Samstag, 16. Dezember 2017

Star Wars 8: Die letzten Jedi 3D



Facts:

Genre: SciFi, Action
Regie: Rian Johnson
Cast:
Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac,


Laufzeit: 172 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
Die planetenvernichtende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung ist zwar zerstört, die Neue Republik nach der vorherigen Zerstörung von fünf Welten aber massiv geschwächt. Sie steht am Abgrund und wird nur noch von Generalin Leias (Carrie Fisher) Widerstand verteidigt, für den auch Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) und der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) kämpfen. Rey (Daisy Ridley), mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht unterdessen bei Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre. Luke ist der letzte Jedi, der letzte Vertreter des Ordens, auf dem die Hoffnung ruht, dass Frieden in der Galaxis einkehrt. Doch die Erste Ordnung wirft ihren Schatten auch auf Luke und Rey: Der verlorene, ehemalige Schützling des alten Meisters, Kylo Ren (Adam Driver), hat die finstere Mission noch längst nicht beendet, die ihm der sinistere Strippenzieher Snoke (Andy Serkis) auftrug…  

Bewertung: 
Nicht weniger als den Untergang des Abendlandes schienen viele Fans zu befürchten, als die Rechte für das „Star Wars“-Franchise 2012 von Lucasfilm an Disney gingen. Dabei ist es kurioserweise gerade der Mäuse-Konzern, der penibel genau auf die Befindlichkeiten der gigantischen Anhängerschar schaut: So kamen die Strategen offenbar zu dem Schluss, dass es George Lucas‘ umstrittener Prequel-Trilogie (1999 bis 2005) bei allen Qualitäten zuallererst am magischen ursprünglichen „Star Wars“-Feeling mangelt. Denn davon servierte J.J. Abrams im ersten Film des Franchises unter Disney-Ägide nahezu eine Überdosis, an der sich insbesondere die älteren Fans berauschen konnten. So mancher stieß sich zwar daran, dass der grandiose Nostalgie-Trip „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ als „gefühltes Remake“ daherkam, doch Disney bediente damit eine zweifellos vorhandene starke Sehnsucht. Bei „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ übernimmt jetzt Indie-Regisseur Rian Johnson das Zepter, von dem sich zumindest die murrenden Nostalgie-Gegner erhofften, dass er der Sternen-Saga eine ordentliche Frischzellenkur verabreichen würde.

Sein überwältigend-bombastisches Weltraum-Abenteuer „Star Wars: Die letzten Jedi“ fällt nun allerdings weniger kühn und mutig aus als von vielen Fans erhofft. Johnson führt den Mythos zwar souverän weiter, liefert aber letztlich wenig überraschend „nur“ eine Evolution statt einer echten Revolution. Gerade erzählerisch ist „Star Wars: Die letzten Jedi“ ziemlich konventionell, einzig mit der hier eher unerwarteten Maßnahme, bei allem existenziellen Überlebenskampf immer wieder trockenen Humor einzustreuen, der deutlich über das bisher übliche Augenzwinkern hinausgeht, setzt der Regisseur einen klaren neuen Akzent – und der erweist sich tatsächlich als erstaunlich wirkungsvoll. Und dann ist da schließlich auch noch das große Comeback von Mark Hamill alias Luke Skywalker – und der bringt Altes und Neues auf ganz eigene Art zusammen.
Der Regiestuhl hat sich bei „Star Wars“-Projekten zuletzt wiederholt in einen Schleudersitz verwandelt – so wurden Phil Lord und Chris Miller bei „Han Solo: A Star Wars Story“, Colin Trevorrow bei „Star Wars 9“ und Josh Trank von einem noch nicht festgelegten „Star Wars“-Spin-off gefeuert. Die Maxime Disneys bei den bisherigen Neubesetzungen (mit Ron Howard für „Han Solo“ und J.J. Abrams für „Star Wars 9“) war „Sicherheit zuerst, nicht zu viele Experimente“. Der einzige Überlebende des kreativen Massakers ist Indie-Darling Rian Johnson. Der erwarb sich höchstpersönlich den Segen der Verantwortlichen um Produzentin Kathleen Kennedy und Schreiber-Gralshüter Lawrence Kasdan - was zu dem kühnen Auftrag für Johnson führte, nach „Star Wars 9“ eine weitere, inhaltlich erstmals abseits des Skywalker-Clans angesiedelte Trilogie zu erschaffen. Dieser Ritterschlag erfolgte nach der Fertigstellung von „Star Wars: Die letzten Jedi“, was zugleich heißt: Disney ist sehr glücklich mit dem achten Teil der Fantasy-Saga.

