Mittwoch, 25. April 2018

Avengers 3 - Infinity War 3D


Facts:
Genre: Abenteuer, Action, SciFi
Regie: Joe Russo, Anthony Russo
Cast:  Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr., Chris Evans, Chris Pratt, Scarlett Johansson, Chadwick Boseman
Laufzeit: 156 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

(c) Walt Disney Germany




Inhalt:
Während die Avengers immer wieder damit beschäftigt waren, die Welt vor Gefahren zu beschützen, mit denen ein einzelner Held alleine nicht fertig wird, ahnten sie nicht, dass die größte Bedrohung in der Dunkelheit des Alls wartete: Thanos (Josh Brolin), eines der mächtigsten Wesen im Universum! Um noch mehr Macht zu bekommen, will er alle sechs Infinity-Steine sammeln. Die Artefakte würden ihm gottgleiche Kraft verleihen – die er einsetzen will, um auf einen Schlag die Hälfte der Weltbevölkerung zu vernichten. Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth), Black Widow (Scarlett Johansson) und die restlichen Avengers erkennen, dass sie ihre Differenzen hinter sich lassen müssen, um überhaupt eine Chance gegen den galaktischen Zerstörer zu haben. Doch um die Welt zu retten, braucht die Heldentruppe noch weitere Unterstützung. Verbündete finden sie unter anderem in den Guardians Of The Galaxy um Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana) und Drax (Dave Bautista) sowie in Black Panther (Chadwick Boseman), dem neuen König von Wakanda…


Bewertung:
Die Frage, wie die vielen Helden jemals Thanos besiegen können, steht im Zentrum von „Avengers: Infinity War“. Produzent und Marvel-Mastermind Kevin Feige verriet früh, dass man nach fünf Minuten verstehen werde, wie mächtig Thanos sei. Jeder – uns eingeschlossen – leitete daraus ab, dass er früh eine bekannte Figur töten würde. So sitzt man schon am Anfang auf der Stuhlkante und es wird tatsächlich sofort verdeutlicht, dass dies der bislang mit weitem Abstand gefährlichste Gegner für unsere Helden ist. Aber wie das genau gemacht wird, ist durchaus unerwartet und atemberaubend. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Macher von Marvel und die nach den Captain-America-Filmen „Winter Soldier“ und „Civil War“ zum dritten Mal auf dem MCU-Regiestuhl sitzenden Russo-Brüder Erwartungen aufgebaut haben, die oft erfüllt, ebenso oft jedoch auch geschickt unterlaufen werden. Dies trägt ungemein zur hohen Spannung von „Avengers: Infinity War“ bei.

Bei Comic-Verfilmungen muss man eigentlich selten um die Protagonisten bangen, denn am Ende überleben sie sowieso. Um hier gleich den großen Elefanten im Raum anzusprechen: In „Avengers: Infinity War“ sterben Helden und nicht nur deswegen sind die Ereignisse unberechenbar. Für jede Figur könnte das nächste Treffen mit Thanos oder den Mitgliedern seiner Black Order der letzte Auftritt sein. Die auch hier wieder sehr ausufernden und teilweise auch überladenen CGI-Schlachten bekommen so eine ganz andere Dynamik als gewohnt. Es ist eben kein Neuaufguss des „Civil War“-Finales, in dem die eigentlich Guten sich mit zwar reichlich Schaum vor dem Mund, aber auch ein wenig angezogener Handbremse untereinander kloppen. In „Infinity War“ geht es wirklich um Leben und Tod.

Dieses Bangen um jede einzelne Figur funktioniert vor allem, weil sie uns seit vielen Jahren begleiten. Hier ist nicht der Platz für die große Charakterausgestaltung, die Russos vertrauen darauf, dass der Zuschauer die Spleens und Ticks seiner Lieblinge aus den Vorgängern kennt. Die Befürchtung, dass „Infinity War“ mit seinem riesigen Helden-Tableau überfrachtet sein könnte, erweist sich indes als unnötig. Vielmehr gelingt es den Russos ausgesprochen gut, die Abenteuer der verschiedenen Helden und die daraus resultierenden Handlungsstränge parallel zu erzählen. Die Frage „Was macht der eigentlich jetzt gerade nochmal?“ wird sicher dem ein oder anderen Zuschauer hin und wieder durch den Kopf spuken, doch meist kommt genau in dem Moment die Antwort. Und die daraus resultierenden Sprünge quer durch das Universum reißen einen nie aus dem Geschehen heraus, sondern sorgen für zusätzliche Dynamik.

