
Die sehr stilsicher inszenierte Actioncomedy „Deadpool 2“ ist eine typische Fortsetzung, deren Macher sich ganz auf die Erfolgsformel des Vorgängers verlassen. Das überrascht nicht mehr, ist aber über weite Strecken immer noch sehr komisch und sehenswert. Dafür vergeben wir 6 von 10 übertrieben gewaltdarstellende Punkte. (mk)



Samstag, 12. Mai 2018

RAMPAGE 2D


Facts:
Genre: Action, Abenteuer
Regie: Brad Peyton
Cast: Dwayne Johnson, Naomie Harris, Malin Akerman
Laufzeit: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH

 
(c) Warner Bros GmbH
 
Inhalt:
Mit seinen Mitmenschen kommt der renommierte Primatenforscher Davis Okoye (Dwayne Johnson) nicht besonders gut zurecht, mit dem Gorilla George hingegen schon. Okoye hat den außergewöhnlich intelligenten Silberrücken aufgezogen, seit dieser ein kleines Affenbaby war. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft. Doch dann geht eines Tages ein illegales Genexperiment gehörig schief und der eigentlich so sanftmütige George mutiert zu einem gewaltigen, wildgewordenen, riesigen Monster. Auch andere Tiere wurden in wilde Bestien verwandelt und sorgen ebenso wie George für Tod und Zerstörung. Okoye schließt sich mit der Gentechnikerin Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) zusammen, um ein Gegenmittel zu entwickeln, das die Tiere wieder zurückverwandelt. Das ist bei dem ganzen Chaos ziemlich schwierig, zumal auch noch der gerissene Regierungsagent Russell (Jeffrey Dean Morgan) auf Okoye und Dr. Caldwell angesetzt wurde…

 
Bewertung:
Im Vorfeld des Kinostarts hat nun aber erst einmal der inzwischen in Regie-Rente gegangene Trash-Filmer Uwe Boll („Far Cry“) für einige Chaos-Schlagzeilen gesorgt, als er sich mit einer für ihn typischen markanten Ausdrucksweise darum sorgte, dass Zuschauer die 120-Millionen-Dollar-Produktion eventuell mit seiner eigenen „Rampage“-Trilogie verwechseln könnten. Dabei bezeichnete Boll den Warner-Blockbuster unter anderem als „typischen Wohlfühl-Popcorn-Bullshit“ – und damit hat er sicher nicht ganz Unrecht. Peyton liefert mit seinem „Rampage“ ein klassisches Actionstar-Oneliner-Vehikel mit denkbar wenig Story-Ballast, das aber zumindest tricktechnisch ein solch starkes Niveau erreicht, dass die CGI-Zerstörungsorgie trotz diverser Logiklöcher und Katastrophenfilmklischees immer noch ordentlich Laune macht.

Der Primatenforscher Davis Okoye (Dwayne Johnson) hat es nicht so mit Menschen. Stattdessen sucht er lieber den Kontakt zu Tieren, allen voran zu dem von ihm selbst aufgezogenen Albino-Gorilla George. Die beiden verbindet eine enge Freundschaft, die jedoch auf eine harte Probe gestellt wird, als der Affe mit einer mysteriösen Substanz in Berührung kommt. George entwickelt plötzlich außergewöhnliche Kräfte, wird immer aggressiver und wächst zu einem riesigen Ungetüm heran. Davis‘ Versuche, seinem Kumpel zu helfen, scheitern allesamt – zumindest bis er von der bei ihrem eigenen Unternehmen in Ungnade gefallenen Gentechnikerin Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) den wahren Grund für Georges Mutation erfährt. 

„Rampage – Big Meets Bigger“ ist von vorn bis hinten auf seinen Hauptdarsteller Dwayne Johnson zugeschnitten. Der Fast-zwei-Meter-Hüne war 2017 nach Mark Wahlberg der zweitbestverdienende Schauspieler der Welt (2016 stand er sogar an der Spitze der Liste) und zählt damit zu den nur noch ganz wenigen Hollywoodstars, die allein durch ihr Mitwirken bewirken können, dass ein Projekt ein grünes Licht bekommt. Und tatsächlich würde der inszenatorisch ziemlich beliebige „Rampage“ ohne den „Fast & Furious 7“-Superstar wohl nur halb so viel Spaß machen.