Zu Recht? Vielleicht haben sich die Entscheider des Konzerns nach all den schlechten Nachrichten um die Regiepossen etwas voreilig in eine gewisse Euphorie hineingesteigert. Ja, Rian Johnson bringt einen satten „Star Wars“-Film mit eigener Note an den Start, aber er hält sich deutlicher zurück, als sich einige erhofft haben mögen. Und von den Haupthandlungssträngen in der „Star Wars“-üblichen Drei-Fronten-Erzählstruktur begeistert nur ein einziger auf ganzer Linie - zum Glück der wichtigste und ausführlichste um Rey, Kylo Ren und Luke Skywalker. Hier birst „Die letzten Jedi“ geradezu vor Emotionen, Energie und Tatkraft. Es ist zu spüren, dass es für die Beteiligten wirklich um alles geht. Daisy Ridleys („Mord im Orient-Express“) entschlossene Rey entpuppt sich dabei als die wahre Hauptfigur von „Die letzten Jedi“. Sie arbeitet sich an einem nun ambivalenten und zweifelnden Luke Skywalker („Die Zeit der Jedi ist zu Ende“) ab, der seinerseits seinen eigenen ganz großen Auftritt bekommt und dem auch mehr Leinwandpräsenz eingeräumt wird als etwa Han Solo in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“: eine gute Entscheidung. Adam Driver („Paterson“, „Girls“) wiederum bringt als Kylo Ren überzeugend seine innere Zerrissenheit zum Ausdruck, ohne an die finstere Bösewicht-Aura eines Darth Vader zu dessen besten Zeiten heranzukommen. Am inszenatorischen Höhepunkt des Films sind Kylo und Rey ebenfalls beteiligt, als sie sich im roten Thronraum von Anführer Snoke einen artistischen Lichtschwertkampf liefern. Hier hat Kylo seinen allerbesten Moment: Er tanzt gleichsam auf der Grenze zwischen Gut und Böse und ist hin- und hergerissen wie nie zuvor – ehe er schließlich eine überraschende Entscheidung trifft.

Die Szene im Thronsaal bietet neben tollen Schauwerten auch inhaltlich Unerwartetes. Von den vielen Raumschlachten und Weltraumverfolgungsjagden beim Evakuierungsplot um Generalin Leia lässt sich das dagegen kaum behaupten. Dort feuert Johnson einfach seine Spektakel-Munition ab - explodierende Sternenkreuzer, rasante Luftnahkämpfe zwischen Sternenjägern der Rebellion und ihren Gegnern der Ersten Ordnung sowie krachende Bodenattacken auf einem Salzsee. Johnson bedient sich am „Star Wars“-Erbe und fügt einige neue Schlachtenvariationen hinzu, wobei er die technischen Möglichkeiten des gegenwärtigen Blockbusterkinos voll ausschöpft. Doch die Aufregung bleibt hier zuweilen etwas äußerlich, denn die Kämpfe laufen mitunter arg vorhersehbar ab. Die große Ausnahme bildet eine mitreißende finale Auseinandersetzung, auf die wir hier aus Spoilergründen nicht näher eingehen wollen. Dort springt der magische „Star Wars“-Funke jedenfalls gleich mehrfach über.

Der Schwachpunkt des Films ist der unbedeutendste der drei zentralen Handlungsstränge, nämlich der Plot um den Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega), der im Gespann mit der Technikerin Rose Tico (Kelly Marie Tran) auf einem Sternenkreuzer einen Transponder deaktivieren soll, um so die Flucht der Rebellen zu ermöglichen. Allerdings ist das Ganze unnötig kompliziert eingefädelt und darunter leidet zunehmend auch die Spannung. Ähnliche Defizite gibt es teilweise auch bei der zweiten Haupthandlung mit den flüchtenden Rebellen. So fehlt den Szenen der Ende 2016 verstorbenen Carrie Fisher als Leia Organa ein wenig der Drive, was die „Star Wars“-Ikone mit ihrem Charisma zumindest teilweise ausgleicht. In ihrem Dunstkreis erweist sich Oscar Isaacs Pilotenass Poe Dameron wieder einmal als größter Aktivposten, der vor Dynamik und Abenteurerlust nur so sprüht.