Dass die zahlreichen Helden, Bösewichte, Nebenfiguren und Überraschungsauftritte fast alle gut bis hervorragend zur Geltung kommen, ist auch ein Verdienst der Darsteller, die in zum Teil ungewöhnlichen Konstellationen bestens miteinander harmonieren. So ist Topstar Robert Downey Jr. als Tony Stark alias Iron Man mal wieder voll in seinem Element, zeigt als einer der emotionalen Anker des Films aber auch neue Seiten. Und auch seine Kollegen nutzen den Freiraum, den es trotz der vielen Actionszenen immer wieder gibt, zu schauspielerisch starken Momenten. Vor allem Chris Hemsworth als ramponierter Donnergott sowie „Scarlet Witch“ Elizabeth Olsen und Paul Bettany als Vision geben den emotionalen Momenten des Films eine spürbar tragische Dimension, die hier ungemein wichtig ist, denn wie gesagt: In „Infinity War“ sind die Einsätze so hoch wie noch nie.

Da „Avengers: Infinity War“ aber natürlich auch ein spaßiges Spektakel sein soll, mussten Joe und Anthony Russo einen besonders schwierigen Spagat zwischen Tragik und Komik vollführen. Erscheint es angemessen, wenn eine Figur, die gerade einen schmerzlichen Verlust erlitten hat, unmittelbar danach einen witzigen Spruch abgibt? Oft bewegen sich die Russos dabei hart an der Grenze, doch am Ende passt die Balance, auch weil hier selbst die schrägsten Figuren und die ungewöhnlichsten Paarungen immer etwas im Rahmen der Geschichte Selbstverständliches an sich haben.

Der köstlich-überspitzte Ego-Clash beim Treffen von Iron Man und Doctor Strange oder das Zusammenspiel von Thor und den Guardians wirken nicht wie erzwungene Stimmungswechsel, sondern stehen ganz in der MCU-Tradition der Figuren. Gerade im ersten Drittel erweist sich zudem der Running Gag mit Bruce Banners Unkenntnis über die Geschehnisse auf der Erde in den vergangenen Jahren als gelungene Auflockerung (die ganz nebenbei genutzt wird, um ein paar Informationen auch für das Publikum noch einmal aufzufrischen).

Wie es die Macher vorher angekündigt haben, ist aber Thanos das wirkliche Zentrum des Films. Trotz einer illustrierenden Rückblende und einiger emotional angelegter Momente, ist die Figur allerdings nicht wirklich ausgearbeitet. Man muss als Zuschauer trotz vager Erklärungen letztlich einfach hinnehmen, dass dieser verrückte Titan die Hälfte der Bewohner jedes Planeten ausrotten will. Aber es hilft ungemein, dass Josh Brolin vor allem durch seine tiefe Stimme (in der Originalfassung) eine gnadenlose Überlegenheit und Arroganz ausstrahlt. Er besitzt die gefährliche Autorität eines echten Schurken und so ist er eben der böseste Badass-Gegner, den man sich nur vorstellen kann. Es mag vielleicht 14 Millionen und 605 Wege geben, gegen ihn zu kämpfen, aber nahezu keinen, ihn dabei auch zu besiegen.

Da Thanos wie sehr viele Figuren in „Avengers: Infinity War“ aus dem Computer kommt, ist Brolins Minenspiel eingeschränkt. In den Großaufnahmen kommen wir dem Schauspieler hinter dem Titan und damit dessen Seelenleben trotzdem recht nahe. Die Computereffekte in den großen Massenszenen können da wie schon bei einigen vorherigen Marvel-Produktionen nicht ganz mithalten. Es ist deutlich zu erkennen, wo das Hauptaugenmerk der Künstler lag und welche Elemente etwas vernachlässigt wurden. Gerade bei der großen Schlacht von Wakanda ist dies hin und wieder ein Problem, zumal bei dieser riesigen Actionsequenz mit diversen Helden, Hunderten afrikanischen Kriegern und einer schier unendlichen Zahl außerirdischer Kanonenfutter-Wesen bisweilen die Übersichtlichkeit auf der Strecke bleibt und es nicht immer gelingt, die verschiedenen Aspekte dieses Kampfes überzeugend in Einklang zu bringen.

