Facts:
Genre: Action, SciFi
Regie: Steven Spielberg
Cast: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn
Laufzeit: 140 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH
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| (c) Warner Bros GmbH |
Inhalt:
Im Jahr 2045 spielt sich das Leben vieler Menschen auf der heruntergekommenen Erde zum größten Teil nur noch in der OASIS ab. Das ist eine vom ebenso genialen wie exzentrischen Programmierer und Web-Designer James Halliday (Mark Rylance) erfundene virtuelle Welt, die mehr als die düstere Realität zu bieten hat. Die meiste Zeit seines jungen Lebens verbringt auch der 18-jährige Wade Watts (Tye Sheridan) damit, mit seinem Avatar Parzival in diese Welt einzutauchen und zu versuchen, die Aufgaben zu lösen, die Halliday vor seinem Tod in der OASIS hinterlassen hat. Demjenigen, der als erster alle Herausforderungen meistert, winkt nämlich unermesslicher Reichtum und die Kontrolle über die OASIS. Bislang sind Wade und seine Freunde, darunter Ar3emis (Olivia Cooke) und Aech (Lena Waithe), zwar stets schon an der ersten Aufgabe gescheitert, doch sie geben nicht auf – ebenso wenig wie der skrupellose Konzernchef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn), der sich OASIS unbedingt unter den Nagel reißen will…
Bewertung:
„Ready Player One“ beginnt mit einem Off-Kommentar des Protagonisten, der erklärt, dass es im Jahr 2045 genauso mies um die Welt bestellt ist, wie das aus heutiger Sicht zu befürchten ist. Dazu zeigt uns Steven Spielberg die Mischung aus Schrottplatz und Slum, in der Wade wohnt: Die Trailer stehen hier nicht nur dicht an dicht, sondern sind bis in luftige Höhe übereinandergestapelt. Da scheint es nur zu verständlich, dass die Bewohner fast alle eine VR-Brille aufgesetzt haben und sich mit ihren Gedanken und Sinnen ganz woanders befinden. Dann loggt sich auch Wade in die OASIS ein und Spielberg nimmt uns mit auf einen wilden Ritt in die digitale Wunderwelt. Wie schon in Filmen wie „A.I.“, „Minority Report“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ nutzt er dabei den neuesten Stand der Filmtechnik, um visuell ein neues Level zu erreichen. Die immersiven Verlockungen der VR-Welten mit ihren ganz eigenen Regeln bringt er schon bei diesem Einstieg so überzeugend auf die Leinwand wie niemand vor ihm.
Wenig später folgt ein Autorennen, mit dem Spielberg einmal mehr seinen Rang als einer der besten Actionregisseure überhaupt unterstreicht. Fast als säßen wir selbst an der haptischen Steuerung rasen wir mit Parzivals DeLorean und Dutzenden anderen Autos über Straßen, auf denen nicht nur lauter unerwartete Hindernisse auftauchen (von Blitzen bis zu diversen berühmten Tieren und Monstern), sondern die plötzlich selbst verschwinden, sich verbiegen oder verwandeln. Und wie die atemberaubend-virtuose Sequenz endet, das ist ebenso überraschend wie amüsant und wird nur noch von der Pointe übertroffen, mit der die scheinbar unüberwindliche Herausforderung schließlich doch gemeistert wird.
Oft wird bei packenden Actionszenen vom Gefühl einer Achterbahnfahrt gesprochen, in „Ready Player One“ ist es ein virtuelles Vergnügen: Passend zum VR-Thema ist die Illusion eigentlich immer als solche erkennbar, aber wir geben uns ihr nur zu gerne hin, ob nun bei einer großen Schlacht von Hunderten Avataren oder bei einer schwerelosen Tanzeinlage. So wirkt es ein wenig halbherzig und pflichtschuldig, wenn es am Ende des Films heißt, das Beste sei immer noch die (echte) Realität, denn die sei schließlich real. Die Schattenseiten des Virtuellen, die Fragen nach dem Echten und Unverfälschten kommen hier nämlich ein wenig kurz. Wenn sich Parzival in Art3mis verliebt, obwohl er sie nie in der realen Welt getroffen hat und somit nicht ihr wahres Ich und Aussehen kennt, dann ist das in dieser Geschichte kein großes Problem.
Die Figuren sind eher cool als echt, aber immerhin auf manchmal unerwartete Weise. Außerdem bereitet es großes Vergnügen, wie Ben Mendelsohn den aalglatten Vorzeigebösewicht spielt, der sich von seinen Lakaien das Popkulturwissen vorsagen lassen muss und sein Passwort ganz altmodisch auf einen Zettel geschrieben hat, das kritische Porträt seines totalitären Megakonzerns Innovative Online Industries (IOI) bleibt allerdings im Ansatz stecken – genau wie der positive Gegenentwurf des idealistischen Gurus Hallydays. Mark Rylance nutzt die diversen Inkarnationen des OASIS-Gründers dennoch für ein erstaunlich vielschichtiges Porträt zwischen verlorener Seele, sendungsbewusstem Visionär und unglücklichem Genie.
Die künstliche Perfektion (man achte auf Parzivals Haar) und der Hyper-Realismus der OASIS sind dagegen perfekt getroffen und es passt zum Entwurf der eskapistischen Traumwelt, dass der Overkill nie fern ist. Das liegt vor allem am schier endlosen Strom von Zitaten, Hommagen, Anleihen und Anspielungen: Alte Videospiele, Filme, Musik, Comics, Rollenspiele, Mode und Technik, bevorzugt aus den 1980er Jahren, sind hier ebenso wie in der Buchvorlage allgegenwärtig. Um alle Bezüge zu entdecken, reicht eine einzige Sichtung nicht aus, und schon das pure audiovisuelle Namedropping lässt das Geekherz höherschlagen und wer sich mit den 80ern oder mit Videospielen nicht so auskennt, der kann die Schatzjagd trotzdem noch genießen, denn sehr viele der Anspielungen sind absolut mainstreamtauglich – von Batman und Duran Duran über Monty Python und „Minecraft“ bis „Street Fighter“ und „Overwatch“, um nur ein paar willkürlich herausgepickte Beispiele zu nennen.
Aber noch viel besser ist es, wenn die Zitate für die Handlung relevant sind: Wie etwa das Atari-Spiel „Adventure“, der Gigant aus dem All oder der schon erwähnte DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ in den Film integriert sind, geht über reines Zitatkino weit hinaus. Robert Zemeckis und seine Zeitreisekomödie kommen hier gleich mehrfach zu Ehren und auch die Filmmusik erinnert nicht zufällig zuweilen an den jubilierenden Schwung des „Back To The Future“-Soundtracks, denn Spielberg hat dessen Komponisten Alan Silvestri für seinen Film engagiert, nachdem feststand, dass sein Stammpartner John Williams für „Ready Player One“ nicht zur Verfügung stehen würde. Ein weiterer Klassiker sorgt schließlich für einen absoluten Höhepunkt, wenn die Figuren in einer ausgedehnten Sequenz den verblüffend detailliert rekonstruierten Schauplatz eines berühmten Horrorfilms betreten und dort bei der Schatzjagd blutige Überraschungen erleben – ehe die Szene in etwas ganz anderes mündet.
Fazit:
Steven Spielbergs „Ready Player One“ ist mitreißendes Blockbusterkino mit kleinen erzählerischen Schwächen. Dennoch vergeben wir futuristische 8,5 von 10 Punkte. (mk)

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