„Star Wars: Die letzten Jedi“ ist lustig. Punkt! Und das geht klar über verschmitzten Han-Solo-Humor hinaus. Bei aller Ernsthaftigkeit und Düsternis vor allem der Szenen auf Ahch-To streut Regisseur Johnson immer wieder aus der Hüfte geschossene Gags ein. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Pointen oft völlig aus dem Nichts kommen und durch den Überraschungsfaktor noch wirkungsvoller ins Schwarze treffen. So gibt es amüsante Antworten darauf, wie sich Luke Skywalker eigentlich auf seinem kargen Eiland ernährt (jedenfalls nicht von den süßen Porgs, die Chewbacca auf den Grill packt). Dazu kommen kleine Slapstick-Einlagen, etwa wenn Luke gleich in der ersten Szene sein altes Lichtschwert wegschmeißt oder wenn BB-8 später einen Kampfläufer steuert. Mit diesen humorigen Einlagen hat Johnson am meisten gewagt - und gewonnen.

Neben den sachten Neuerungen und Akzentverschieben gibt es aber natürlich auch wieder reichlich Liebgewonnenes, wobei der Nostalgiefaktor dieses Mal gegenüber „Das Erwachen der Macht“ zumindest ein wenig reduziert wurde. Was wäre „Star Wars“ ohne John Williams‘ majestätisch-geniale Musik? Ohne den Millennium Falken, C-3PO, R2-D2? Oder ohne den Eröffnungslauftext? Also gibt es diese Standards frei Haus. Erfreulich ist zudem das Comeback eines alten „Star Wars“-Kempen, der zwar nur einen kleinen Gastaufritt hat, aber dabei für eine Menge Spaß sorgt. Und zu guter Letzt gibt der Film auch noch die Antwort auf die Frage, wer denn nun wirklich der letzte oder die letzten Jedi sind (der Originaltitel „The Last Jedi“ lässt schließlich beide Interpretationen zu).

Fazit: 
40 Jahre „Star Wars“ und kein Ende in Sicht: Rian Johnson liefert mit dem Fantasy-Spektakel „Die letzten Jedi“ einen starken Mittelteil der dritten Trilogie ab, der vor allem von der Rückkehr Mark Hamills als legendärer Luke Skywalker lebt. Gemeinsam mit Daisy Ridleys energischer Rey übertüncht er einige schwächere Elemente in den anderen Handlungssträngen. Auch nach zweimaligen Anschauen sind wir begeistert von der Story, den Effekten und lustigen Anspielungen aber auch den neuen Elementen. Dafür vergeben wir 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 3. Dezember 2017

Coco - Lebendiger als das Leben!



Facts:

Genre: Animation, Fantasy, Abenteuer
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Cast/ Stimmen: Heino Ferch, Benjamin Bratt, Anthony Gonzalez
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:  Walt Disney Germany


 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
 Miguel (Stimme im Original: Anthony Gonzalez) ist zwölf Jahre alt und ein großer Fan von Musik – aber leider hasst seine Schusterfamilie alles, was mit Tönen und Instrumenten zu tun hat. Miguels Ururgroßvater verließ damals seine Frau und Tochter, um Musiker zu werden, seitdem fühlen sich die Riveras durch Musik verflucht. Doch Familie hin oder her – Miguel will seinem Idol, dem Sänger Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt), trotzdem nacheifern. Aus Versehen kommt er dabei ins Reich der Toten und betritt dadurch einen wunderschönen Ort, an dem er die Seelen seiner toten Verwandten trifft. Miguels Ururgroßmutter Imelda (Alanna Noel Ubach) ist darunter, und das nette Schwindler-Skelett Hector (Gael García Bernal). Zusammen suchen Skelett und Junge im Totenreich nach de la Cruz, wobei allerdings die Zeit drängt: Zu lange darf Miguel nicht in der Unterwelt bleiben…

Bewertung:
Der Dia de los muertos (der Tag der Toten) ist in Mexiko mehr als bloß irgendein Feiertag, die traditionellen Festivitäten zum Gedenken an die Verstorbenen sind von der UNESCO sogar auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Der jeweils vom 31. Oktober bis zu Allerseelen am 2. November andauernde feierliche Reigen steht exemplarisch für die besondere Verbundenheit der mexikanischen Bevölkerung mit ihren Familien und Vorfahren. Die Unverbrüchlichkeit verwandtschaftlicher Bindungen ist auch einer der höchsten Werte im Unterhaltungsimperium des Disney-Konzerns und da passt es durchaus, dass der der Tag der Toten und seine Folklore nun im Zentrum des 19. abendfüllenden Pixar-Abenteuers „Coco - Lebendiger als das Leben!“ stehen. 