ACHTUNG SPOILER: Wir müssen über das Ende reden!

Für die Bewertung von „Avengers: Infinity War“ spielt es nicht nur eine Rolle, ob der Zuschauer mit den Helden vertraut ist und deshalb besser mit ihnen mitfiebern kann, sondern auch die Einordnung des Endes ist von entscheidender Bedeutung. Daher müssen wir hier ausnahmsweise etwas genauer auf den Schluss eingehen, um zu verdeutlichen, warum wir uns am Ende für 4 Sterne entschieden haben. Wir bemühen uns, so unbestimmt wie möglich zu bleiben, raten aber allen Lesern, die den Film noch nicht gesehen haben, von hier direkt zum Fazit zu springen, also die folgenden zwei Absätze zu ignorieren und erst nach dem Film zu lesen.

Letzte SPOILER-Warnung!!!

„Avengers: Infinity War“ ist kein Film, der für sich alleine steht. Das liegt einerseits daran, dass Vorwissen aus früheren Filmen nicht nur sehr hilfreich, sondern auch nötig ist. Andererseits und vor allem bricht der „Infinity War“ gleichsam mittendrin ab und wird erst im April 2019 fortgesetzt. Schon um den Titel dieser Fortführung wird erneut ein riesiges Geheimnis gemacht. Dass „Avengers 4“ womöglich – wie auch mal ursprünglich angekündigt und nun mit einem simplen Strich angedeutet – wieder „Infinity War Part II“ heißen könnte, illustriert das Dilemma: Denn der dritte „Avengers“-Film ist am Ende des Tages nur ein „Part I“, nur eine noch unvollendete Hälfte.

Wie die Geschichte fortgeschrieben wird, hat so in diesem Fall eine direkte Auswirkung auf die Einschätzung der auf einer sehr düsteren Note endenden ersten Hälfte. Sollte ihr wuchtig-niederschmetterndes Finale mit einem Fingerschnipsen wieder ungeschehen gemacht werden, würde das auch „Avengers: Infinity War“ im Nachhinein entwerten. Aufgrund der klug gesetzten Andeutungen, die es hier zum Ende hin gibt und die eine auf den ersten Blick katastrophale Entscheidung eines gewissen Magiers in einem anderen Licht erscheinen lassen, vertrauen wir momentan darauf, dass Kevin Feige, die Russo-Brüder und ihre Autoren im nächsten Film überzeugend an dieses vorläufige Ende anknüpfen. Andernfalls müssten wir mit dem angesprochenen gewissen Magier noch ein Hühnchen rupfen. Für eine tiefergehende Diskussion dazu verweisen wir übrigens auf unseren Extra-Artikel zum Ende.

Fazit: 
 „Avengers: Infinity War“ ist ein Spektakel für alle Fans der Marvel-Helden und als logische Fortschreibung der 18 vorherigen Filme richtig stark – aber er kann nur bedingt für sich alleine stehen. Dafür vergeben wir heldenhafte 8 von 10 Punkte und warten gespannt auf die Fortsetzung im kommenden Jahr. (mk)

Sonntag, 8. April 2018

Ready Player One 2D


Facts:
Genre:  Action, SciFi
Regie:  Steven Spielberg
Cast:  Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn
Laufzeit:  140 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH




(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:
Im Jahr 2045 spielt sich das Leben vieler Menschen auf der heruntergekommenen Erde zum größten Teil nur noch in der OASIS ab. Das ist eine vom ebenso genialen wie exzentrischen Programmierer und Web-Designer James Halliday (Mark Rylance) erfundene virtuelle Welt, die mehr als die düstere Realität zu bieten hat. Die meiste Zeit seines jungen Lebens verbringt auch der 18-jährige Wade Watts (Tye Sheridan) damit, mit seinem Avatar Parzival in diese Welt einzutauchen und zu versuchen, die Aufgaben zu lösen, die Halliday vor seinem Tod in der OASIS hinterlassen hat. Demjenigen, der als erster alle Herausforderungen meistert, winkt nämlich unermesslicher Reichtum und die Kontrolle über die OASIS. Bislang sind Wade und seine Freunde, darunter Ar3emis (Olivia Cooke) und Aech (Lena Waithe), zwar stets schon an der ersten Aufgabe gescheitert, doch sie geben nicht auf – ebenso wenig wie der skrupellose Konzernchef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn), der sich OASIS unbedingt unter den Nagel reißen will…


