Facts:
Genre: Action
Regie: David Leitch
Cast: Charlize Theron, James McAvoy, Sofia Boutella
Laufzeit: 115 Minuten
FSK: ab 16
Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany
Inhalt:
Berlin, November 1989: Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer wird ein
MI6-Offizier tot aufgefunden. Er sollte Informationen einer geheimen
Quelle auf der Ostseite der Stadt in den Westen schmuggeln – genauer
gesagt: eine Liste mit allen Namen der auf beiden Seiten Berlins tätigen
Spione. Doch die Liste wird bei der Leiche nicht gefunden. Gebrieft von
ihrem MI6-Vorgesetzten Gray (Toby Jones) und dem CIA-Chef (John
Goodman) wird die erfahrene Spionin Lorraine Broughton (Charlize Theron)
in das Pulverfass sozialer Unruhen, Spionageabwehr, gescheiterter
Missionen und geheimer Hinrichtungen geschickt, um die streng
vertrauliche Liste und damit die Identität britischer Agenten zu
sichern, deren Leben davon abhängen. Lorraine trifft den
Ex-Geheimdienstler David Percival (James McAvoy), der ein wichtiger
Kontaktmann ist – und sie trifft die verführerische französische Agentin
Delphine (Sofia Boutella)…
Bewertung:
Durch Musik, Look und Inszenierung entsteht hier ein ganz eigenes
Universum, in seiner Künstlichkeit durchaus vergleichbar mit jener
Gangsterschattenwelt, in die sich Keanu Reeves im von David Leitch
co-inszenierten „John Wick“
begeben muss. Und ähnlich wie dort werden die ausgedehnten Actionszenen
zu den Höhepunkten der Erzählung. In „Atomic Blonde“ gilt dies vor
allem für eine atemberaubende Sequenz in einem Mietshaus, die in ein
Versteckspiel und eine Verfolgungsjagd auf der Straße mündet und
schließlich in der Spree endet. In ihr tritt die Protagonistin mit ihrem
Informanten im Schlepptau gegen diverse russische Schergen an. Zunächst
entfaltet sich eine schier endlose Prügelei, bei der von der Kochplatte
bis zum Korkenzieher alles zum Einsatz kommt, was gerade greifbar ist.
Zwischendurch werden auch noch Schuss- und Stichwaffen benutzt, aber
auch damit ist es hier alles andere als leicht, seinen Gegner wirklich
auszuschalten. Schwer getroffen und gezeichnet wird hier immer
weitergekämpft – virtuos und versessen zugleich. Die Choreografie ist
ebenso einfalls- wie abwechslungsreich, während die
dynamisch-schnörkellose Inszenierung (über Minuten und mehrere Etagen
hinweg gibt es keinen einzigen sichtbaren Schnitt) uns die Intensität
des schweißtreibenden Tötens nahebringen. Ähnlich zugespitzt geht es auf
der Straße weiter und einige spektakuläre Stunts runden die Sequenz zu
einem eigenen kleinen Kunstwerk ab. Nichts anderes im Film reicht an
diesen Höhepunkt heran, was auch daran liegt, dass der Kalte Krieg bei
David Leitch eben nicht nur mit professioneller Brutalität ausgetragen
wird, sondern auch mit extremer Emotionslosigkeit.
Passend dazu gibt es in „Atomic Blonde“ zwar (ein bisschen) Nacktheit mit Charlize Theron im Eisbad und später bei ihrer mäßig leidenschaftlichen lesbischen Sexszene mit „Die Mumie“-Star Sofia Boutella, aber keinerlei Intimität. Genauso wie die Frage, wer hier eigentlich wen hinters Licht führt, lassen einen auch die potenziell tragischen oder melodramatischen Wendungen ziemlich kalt, die ganz wie die Aktionen der Agenten im Film wie kaltschnäuzig kalkulierte Manöver erscheinen. Viele Nebenfiguren aus dem bunt zusammengewürfelten internationalen Cast wie der gleichsam „unkaputtbare“ Ivan-Drago-Verschnitt (Daniel Bernhardt) auf sowjetischer Seite, der findige Nerd-Handlanger Merkel (Bill Skarsgård) oder der von Til Schweiger („Tschiller: Off Duty“) gespielte Uhrmacher, der als eine Art Datenhehler in der Spionagewelt agiert, sind reine Agentenfilmstereotypen. Der ungehemmt drauflos polternde James McAvoy wirkt hier hingegen ein wenig, als wäre er in einer der unangenehmeren der multiplen Persönlichkeiten seines psychisch gestörten Protagonisten aus „Split“ hängengeblieben. Dagegen kann es Charlize Theron in Sachen Coolness locker mit James Bond aufnehmen und im Nahkampf wäre sie wohl selbst gegen Jason Bourne nicht chancenlos – aber an solche herausragenden weibliche Action-Heldinnen wie die von Theron selbst verkörperte Furiosa aus „Mad Max: Fury Road“ oder Gal Gadots Wonder Woman reicht Lorraine trotzdem nicht heran. Dafür fehlen ihr das Herz und die Seele.
Fazit:
Passend dazu gibt es in „Atomic Blonde“ zwar (ein bisschen) Nacktheit mit Charlize Theron im Eisbad und später bei ihrer mäßig leidenschaftlichen lesbischen Sexszene mit „Die Mumie“-Star Sofia Boutella, aber keinerlei Intimität. Genauso wie die Frage, wer hier eigentlich wen hinters Licht führt, lassen einen auch die potenziell tragischen oder melodramatischen Wendungen ziemlich kalt, die ganz wie die Aktionen der Agenten im Film wie kaltschnäuzig kalkulierte Manöver erscheinen. Viele Nebenfiguren aus dem bunt zusammengewürfelten internationalen Cast wie der gleichsam „unkaputtbare“ Ivan-Drago-Verschnitt (Daniel Bernhardt) auf sowjetischer Seite, der findige Nerd-Handlanger Merkel (Bill Skarsgård) oder der von Til Schweiger („Tschiller: Off Duty“) gespielte Uhrmacher, der als eine Art Datenhehler in der Spionagewelt agiert, sind reine Agentenfilmstereotypen. Der ungehemmt drauflos polternde James McAvoy wirkt hier hingegen ein wenig, als wäre er in einer der unangenehmeren der multiplen Persönlichkeiten seines psychisch gestörten Protagonisten aus „Split“ hängengeblieben. Dagegen kann es Charlize Theron in Sachen Coolness locker mit James Bond aufnehmen und im Nahkampf wäre sie wohl selbst gegen Jason Bourne nicht chancenlos – aber an solche herausragenden weibliche Action-Heldinnen wie die von Theron selbst verkörperte Furiosa aus „Mad Max: Fury Road“ oder Gal Gadots Wonder Woman reicht Lorraine trotzdem nicht heran. Dafür fehlen ihr das Herz und die Seele.
Fazit:
„Atomic Blonde“ bietet eine Menge verführerischer Oberflächenreize und
eine der besten Actionszenen der jüngeren Vergangenheit, aber die
emotionslose Spionagehandlung und die zahlreichen austauschbaren Figuren
enttäuschen. Dafür vergeben wir abhörfreie 6 von 10 Punkte. (mk)


