Sonntag, 3. Dezember 2017

Coco - Lebendiger als das Leben!



Facts:

Genre: Animation, Fantasy, Abenteuer
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Cast/ Stimmen: Heino Ferch, Benjamin Bratt, Anthony Gonzalez
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:  Walt Disney Germany


 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
 Miguel (Stimme im Original: Anthony Gonzalez) ist zwölf Jahre alt und ein großer Fan von Musik – aber leider hasst seine Schusterfamilie alles, was mit Tönen und Instrumenten zu tun hat. Miguels Ururgroßvater verließ damals seine Frau und Tochter, um Musiker zu werden, seitdem fühlen sich die Riveras durch Musik verflucht. Doch Familie hin oder her – Miguel will seinem Idol, dem Sänger Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt), trotzdem nacheifern. Aus Versehen kommt er dabei ins Reich der Toten und betritt dadurch einen wunderschönen Ort, an dem er die Seelen seiner toten Verwandten trifft. Miguels Ururgroßmutter Imelda (Alanna Noel Ubach) ist darunter, und das nette Schwindler-Skelett Hector (Gael García Bernal). Zusammen suchen Skelett und Junge im Totenreich nach de la Cruz, wobei allerdings die Zeit drängt: Zu lange darf Miguel nicht in der Unterwelt bleiben…

Bewertung:
Der Dia de los muertos (der Tag der Toten) ist in Mexiko mehr als bloß irgendein Feiertag, die traditionellen Festivitäten zum Gedenken an die Verstorbenen sind von der UNESCO sogar auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Der jeweils vom 31. Oktober bis zu Allerseelen am 2. November andauernde feierliche Reigen steht exemplarisch für die besondere Verbundenheit der mexikanischen Bevölkerung mit ihren Familien und Vorfahren. Die Unverbrüchlichkeit verwandtschaftlicher Bindungen ist auch einer der höchsten Werte im Unterhaltungsimperium des Disney-Konzerns und da passt es durchaus, dass der der Tag der Toten und seine Folklore nun im Zentrum des 19. abendfüllenden Pixar-Abenteuers „Coco - Lebendiger als das Leben!“ stehen. 

Noch nie zuvor sind die Animationskünstler aus Kalifornien so tief in eine andere Kultur eingetaucht wie hier und das Ergebnis ist bemerkenswert: In jeder einzelnen Einstellung ist der Respekt vor den Traditionen der porträtierten Welt zu spüren, die Liebe zum Detail und der einmal mehr erstaunliche visuell Einfallsreichtum machen „Coco“ zu einem weiteren Meilenstein in der Animationskunst. Doch während Regisseur Lee Unkrich („Toy Story 3“) und sein Team technisch immer neues Terrain erobern, bleiben sie mit der allzu formelhaften Ein-Junge-geht-auf-eine-Reise-Geschichte erzählerisch deutlich hinter innovativen Vorgängern wie „Alles steht Kopf“ zurück.

Am Tag der Toten wird das Brückenschlagen durch Erinnerungen gefeiert, die gedeckten Erdtöne des Films werden vom Leuchten der Blüten gleichsam belebt. Von der Architektur bis zu den Skelett-Kostümen werden dazu mexikanische Traditionen auf die Leinwand gebracht – inklusive eines amüsanten Frida-Kahlo-Augenbrauen-Gags. Selbst der quirlige Hunde-Sidekick Dante ist nicht irgendein Vierbeiner, sondern gehört der einheimischen Rasse der Xoloitzcuintle (kurz Xolo) an. Die drolligen Eskapaden von Miguels treuem Gefährten sorgen für kleine Humoroasen in der über weite Strecken erstaunlich ernsten Geschichte, aber zur wirklich bemerkenswerten Figur wird der Racker erst als er im Reich der Toten mit den dortigen bunt leuchtenden, fliegendem Fabeltiere zusammentrifft, die dem vornehmlich in Erdtönen gehaltenen Design des Landes jenseits der Blumenbrücke nicht nur einen Farbtupfer geben, sondern auch einen kleinen surrealen Touch. Den wiederum unterstreicht Komponist Michael Giacchino (Oscar für Pixars „Oben“) subtil: Mit seiner marimba- und gitarrenlastigen Musik webt er dem Mexiko-Ausflug einen stilechten Klangteppich, während das Duo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez mit „Remember Me“ (deutsch: „Denk stets an mich“) einen eingängigen Mottosong beisteuert, der allerdings nicht die unwiderstehlichen Ohrwurmqualitäten ihres Superhits „Let It Go“ aus „Die Eiskönigin“ besitzt.

Fazit: 
Mit „Coco“ übertreffen sich die Macher von Pixar rein animationstechnisch wieder einmal selbst, erzählerisch dagegen bietet der Film trotz eines sehr emotionalen Finales weitgehend Durchschnitt.Dennoch vergeben wir 8 von 10 Punkte. (mk)

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