Noch nie zuvor sind die Animationskünstler aus Kalifornien so tief in eine andere Kultur eingetaucht wie hier und das Ergebnis ist bemerkenswert: In jeder einzelnen Einstellung ist der Respekt vor den Traditionen der porträtierten Welt zu spüren, die Liebe zum Detail und der einmal mehr erstaunliche visuell Einfallsreichtum machen „Coco“ zu einem weiteren Meilenstein in der Animationskunst. Doch während Regisseur Lee Unkrich („Toy Story 3“) und sein Team technisch immer neues Terrain erobern, bleiben sie mit der allzu formelhaften Ein-Junge-geht-auf-eine-Reise-Geschichte erzählerisch deutlich hinter innovativen Vorgängern wie „Alles steht Kopf“ zurück.

Am Tag der Toten wird das Brückenschlagen durch Erinnerungen gefeiert, die gedeckten Erdtöne des Films werden vom Leuchten der Blüten gleichsam belebt. Von der Architektur bis zu den Skelett-Kostümen werden dazu mexikanische Traditionen auf die Leinwand gebracht – inklusive eines amüsanten Frida-Kahlo-Augenbrauen-Gags. Selbst der quirlige Hunde-Sidekick Dante ist nicht irgendein Vierbeiner, sondern gehört der einheimischen Rasse der Xoloitzcuintle (kurz Xolo) an. Die drolligen Eskapaden von Miguels treuem Gefährten sorgen für kleine Humoroasen in der über weite Strecken erstaunlich ernsten Geschichte, aber zur wirklich bemerkenswerten Figur wird der Racker erst als er im Reich der Toten mit den dortigen bunt leuchtenden, fliegendem Fabeltiere zusammentrifft, die dem vornehmlich in Erdtönen gehaltenen Design des Landes jenseits der Blumenbrücke nicht nur einen Farbtupfer geben, sondern auch einen kleinen surrealen Touch. Den wiederum unterstreicht Komponist Michael Giacchino (Oscar für Pixars „Oben“) subtil: Mit seiner marimba- und gitarrenlastigen Musik webt er dem Mexiko-Ausflug einen stilechten Klangteppich, während das Duo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez mit „Remember Me“ (deutsch: „Denk stets an mich“) einen eingängigen Mottosong beisteuert, der allerdings nicht die unwiderstehlichen Ohrwurmqualitäten ihres Superhits „Let It Go“ aus „Die Eiskönigin“ besitzt.

Fazit: 
Mit „Coco“ übertreffen sich die Macher von Pixar rein animationstechnisch wieder einmal selbst, erzählerisch dagegen bietet der Film trotz eines sehr emotionalen Finales weitgehend Durchschnitt.Dennoch vergeben wir 8 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 24. November 2017

Justice League OV 3D



Facts:

Genre: Action, Abenteuer, SciFi
Regie: Zack Snyder
Cast: Ben Affleck, Gal Gadot, Henry Cavill
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH

  
Inhalt:

Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman hat wieder Vertrauen in die Menschheit – auch dank Superman (Henry Cavill), der im Kampf gegen das Monster Doomsday wahre Selbstlosigkeit bewies und sich opferte. Als sich das mächtige außerweltliche Wesen Steppenwolf (Ciarán Hinds) mit einer Armee Paradämonen anschickt, die Erde zu überfallen, wendet sich Batman an Diana Prince (Gal Gadot), besser bekannt unter dem Namen Wonder Woman, die gegen Doomsday eindrucksvoll zeigte, was sie kann. Gemeinsam rekrutieren sie ein Team von Superhelden, bestehend aus den Metamenschen, auf die die beiden bereits aufmerksam geworden sind: Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) verbünden sich mit Batman und Wonder Woman, aber der Angriff auf die Erde scheint dennoch nicht mehr zu verhindern sein…
  
Bewertung:
  
