Facts:
Genre: Familie, Komödie, Abenteuer
Regie: Dennis Gansel
Cast: Solomon Gordon, Henning Baum, Annette Frier
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH
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| (c) Warner Bros GmbH |
Inhalt:
Irgendwo im weiten Meer liegt die Insel Lummerland, auf der genau vier Menschen wohnen: König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) und seine drei Untertanen: Lokomotivführer Lukas (Henning Baum), Ladenbesitzerin Frau Waas (Annette Frier) und Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst). Als der Postbote (Volker Zack Michalowski) dann eines Tages ein falsch adressiertes Paket abliefert, ist die kleine Insel um einen Bewohner reicher – um ein kleines Kind namens Jim Knopf. Einige Jahre später ist Jim (jetzt: Solomon Gordon) zu einem aktiven Jungen herangewachsen, der bei Lukas in die Lokomotivführer-Lehre gegangen ist. Doch weil sich König Alfons Sorgen über eine mögliche Überbevölkerung von Lummerland macht und Lukas‘ Lokomotive Emma stilllegen will, brechen Lukas und Jim gemeinsam mit Emma in ein Abenteuer auf, bei dem sie auf Piraten, Drachen und den Kaiser von Mandala treffen…
Bewertung:
Ein immer wiederkehrendes Motiv in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist, dass sich erste Eindrücke bei genauerer Betrachtung als Trugbild herausstellen – etwa beim vermeintlichen Riesen Tur Tur (Milan Peschel), der in Wahrheit recht klein ist. Der erste Eindruck, den Dennis Gansels Inszenierung hinterlässt, bleibt allerdings. Und das ist gut so. Sofort schlägt einen der faszinierende Look des Films in den Bann: Das in satte, bunte Farben getauchte Lummerland wirkt wie der Fantasie eines (sehr begabten) Kindes entsprungen, die Kulissen haben etwas Spielzeughaftes. Unweigerlich fühlt man sich an die Augsburger Puppenkiste erinnert, von der „Jim Knopf“ immerhin mehrfach populär verarbeitet wurde.
So zollt Gansel zum einen der umfangreichen Historie seines Stoffes Tribut. Gleichzeitig ist er weit davon entfernt, in Nostalgie zu versinken und setzt auf moderne Effekte. Die Helden sehen sich mit einer riesigen Flutwelle konfrontiert, rasen durch ein einstürzendes Gebirge, das zuvor fast wie die Mauer von Westeros in „Game Of Thrones“ aufragte, und wandeln durch die detailverliebt verzierten Straßen Pings, der Hauptstadt des ans alte China angelehnten Reiches Mandala. Die Schwelle zum Bombast überschreitet Gansel dabei nie, weil er das spielerische Element nicht vergisst – das putzige Detail schlägt im Zweifelsfall die protzige Angeberei.
Erzählerisch wirkt der Film dagegen weniger ausgewogen. Eine große Stärke und paradoxerweise gleichzeitig die Krux ist hier die Nähe zur Vorlage. Die Drehbuchautoren, darunter „Das Parfum“-Co-Schreiber Andrew Birkin, schicken Jim, Lukas und Emma durch die Bürokratie Mandalas, den Kohleberg des Halbdrachen Nepomuk (Michael „Bully“ Herbig), die Mathehölle Frau Mahlzahns und sämtliche weitere ikonische Szenen des Buches. Das führt allerdings zu einer etwas atemlosen Dramaturgie des stetigen Auf und Ab. Ein Hindernis folgt auf das andere, jede der auch noch jeweils ziemlich gleich langen Miniepisoden endet mit einem abenteuerlichen Höhepunkt.
Während man das Buch oder eine Serie kapitelweise goutieren kann, führt diese Struktur beim Spielfilm zu einer gewissen Gleichförmigkeit – da ist dann auch das Aufeinandertreffen mit Frau Mahlzahn (für viele Fans das eigentliche Highlight des Buches) letztlich nur eine Etappe von vielen, während anderes wie etwa Jims Eintauchen in einen Eisenbahnkessel nicht sonderlich wirksam dramatisch aufgebauscht wird. So fehlt dem Film ein natürlich wirkender Erzählfluss, aber für Abwechslung ist immer gesorgt, denn die zahlreichen Stationen der Reise bieten allerlei Möglichkeiten, ein beeindruckendes Starensemble in Szene zu setzen.
Rick Kavanian absolviert einen Gastauftritt als die gesamte Wilde 13, Uwe Ochsenknecht und Michael „Bully“ Herbig sorgen als grammatikalisch verwirrter König Alfons und Nilpferddrache Nepomuk für einige schnelle Lacher, Milan Peschel überzeugt in der emotionalen Schlüsselrolle als Scheinriese Tur Tur. Unbezahlbar ist es, wenn Henning Baum , dessen Lukas ohnehin wie eine Kreuzung aus Bud Spencer und Kapitän Langstrumpf wirkt, im Bonzensaal Mandalas in bester Plattfuß-Manier die Fäuste auspackt und Dennis Gansel die fröhliche Prügelei einfallsreich mit visuellen Pointen versieht.
In einem weiteren wichtigen Punkt bleiben die Filmemacher dem Vorlagenautor Michael Ende treu. Sie folgen seiner Methode, moralische Botschaften subtil einzuflechten, statt mit erhobenem Zeigefinger Lektionen zu erteilen. Im Vordergrund steht der Spaß – für Kinder, die zum ersten Mal mit Jim Knopf in Berührung kommen ebenso wie für Eltern, die früher selbst am Esstisch die Sätze des winzigen Küchengehilfen Ping Pong zitierten: „Käse? Ist das nicht verschimmelte Milch?“. Und über winzige Durststrecken hilft den ungeduldigen Kleinen sowie den nostalgischen Erwachsenen die ebenso omnipräsente wie unverwüstliche Melodie von „Eine Insel mit zwei Bergen“ hinweg.
Fazit:
Die erste Realverfilmung von Michael Endes Kinderbuch beeindruckt vor allem mit ihrem fantasievollen Look und ihrem spielfreudigen Starensemble. Wir vergeben dafür kinderfreundliche und erwachsenentaugliche 8 von 10 Punkte. (mk)

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