Bewertung:
„Ready Player One“ beginnt mit einem Off-Kommentar des Protagonisten, der erklärt, dass es im Jahr 2045 genauso mies um die Welt bestellt ist, wie das aus heutiger Sicht zu befürchten ist. Dazu zeigt uns Steven Spielberg die Mischung aus Schrottplatz und Slum, in der Wade wohnt: Die Trailer stehen hier nicht nur dicht an dicht, sondern sind bis in luftige Höhe übereinandergestapelt. Da scheint es nur zu verständlich, dass die Bewohner fast alle eine VR-Brille aufgesetzt haben und sich mit ihren Gedanken und Sinnen ganz woanders befinden. Dann loggt sich auch Wade in die OASIS ein und Spielberg nimmt uns mit auf einen wilden Ritt in die digitale Wunderwelt. Wie schon in Filmen wie „A.I.“, „Minority Report“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ nutzt er dabei den neuesten Stand der Filmtechnik, um visuell ein neues Level zu erreichen. Die immersiven Verlockungen der VR-Welten mit ihren ganz eigenen Regeln bringt er schon bei diesem Einstieg so überzeugend auf die Leinwand wie niemand vor ihm.

Wenig später folgt ein Autorennen, mit dem Spielberg einmal mehr seinen Rang als einer der besten Actionregisseure überhaupt unterstreicht. Fast als säßen wir selbst an der haptischen Steuerung rasen wir mit Parzivals DeLorean und Dutzenden anderen Autos über Straßen, auf denen nicht nur lauter unerwartete Hindernisse auftauchen (von Blitzen bis zu diversen berühmten Tieren und Monstern), sondern die plötzlich selbst verschwinden, sich verbiegen oder verwandeln. Und wie die atemberaubend-virtuose Sequenz endet, das ist ebenso überraschend wie amüsant und wird nur noch von der Pointe übertroffen, mit der die scheinbar unüberwindliche Herausforderung schließlich doch gemeistert wird.

Oft wird bei packenden Actionszenen vom Gefühl einer Achterbahnfahrt gesprochen, in „Ready Player One“ ist es ein virtuelles Vergnügen: Passend zum VR-Thema ist die Illusion eigentlich immer als solche erkennbar, aber wir geben uns ihr nur zu gerne hin, ob nun bei einer großen Schlacht von Hunderten Avataren oder bei einer schwerelosen Tanzeinlage. So wirkt es ein wenig halbherzig und pflichtschuldig, wenn es am Ende des Films heißt, das Beste sei immer noch die (echte) Realität, denn die sei schließlich real. Die Schattenseiten des Virtuellen, die Fragen nach dem Echten und Unverfälschten kommen hier nämlich ein wenig kurz. Wenn sich Parzival in Art3mis verliebt, obwohl er sie nie in der realen Welt getroffen hat und somit nicht ihr wahres Ich und Aussehen kennt, dann ist das in dieser Geschichte kein großes Problem.

Die Figuren sind eher cool als echt, aber immerhin auf manchmal unerwartete Weise. Außerdem bereitet es großes Vergnügen, wie Ben Mendelsohn den aalglatten Vorzeigebösewicht spielt, der sich von seinen Lakaien das Popkulturwissen vorsagen lassen muss und sein Passwort ganz altmodisch auf einen Zettel geschrieben hat, das kritische Porträt seines totalitären Megakonzerns Innovative Online Industries (IOI) bleibt allerdings im Ansatz stecken – genau wie der positive Gegenentwurf des idealistischen Gurus Hallydays. Mark Rylance nutzt die diversen Inkarnationen des OASIS-Gründers dennoch für ein erstaunlich vielschichtiges Porträt zwischen verlorener Seele, sendungsbewusstem Visionär und unglücklichem Genie.