 Als Zack Snyder „Man Of Steel“ in die Kinos brachte, dachte er nicht daran, den Grundstein für ein neues Kinouniversum zu legen. Erst als er eine Fortsetzung entwickelte, wurde der Wunsch nach dem Aufbau einer gemeinsamen Kinoerzählwelt für die verschiedenen DC-Superhelden an ihn herangetragen. Statt „Man Of Steel 2“ kam deshalb „Batman V Superman: Dawn Of Justice“, der allerdings so missraten ist, dass man das gesamte Universum eigentlich schon wieder beerdigen könnte – und angeblich sind sich die Verantwortlichen keineswegs alle sicher, ob man an diesem sogenannten DCEU festhalten soll. Zumal „Wonder Woman“ gerade eindrucksvoll bewiesen hat, dass eine allzu enge übergreifende Verzahnung für den Erfolg gar nicht nötig wäre. Im Gegenteil: Selbst die recht notdürftige Klammer, die Patty Jenkins‘ Solofilm mit dem großen DC-Ganzen verbindet, wirkt wie ein wenig überzeugendes Alibi-Anhängsel. Doch nun trägt der langfristige Aufbau eines erweiterten erzählerischen Kosmos auch bei DC erste Früchte, denn „Justice League“ – erneut inszeniert von Zack Snyder – funktioniert vor allem als Teil dieses Universums. Die Linie, die von „Man Of Steel“ über „Batman V Superman“ zu „Justice League“ führt, wird nun ganz deutlich und auch die schrittweise Veränderung des Erzähltons findet eine schlüssige Fortsetzung. Die eigentliche Story des Superheldenabenteuers ist zwar mau und wenig spannend, aber das Gipfeltreffen der Kultfiguren wird dank der erstklassigen Darsteller und der großartigen Chemie zwischen ihnen zu einem unterhaltsamen Kinovergnügen. 

Nach den mehr als durchwachsenen Reaktionen auf „Batman V Superman“ hieß es, dass „Justice League“ sich im Ton deutlich von dem düsteren Vorgänger unterscheiden solle, wobei die Beteiligten sich nicht ganz einig waren, ob das nun „von Anfang an so geplant“ war oder ob es sich vielmehr um eine nachträgliche „Kurskorrektur“ handelte. Die Unkenrufer bekamen neuen Stoff, als auch noch ausgerechnet „Avengers“-Regisseur Joss Whedon bei den Nachdrehs für den nach einer familiären Tragödie nicht mehr zur Verfügung stehenden Zack Snyder eingesprungen ist. Wie so oft erweist sich die ganze Aufregung angesichts des fertigen Films als weitgehend unnötig, denn der Superheldenblockbuster erweist sich als logische Fortschreibung einer in „Man Of Steel“ begonnenen und in „Batman V Superman“ fortgesetzten Reise. Der tatsächlich nun hellere Tonfall und diverse auflockernde Witze wirken zu keinem Zeitpunkt erzwungen, während Zack Snyders typischer pathetisch-bombastischer Stil mit seinen zelebrierten Zeitlupen und ikonisch überhöhten Einstellungen weiterhin unverkennbar ist. Nur selten fragt man sich daher, ob eine einzelne Szene vielleicht doch von Joss Whedon stammt – trotzdem sticht dies das eine oder andere Mal ins Auge.

Gleich die allererste Szene des Films ist ein solcher Whedon-Moment. Es handelt sich um eine Rückblende mit Superman, die offensichtlich von dem „Buffy“-Erfinder stammt, weil die Folgen von „Moustachegate“ unübersehbar sind: Schauspieler Henry Cavill trug bei Whedons Nachdrehs aufgrund seiner Rolle in „Mission: Impossible 6“ einen Schnurrbart, den er nicht abrasieren durfte, leider ist die nachträgliche Entfernung des Gesichtshaars per Computer nicht gelungen – ein störendes Detail in einer im Übrigen sehr starken Szene, die einen treffend auf den sehr optimistischen Ton der Handlung einstimmt. Allgemein überrascht es, dass die CGI-Effekte gleich mehrfach zu wünschen übriglassen – auch der komplett am Computer kreierte Bösewicht Steppenwolf bleibt unter anderem deswegen seelenlos, weil seiner Mimik die Ausdruckskraft fehlt. Es tut der Figur außerdem nicht gut, dass es trotz einer mit Überraschungen und Easter-Eggs vollgestopften Passage über Steppenwolfs ersten Angriff auf die Erde vor Tausenden von Jahren keinen Raum gibt, seine Motivation tiefer zu ergründen. Denn der erzählerische Fokus liegt allein auf den Helden.