Wenn Johnson als Affenforscher gleich zu Beginn total süß mit seinem Riesenaffen-Kumpel interagiert und George dann später mit allen Mitteln vor dem herbeieilenden Militär zu schützen versucht, dann sind ihm die Sympathien des Publikums aber sowas von sicher. Einige zündende Oneliner und wunderbar ungläubige Blicke im Angesicht eines fliegenden (!) Wolfes gibt es obendrauf – und auch, wenn wir dieses Actionfilmklischee langsam nicht mehr sehen können, ist keiner so sympathisch, wenn er hilflose Frauen aus gefährlichen Situationen rettet, wie der mit einem unvergleichlichen Teddybärencharme ausgestattete Ex-Wrestler.

Neben Dwayne Johnson konnten die Macher noch eine Handvoll bekannter Co-Stars für das Projekt gewinnen: Naomie Harris gefällt eigentlich als ebenso toughe wie blitzgescheite Gentechnikerin, aber dann bremst sie das Skript doch immer wieder mit hohlen Dialoge und dämlichen Handlungsanweisungen unnötig aus. Dazu kommen in weitestgehend austauschbaren Nebenrollen Joe Manganiello und Jeffrey Dean Morgan, während Jake Lacy als Sidekick-Trottel der skrupellosen Konzernchefin Claire Wyden  für einige der lautesten Lacher sorgt – vor allem, wenn er schließlich angemessen unsanft aus dem Film verabschiedet wird. Für diesen Abgang dürfte es in manchen Kinos durchaus Szenenapplaus geben.

Um die emotionalen Belange seiner Figuren sorgt sich das Skript des vierköpfigen Autorenduos rund um Ryan Engle allenfalls zweitrangig. In erster Linie geht es in „Rampage“ wie zu erwarten um das audiovisuelle Spektakel – und auch, wenn es damit erst überraschend spät so richtig losgeht, überzeugt dieses dank überwiegend starker Computereffekte und einem dann gigantomanischen Ausmaßes: Ganz in der Tradition des Spiels bleibt auch hier kein Stein auf dem anderen, versprochen!

Während sich der ein wenig holprig animierte Wolf als tricktechnischer Schwachpunkt von „Rampage“ erweist, besitzen George und das Krokodil eine spürbare Körpermasse, die es im Kinosaal ordentlich krachen und rumsen lässt, sobald Hochhäuser bestiegen oder mit Hubschraubern durch die Gegend geworfen wird. Man bekommt den Eindruck, dass hier tatsächlich gerade überdimensionale Monster durch eine Millionenstadt laufen; lediglich vereinzelt sind die verwendeten Greenscreen- und CGI-Tricks als solche erkennbar, aber selbst das schmälert den ekstatischen Bombast in diesen Momenten allenfalls marginal.

Diese volle Dosis Zerstörung macht - auch dank der augenzwinkernden Spielfreude von Dwayne Johnson - so viel Spaß, dass die wuchtige zweite Hälfte von „Rampage“ doch noch einiges rausreißt, nachdem die Macher ihren Film zuvor noch ein wenig zu ernst genommen haben und vielleicht auch deshalb einfach ein Stück zu langsam aus den Puschen gekommen sind. Denn so ehrenwert es auch sein mag, das zerstörerische Chaos mit wissenschaftlichen Theorien unterfüttern zu wollen, so sehr läuft dieser Ansatz hier in Anbetracht der letztendlich trotzdem schlicht hanebüchenen Prämisse ins Leere. Hätte „Rampage“ nach einer ersten halben Stunde, in der Johnson mit seinem Affen spielt und kuschelt, einfach nur noch aus Action bestanden, hätte er vermutlich sogar besser funktioniert als mit solch einem krampfhaft eingeschobenen Wissenschafts-Unterbau.

Fazit: 
Der mit tollen Computereffekten gespickte Monster-Blockbuster „Rampage – Big Meets Bigger“ beginnt zäh, liefert dann aber doch noch die erhoffte Hirn-Aus-Zerstörungs-Action mit einem wieder mal hervorragend aufgelegten Dwayne Johnson. Dafür vergeben wir 6 von 10 affengeile Punkte. (mk)


Donnerstag, 10. Mai 2018

Sherlock Gnomes 2D


Facts:
Genre: Familie, Komödie, Animation
Regie: John Stevenson
Cast/Stimmen: Johnny Depp, James McAvoy, Emily Blunt
Laufzeit: 87 Minunten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany


