Montag, 21. August 2017

Bullyparade - Der Film



Facts:
Genre: Komödie
Regie: Michael Bully Herbig
Cast: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian
Laufzeit: 100 Minuten 
FSK: ab 6 Jahre
Verleih:  Warner Bros GmbH

(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:
Aus mehreren Episoden bestehender Kinofilm, in dem einige der beliebtesten Figuren aus der Sketch-TV-Sendung "bullyparade" zurückkehren. In „Winnetou in Love“ will Old Shatterhand (Christian Tramitz) seinen Blutsbruder, den Indianer-Häuptling Winnetou (Michael Bully Herbig) davor bewahren, leichtsinnig und vorschnell eine Ehe einzugehen, was jedoch dadurch erschwert wird, dass er selbst sich mit schurkischen Kopfgeldjägern herumschlagen muss. In „Wechseljahre einer Kaiserin“ besucht das österreichische Kaiserehepaar Franz (Tramitz) und Sissi (Herbig) ein Geisterschloss in Bayern und erlebt dabei jede Menge gruselige Abenteuer. Captain Kork (Tramitz), Mr. Spuck (Herbig) und Schrotty (Rick Kavanian) landen hingegen auf dem „Planet der Frauen“ und müssen dessen ausschließlich weibliche Bevölkerung retten. Jens und Jörg Kasirske (Tramitz und Kavanian) wollen ihrer 90-jährigen Tante den größten Wunsch erfüllen und reisen daher „Zurück in die Zone“. Lutz (Herbig) und Löffler (Kavanian) versuchen sich in „Lutz of Wall Street“ mit Hilfe von Mr. Moneymaker (Tramitz) in der New Yorker Börsenwelt. 
 
Bewertung:
Der Erfolg der „Bullyparade“, die von 1997 bis 2002 (90 Episoden in sechs Staffeln) im deutschen Fernsehen lief, kam nicht gerade über Nacht. Zu Beginn, als Michael Herbig noch die Frisur von Grünen-Politiker Anton Hofreiter trug und sein Publikum mit Monsterkoteletten begeisterte bzw. verschreckte, war die schräge Sketch-Parade trotz des Senders Pro Sieben noch ein echter Insidertipp, der sich erst langsam eine treue Fangemeinde erspielte. Mit den ersten beiden Kinofilmen ging das Projekt der Masterminds Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian, die in der Show und auch in allen Kinofilmen immer wieder in multiplen Rollen auftreten, dann allerdings brutal durch die Decke („Der Schuh des Manitu“ ist bis heute der erfolgreichste deutsche Film seit Beginn der Zuschauerzählung). Nachdem „Lissi und der wilde Kaiser“ - überraschend als Animationsfilm umgesetzt – im Vergleich hinter den Erwartungen zurückblieb, wandten sich die drei Komiker erst einmal anderen Aufgaben zu.

Nach den drei Solofilmen ist „Bullyparade - Der Film“ das erste Werk, das das ganze BCU (Bullyparade Cinematic Universe) zusammenbringt. Die größte Herausforderung, nämlich die vielen Figuren einigermaßen sinnvoll in einer halbwegs fortlaufenden Handlung zu vereinen, hat das Team Herbig ganz gut gelöst. Die fünf Episoden sind zwar nicht ineinander verwoben, aber die Übergänge holpern auch nicht. Geschickt bindet Herbig einige weniger bedeutende Charaktere der „Bullyparade“ wie die Journalisten Pavel und Bronko oder das Kastagnetten-Trio in die Haupthandlungsstränge ein. Herbigs Bildsprache mit Drehs in Bayern und Spanien ist wie bisher weiterhin kinotauglich und die Dichte der Gags über die gesamte Spielzeit von 100 Minuten unglaublich hoch. Das Autorenquartett Herbig, Tramitz, Kavanian und Alfons Biedermann feuert aus allen Rohren nach dem Motto: „Viel hilft viel!“ Einige Pointen landen als Volltreffer im Ziel, einige verenden im Nichts und die meisten nimmt man zumindest amüsiert-schmunzelnd zur Kenntnis.

„Bullyparade - Der Film“ ist eine Mischung aus Neuem, Aufgewärmtem und ein bisschen New-Media-Zeitgeist. Die meiste Kreativität floss gleich in die erste gut gelungene Episode „Zurück in die Zone“, wo Herbig die Kasirske-Brüder, David Hasselhoff und die Wiedervereinigung in einer liebevollen „Zurück in die Zukunft“-Parodie zusammenbringt. Nicht ganz so überzeugend sind die beiden zentralen Geschichten, ein mittelprächtiger „Der Schuh des Manitu“-Aufguss (inzwischen dürfen rechtlich die Karl-May-Originalnamen verwendet werden) und eine fade „Sissi“-Episode, weil die Variationen hier kaum auffallen. Man könnte sich ebenso gut in einer alten TV-Folge wähnen. Hier wirkt „Bullyparade“ wie ein Film aus einer anderen Zeit, die weit weg scheint. „Lutz Of Wall Street“ haucht dem Unterfangen mit einer „The Wolf Of Wall Street“-Verballhornung zwar wieder ein wenig Leben ein, funktioniert aber nur teilweise, weil diese Typen Lutz und Löffler eher für kurze Sketche konzipiert sind. Erst ganz am Ende bläst in der „(T)Raumschiff Surprise“-Fortführung auf dem „Planet der Frauen“ dank vieler wirklich schräger Ideen wieder frischer Wind.

In dieser Episode verbirgt sich auch der beste der zahllosen Cameos, wenn Peter Maffay (!) einen kleinen Gag ultratrocken ins Ziel hämmert. Bei den weiteren Gastauftritten etwa von Elyas M’Barek, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer  oder Jürgen Vogel  mangelt es zwar wahrlich nicht an Prominenz, aber bei den wenigsten erfüllen die Stars über ihre reine Präsenz hinaus eine Funktion. Sie sind einfach nur da, ohne tatsächlich wie im Fall von Maffay auch einen Gag zu präsentieren. Da hätte man deutlich mehr rausholen können.

Fazit: 
Stammfans der „Bullyparade“ werden sich mit dem vierten Kinofilm durchaus anfreunden können, für den Rest wird es schwer(er), sich in die dicht getaktete (Insider-)Gagparade einzufinden. Wir geben dem Film aufgrund der starken Anfangs- und Schlusssequenz lachhafte 6,5 von 10 Punkte. (mk)

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