Deren Einführung mag auf den ersten Blick – mit dem schnellen Wechsel von Figur zu Figur - etwas holprig wirken, die Einzelszenen sind aber größtenteils sehr stark. Vor allem Ezra Miller („Vielleicht lieber morgen“) als Barry Allen – aus den Comics auch bekannt als The Flash - kann hier frühe Glanzpunkte setzen. Zwei, drei kleine, punktgenau geschriebene und von Miller exzellent umgesetzte Szenen reichen, um die Figur und ihre Beweggründe zu verstehen. Auch Jason Momoa („Conan“) als Aquaman ist erstklassig. Dass er die bärbeißige Seite des Superhelden verkörpern kann, stand außer Zweifel, hier besticht er zusätzlich in sehr natürlich und beiläufig eingestreuten komischen Momenten. Dass Gal Gadot wiederum eine nahezu perfekte Wonder Woman ist, hat sie in ihrem schon erwähnten Solofilm bereits gezeigt, da verzeihen sicher auch die Comic-Puristen, dass sie bei ihrer actionreichen Einführung in „Justice League“ eher Flash-typische Kräfte einsetzt. Während Gadot ein weiteres Mal glänzt, eignet sich Ben Affleck nun endgültig die Batman-Rolle an und gewinnt der zweifelnden und überforderten, aber hoffnungsvollen Figur neue Seiten ab, die im Kino bisher nicht zu sehen waren. Sein Dunkler Ritter weckt Erinnerungen an die Comics von Geoff Johns, der 2012 mit „Origins“ eine neue „Justice League“-Ära einläutete: Dessen Running Gag darüber, dass Batman – bekanntlich ein Mensch ohne jede übernatürliche Begabung – eigentlich gar keine Berechtigung hat, einer Gruppe von Superhelden anzugehören, wird im Film übernommen – und er funktioniert auch auf der großen Leinwand bestens.

Die Chemie in der Heldengruppe stimmt, die gut ausgewählten Darsteller harmonieren wunderbar, sodass die Frotzeleien zwischen den einzelnen Helden nicht nur glaubhaft und echt wirken, sondern zu echten Highlights werden. Einzige kleine Schwachstelle in der Gruppe ist Cyborg. Zwar hat der vom Theater kommende Newcomer Ray Fisher in der Rolle neben seinen vier etablierten Co-Stars auch starke Momente, leidet aber darunter, dass in dem mit Handlung und Figuren vollgestopften Superheldenfilm kaum Platz für die große Tragik seines Victor Stone bleibt. Anders als bei seinen Mitstreitern sind seine Kräfte für ihn ein Fluch. Er lag im Sterben, als ihn sein Vater (Joe Morton) mit der Macht einer Mutterbox in das Maschinen-Wesen Cyborg verwandelt hat. Victor fürchtet, das Menschliche in sich zu verlieren und dass seine monströse Seite überhandnimmt. Die anderen Helden sind zudem nicht sicher, ob sie ihm vertrauen können. Dieser faszinierende Konflikt wird hier zwar direkt angesprochen, aber dabei nur umrissen und kaum ergründet. So lässt sich die Figur zwar inhaltlich verstehen, aber es fällt schwer, vollends mit ihr zu fühlen.

Dabei gibt es durchaus auch große Gefühle in „Justice League“. Während im ungleich kälteren „Batman V Superman“ selbst ein als emotionaler Höhepunkt vorgesehener Moment ins Lächerliche abgleiten konnte, kommt es in der Fortsetzung zu einem ganz wunderbaren, tief empfundenen Gänsehauthöhepunkt, der am besten wirkt, wenn man ihn selbst entdeckt (Stichwort: Kornfeld). Im richtigen Augenblick nimmt Zack Snyder das Tempo nicht nur hier komplett raus und es kommt zwischen allerlei Spektakel und inmitten einer im Grunde eher belanglosen Geschichte zu einigen starken Charaktermomenten. Auch die sehr deutliche Botschaft über die Bedeutung von Hoffnung und Zusammenhalt und die daran geknüpfte Aussicht auf eine bessere und wortwörtlich blühende Welt ist überzeugend in die Erzählung integriert worden, auch wenn sie vielleicht ein, zwei Mal zu oft betont wird.

Natürlich steht aber bei einem Comic-Blockbuster vor allem auch die Action im Vordergrund und nirgends zeigt sich der Kontrast von Licht und Schatten bei „Justice League“ deutlicher. Auf der Habenseite stehen zwei absolut herausragende Actionsequenzen: Wenn Barry Allen mit einem seiner Helden-Kollegen kämpft, werden seine Kräfte durch geschickt eingesetzte Slow-Motion und Kamerabewegungen exzellent illustriert, dazu verdeutlicht ein genialer Twist die große Power seines hier bewusst nicht benannten Widersachers. Ein weiteres Highlight ist Steppenwolfs Überfall auf die Amazoneninsel Themyscira, der zwar nicht besonders spektakulär beginnt, sich aber zu einer atemraubenden Hatz voller Einfallsreichtum entwickelt, in der Zack Snyders Vorliebe für Zeitlupen bestens ausgekostet wird. Es ist ein wahres Fest, wenn Hippolyta (Connie Nielsen) und ihre Kriegerinnen die von ihnen beschützte Mutterbox zu Pferd, zu Fuß und auf allen möglichen anderen Wegen dem Zugriff von Steppenwolf zu entziehen versuchen. Selten wurde ein MacGuffin wie dieses rein funktionale Artefakt so explizit und effektiv eingesetzt, um die Handlung wortwörtlich voranzutreiben.