Die künstliche Perfektion (man achte auf Parzivals Haar) und der Hyper-Realismus der OASIS sind dagegen perfekt getroffen und es passt zum Entwurf der eskapistischen Traumwelt, dass der Overkill nie fern ist. Das liegt vor allem am schier endlosen Strom von Zitaten, Hommagen, Anleihen und Anspielungen: Alte Videospiele, Filme, Musik, Comics, Rollenspiele, Mode und Technik, bevorzugt aus den 1980er Jahren, sind hier ebenso wie in der Buchvorlage allgegenwärtig. Um alle Bezüge zu entdecken, reicht eine einzige Sichtung nicht aus, und schon das pure audiovisuelle Namedropping lässt das Geekherz höherschlagen und wer sich mit den 80ern oder mit Videospielen nicht so auskennt, der kann die Schatzjagd trotzdem noch genießen, denn sehr viele der Anspielungen sind absolut mainstreamtauglich – von Batman und Duran Duran über Monty Python und „Minecraft“ bis „Street Fighter“ und „Overwatch“, um nur ein paar willkürlich herausgepickte Beispiele zu nennen.

Aber noch viel besser ist es, wenn die Zitate für die Handlung relevant sind: Wie etwa das Atari-Spiel „Adventure“, der Gigant aus dem All oder der schon erwähnte DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ in den Film integriert sind, geht über reines Zitatkino weit hinaus. Robert Zemeckis und seine Zeitreisekomödie kommen hier gleich mehrfach zu Ehren und auch die Filmmusik erinnert nicht zufällig zuweilen an den jubilierenden Schwung des „Back To The Future“-Soundtracks, denn Spielberg hat dessen Komponisten Alan Silvestri für seinen Film engagiert, nachdem feststand, dass sein Stammpartner John Williams für „Ready Player One“ nicht zur Verfügung stehen würde. Ein weiterer Klassiker sorgt schließlich für einen absoluten Höhepunkt, wenn die Figuren in einer ausgedehnten Sequenz den verblüffend detailliert rekonstruierten Schauplatz eines berühmten Horrorfilms betreten und dort bei der Schatzjagd blutige Überraschungen erleben – ehe die Szene in etwas ganz anderes mündet.

Fazit
Steven Spielbergs „Ready Player One“ ist mitreißendes Blockbusterkino mit kleinen erzählerischen Schwächen. Dennoch vergeben wir futuristische 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Montag, 2. April 2018

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer


Facts:
Genre: Familie, Komödie, Abenteuer
Regie: Dennis Gansel
Cast: Solomon Gordon, Henning Baum, Annette Frier
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH

(c) Warner Bros GmbH
 


Inhalt:
Irgendwo im weiten Meer liegt die Insel Lummerland, auf der genau vier Menschen wohnen: König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) und seine drei Untertanen: Lokomotivführer Lukas (Henning Baum), Ladenbesitzerin Frau Waas (Annette Frier) und Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst). Als der Postbote (Volker Zack Michalowski) dann eines Tages ein falsch adressiertes Paket abliefert, ist die kleine Insel um einen Bewohner reicher – um ein kleines Kind namens Jim Knopf. Einige Jahre später ist Jim (jetzt: Solomon Gordon) zu einem aktiven Jungen herangewachsen, der bei Lukas in die Lokomotivführer-Lehre gegangen ist. Doch weil sich König Alfons Sorgen über eine mögliche Überbevölkerung von Lummerland macht und Lukas‘ Lokomotive Emma stilllegen will, brechen Lukas und Jim gemeinsam mit Emma in ein Abenteuer auf, bei dem sie auf Piraten, Drachen und den Kaiser von Mandala treffen…


Bewertung:
Ein immer wiederkehrendes Motiv in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist, dass sich erste Eindrücke bei genauerer Betrachtung als Trugbild herausstellen – etwa beim vermeintlichen Riesen Tur Tur (Milan Peschel), der in Wahrheit recht klein ist. Der erste Eindruck, den Dennis Gansels Inszenierung hinterlässt, bleibt allerdings. Und das ist gut so. Sofort schlägt einen der faszinierende Look des Films in den Bann: Das in satte, bunte Farben getauchte Lummerland wirkt wie der Fantasie eines (sehr begabten) Kindes entsprungen, die Kulissen haben etwas Spielzeughaftes. Unweigerlich fühlt man sich an die Augsburger Puppenkiste erinnert, von der „Jim Knopf“ immerhin mehrfach populär verarbeitet wurde.