(c) Paramount Pictures Germany


Inhalt:
Der Streit zwischen den Gnomen-Familien Zinnoberrot und Blaublut ist beigelegt und endlich konnte Gnomeo (Stimme im Original: James McAvoy) seine geliebte Julia (Emily Blunt) heiraten. Doch das gemeinsame Glück der Gartenzwerg-Clans in ihrer neuen Heimat London ist nur von kurzer Dauer: Denn plötzlich verschwinden auf einmal überall in der Stadt Gnome, was die heile Vorstadtwelt schwer erschüttert. Gnomeo und Julia wollen helfen, geraten mit ihren eigenen Ermittlungen jedoch bald in eine Sackgasse. Doch zum Glück nimmt sich der berühmte Gartenzwerg-Detektiv Sherlock Gnomes (Johnny Depp) des Falles an. Gemeinsam mit dem frisch verheirateten Gnomen-Paar und seinem Partner Dr. Watson (Chiwetel Ejiofor) macht er sich daran, die mysteriösen Ereignisse aufzuklären und die verschwundenen Wichte zu finden…


Bewertung:
In „Gnomeo und Julia“ wurde der Familienstreit des Shakespeare-Klassikers zu einem lapidaren Nachbarschaftszank in einer Reihenhaussiedlung umgedichtet – und dazu haben die Gartenzwerge, neben dem weißen Gartenzaun schließlich das Symbol für kleinbürgerliche Spießigkeit schlechthin, auch sinnbildlich perfekt gepasst. In „Sherlock Gnomes“ fehlt so eine zweite Ebene nicht nur völlig, es spielt hingegen sogar fast gar keine Rolle mehr, dass die Protagonisten Gartenzwerge sind. Stattdessen entpuppt sich der Plot als typischer und nicht mal besonders spannender Sherlock-Holmes-Fall (selbst wenn wir die zentrale Wendung haben kommen sehen, ist zumindest die trotzdem ganz nett).

Statt zumindest immer mal wieder auf die tönerne Beschaffenheit der Protagonisten anzuspielen, streuen die Macher zahlreiche Verweise auf andere berühmte Fälle des Meisterdetektivs ein – allerdings auf wenig clevere Weise. So heißen etwa die Besitzer der gemeinen Bulldogge im Park Baskerville. Und wenn man schon das literarische Vorbild wechselt, wäre es vielleicht sogar die bessere Entscheidung gewesen, damit auch gleich das gesamte Figurenpersonal auszutauschen: Die Shakespeare-Helden Gnomeo und Julia haben in der Welt von Arthur Conan Doyle nämlich schlicht nichts Sinnvolles zu tun – sie bleiben Anhängsel von Holmes und Watson, haben kaum Gags und ihr harmloser Ehekrach ist nun auch nicht gerade der PS-stärkste Storymotor.

Wie im offensichtlichen Vorbild, der „Toy Story“-Reihe von Pixar, gibt es auch in „Sherlock Gnomes“ Gags für Kinder und für Erwachsene – nur gehen diese Humorebenen hier nur selten fließend ineinander über. Stattdessen durchbrechen die Figuren bei den Pointen für ein älteres Publikum immer wieder die vierte Wand, etwa wenn sich die Gartenzwerge auf den Umzug in die britische Hauptstadt vorbereiten, indem sie komplizierte Starbucks-Kaffeebestellungen auswendig lernen. Für die jüngeren Zuschauer gibt es hingegen reichlich wilde Verfolgungsjagden, von denen aber keine wirklich heraussticht. Nur bei Barry dem Toilettenzwerg (Gary Bradbury) können dann alle Generationen gemeinsam schmunzeln.

Dafür dass „Sherlock Gnomes“ mit einem Produktionsbudget von circa 60 Millionen Dollar nur etwa ein Drittel einer durchschnittlichen Pixar-Produktion verschlungen hat, können sich die Animationen wirklich sehen lassen. Natürlich dürfte die Entscheidung für Gartenzwerge als Protagonisten damals auch gefallen sein, weil sie sich mit ihren verhältnismäßig glatten Oberflächen und wenig komplexen Formen sehr viel einfacher animieren lassen als menschliche oder tierische Figuren, aber trotzdem: Die Macher geben sich sichtlich Mühe, jeden kleinen Riss oder jedes abgesplitterte Stück Farbe liebevoll umzusetzen – und so entwickeln die Figuren am Ende zumindest auf einer rein ästhetischen Ebene mehr Charakter, als es die beliebige Story eigentlich verdient hätte.

Fazit: 
Ein eher temporeiches als gewitztes Gartenzwerg-Krimiabenteuer, für das wir leider nur 4 von 10 Punkte vergeben können. (mk)