Neben solchen Actionhighlights gibt es allerdings auch den bisher aus allen DC-Blockbustern bekannten ausufernden finalen Kampf, der nur bei „Man Of Steel“ richtig bombastisch wirkt und selbst bei „Wonder Woman“ die schwächste Passage des Films ist. Auch in „Justice League“ zieht sich die CGI-Schlacht viel zu lange hin und hat so eher ermüdende als begeisternde Wirkung. Durch die verschiedenen Helden und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten sowie ein paar kleine Nebenaktivitäten wird dieser Kampf zwar zumindest deutlich besser aufgelockert als noch bei „Batman V Superman“, aber dennoch verfestigt sich der Eindruck, dass nach der verfehlten Kritik am opferreichen, aber konsequenten Finale von „Man Of Steel“ bei DC eine Art Trauma herrscht, sodass man die großen Zerstörungsorgien nur noch an fast menschenleeren Orten austrägt.

Fazit: 
„Justice League“ ist der solide Abschluss einer Trilogie – der Film hat deutlich mehr Schwächen als der starke Auftakt „Man Of Steel“ und deutlich mehr Stärken als der schwache Mittelteil „Batman V Superman“. Dennoch blieben wir etwas enttäuscht im Kinosessel zurück und vergeben dafür 6 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 10. November 2017

Mord im Orient-Express



Facts:

Genre: Thriller, Krimi
Regie: Kenneth Branagh
Cast: Kenneth Branagh, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer

Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland

 
Inhalt:
Für die Rückreise von einem seiner Fälle nimmt Hercule Poirot (Kenneth Branagh) den legendären Orient-Express. An eine gemütliche Zugfahrt ist aber nicht lange zu denken, stattdessen hat der berühmte Meisterdetektiv bald wieder Arbeit: Ein Passagier wird ermordet und damit ist klar, dass einer der übrigen Reisenden der Täter sein muss. Die spanische Missionarin Pilar Estravados (Penélope Cruz), die Gouvernante Mary Debenham (Daisy Ridley), Professor Gerhard Hardman (Willem Dafoe), die Witwe Mrs. Hubbard (Michelle Pfeiffer) und der Doktor Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) sind alle verdächtig. Doch bald wird Poirot klar, dass er den Fall nicht lösen wird, wenn er mehr über die möglichen Täter erfährt. Er muss mehr über das Opfer herausfinden – und sich beeilen, damit der Killer nicht nochmal zuschlägt… 


Bewertung:

Nur mit Albert Finneys Schnurrbart war Krimilegende Agatha Christie nicht zufrieden, als sie Sidney Lumets 1974er Adaption ihres berühmtesten Buches „Mord im Orient-Express“ sah: Hercule Poirot müsse den prächtigsten moustache in ganz England haben und nicht so ein bescheidenes Bärtchen wie in dem sechsfach oscarnominierten Klassiker. Sonst hatte aber auch die Autorin nichts auszusetzen an Finneys Leinwandporträt ihrer neben Miss Marple bekanntesten Figur und wenn nun Kenneth Branagh in der Rolle des belgischen Meisterdetektivs stolz ein wahres Prachtstück von einem Schnurrbart in die Kamera reckt, dann ist das so etwas wie eine augenzwinkernde Rechtfertigung der Neuverfilmung des Romans, dessen clevere Auflösung die meisten Krimifans sowieso schon kennen. Aber Branagh, der „Mord im Orient-Express“ auch inszeniert hat, hat noch anderes zu bieten: Neben einem klassisch anmutenden Luxus-Look (der in einigen ausgewählten Kinos auch im 65-mm-Format zu bewundern ist) und einem erstaunlichen Staraufgebot von Johnny Depp bis Daisy Ridley besticht das Kriminaldrama vor allem durch seine pointierte Poirot-Interpretation. Der Shakespeare-Mime Branagh setzt den bekannten Kino-Darstellungen von Finney und Peter Ustinov („Tod auf dem Nil“) sowie dem gefeierten TV-Poirot David Suchet eine eigene Sicht auf den Detektiv entgegen, die für die ansonsten recht rudimentäre Figurenzeichnung und den nicht ganz überzeugend umgesetzten Kriminalfall zumindest zum Teil entschädigt.  