So zollt Gansel zum einen der umfangreichen Historie seines Stoffes Tribut. Gleichzeitig ist er weit davon entfernt, in Nostalgie zu versinken und setzt auf moderne Effekte. Die Helden sehen sich mit einer riesigen Flutwelle konfrontiert, rasen durch ein einstürzendes Gebirge, das zuvor fast wie die Mauer von Westeros in „Game Of Thrones“ aufragte, und wandeln durch die detailverliebt verzierten Straßen Pings, der Hauptstadt des ans alte China angelehnten Reiches Mandala. Die Schwelle zum Bombast überschreitet Gansel dabei nie, weil er das spielerische Element nicht vergisst – das putzige Detail schlägt im Zweifelsfall die protzige Angeberei.

Erzählerisch wirkt der Film dagegen weniger ausgewogen. Eine große Stärke und paradoxerweise gleichzeitig die Krux ist hier die Nähe zur Vorlage. Die Drehbuchautoren, darunter „Das Parfum“-Co-Schreiber Andrew Birkin, schicken Jim, Lukas und Emma durch die Bürokratie Mandalas, den Kohleberg des Halbdrachen Nepomuk (Michael „Bully“ Herbig), die Mathehölle Frau Mahlzahns und sämtliche weitere ikonische Szenen des Buches. Das führt allerdings zu einer etwas atemlosen Dramaturgie des stetigen Auf und Ab. Ein Hindernis folgt auf das andere, jede der auch noch jeweils ziemlich gleich langen Miniepisoden endet mit einem abenteuerlichen Höhepunkt.

Während man das Buch oder eine Serie kapitelweise goutieren kann, führt diese Struktur beim Spielfilm zu einer gewissen Gleichförmigkeit – da ist dann auch das Aufeinandertreffen mit Frau Mahlzahn (für viele Fans das eigentliche Highlight des Buches) letztlich nur eine Etappe von vielen, während anderes wie etwa Jims Eintauchen in einen Eisenbahnkessel nicht sonderlich wirksam dramatisch aufgebauscht wird. So fehlt dem Film ein natürlich wirkender Erzählfluss, aber für Abwechslung ist immer gesorgt, denn die zahlreichen Stationen der Reise bieten allerlei Möglichkeiten, ein beeindruckendes Starensemble in Szene zu setzen.

Rick Kavanian absolviert einen Gastauftritt als die gesamte Wilde 13, Uwe Ochsenknecht und Michael „Bully“ Herbig sorgen als grammatikalisch verwirrter König Alfons und Nilpferddrache Nepomuk für einige schnelle Lacher, Milan Peschel überzeugt in der emotionalen Schlüsselrolle als Scheinriese Tur Tur. Unbezahlbar ist es, wenn Henning Baum , dessen Lukas ohnehin wie eine Kreuzung aus Bud Spencer und Kapitän Langstrumpf wirkt, im Bonzensaal Mandalas in bester Plattfuß-Manier die Fäuste auspackt und Dennis Gansel die fröhliche Prügelei einfallsreich mit visuellen Pointen versieht.

In einem weiteren wichtigen Punkt bleiben die Filmemacher dem Vorlagenautor Michael Ende treu. Sie folgen seiner Methode, moralische Botschaften subtil einzuflechten, statt mit erhobenem Zeigefinger Lektionen zu erteilen. Im Vordergrund steht der Spaß – für Kinder, die zum ersten Mal mit Jim Knopf in Berührung kommen ebenso wie für Eltern, die früher selbst am Esstisch die Sätze des winzigen Küchengehilfen Ping Pong zitierten: „Käse? Ist das nicht verschimmelte Milch?“. Und über winzige Durststrecken hilft den ungeduldigen Kleinen sowie den nostalgischen Erwachsenen die ebenso omnipräsente wie unverwüstliche Melodie von „Eine Insel mit zwei Bergen“ hinweg.

Fazit: 
Die erste Realverfilmung von Michael Endes Kinderbuch beeindruckt vor allem mit ihrem fantasievollen Look und ihrem spielfreudigen Starensemble. Wir vergeben dafür kinderfreundliche und erwachsenentaugliche 8 von 10 Punkte. (mk)