Regisseur Kenneth Branagh und Drehbuchautor Michael Green („Blade Runner 2049“) beginnen ihren Film mit einer neu erfundenen Episode in Jerusalem, die es ihnen erlaubt, die Hauptfigur und einige ihrer wesentlichen Charakterzüge in konzentrierter Form vorzustellen. Ihr Hercule Poirot ist ein kauziger Pedant, aber hinter seiner Suche nach zwei exakt gleich großen Vier-Minuten-Frühstückseiern lässt sich bald schon ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Halt und Ordnung erahnen, das weit über solche Äußerlichkeiten hinausgeht. Das flamboyante Genie ist Branagh wie auf den Leib geschneidert und wenn Poirot verkündet, er sei der „wahrscheinlich größte Detektiv der Welt“ dann ist das in seiner Darstellung eine simple Feststellung voller eitler Selbstgewissheit, wie er sie auch schon in „Mary Shelley's Frankenstein“ oder in „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ an den Tag gelegt hat. An anderer Stelle dagegen zeigt das bereits in fünf verschiedenen Kategorien für den Oscar nominierte Multitalent uns Poirot als tiefmoralischen Grübler und wenn der Belgier das Foto seiner verflossenen Liebe betrachtend über Gut und Böse sinniert, dann hat das durchaus etwas von „Hamlet“ oder „Henry V.“.

Wie der auf Schwarzweißdenkmustern beharrende Protagonist sich zunehmend in den Grauzonen der menschlichen Natur verirrt, das ist das Spannendste an „Mord im Orient-Express“. Der vertrackte Mordfall mit seinen widersprüchlichen Indizien und den undurchsichtigen Verdächtigen ist in dieser Version allerdings nicht allzu aufregend. Das gilt selbst dann, wenn man die Vorlage nicht kennt, an die sich die Macher nach dem Prolog recht eng halten. Allerdings werden die erzählerischen Fäden teilweise nur recht notdürftig verknüpft, auch wenn der reinen Logik weitgehend Genüge getan wird. Und Branaghs Film ist eben auch stärker als psychologisches Drama angelegt und nicht bloß als kriminalistisches Rätselraten und in diesem Drama bleiben die seelischen Nöte der verdächtigen Passagiere zu großen Teilen unbehandelt. Am ehesten dürfen noch Michelle Pfeiffer als anstrengende Witwe und Josh Gad als überforderter junger Sekretär in jene Untiefen vorstoßen, die aus bloßen Figuren echte Menschen werden lassen. Dazu kommen ein beeindruckender Auftritt von Willem Dafoe mit deutschem Akzent, eine überzeugend eigenwillige Darbietung von Johnny Depp  und eine gelungene Aktualisierung des Stoffes durch die Besetzung des Arbuthnot (aus dem Major wird ein Arzt) mit dem schwarzen Schauspieler und Sänger Leslie Odom Jr. aus dem Broadway-Hit „Hamilton“.

Was die übrigen Darsteller angeht, so rücken sie gegenüber dem Zug (die Gelegenheit zu einigen imposanten Fahrtaufnahmen lässt sich Branagh nicht nehmen), dessen luxuriöser Einrichtung und den tollen historischen Kostümen von Alexandra Byrne ins zweite Glied. Die Schauwerte sind wie schon in Branaghs vorigem Film „Cinderella“ beachtlich und erinnern trotz der digitalen Bilder an das große klassische Hollywood-Kino, dazu kommen einige clevere visuelle Ideen wie die von oben gefilmte Entdeckung des Mordopfers. Eine kleine ins Drehbuch geschmuggelte Actionszene fügt der Story indessen nichts hinzu, hat aber immerhin Komponist Patrick Doyle („Merida“) zu einem der bewegtesten Stücke seiner ebenso klassischen wie abwechslungsreichen Filmmusik inspiriert. Dass Branagh die finalen mit Flashbacks gespickten Enthüllungen vom Speisewagen in einen Tunnel verlegt und dabei da Vincis „Abendmahl“ nachstellt, ist wiederum eine durchaus faszinierende Idee, aus der aber letztlich nur wenig gemacht wird. So ist dieser neue „Mord im Orient-Express“ eine zwar ziemlich kurzweilige, aber auch durchwachsene Angelegenheit.

Fazit: 
Kenneth Branaghs Neuverfilmung von Agathe Christies berühmtem Krimi überzeugt in der Darstellung des Hercule Poirot, hat aber auch deutliche erzählerische Schwächen. Dafür vergebe ich nur 6 von 10 Punkte. (mk)